Jakowlew UT-1

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Jakowlew UT-1 (AIR-14, Ja-14)
Yakolev UT-1 (ID unknown) (8442881946).jpg
UT-1 im Technischen Museum Vadim Zadorozhniy
Typ: Fortgeschrittenen-Schulflugzeug
Entwurfsland:

Sowjetunion 1923Sowjetunion Sowjetunion

Hersteller: OKB Jakowlew
Erstflug: 1936
Produktionszeit:

1936–1942

Stückzahl: 1241[1]

Die Jakowlew UT-1 (russisch Яковлев УТ-1) war ein sowjetisches Schulflugzeug der 1930er und 1940er Jahre für die Fortgeschrittenenausbildung. Die Werksbezeichnung lautete in Anlehnung an den Politiker Alexei Iwanowitsch Rykow AIR-14 (АИР-14), die interne Bezeichnung des Konstruktionsbüros Jakowlew war Ja-14 (Я-14).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während der Operation Barbarossa erbeutete UT-1. Rechts dahinter eine I-16.

Im Sommer 1935 fand auf dem Moskauer Flugplatz Tuschino ein Vergleichsfliegen zwischen den zu dieser Zeit aktuellsten sowjetischen Sportflugzeugentwicklungen statt. Alexander Jakowlew nahm daran mit seiner neuesten Entwicklung UT-2, die erst kurz zuvor ihren Erstflug absolviert hatte, teil. Sie konnte den Wettbewerb klar für sich entscheiden und wurde darum als künftiger Standardtrainer der sowjetischen Luftstreitkräfte für die Serienfertigung ausgewählt. Als weitere Reaktion auf die gelungene Konstruktion wurde Jakowlew der Auftrag erteilt, aus dem Typ eine einsitzige Version abzuleiten, um angehenden Jagdfliegern den Umstieg auf die I-16 zu erleichtern, die sich erst seit kurzem im Bestand der Armee befand und fliegerisch recht anspruchsvolle Eigenschaften besaß. Um auch typische Manöver eines Jagdflugzeugs trainieren zu können, umfasste ein Punkt der Forderung auch die Eignung zum Kunstflug. Jakowlews Entwicklungsbüro begann umgehend mit der Überarbeitung und stellte den Prototyp des AIR-14 benannten Musters 1936 fertig. Er wurde von Jakowlews Cheftestpiloten Julian Piontkowski innerhalb kürzester Zeit einer auch den Piloten selbst sehr beanspruchenden intensiven Erprobung unterzogen. So führte Piontkowski mit der AIR-14 innerhalb weniger Tage über 1000 Starts und Landungen aus, davon 300 allein an einem Tag, um deren Eignung für den vorgesehenen Zweck zu ermitteln. Die Testphase wurde erfolgreich abgeschlossen und das hohe Tempo, mit der sie absolviert wurde, ermöglichte die schnelle Überführung in die Serienproduktion, die im Herbst 1936 aufgenommen wurde. Das Flugzeug wurde als UT-1 (UT steht für utschebno-trenirowotschny (учебно-тренировочный), Schulung und Training) gebaut und sowohl von den Luftstreitkräften als auch den Fliegerklubs der OSSOAWIACHIM eingesetzt, bei letzteren vorzugsweise als kunstflugtaugliche Sportmaschine.

Von der UT-1 wurden etwa zehn Ausführungen gebaut, die sich meist in der Motorisierung unterschieden. Sie waren unter anderem mit dem französischen Triebwerk MW-4 „Bengali 4“ von Renault oder dem GAS-11 ausgerüstet, der eigentlich für Autos entwickelt worden war und sich auch im Nachhinein als zu schwer erwies. Außerdem erschien eine kleine mit Schwimmern ausgestattete Serie, die als WT-1 oder auch als Ja-15 oder UT-1p bezeichnet wurde. Ein als AIR-18 betiteltes Einzelexemplar wurde 1935 für Geschwindigkeitstests mit einem MW-4-Triebwerk und einem Einziehfahrwerk ausgerüstet.

