Jacqueline Fehr

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Jacqueline Fehr (2007)

Jacqueline Margrith Fehr (* 1. Juni 1963 in Wallisellen, heimatberechtigt in Rüdlingen, Schaffhausen und Winterthur) ist eine Schweizer Politikerin. Seit 1998 ist sie Nationalrätin[1], seit 2008 Vizepräsidentin der SPS[2].

Biografie[Bearbeiten]

Jacqueline Fehr wuchs in einfachen Verhältnissen in Elgg und in Winterthur auf, wo sie heute wohnt.[3] Sie schloss an der Universität Zürich ihre Ausbildung zur Sekundarlehrerin Phil. I ab, und studierte von 1991 bis 1994 Psychologie, Betriebswirtschaftslehre und Politikwissenschaft[4]. Jacqueline Fehr hat zwei erwachsene Söhne mit Maurice Pedergnana[5] von dem sie geschieden ist[6].

Politische Karriere[Bearbeiten]

Für die SP war sie von 1990 bis 1992 im Grossen Gemeinderat Winterthur, von 1991 bis 1998 im Zürcher Kantonsrat.[7]. 1998 rückte sie in den Nationalrat nach, in den sie bei den Wahlen von 1999, 2003, 2007 und 2011 gut[8] wieder gewählt wurde. Seit 2003 ist sie in den Kommissionen für soziale Sicherheit und Gesundheit (SGK).[9]

Im Parlamentarier-Rating der SonntagsZeitung belegt sie seit 2007 einen Platz unter den ersten fünf und wurde 2009 zur einflussreichsten Person des Schweizerischen Parlaments gekürt[10]. Die Wahl wurde damit begründet, dass Fehr in den wichtigen Kommissionen für Verkehr und Soziales sitze und erfolgreich ihre Vorstösse durchbringe, weil sie ein exzellentes Netwerk habe und im Politikalltag immer wieder den überparteilichen pragmatischen Weg suche[11]. Dabei werden vor allem zwei Erfolge genannt[12]: Die Einführung von Ergänzungsleistungen für Familien sowie die Realisierung einer Mutterschaftsversicherung.

Die Mutterschaftsversicherung, die die Bundesverfassung seit 1945 vorsah[13], trat am 1. Juli 2005 in Kraft. Treiber waren Pierre Triponez, Präsident des Schweizerischen Gewerbeverbandes und Fehr[14], welche den geschmiedeten Kompromiss auch gegen starke Widerstände in der eigenen Partei[15] durchsetzte. Die Mutterschaftsversicherung leistet eine Lohnfortzahlung für Mütter von 80 Prozent in den ersten 14 Wochen nach Geburt und ist mit Lohnprozenten finanziert.[16] 2003 traten die Finanzhilfen für familienergänzende Betreuungsplätze in Kraft, die auf eine parlamentarische Initiative[17] Fehrs zurückgehen, mit der sie 2000 eine Anstossfinanzierung für neuer Kindertagesstätten und Tagesschulstrukturen forderte[18].

Jacqueline Fehr stritt immer wieder dafür[19], dass die Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen wie Verding- und Heimkinder sowie Zwangsadoptierte, -kastrierte und -sterilisierte moralische und finanzielle Wiedergutmachung erfahren. Im Parlament baute[20] sie die Gruppe Fürsorgerische Zwangsmassnahmen[21] mit auf und sie ist im Initiativkomitee der Wiedergutmachungsinitiative. Seit 2008 ist Fehr Vizepräsidentin der SP Schweiz. 2010 unterlag sie der mit ihr nominierten[22] Simonetta Sommaruga als Kandidatin bei der Wahl in den Bundesrat. 2012 unterlag sie überraschend Nationalrat Andy Tschümperlin bei der Wahl ums Präsidium der SP-Bundeshausfraktion.[23] Mit dem bisherigen Mario Fehr ist sie die zweite Kandidatin der SP für die Zürcher Regierungsratswahl vom 12. April 2015.[24]

Berufliches[Bearbeiten]

Von 1988 bis 1994 unterrichtete Fehr als Sekundar- und Fachlehrerin im Schulhaus Feldstrasse im Kreis 4 der Stadt Zürich und war nebenher freie Journalistin. Nach Geburt des ersten Sohnes arbeitete sie im Jobsharing als Departementssekräterin im Departement Schule und Sport in Winterthur. Nach dem sie in den Nationalrat nachrückte, war sie als selbständige Organisationsberarbeiterin, dann als Projektleiterin tätig. 2012 gründete sie die Einzelfirma Atelier Politique, die ihre Engagements und Aufträge, ihre Verwaltungsratssitze und Posten bündelt.[25]

Seit 2012[26] ist sie Verwaltungsrätin von Energie 360°[27], vormals Erdgas Zürich AG, seit 2013[28] Verwaltungsrätin der Schweizerischen Mobiliar Genossenschaft[29]. Jacqueline Fehr ist Stiftungsratspräsidentin[30] der Stiftung Kinderschutz Schweiz, Vizepräsidentin der Pro Familia Schweiz, sie ist Mitglied der Stiftung Technopark Zürich[31], der Stiftung Pestalozzianum[32] und vertritt die SP Schweiz im Vorstand von Solidar Suisse. Und sie gehört verschiedenen Beiräten an.

