Jahrhundertsommer

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Der Begriff Jahrhundertsommer bezeichnet umgangssprachlich einen außerordentlichen und rekordbrechenden Sommer, das heißt einen Sommer mit einer ausgeprägten Hitzeanomalie oder hitzebedingter Dürre (Niederschlagsanomalie).

Außerordentlich lange und heiße Sommermonate, die über der normalen Höchsttemperatur, Sonneneinstrahlungsdauer und Zahl der Sommertage (Höchsttemperatur über 25 °C) bzw. Tropentage (über 30 °C, Nachttemperatur nicht unter 20 °C) liegen, sind Ausdruck eines solchen Extremereignisses. Die meisten Jahrhundertsommer weichen dabei statistisch um einige Grad Celsius von den Höchsttemperaturen normaler Sommer ab:

1° Abweichung in den 3 Monaten des Sommers (knapp 100 Tage) entsprechen 10° Abweichung in 10 Tagen, also einer einzigen Hitzewelle. 3° Abweichung entsprechen einem vollen Monat 10° zu warm.

Seit etwa 500 Jahren können Temperaturen nachvollzogen werden. Wichtigste Anhaltspunkte dabei sind – neben historischer Wetteraufschreibung, direkt oder indirekt etwa über landwirtschaftliche Erträge – u. a. die Analyse von Eisbohrkernen, Jahresringen von Bäumen (Dendrochronologie) oder Tiefseesedimenten und Korallen.