Die Leistungsfähigkeit der Entwicklung wurde durch die Teilnahme an einem Wettbewerbsflug für Sportflugzeuge auf der Route Moskau-Sewastopol-Moskau am 24. Juli 1937 unter Beweis gestellt. Eine UT-1 bewältigte die 2815-km-Strecke mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 218 km/h. Auch mehrere Weltrekorde konnten mit der UT-1 in ihrer Klasse erflogen werden konnten. So stellte Walentina Grisodubowa im Oktober gleichen Jahres mit 3267 m einen Höhenrekord auf und auch Wladimir Kokkinaki soll mit der Schwimmerversion WT-1 Rekordhöhe erreicht haben.

In der Anfangsphase der Operation Barbarossa wurden manche UT-1 ähnlich wie die Ausgangskonstruktion UT-2 in Ermangelung anderer Möglichkeiten auch als leichtes Schlachtflugzeug, ausgerüstet mit Maschinengewehren oder Unterflügelstationen für leichte Bomben oder Reaktivgeschosse, gegen die deutschen Truppen eingesetzt.

Konstruktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die UT-1 ist ein freitragender Tiefdecker in Gemischtbauweise. Der Rumpf besteht aus einem mit Stoff bespannten Stahlrohrgerüst. Die Tragflächen sind ebenfalls stoffbespannt, bestehen aber aus Holz und besitzen zwei Holme. Das Leitwerk ist in Normalbauweise ausgeführt, besteht aus einem Leichtmetallrahmen, ist abgestrebt und mit Stoff bespannt. Die Haupträder des starren Fahrwerks sind aerodynamisch verkleidet und zum Rumpf hin verstrebt. Im Winter können sie durch Schneekufen ersetzt werden. Am Heck befindet sich ein Schleifsporn. Statt des Landfahrwerks ist eine Ausrüstung mit einem Schwimmwerk, dass aus zwei parallelen Hauptschwimmern besteht, möglich. In diesem Fall entfällt der Hecksporn.

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kenngröße Daten (UT-1) Daten (AIR-18)
Spannweite 7,30 m 7,30 m
Länge 5,75 m 5,99 m
Höhe 1,99 m 2,10 m
Flügelfläche 8,30 m² 8,30 m²
Leermasse 430 kg 475 kg
Nutzlast 160 kg k. A.
Startmasse 590 kg 645 kg
Flächenbelastung 71,1 kg/m² k. A.
Leistungsbelastung 3,6 kg/PS k. A.
Triebwerk ein luftgekühlter 5-Zylinder-Sternmotor M-11E
mit starrer Zweiblatt-Holzluftschraube
ein luftgekühlter 4-Zylinder-Reihenmotor Bengasi 4
mit starrer Zweiblatt-Holzluftschraube
Leistung 118 kW (160 PS) 103 kW (140 PS)
Höchstgeschwindigkeit 255 km/h 310 km/h
Reisegeschwindigkeit maximal 190 km/h k. A.
Landegeschwindigkeit 85 km/h k. A.
Reichweite maximal 670 km 600 km
Dienstgipfelhöhe 7120 m 6500 m
Startrollstrecke 90 m k. A.
Besatzung 1 1

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wilfried Bergholz: Russlands große Flugzeugbauer. Jakowlew, Mikojan/Gurewitsch, Suchoj. Aviatic, Oberhaching 2002, ISBN 3-925505-73-3, S. 26.
  • Heinz A. F. Schmidt: Sowjetische Flugzeuge. Transpress, Berlin 1971, S. 168.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Jakowlew UT-1 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • УТ-1. Abgerufen am 11. Januar 2017 (russisch, Geschichte, Daten, Fotos und Farbrisse).
  • УТ-1Б. Abgerufen am 11. Januar 2017 (russisch, Geschichte, Daten und Fotos der Schlachtversion UT-1B).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ulrich Unger: Zum 75. Geburtstag von A. S. Jakowlew – seine Sport- und Schulflugzeuge. In: Fliegerrevue. Nr. 2/1981 (336), S.  71.