Jakob Köbel

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Jakob Köbel, Holzschnitt von 1532

Jakob Köbel (* um 1462[1] in Heidelberg; † 31. Januar 1533 in Oppenheim); auch Kobel, Kobelius, Kobelin, Kobilinus; war ab 1494 Protonotar (Stadtschreiber) von Oppenheim und neben dieser Funktion noch rechtskundiger Prozesshelfer, amtlicher Feldmesser, Eichmeister (Fächter) sowie Rathauswirt, Buchdrucker, Verleger, Holzschneider, bedeutender (mathematischer) Schriftsteller (Rechenmeister), Mitglied (Sodale) der humanistischen Vereinigung Rheinische Gesellschaft für Wissenschaft und Hospes der Sektion Oppenheim.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Astrolabii declaratio, 1552

Köbels Lebensumstände sind kaum überliefert; man schließt meist aus seinem umfangreichen und vielfältigen Werken auf seine Biografie. Wie viele Gelehrten in der Zeit des Humanismus zeichnete sich Köbel durch große Betriebsamkeit und eine vielseitige Bildung aus. Er betätigte sich in allen in der Einleitung genannten Fächern mit großem Erfolg. Er war schon zu Lebzeiten hoch angesehen, sein Zeitgenosse Sebastian Münster erwähnte ihn lobend in seiner Kosmographie. Die Werke Köbels waren beliebt und verbreitet und wurden oft verlegt und nachgedruckt.

Anfang und Studien in Heidelberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jakob Köbel studierte 1480/81 an der Universität seiner Vaterstadt Heidelberg die sieben freien Künste und schloss sie im Juli 1481 als Baccalaureus für das Trivium (Grammatik, Rhetorik, Dialektik) und das Quadrivium (Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musiklehre) ab. Er studierte des Weiteren Jura und erwarb den Grad eines Baccalaureus beider Rechte.

Verleger in Heidelberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon früh betätigte er sich als Verleger, und zwar bezüglich einiger Drucke des Heidelberger Publizisten Heinrich Knoblochtzer.

Studium in Krakau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur weiteren Ausbildung in seinen Lieblingsfächern zog er um 1490 an die Universität Krakau, die wegen ihres mathematischen Ruhmes alle anderen hohen Schulen in Deutschland überragte[2] Köbel traf dort auf den ebenfalls Mathematik studierenden Nicolaus Copernicus[3] und hielt diese Jugendbeziehung wohl auch in späteren Jahren aufrecht, wie der Kopernikus-Biograph Simon Starowolski 1627 berichtet.

Die neuere Forschung sieht das Studium in Krakau nicht mehr als belegt an.[4][5]

Stadtschreiber in Oppenheim[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1494 übernahm er als Stadtschreiber die höchste Verwaltungsfunktion in der Stadt Oppenheim und hatte dieses Amt bis zu seinem Tode inne. Im Frühjahr des gleichen Jahres heiratete er die Tochter des Oppenheimer[6] Ratsherrn Henrich zum Gelthus. Neben seiner Hauptfunktion war er auch als amtlicher Feldmesser und Eichmeister tätig und betrieb zeitweise die Ratsweinwirtschaft.

Buchdrucker und Verleger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seine schon in Heidelberg begonnene Verlegertätigkeit setzte Köbel in Oppenheim fort und errichtete in der Rentzergasse (heute Pfaugasse) eine eigene Druckerei. Erste Drucke erschienen 1499.

Als Humanist stand er der lutherischen Lehre anfangs offen gegenüber[7] und druckte u. a. auch dessen Schriften nach. Außerdem verlegte er 1528 zwei Ausgaben von Sebastian Münsters Instrument der Sonne.

Das Calendarium Romanum Magnum von Johannes Stöffler, mit dessen Vorschlag zur Kalenderreform, war 1518 in Oppenheim von Köbel gedruckt worden. Ein Exemplar aus dem Besitz von Nicolaus Copernicus gelangte als Beutekunst der Polnisch-Schwedischen Kriege des 17. Jahrhunderts in die Bibliothek der Universität Uppsala. Die DNA-Analyse von zwei Haaren, die in dem Buch gefunden worden waren, und eines Zahnes eines im Frauenburger Dom gefundenen Schädels ergab, dass beide mit hoher Wahrscheinlichkeit dem Astronomen zugeordnet werden können.[8][9]

Lebensabend[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus gesundheitlichen Gründen schloss er 1529 seine Druckerei und war nur noch schriftstellerisch tätig. Er starb am 31. Januar 1533. Sein Grab ist in der Katharinenkirche in Oppenheim.


Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch eine ähnliche Signatur wurden zeitweise seine Holzschnitte mit denen des Jacob Kallenberg verwechselt.

  • Eynn Newe geordent Reche büchlein vf den linien mit Rechepfenigen (Oppenheim, 1514, 1520; Augsburg 1514, 1516 durch Erhart Öglin; Franckfort 1544 Christian Egenolffen)
  • Eynn Newe geordet Vysirbuch (Oppenheim, 1515)
  • Decastichon in peregrinationẽ ad sanctum Philippũ confessorem (Oppenheim, 1516)
  • Mit der Kryde oder Schreibfedern - Rechepüchlein (Oppenheim, 1520)
  • Vom vrsprung der Teilug / Maß / vn Messung deß Ertrichs der Ecker (Oppenheim, 1522)
  • Rechnen vnd Visieren (Franckenfurt am Meyn, 1532 durch Christian Egenolffen)
  • Eyn künstlich sonn Vhr inn eynes yeden meschen Lincken handt (zu Meyntz, 1532 bey Peter Jordan)
  • Geometrey  (Erstausgabe, 1535, posthum.)  Online:  Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, im Nachdruck, Franckfort am Mayn, 1598.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Josef Benzing: Der Buchdruck zu Oppenheim. In: Dr. Hans Licht (Hrsg.): Oppenheim, Geschichte einer alten Reichsstadt (anlässlich der 750jährigen Wiederkehr der Stadterhebung). Oppenheim 1975, S. 159–167 (Stiftung Dr. Martin Held).
  • Richard Hergenhahn: Jakob Köbel zu Oppenheim. In: Oppenheimer Geschichtsverein (Hrsg.): Oppenheimer Heft. Nr. 11. Oppenheim 1995, ISBN 3-87854-115-5, S. 2–71 (Schriftltg. Dr. Martin Held).
  • Richard Hergenhahn: Jakob Köbel, seine Bedeutung als mathematischer Schriftsteller. In: Oppenheimer Geschichtsverein (Hrsg.): Oppenheimer Heft. Nr. 13. Oppenheim 1997, ISBN 3-87854-130-9, S. 2–73 (Schriftltg. Dr. Martin Held).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. So laut NDB; andere sprechen vorsichtshalber von * um 1460; jedenfalls ist das Geburtsjahr in ADB mit * um 1470 zweifelhaft, wie auch in der Korrektur in ADB Bd. 19 vermerkt, da Köbel schon im Juli 1481 zum Baccalaureus der sieben freien Künste ernannt wurde.
  2. Wie sein Zeitgenosse Hartmann Schedel in seiner Nürnberger Chronik 1491 berichtet. Laut Wikisource: die gross treffenlich hohschuol mit vil klaren hohberuembten vnd wolgelerten mannen besetzt. alda dann vil vnd mancherlay freyer kunst. lere vnnd schriftliche weißheit plueet.http://de.wikisource.org/wiki/Die_Schedelsche_Weltchronik_(deutsch):264
  3. Kopernikus war nach den Universitätsakten 1491 dort unter dem Rektorat des ordentlichen Professors und Lectors der Theologie Matthias Kobilinus in das Verzeichnis der Studierenden an der Jagellonischen Bursa (Universität Krakau) eingeschrieben, als Nicolaus Nicolai de Thuronia.
  4. Siehe NDB
  5. Hergenhahn verweist auf die immer wieder herangezogene Verbindung über den Namen Kobilinus. Dieser Namenszusatz einer größeren Anzahl von immatrikulierten Studenten bezeichnet deren Herkunft aus der Stadt Kobylin.
  6. Manche Quellen bezeichnen ihn als Mainzer Ratsherrn
  7. Er wird auch katholischer Reformator genannt, eine Bezeichnung, die für viele rheinische Humanisten gelten kann.
  8. Spiegel Online: Forscher wollen Kopernikus' Knochen identifiziert haben.
  9. http://www.sueddeutsche.de/wissen/395/357222/text/