Momentan absolviert sie einen Exekutive Master of Public Administration an der Universität Bern.[33]

Werke[Bearbeiten]

  • Luxus Kind? Vorschläge für eine neue Familienpolitik. Orell Füssli, Zürich 2003, ISBN 3-280-05027-8
  • Schule mit Zukunft. Plädoyer für ein modernes Bildungssystem. Orell Füssli, Zürich 2009, ISBN 978-3-280-05320-1

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Heimseite der Bundesversammlung, abgerufen am 30. Januar 2015
  2. Heimseite der SPS, abgerufen am 7. Januar 2015
  3. «Mein Interesse, als Person im Zentrum zu stehen, ist klein!», Porträt von Tanja Polli, auf: www.jacqueline-fehr.ch, abgerufen 8.Februar 2015
  4. Fehr Jacqueline, Politikerin, Nationalrätin, *1963, in: winterthur-glossar, Januar 2015, abgerufen 8. Februar 2015
  5. «Ehe futsch!», Blick vom 25. Juli 2010, abgerufen 8.Februar 2015
  6. Fehr Jacqueline, Politikerin, Nationalrätin, *1963, in: winterthur-glossar, Januar 2015, abgerufen 8. Februar 2015
  7. Die offiziellen Bundesratskandidaten sind nominiert, SWI swissinfo.ch vom 7. September 2010, abgerufen am 9.Januar 2015
  8. Die offiziellen Bundesratskandidaten sind nominiert, SWI swissinfo.ch vom 7. September 2010, abgerufen am 9.Januar 2015
  9. parlament.ch, abgerufen 16. Juni 2012
  10. «Die Netzwerkerin», SonntagsZeitung vom 5. Juli 2009, zitiert nach http://www.netzwerk-future.ch, abgerufen am 9. Februar 2015
  11. «Die Netzwerkerin», SonntagsZeitung vom 5. Juli 2009, zitiert nach http://www.netzwerk-future.ch, abgerufen am 9. Februar 2015
  12. Jacqueline Fehr (sp.) – Treibende Kraft im Parlament, NZZ vom 6. September 2010, abgerufen am 9. Februar 2015
  13. Mutterschaftsversicherung und Elternurlaub, in: , Frauen Macht Geschichte. Frauenpolitik und Gleichstellung in der Schweiz 2001 – 2013/14, 2014, Hrg. von der Eidgenössischen Kommission für Frauenfragen, abgerufen am 9. Februar 2015
  14. Gefehrlich für die SP, Tages-Anzeiger vom 30. September 2014, abgerufen am 9. Februar 2015
  15. Mit bürgerlicher Hilfe zum Erfolg. Jacqueline Fehr schmiedet erfolgreiche Allianzen. Von Matthias Baer, Tages-Anzeiger vom 2. Juli 2005
  16. Leistungen und Finanzierung Mutterschaftsversicherung, Bundesamt für Sozialversicherungen, o.J., abgerufen am 4. Februar 2015
  17. Anstossfinanzierung für familienergänzende Betreuungsplätze, Heimseite der Bundesversammlung, o.J., abgerufen 12. Februar 2015
  18. Die Kantone und die Familienpolitik, NZZ vom 17. Oktober 2003, abgerufen 9.Februar 2015
  19. Aussenseiter mit grosser Lobby, Tages-Anzeiger vom 8. Februar 2014, abgerufen am 9. Februar 2015
  20. Gründungsaufruf, o.J., Quelle: Guido Fluri Stiftung, abgerufen am 9. Februar 2015
  21. Heimseite Parlamentarische Gruppe Fürsorgerische Zwangsmassnahmen, abgerufen 8.Februar 2015
  22. SP nominiert zwei Brückenbauerinnen, NZZ vom 3. September 2010, abgerufen 9.Februar 2015
  23. Knappe Entscheidung in der SP, in: www.nzz.ch vom 17. Februar 2012, abgerufen am 9. Februar 2015
  24. Wer geht bei der SP mit Mario Fehr ins Rennen?, in NZZ vom 28.9.2014, abgerufen am 9. Februar 2015
  25. Lebenslauf Heimseite von Jacqueline Fehr, abgerufen am 9. Februar 2015
  26. Verwaltungsrat, auf www.erdgaszuerich.ch, abgerufen am 7. September 2013
  27. Verwaltungsrat, auf www.ernergie360°.ch, abgerufen am 9. Februar 2015
  28. Mehr Frauen im Verwaltungsrat. Medienmitteilung, abgerufen am 18. Mai 2013
  29. Verwaltungsrat der Schweizerischen Mobiliar Genossenschaft - Stand 1. Januar 2015, Heimseite: Die Mobiliar, abgerufen am 9. Februar 2015
  30. Die Mitglieder, Stiftung Kinderschutz, Schweiz, abgerufen am 9. Februar 2015
  31. Mitglieder des Stiftungsrates, auf der Heimseite www.technopark.ch, abgerufen am 9. Februar 2015
  32. Stiftungsrat, auf der Heimseite des Pestalozzianum, abgerufen am 9. Februar 2015
  33. Chantal Galladé und Jacqueline Fehr, Podcast der Radio1-Sendung Doppelpunkt vom 21. September 2014, auf www.radio1.ch, abgerufen am 9. Februar 2015