Jakobskrautbär

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Jakobskrautbär

Jakobskrautbär (Tyria jacobaeae)

Systematik
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
Familie: Eulenfalter (Erebidae)
Unterfamilie: Bärenspinner (Arctiinae)
Gattung: Tyria
Art: Jakobskrautbär
Wissenschaftlicher Name
Tyria jacobaeae
(Linnaeus, 1758)
Raupe auf Jakobs-Greiskraut (Jacobaea vulgaris)
Eigelege
Unterseite eines Falters

Der Jakobskrautbär (Tyria jacobaeae), auch Blutbär oder Karminbär genannt, ist ein Schmetterling (Nachtfalter) aus der Unterfamilie der Bärenspinner (Arctiinae).

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Falter erreichen eine Flügelspannweite von 32 bis 45 Millimetern. Man erkennt sie an den zwei roten Punkten und den langen roten Strichen am Flügelrand, eine auffällige Warntracht (Aposematismus). Die Grundfarbe der Vorderflügel ist schwarz, während die Hinterflügel leuchtend rot gefärbt sind.

Die Raupen werden ca. 30 Millimeter lang. Sie sind leuchtend aposematisch gelb und schwarz geringelt. Ihr Kopf ist schwarz und sie haben wenige, sehr lange, weiße Haare.

Ähnliche Arten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lebensraum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Man findet diese Art in trockenem bis leicht feuchtem Gelände mit steppenartigem Charakter, auf Wiesen, in Steinbrüchen, auf Waldwiesen, Trockenrasen und an Rändern von fließenden Gewässern in ganz Europa.

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Norden reicht das klassische Verbreitungsgebiet bis nach Mittelschweden und im Süden bis zu den Tälern der Alpen, aber nur bis zu einer Höhe von 1.600 Metern. Sie kommen häufiger im Süden als im Norden vor, sind aber insgesamt selten.[1]

Als Neozoon ist die Art global in weiteren Bereichen bekannt. Um 1930 wurde sie nach Australien verbracht und ist ebenfalls in Neuseeland, Kanada und in den USA anzutreffen.[2]

Lebensweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die nachtaktiven[3] Tiere bilden normalerweise eine Generation pro Jahr, es kommen aber auch unvollständige zweite Generationen vor. Die Raupen sind gesellig und sitzen oft in größeren Gruppen auf einer Pflanze. In manchen Jahren sind sie stellenweise häufig zu finden. Die Falter fliegen von Mai bis Juni.

Nahrung und Giftigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sowohl Falter als auch Raupen sind auffällig gefärbt und kontrastreich gezeichnet. Damit warnen sie optisch.[4] Aus der Ferne betrachtet, verschwimmen die Konturen ihrer Warnzeichnung und werden zu einer Tarnfärbung.[5] Die Raupen ernähren sich von Greiskräutern (Senecio spec. und Jacobaea spec.), hauptsächlich vom Jakobs-Greiskraut (Jacobaea vulgaris), dem sie auch ihren Namen verdanken. Greiskräuter enthalten Gift, v. a. bitter schmeckende Pyrrolizidinalkaloide.[6] Diese Alkaloide sind für Wirbeltiere lebertoxisch und dienen der Abwehr von Pflanzenfressern. Für den Jakobskrautbär sind Pyrrolizidinalkaloide nicht giftig.[7] Die Raupen nehmen die Gifte während des Fressens auf und lagern sie ein, wobei sie selbst für andere Tiere giftig werden, ohne selbst Schaden zu nehmen.[3] Die Pyrrolizidinalkaloide dienen auch zur Ortung der Wirtspflanze, denn sie werden vom Jakobskrautbär gewittert, um das Kraut für die Eiablage aufzufinden.[8] Teilweise fressen die Raupen auch Huflattich (Tussilago farfara) und Pestwurzen (Petasites spec.).

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Weibchen legen ihre Eier in kleinen Gruppen an die Unterseite von Blättern. Die Raupen findet man von Juli bis August. Zum Überwintern verpuppen sie sich am Boden oder in Bodennähe[9] in einem Kokon. Die Falter schlüpfen dann im nächsten Mai bis Juni.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Günter Ebert: Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 5: Nachtfalter III. Ulmer Verlag, Stuttgart 1997, ISBN 3-8001-3481-0.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Jakobskrautbär – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Günter Ebert: Die Schmetterlinge Baden-Württembergs.
  2. Tyria jacobaeae bei lepidoptera.butterflyhouse.com.au (eingesehen am 21. Juli 2019)
  3. a b Dellbrücker Heide Abgerufen am 11. Juni 2012.
  4. Barry P. Moore, W. Vance Brown, Miriam Rothschild: Methylalkylpyrazines in aposematic insects, their hostplants and mimics. In: Chemoecology, Band 1, Nr. 2, 1990, S. 43–51.
  5. James B. Barnett, Innes C. Cuthill, Nicholas E. Scott-Samuel: Distance-dependent aposematism and camouflage in the cinnabar moth caterpillar (Tyria jacobaeae, Erebidae). In: Royal Society Open Science, Band 5, Nr. 2, 2018, Artikel 171396 (PDF).
  6. W. H. Gera Hol, Mirka Marcel, Johannes Avan Veen, Ed van der Meijden: Root damage and aboveground herbivory change concentration and composition of pyrrolizidine alkaloids of Senecio jacobaea. In: Basic and Applied Ecology, Band 5, Nr. 3, 2004, S. 253–260, doi:10.1016/j.baae.2003.12.002.
  7. Mirka Macel, Peter G. Klinkhamer, Klaas Vrieling, Ed van der Meijden: Diversity of pyrrolizidine alkaloids in Senecio species does not affect the specialist herbivore Tyria jacobaeae. In: Oecologia, Band 133, Nr. 4, 2002, S. 541–550 (PDF).
  8. Mirka Macel, Klaas Vrieling:: Pyrrolizidine alkaloids as oviposition stimulants for the cinnabar moth, Tyria jacobaeae. In: Journal of Chemical Ecology, 29, Nr. 6, 2003, S. 1435–1446 (PDF).
  9. Werner Szramka: Verpuppung der Raupe des Jakobskrautbären. Abgerufen am 19. März 2020 (durch Fotos dokumentierte Einzelbeobachtung).