Neujahr

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Neujahr (auch Neujahrstag) ist der erste Tag des Kalenderjahres. Wegen der teils in einzelnen Kulturen und Religionen unterschiedlichen Zeitrechnungen und damit auch Kalender ist der Jahresbeginn zu unterschiedlichen Zeitpunkten. In nahezu allen Kulturen ist mit ihm ein Neujahrsfest mit dazugehörigen Bräuchen verbunden, oft ist er ein Feiertag. Die Wahl, auf welchen Tag der 1. Tag des Kalendersystems fällt, wird Kalenderstil genannt.

Grundlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Auf astronomischer Basis sind Neujahrsdaten für sonnengebundene Kalendersysteme (Solarkalender und Lunisolarkalender) auf längerfristig feste Zeitpunkte wie Winter-/Sommersonnenwende (Solstitien) respektive Durchgang durch den Winter-/Herbstpunkt (Tag-und-Nacht-Gleiche, Äquinoktien), also die Geometrie der Ekliptik zu beziehen, unüblicher etwa dem Periheldurchgang (maximale Sonnennähe), also Geometrie der Umlaufbahn der Erde. Reine Mondkalender (Lunarkalender) beziehen ihren System auf Ereignisse des [Sonne-]Erde-Mond-Systems (wie Neumond/Vollmond). Die beiden Modelle „wandern“ bezüglich eines Jahresanfangs also zueinander. Zusätzlich tritt wegen der Länge des Sonnenjahres von grob 365¼ Tagen die Interkalation (Schalttage und ähnliche Überbrückungseinheiten) hinzu, die sich unterschiedlich lösen lässt. Die Wahl des Neujahrstermins an sich ist aber rein willkürlich, und kulturell bedingt, und wird daher Kalenderstil genannt.

Der heute international übliche Gregorianische Kalender orientiert sich am Sonnentiefstand der Nordhalbkugel (21. Dezember, daher schwankt der Frühlingstermin), und ist dem Sonnenjahr in diesem Sinne um 10 Tage verschoben (das zugrundeliegende Tropische Jahr für die Jahreslänge wird aber definitorisch heute auf den Frühlingspunkt bezogen, der leichter messbar ist).

Genannte Daten sind im folgenden Text entweder das desjenigen Kalenderssystems, das behandelt wird, oder das des Gregorianischen Kalenders, dem andere Kalendersysteme- und -stile in Bezug gesetzt sind.

Neujahrstermin im westlichen Kulturraum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 153 v. Chr. verlegten die Römer nach ihrem Kalender den Beginn des Amtsjahrs vom 1. März auf den 1. Januar, auf den Tag des Amtsantrittes der Magistrate (Nähe zur Winter). Das Kalenderjahr behielt jedoch weiterhin den Märzstil mit dem 1. März als Jahresbeginn. Erst durch Caesars Kalenderreform (Julianischer Kalender) wurden die ursprünglich angehängten Monate Januar und Februar an den Jahresanfang gesetzt, so dass Kalenderjahr und Amtsjahr am 1. Januar begannen.[1] Damit verloren auch die Zählmonate (September, so viel wie ‚siebter‘; Oktober, ‚der achte‘; November, ‚der neunte‘; Dezember, ‚der zehnte‘) die ihren Namen entsprechenden Positionen. Statt einer Jahreszählung benannten die Römer die Jahre nach den Amtszeiten der Konsuln.

Bis zur Festsetzung des Neujahrstages im Jahr 1691 durch Papst Innozenz XII. auf den 1. Januar galt in weiten Teilen Europas der 6. Januar (Hochneujahr) als Jahresbeginn.

Im westlichen Kulturraum ist der 1. Januar als Termin für den Jahresanfang seit dem Mittelalter weit verbreitet. Unabhängig davon gab und gibt es in unterschiedlichen Regionen und Zeiten andere Daten, und darüber hinaus wurden in denselben geographischen Gebieten mitunter verschiedene Neujahrstermine gleichzeitig verwendet.

Erwähnenswert sind folgende vor allem im kirchlichen Bereich (siehe Kirchenjahr) verwendete Varianten:

Neujahrstermine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Feste Termine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1. Januar (Circumcisionsstil)
    • Römisches Reich ab 153 v. Chr.
    • Rom und mittelalterlicher Kirchenstaat
    • Deutschland: Stadt Frankfurt am Main, Kurmainz ab dem 13. Jahrhundert, Meißen und Thüringen, Fürstbistum Münster ab dem 14. Jahrhundert, Augsburg ab dem 15. Jahrhundert, allgemein in Deutschland im Verlauf des 16. Jahrhunderts
    • Frankreich: ab 1564 (→ Edikt von Roussillon)
    • Japan: ab 1873 (→ japanisches Neujahrsfest)
  • 14. Januar (vgl. Alter Silvester)
    • ziviles orthodoxes Neujahr, entspricht dem 1. Januar nach dem julianischen Kalender; vgl. unten 14. September
  • 21. März (Frühlingsanfang)
    • Im Bahá’í-Kalender beginnt das Jahr am 21. März in Gemeinjahren und 20. März in Schaltjahren, der Naw Ruz oder Nouruz genannt wird. Dieser Feiertag wird im Iran, in Tadschikistan, Usbekistan, Kirgisistan, Turkmenistan, Aserbaidschan, Afghanistan, in der parsischen Gemeinde, in Indien, Kosovo, in Pakistan und von den Kurden gefeiert und geht angeblich auf Zarathustra zurück.
    • Der erste Tag des Jahres im iranischen Kalender wird bestimmt durch den astronomischen Frühlingsbeginn, die Frühlingstagundnachtgleiche (siehe Nouruz). Diese liegt im Gregorianischen Kalender zwischen dem 19. März und dem 21. März. Wenn der Zeitpunkt der Frühlingstagundnachtgleiche vor 12:00 Uhr Ortszeit Teheran ist, wird dieser Tag der erste Tag des neuen Jahres, ansonsten der nächste Tag.
  • 1. April
    • Neujahr der Assyrer.
    • Akitu
  • Ersten Mittwoch nach dem 14. April:
  • 13. bis 15. April
  • 14. September
    • kirchliches orthodoxes Neujahr, entspricht dem 1. September nach julianischem Kalender; vgl. oben 14. Januar
  • 25. Dezember (Weihnachten)
    • verbreitet in England, Deutschland und der Schweiz bis ins 16. Jahrhundert
    • Spanien 14. bis 16. Jahrhundert

Bewegliche Termine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beweglich ist der Termin relativ sowohl zum gregorianischen Kalender als auch zum Sonnenjahr:

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hermann Grotefend: Zeitrechnung des deutschen Mittelalters und der Neuzeit. 3 Bände. Hahn, Hannover 1891–1898 (3. Neudruck: Scientia-Verlag, Aalen 1997, ISBN 3-511-04560-6), Anmerkung: Obwohl im Titel von deutscher Zeitrechnung die Rede ist, gibt das Buch einen umfassenden Überblick über sehr viele Zeitrechnungen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Neujahrsfeier – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
WiktionaryWiktionary: Neujahr – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wikisource: Jahreswechsel – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Tacitus, Annalen, XIII, 10; Censorinus, De die natali 21,7. Siehe Der Kleine Pauly. München 1979, Band 2, Spalte 1311.
  2. Vgl. Eszter Spät: The Yezidis. Saqi Books, London, 2005. S. 64–66.