Jahresüberschuss

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Der Jahresüberschuss ist

Ein negatives Ergebnis (Verlust) wird als Jahresfehlbetrag bezeichnet. Beide Erfolgsgrößen werden auch unter dem neutralen Begriff Jahresergebnis zusammengefasst.

Berechnung[Bearbeiten]

Jahresüberschuss bzw. Jahresfehlbetrag = Erträge - Aufwendungen

In die Berechnung des Jahresergebnisses fließen sämtliche Erträge und Aufwendungen der laufenden Periode ein. Es beinhaltet sowohl das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (Betriebs- und Finanzergebnis) als auch außerordentliche Erträge und Aufwendungen sowie Auswirkungen von Steuern auf Einkommen und Ertrag. Noch nicht berücksichtigt dagegen sind hier Gewinnvorträge oder Verlustvorträge aus Vorperioden, Einstellungen in offene Rücklagen oder Entnahmen aus ihnen, die zur Ergebnisverwendung gehören und daher erst im Zuge der Fortrechnung des Jahresergebnisses zum Bilanzgewinn oder Bilanzverlust einbezogen werden:

Jahresüberschuss bzw. Jahresfehlbetrag
+./. Gewinn- oder Verlustvortrag aus dem Vorjahr
+ Entnahmen aus der Kapitalrücklage
+ Entnahmen aus der Gewinnrücklage
./. Einstellungen in die Gewinnrücklage
= Bilanzgewinn/Bilanzverlust

Wird die Bilanz vor der Ergebnisverwendung aufgestellt, wird der Jahresüberschuss bzw. Jahresfehlbetrag in der Bilanz als Teil des Eigenkapitals ausgewiesen, und der Wert dieses Bilanzpostens entspricht in diesem Fall dem Saldo der Gewinn- und Verlustrechnung. Nach teilweiser Ergebnisverwendung dagegen entfällt dieser Ausweis, und in der Bilanz erscheint statt der beiden Posten „Jahresüberschuss / -fehlbetrag“ und „Gewinn- / Verlustvortrag“ der Posten „Bilanzgewinn / -verlust“. Bei vollständiger Ergebnisverwendung schließlich wird der entstandene Gewinn auf die Positionen Kapitalrücklagen, Gewinnrücklagen und Verbindlichkeiten gegenüber Gesellschaftern eingestellt.[1]

Verwendung[Bearbeiten]

Der Jahresüberschuss kann grundsätzlich für zwei verschiedene Zwecke verwendet werden: zur Thesaurierung (Einbehaltung des Gewinns) und zur Ausschüttung an Aktionäre oder Gesellschafter. Aktiengesellschaften müssen einen Teil des Jahresüberschusses zunächst in gesetzliche Rücklagen einstellen. Der verbliebene Überschuss wird entweder in freiwillige Rücklagen eingestellt, als Gewinnvortrag in die Folgeperiode übernommen, oder an die Anteilseigner ausgeschüttet. Bei Aktiengesellschaften dürfen Vorstand und Aufsichtsrat bis zu 50 % des Jahresüberschusses ohne Zustimmung der Hauptversammlung vorab in andere Gewinnrücklagen einstellen.

Der Jahresfehlbetrag kann nicht „verwendet“ werden. Jedoch ist es möglich, einen Jahresfehlbetrag durch den Gewinnvortrag des Vorjahres und durch Entnahme aus den Rücklagen abzudecken und sogar in einen Bilanzgewinn zu verwandeln, beispielsweise um trotz eines negativem Ergebnis eine Ausschüttung vornehmen zu können.

Auswertung[Bearbeiten]

Einer Kapitalgesellschaft stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, das Jahresergebnis zu beeinflussen. Da diese Größe auch außerordentliche Ergebniseffekte beinhaltet, kann man zum Beispiel das Jahresergebnis durch den Verkauf von Vermögensgegenständen und die Auflösung stiller Reserven steigern. Um diese Sondereffekte in der Bilanzanalyse auszuschließen, kann der bereinigte Jahresüberschuss ermittelt werden. Weitere betriebswirtschaftliche Kennzahlen, die auf dem Jahresergebnis aufbauen (EBIT, EBTA, EBITA und EBITDA), rechnen außerdem zu Analysezwecken die Effekte der Besteuerung, der Zinsen und der Abschreibungen heraus.

Literatur[Bearbeiten]

  • Coenenberg, A. G., A. Haller, W.Schultze (2009): Jahresabschluss und Jahresabschlussanalyse: Betriebswirtschaftliche, handelsrechtliche, steuerrechtliche und internationale Grundsätze - HGB, IFRS, US-GAAP, DRS. 21. Aufl., Stuttgart 2009, ISBN 978-3791027708.
  • Rudolf Heno: Jahresabschluss nach Handelsrecht, Steuerrecht und internationalen Standards (IFRS). 6. Aufl., 2009, ISBN 978-3790823769.
  • Günter Wöhe, Aufsatz: Der Jahresabschluss. In Einführung in die allgemeine Betriebswirtschaftslehre. 24. Aufl., München 2010. ISBN 978-3800637959.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eigenkapital. In Wirtschaftslexikon.co, zuletzt abgerufen 3. August 2014.