Berühmte Jahrhundertsommer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1540: Im Jahre 1540 fand nach Überlieferung eine außergewöhnliche Hitze in Europa statt, die von März bis September dauerte, insbesondere aber eine extreme Trockenheit und eine große Wassernot verursachte. In Basel habe man teilweise zu Fuß den Rhein durchqueren können. Dies wurde auch über die Elbe berichtet, die nur 10 % des normalen Abflusses aufwies. In Schaffhausen wurde berichtet, Kinder seien zur Weihnachtszeit im Rhein geschwommen. Die Insel Lindau war mit dem Festland verbunden. Zahlreiche Brände hätten ganz Europa verschleiert.[1][2]
  • 1807: Das Jahr 1807 hatte für Deutschland den – etwa zusammen mit 2003 – heißesten August seit Beginn der Aufzeichnung 1761.[3]
  • 1834: Der heißeste Sommer des 19. Jahrhunderts war in Europa der des Jahres 1834.[4]
  • 1904: Der extrem trockene und heiße Sommer 1904 brachte besonders im Juli tropische Hitze in ganz Mitteleuropa. In Berlin wurden am 16. Juli 35,5 °C gemessen. Die Flussschifffahrt kam in vielen Gegenden zum Erliegen.[5]
  • 1911: 1911 fiel von Mai bis November in weiten Bereichen Europas kaum Regen.[6] Auch der Osten der USA verzeichnete im Juli eine Hitzewelle, mit 40 °C in New York und tausenden Todesopfern.[5]
  • 1923/24: Der Südsommer Australiens brachte 160 Tage mit Höchsttemperaturen von und über 100 °F (37,8 °C).[7]
  • 1926: Im Juli 1926 suchte eine lange Hitzewelle den amerikanischen Osten heim. Die Todesopfer gingen in die Hunderte.[5]
  • 1930: Hitzewelle im Mittleren Westen Amerikas (Missouri bis 48 °C) im Juli 1930, mit 200 Opfern.[5] Von 1932 bis 1936 folgten weitere extrem heiße Sommer.[5]
  • 1934: Eine zeitgenössisch als „beispiellos“ bezeichnete Hitzewelle 1934 an der Ostküste der USA; in Kansas City an 27 Tagen hintereinander über 40 °C. Berichtet wurde von ausgetrockneten Flüssen, Heuschrecken- und Käferplagen. Die Presse berichtete im Juli von „Wetterkatastrophen in allen Teilen der Welt“: schwere Überschwemmungen in China und Polen, schwere Unwetter in Großbritannien und Oberitalien.[5]
  • 1945: Der Sommer 1945 hielt mit knapp 100 Sommertagen in der Schweiz den Rekord dieses Kriteriums bis 2003.[8]
  • 1947: Der Sommer 1947 wurde in Deutschland als Steppensommer 1947 bezeichnet.[6]
  • 1949: Im Juli 1949 herrschte in Mittel- und Südeuropa eine Hitzewelle mit über 40 °C am Mittelmeer, Wasserknappheit und Ernteausfällen.[5]
  • 1959: Im nördlichen Mitteleuropa ist 1959 ein „Jahrhundertsommer“ zu verzeichnen.[5]
  • 1976: 1976 wurde Europas große Dürre genannt, mit schweren Schäden in Land- und Viehwirtschaft und niedrigen Pegelständen.[5]
  • 1983: Das Jahr 1983 brachte für Mitteleuropa den heißesten Sommer des 20. Jahrhunderts.[4] Der Juli dieses Jahres war im Alpenraum bis 2006 der heißeste und bis heute der trockenste Juli seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.[8]
  • 1988: In den späten Achtzigerjahren wiederholte Dürren im Mittleren Westen der USA, man sprach 1988 von „Erinnerungen an die 30er-Jahre“.
  • 1992: Eine langanhaltende Hitze und Trockenheit von Mitte Mai bis Ende August brachte vor allem in Nord- und Ostdeutschland den heißesten Sommer der Neunzigerjahre.
  • 2003: Die Hitzewelle in Europa 2003 brach nicht nur alle möglichen Höchsttemperaturrekorde seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Europa, auch dauerte der Sommer länger als gewöhnliche Sommer. Die Temperaturen lagen 2 bis 3 Grad über den höchsten bisher gemessenen (1755, Beginn der Instrumentenmessung)[1] Temperaturen, während der Extremphase der ersten zwei Augustwochen gebietsweise sogar mehr als 6 °C über langfristigen Mittelwerten.
  • 2006: Eine sehr lange Hitzewelle von Mitte Juni bis Ende Juli brachte unter anderem den heißesten Monat (Juli) seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Deutschland und in der Schweiz.[9]
  • 2010: Die Hitzewelle über dem europäischen Teil Russlands und Osteuropas übertraf die Hitzewelle 2003 bezüglich Intensität und zeitlicher und räumlicher Ausdehnung. So wurden in Russland regelmäßig neue Höchsttemperaturen gemessen. Die Hitzewelle verbunden mit einer außergewöhnlichen Trockenheit führte zu verheerenden Wald- und Torfbränden in Russland.
  • 2015: Die Hitzewellen in Europa 2015 von Juni bis September brachten vor allem in Nordwestafrika, Süd-, Mittel- und Osteuropa den heißesten Sommer seit 2003.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • StartClim 2004. ZAMG, abgerufen am 7. Juli 2015 (Auswertung von Hitze- und Dürreperioden über verschiedene Dauerstufen in Österreich: Publikationen teils online).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Christian Pfister: Historische Aufzeichnungen als Indizien in der Diskussion des Klimawandels. In: Munich Re (Hrsg.): Wetterkatastrophen und Klimawandel. Der Stand der Wissenschaft. S. 29 f. (pdf, unibe.ch [abgerufen am 20. November 2008]).
  2. Spiegel Online: Hitze-Jahr 1540: Wetterdaten enthüllen Europas größte Naturkatastrophe Gelesen am 2. Juli 2014
  3. vergl. Maximum (1761 bis 2014) der Lufttemperatur in Deutschland
  4. a b Jahrhundert-Sommer. In: Lexikon. wetter.net, abgerufen am 20. November 2008.
  5. a b c d e f g h i Wolfram v. Juterczenka: Wetterkatastrophen des vorigen Jahrhunderts im Monat Juli. Abgerufen am 20. November 2008.
  6. a b H. Grebe: Die heißesten Sommer Mitteleuropas, vor allem 1911 und 1947. In: Wetter und Klima. Nr. 7/8, 1948., zit. n. Dieter Niketta: Einige Bemerkungen zum heißen Sommer 2003. Abgerufen am 20. November 2008 (doc; 26 kB).
  7. Hitze und Hitzewellen. Extreme Hitzewellen in der Vergangenheit. Denny Karran: Welt der Synoptik
  8. a b Ludwig Z’graggen: Die Maximaltemperaturen im Hitzesommer 2003 und Vergleich zu früheren Extremtemperaturen. In: MeteoSchweiz (Hrsg.): Arbeitsberichte. Nr. 212, 2006, Zusammenfassung, S. 71 ff. (pdf, MeteoSchweiz).
  9. Swissinfo: Heissester Juli seit mehr als 140 Jahren, abgerufen am 6. Oktober 2015