Jagdschloss

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Jagdschloss Springe am Saupark
Ein frühes Beispiel: Das "casino di caccia" der Familie Este in Arquà Polesine aus dem 15. Jahrhundert
Hunting Lodge am Epping Forest von 1542

Ein Jagdschloss ist ein Schlossbau in einem Tiergarten oder einem Jagdgebiet (Wald, Feld oder See), das hauptsächlich zur Unterbringung von Herrscher und Hofstaat anlässlich der Jagd in der Region diente. Es sind aber auch kleinere Anlagen vorhanden, auch Jagdhaus genannt, die nur ein paar wenigen Personen vorübergehend Beherbergung bieten können, auch wenn sie in feudalem Rahmen erbaut wurden.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Meist wurde im Jagdschloss das die Jagd beschließende Bankett begangen, manchmal diente es auch für Feste und ähnliche Veranstaltungen.

Oft wird die Bezeichnung mit dem Lustschloss gleichgesetzt – zumal die Jagd unter den feudalen Aristokraten nicht in erster Linie Nahrungserwerb, sondern vor allem Freizeitvergnügen war –, doch unterscheiden sich Lustschloss und Jagdschloss sowohl in der Funktion als auch in der Architektur. Lustschlösser sind in ihrem Ausstattungsprogramm frei, sie können durchaus aber auch der Jagd dienen (wie die Amalienburg im Schlosspark Nymphenburg, Falkenlust im Schlosspark Brühl oder Clemenswerth), sie müssen es aber nicht, während Jagdschlösser immer Bezug zur Jagd haben: Dies kann durch Geweihe und andere Trophäen geschehen, durch Jagdgemälde, aber auch durch das bewusste Zeigen von Holz oder natürlichen Materialien; Jagdschlösser können im Übrigen durchaus kostbar ausgestattet sein.

Man muss auch zwischen kleinen, intimen Jagdschlössern zum privaten Gebrauch und den großen höfischen unterscheiden, die der Abhaltung mehrtägiger Hofjagden samt der Aufnahme eines großen Gefolges aus Gästen und Personal dienten, etwa die kursächsischen Jagdschlösser Augustusburg, Moritzburg und Hubertusburg. Im Gegensatz zu Lustschlössern waren auch Fachwerkbauten oder Blockhütten bei intimen Jagdschlössern keine Seltenheit, erhalten haben sich aber eher Bauten aus Stein, die heute das Verständnis vom Jagdschloss bestimmen. Ein erhaltener, früher Fachwerkbau ist die Hunting Lodge Heinrichs VIII. am Epping Forest von 1542.

So gut wie immer gehören zum Jagdschloss auch Stallungen und Nutzbauten zur Unterbringen von Jagdzeug, Kutschen und Gefolge. Während größere Jagdschlösser autarke Ensembles bilden können, sind kleinere Anlagen, die Jagdhäuser genannt werden, oft in Schlossparks und Gärten, zumindest aber in Reichweite der Residenz des jeweiligen Fürsten errichtet.

Liste bekannter Jagdschlösser[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Monique Chatenet (Hrsg.): Maisons des champs dans l'Europe de la Renaissance. Actes des premières Rencontres d'architecture européenne, Château de Maisons, 10-13 juin 2003. Picard, Paris 2006, ISBN 2-7084-0737-6, (De Architectura 11).
  • Claude d'Anthenaise (Hrsg.): Chasses princières dans l'Europe de la Renaissance. Actes du colloque de Chambord (1er et 2 octobre 2004). Fondation de la Maison de la Chasse et de la Nature. Actes Sud, Arles 2007, ISBN 978-2-7427-6643-7.
  • Heiko Laß: Jagd- und Lustschlösser. Kunst und Kultur zweier landesherrlicher Bauaufgaben; dargestellt an thüringischen Bauten des 17. und 18. Jahrhunderts. Imhof, Petersberg 2006, ISBN 3-86568-092-5.
  • Michael Petzet (Hrsg.): Jagdschlösser Balthasar Neumanns in den Schönbornlanden. Ausstellung im Martin von Wagner Museum der Universität Würzburg (= Arbeitshefte des bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege 68). München 1994.
  • Die Jägerey im 18. Jahrhundert. Colloquium der Arbeitsstelle 18. Jahrhundert, Bergische Universität, Gesamthochschule Wuppertal, Pommersfelden vom 29. Mai bis 1. Juni 1988. Heidelberg 1991.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hunting lodges (castles) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Jagdschloss – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen