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Jakob Sprenger (Politiker)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Jakob Sprenger, um 1942
Jakob Sprenger in Amsterdam
Jakob Sprenger, links hinter Adolf Hitler beim ersten Spatenstich zum Reichsautobahnbau der Strecke Frankfurt/Main-Darmstadt-Mannheim am 23. September 1933, Aufnahme vom Scherl-Bilderdienst im Bundesarchiv
Jakob Sprenger mit Gattin
1933 in Bad Salzhausen

Jakob Sprenger (* 24. Juli 1884 in Oberhausen bei Bergzabern; † 7. Mai 1945 in Kössen) war ein deutscher nationalsozialistischer Politiker und Gauleiter im Gau Hessen-Nassau.

Sprenger besuchte zunächst die Volksschule und dann das Progymnasium in Bergzabern. Nach dem Abschluss seiner Schulzeit diente er als Einjährigfreiwilliger beim Militär. Ab 1902 war Sprenger im Verwaltungsdienst der Reichspost beschäftigt.[1] Sprenger nahm als Soldat am Ersten Weltkrieg teil. Der Postinspektor Jakob Sprenger wurde 1922 Mitglied der NSDAP. Nach dem zwischenzeitlichen Verbot der NSDAP gehörte Sprenger in Frankfurt am Main der Deutschen Partei und dem Völkisch-Sozialen Block an und trat der NSDAP zum 14. August 1925 erneut bei (Mitgliedsnummer 17.009).[2][3]

Der militante Antisemit machte in der NSDAP schnell Karriere. Zunächst wurde er Anfang 1927 Gauleiter vom Parteigau Hessen-Nassau-Süd. Ab September 1930 war er Mitglied des Reichstages der Weimarer Republik und danach bis Kriegsende des nationalsozialistischen Reichstags. Von 1930 bis 1933 gehörte er dem Verwaltungsrat der Reichspost an.[4] Am 1. Januar 1933 wurde er zum Gauleiter des neuen Gaues Hessen-Nassau, der zusätzlich das Gebiet des Volksstaates Hessen (Hessen-Darmstadt) umfasste.

Am 5. Mai 1933 wurde er auch zum Reichsstatthalter des Volksstaates Hessen ernannt und übertrug die Regierungsgeschäfte dem bisherigen gewählten Staatspräsidenten Ferdinand Werner (NSDAP), den er aber am 20. September 1933 nach einem Streit über die Zusammenlegung der Handelskammern zum Rücktritt zwang. Vom Nachfolger Philipp Wilhelm Jung übernahm Sprenger aufgrund des Reichsstatthaltergesetzes vom 30. Januar 1935 zwei Jahre später die Führung der Landesregierung selbst. Neben Martin Mutschmann war er der einzige Reichsstatthalter, der mit dieser Doppelfunktion beauftragt wurde. Diese Doppelfunktion hielt Sprenger bis Kriegsende inne.

Im Jahr 1933 scheint Sprenger gegenüber Adolf Hitler eine Art Sprecherfunktion unter den Gauleitern und Reichsstatthaltern ausgeübt zu haben, sank allerdings zum Jahresende hin in der Gunst des „Führers“. Gründe dafür dürften die Unruhen rund um die Absetzung Werners und Versuche der Einflussnahme auf benachbarte Bundesstaaten und NSDAP-Gaue gewesen sein.

Am 1. September 1939 wurde der SA-Obergruppenführer (Beförderung am 9. November 1938)[5] Reichsverteidigungskommissar des Wehrkreises XII in Wiesbaden, wobei jedoch die Stadt Frankfurt dem Wehrkreis IX (Kassel), geleitet von Reichsverteidigungskommissar Fritz Sauckel, angehörte. Erst zum 1. Dezember 1942[6] wurde dieser konfliktträchtige Zustand beendet, indem die Gebiete der Wehrkreise auf die Gebiete der Parteigaue umgestellt wurden und Sprenger Reichsverteidigungskommissar für seinen gesamten Parteigau wurde. In der Funktion des Gauleiters hielt er im März 1941 eine Festrede zur Eröffnung des von Alfred Rosenberg initiierten pseudowissenschaftlichen antisemitischen Instituts zur Erforschung der Judenfrage in Frankfurt am Main.[4] 1944 folgte in Anlehnung an die Gebiete der Reichsverteidigungsbezirke und Gaue der NSDAP zusätzlich seine Ernennung zum Oberpräsidenten der neuen preußischen Provinz Nassau, womit die Kreise Hanau, Gelnhausen und Schlüchtern sowie die Stadt Hanau dem Regierungsbezirk Kassel entzogen wurden und der staatliche Machtbereich Sprengers weiter an die Grenzen des Parteigaus Hessen-Nassau angeglichen wurde.

In der Nacht vom 25. auf den 26. März 1945 flüchtete Sprenger vor der anrückenden US-Armee aus Frankfurt am Main nach Kössen in Tirol, wo er am 7. Mai 1945 mit seiner Ehefrau Suizid beging. Die Leichen wurden erst Mitte August 1945 gefunden:

„Vor einigen Tagen fand eine Streife in einem Walde nahe bei Kitzbühel zwei Leichen. Alles deutete darauf hin‚ daß der Tod durch Vergiftung eingetreten sei. Daß aber dritte Personen noch im Spiel waren, konnte man unschwer daraus erkennen‚ daß die Leichen zugedeckt waren. Anfangs hatte man keine Ahnung, wer die Toten sein könnten, aber an Hand von Lichtbildern der amerikanischen Polizei wurde festgestellt‚ daß es sich bei den Leichen um den früheren Gauleiter und Reichsstatthalter in Hessen, Jakob Sprenger, und seine Frau handelte.“

Salzburger Nachrichten vom 22. August 1945[7]

In der Sowjetischen Besatzungszone wurden das von ihm herausgegebene Der Deutsche Beamte. Spielball der Parteien oder Vertrauensmann des Volkes? (1932)[8] und das von ihm mit Eugen Schmahl verfasste Entwicklung der völkischen Bewegung. Die antisemitische Bauernbewegung in Hessen von der Böckelzeit bis zum Nationalsozialismus (1933)[9] auf die Liste der auszusondernden Literatur gesetzt.

  • Vorwort (mit dem Titel „Reichstatthalter“) zu Hermann Textor: Völkische Arbeitseignung und Wirtschaftsstruktur. Hrsg.: Forschungs-Institut für Arbeitsgestaltung, für Altern und Aufbrauch,[10] Frankfurt. Wilhelm Limpert Verlag, Berlin 1939, S. 5.
  • Jochen Lengemann: MdL Hessen. 1808–1996. Biographischer Index. Elwert, Marburg 1996, ISBN 3-7708-1071-6, S. 365 (= Politische und parlamentarische Geschichte des Landes Hessen, Band 14 = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen, Band 48, 7).
  • Joachim Lilla, Martin Döring, Andreas Schulz: Statisten in Uniform: Die Mitglieder des Reichstags 1933–1945. Ein biographisches Handbuch. Unter Einbeziehung der völkischen und nationalsozialistischen Reichstagsabgeordneten ab Mai 1924. Droste, Düsseldorf 2004, ISBN 3-7700-5254-4.
  • Nassauische Parlamentarier. Teil 2: Barbara Burkardt, Manfred Pult: Der Kommunallandtag des Regierungsbezirks Wiesbaden 1868–1933. Historische Kommission für Nassau, Wiesbaden 2003, ISBN 3-930221-11-X, Nr. 339 (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Nassau, Band 71 = Vorgeschichte und Geschichte des Parlamentarismus in Hessen, Band 17).
  • Dieter Rebentisch: Der Gau Hessen-Nassau und die nationalsozialistische Reichsreform. In: Nassauische Annalen, 89. 1978, S. 128–162.
  • Peter Sander: Verwaltung des Krankenmordes. Der Bezirksverband Nassau im Nationalsozialismus. Psychosozial, Gießen 2003, ISBN 978-3-89806-320-3 lwv-hessen.de (PDF; 1,1 MB).
  • Stephanie Zibell: Jakob Sprenger (1884–1945). NS-Gauleiter und Reichsstatthalter in Hessen. Hrsg. Hessische Historische Kommission Darmstadt und Historische Kommission für Hessen, Darmstadt 1999
Commons: Jakob Sprenger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Jakob Sprenger in der Datenbank der Reichstagsabgeordneten
  2. Bundesarchiv R 9361-III/569539
  3. Peter Sander: Verwaltung des Krankenmordes – Der Bezirksverband Nassau im Nationalsozialismus. Gießen 2003, S. 742.
  4. a b Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. 2. aktualisierte Auflage. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-596-16048-0, S. 593.
  5. Weitere Beförderungen in der SA. In: Oberdonau-Zeitung. Amtliche Tageszeitung der NSDAP. Gau Oberdonau / Oberdonau-Zeitung. Tages-Post. Amtliche Tageszeitung der NSDAP. Gau Oberdonau, 11. November 1938, S. 3 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/obz
  6. Inkrafttreten der „Verordnung über die Reichsverteidigungskommissare und die Vereinheitlichung der Wirtschaftsverwaltung“ laut ihrem Paragraf 22 am 1. Dezember 1942, siehe Reichsgesetzblatt; alex.onb.ac.at
  7. Selbstmord eines Gauleiters. In: Salzburger Nachrichten. Herausgegeben von den amerikanischen Streitkräften für die österreichische Bevölkerung / Salzburger Nachrichten. Unabhängige demokratische Tageszeitung, 22. August 1945, S. 2 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/san
  8. Deutsche Verwaltung für Volksbildung in der sowjetischen Besatzungszone, Liste der auszusondernden Literatur (Transkript Buchstabe B, Seiten 12–25, Nr. 217). In: polunbi.de. Abgerufen am 15. Oktober 2025.
  9. Deutsche Verwaltung für Volksbildung in der sowjetischen Besatzungszone, Liste der auszusondernden Literatur (Transkript Buchstabe E, Seiten 90–105, Nr. 2708). In: polunbi.de. Abgerufen am 15. Oktober 2025.
  10. sic! NS-Wort für Rentenalter