Jakob Friedrich Kammerer

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Jakob Friedrich Kammerer (* 24. Mai 1796 in Ehningen; † 4. Dezember 1857[1] in Ludwigsburg) war ein deutscher Ingenieur, Erfinder und Konstrukteur. Er gilt als Erfinder des Phosphorstreichholzes.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kammerer war der Sohn von Johann Stephan Kammerer, der 1787 nach Ehningen gezogen war und Anna Margarete Sattler geheiratet hatte. 1810 siedelte die Familie nach Ludwigsburg um, wo Friedrich Kammerer 1815, nach dem Tod seines Vaters, das elterliche Siebmachergeschäft übernahm. Daneben gründete er noch eine Hutmacherei, für die er besondere Maschinen entwickelte, weswegen er im Ruf des Erfinders der fabrikmäßigen Herstellung von Seidenhüten stand.[2] 1832 erfand er das Phosphorreibestreichholz, den Vorläufer unseres heutigen Sicherheitsstreichholzes.

Grab von Jakob Friedrich Kammerer auf dem Alten Friedhof Ludwigsburg

Kammerer war politisch aktiv und stark antimonarchisch eingestellt. Im Zuge seines politischen Engagements wurde er am 1. Juli 1833 auf dem Hohenasperg bei Ludwigsburg in Untersuchungshaft genommen und Ende Oktober des gleichen Jahres auf Kaution wieder freigelassen. Im Februar 1838 kam es zu erneuter Anklage und auch zu einer Verurteilung zu zwei Jahren Haft. Der Haft entzog sich Kammerer durch Flucht in die Schweiz, wo er sich in Riesbach bei Zürich niederließ. 1841 bezog er dort sein eigenes Fabrikgebäude, wo er seine Zündhölzer produzierte und in Europa vertrieb. Er kehrte 1847 nach Ludwigsburg zurück. In den folgenden Jahren erkrankte er an einer Nervenkrankheit und wurde 1854 in die Nervenheilanstalt in Schloss Winnental verbracht, wo die Diagnose "Verrücktheit" erstellt wurde.[3] Im Dezember 1855 erfolgte die Verlegung in die Dr. Kraus'sche Privatirrenanstalt in Ludwigsburg, wo er 1857 schließlich verstarb und am 8. Dezember auf dem Alten Friedhof der Stadt beigesetzt wurde.

Die älteste Tochter Sophie († 1858) des als hochmusikalisch beschriebenen Kammerer erhielt eine Gesangsausbildung und wurde Opernsängerin mit internationalen Auftritten. Seine zweite Tochter Emilie Kammerer war die Mutter des Dichters und Dramatikers Frank Wedekind (1864–1918); sie hat – auch im Hinblick auf ihren Vater – aufschlussreiche autobiografische Aufzeichnungen hinterlassen.[4]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1934: Enthüllung einer Gedenktafel am ehemaligen Wohnhaus Kammerers in der Heilbronner Straße, Ludwigsburg.
  • 1980: Benennung der Grund- und Hauptschule in Kammerers Geburtsort Ehningen mit Friedrich-Kammerer-Schule (heute: Friedrich-Kammerer-Gesamtschule).
  • 1983: Aufstellung einer Gedenktafel gegenüber der Friedrich-Kammerer-Schule in Ehningen.[5]
  • 1996: Aufstellung der von Kurtfritz Handel geschaffenen Jakob-Friedrich-Kammerer-Büste im Zentrum von Ehningen.[6]
  • Geplant: Dauerausstellung im Rathaus der Gemeinde Ehningen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Otto Schanzenbach: Jakob Friedrich Kammerer von Ludwigsburg und die Phosphorstreichhölzer. Ein Beitrag zur Geschichte des Ludwigsburger Gewerbes. Dem Gewerbe- und Handelsverein Ludwigsburg zu seinem fünfzigjährigen Jubiläum gewidmet. Ludwigsburg 1896.
  • Otto Krätz: Kammerer, Jakob Friedrich. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 11, Duncker & Humblot, Berlin 1977, ISBN 3-428-00192-3, S. 84 f. (Digitalisat).
  • Hans Hartig: Jakob Friedrich Kammerer aus Ludwigsburg. Erfinder der Zündhölzer. In: Ludwigsburger Geschichtsblätter 44 (1990), S. 81–116.
  • Karl Moersch: Jakob Friedrich Kammerer: Mitverschwörer und Erfinder. In: Hohenasperg oder ein früher Traum von Demokratie. Gefangenenschicksale aus dem 19. Jahrhundert. Hrsg. von Franz Quarthal und Karl Moersch. Leinfelden-Echterdingen 1998, S. 67-79. ISBN 3-87181-417-2.
  • Emilie Wedekind-Kammerer: Für meine Kinder – Jugenderinnerungen (= Wedekind-Lektüren – Schriften der Frank Wedekind-Gesellschaft. Bd. 3). Hrsg. von Friederike Becker. Würzburg 2003. ISBN 978-3-8260-2683-6.
  • Albert Sting: Geschichte der Stadt Ludwigsburg. Bd. 2: Von 1816 bis zum Kriegsende 1945. Ludwigsburg 2004, S. 458 f. ISBN 3-930872-08-0

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Angabe des Todestages in der Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 84 (s. Literatur) mit 23. Oktober ist falsch.
  2. Nachruf in Neuigkeiten. Brünn. Jahrgang 7. Nr. 348 vom 19. Dezember 1857, S. 3 (online bei ANNO – AustriaN Newspapers Online). – S. auch Correspondenzblatt des Würtembergischen Landwirthschaftlichen Vereins 17 (1830), S. 6 f. Nr. 3 (online bei Google Books).
  3. Staatsarchiv Ludwigsburg, Bestand F 235 II (Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenakten), Bü 1148 (Patientenakte Jakob Friedrich Kammerer).
  4. S. Literatur.
  5. Skulpturen. Denk–Male in Ehningen. Kunst im öffentlichen Raum. Ehningen 1991, S. 12 (mit Abbildung). (online).
  6. Skulpturen. Denk–Male in Ehningen. Kunst im öffentlichen Raum. Ehningen 1991, S. 19 (mit Abbildung). (online).