Jamel (Gägelow)

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Jamel
Gemeinde Gägelow
Koordinaten: 53° 52′ 25″ N, 11° 18′ 16″ O
Höhe: 74 m ü. NHN
Einwohner: 35
Eingemeindung: 1. Juli 1950
Eingemeindet nach: Gressow
Postleitzahl: 23968
Vorwahl: 03841
Jamel (Mecklenburg-Vorpommern)
Jamel

Lage von Jamel in Mecklenburg-Vorpommern

Jamel ist ein Ortsteil der Gemeinde Gägelow im Landkreis Nordwestmecklenburg.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt in hügeligem Gelände rund sechseinhalb Kilometer südlich der Wohlenberger Wiek am südwestlichen Ende des Gemeindegebiets von Gägelow. Nach Westen steigt die Landschaft zum 113 Meter hohen Heideberg an, der schon auf der Gemarkung von Barendorf (Stadt Grevesmühlen) liegt. Der Ort grenzt an den abflusslosen Großen See mit einer Fläche von 1,9 Hektar.

Die einzige Verbindungsstraße führt ins etwa anderthalb Kilometer entfernte Gressow an der Bundesstraße 105.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf wird im Ratzeburger Zehntregister von 1230 als Jamene erstmals urkundlich erwähnt.[1] Der Name ist slawischen Ursprungs.[2] Nach der Eintragung im Zehntregister gehörte das aus sechs Höfen bestehende Dorf zum Kirchspiel Gressow. Die Abgaben der Höfe standen in fünf Fällen dem Bischof von Ratzeburg zu, in einem Fall einem Gottschalk.

Zum 9. Juli 1931 vergrößerte sich die Gemeinde um den südlich an der Verbindungsstraße von Wismar nach Grevesmühlen (heutige B 105) liegenden Ortsteil Sternkrug. Am 1. Juli 1950 wurden Jamel, Gressow und Wolde zur neuen Gemeinde Gressow zusammengeschlossen, die wiederum 1961 nach Gägelow eingemeindet wurde.[3]

Rechtsextremismus in Jamel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1992 wird Jamel immer wieder im Zusammenhang mit Rechtsextremismus genannt. Zu Ostern 1992 feierten etwa 120 Neonazis den Geburtstag Adolf Hitlers in Jamel und hissten dabei die Reichskriegsflagge. Seither sind einige sowohl ursprüngliche als auch neu hinzugezogene Bewohner durch Brandstiftungen vertrieben worden.[4] Im Ort zeigte ein Wegweiser unter anderem nach Braunau am Inn, Königsberg und „Wien/Ostmark“, auf einem Findling wurde ein Schild mit der Aufschrift „Dorfgemeinschaft Jamel, frei – sozial – national“ angebracht. Wegweiser und Schild wurden im Februar 2011 auf Anweisung des Grevesmühlener Bürgermeisters entfernt. Als sie kurze Zeit später ersetzt wurden, entschied das Verwaltungsgericht Schwerin im April 2011, dass beide wegen Volksverhetzung endgültig zu entfernen seien.[5] Dagegen reichte der Grundstückseigentümer Klage ein, die das Verwaltungsgericht Schwerin 2013 zu seinen Gunsten entschied. Der bundesweit bekannte NPD-Politiker Sven Krüger unterhielt in Jamel sein Abbruchunternehmen.

Der Bürgermeister von Gägelow bezeichnete Jamel im Jahr 2007 als ein Dorf, das man aufgegeben habe.[4]

Das 2004 aus Hamburg-St. Pauli zugezogene Ehepaar Horst und Birgit Lohmeyer erhielt am 12. Mai 2011 den Paul-Spiegel-Preis für Zivilcourage und am 29. August 2015 den Georg Leber-Preis für Zivilcourage der IG BAU, jeweils für das von ihnen seit 2007 jährlich organisierte Musikfestival Jamel rockt den Förster, das sich gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit richtet und unter der Schirmherrschaft des Ministerpräsidenten von Mecklenburg-Vorpommern steht.[6][7] In der Nacht zum 12. August 2015 brannte die Scheune ihres denkmalgeschützten Anwesens Forsthof Jamel mutmaßlich aufgrund von Brandstiftung nieder.[8]

Im Sommer 2015 baute Michel Abdollahi für eine panorama-Dokumentation für einen Monat eine Holzhütte auf einer Rasenfläche im Dorf auf, mit dem Ziel mit Bewohnern ins Gespräch zu kommen, dabei kam es insbesondere zu betont lockeren Gesprächen mit dem „Dorfchef“ Sven Krüger, die auch mit der Kamera festgehalten wurden.[9] Abdollahi erhielt hierfür den deutschen Fernsehpreis.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Andrea Röpke (Verf.): Gefährlich verankert. Rechtsextreme Graswurzelarbeit, Strategien und neue Netzwerke in Mecklenburg-Vorpommern. Hrsg.: SPD-Landtagsfraktion Mecklenburg-Vorpommern (= Sozialdemokratische Schriften zur Landespolitik. Band 1). 2. Auflage. SPD-Landtagsfraktion Mecklenburg-Vorpommern, Schwerin 2015, ISBN 978-3-00-048292-2.
  • Maximilian Popp: Rechtsextreme: Allein unter Nazis. In: Der Spiegel. Nr. 1, 2011 (online).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Jamel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mecklenburgisches Urkundenbuch I, 375.
  2. Elżbieta Foster, Cornelia Willich: Ortsnamen und Siedlungsentwicklung. Das nördliche Mecklenburg im Früh- und Hochmittelalter (= Forschungen zur Geschichte und Kultur des östlichen Mitteleuropa. Bd. 31). Steiner, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-515-08938-8, S. 198.
  3. Gägelow auf der Website des Landkreises Nordwestmecklenburg (Memento vom 5. September 2012 im Webarchiv archive.is), abgerufen am 31. Mai 2011
  4. a b Philipp Wittrock: Braunes Jamel: Ein Dorf in der Hand von Neonazis. In: Spiegel Online. 16. August 2007, abgerufen am 17. August 2015.
  5. Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven: @1@2Vorlage:Toter Link/www.ln-online.deStein und Wegweiser in Rechten-Hochburg Jamel müssen weg, Lübecker Nachrichten, abgerufen am 16. September 2012
  6. Paul-Spiegel-Zivilcourage-Preis 2011 auf zentralratdjuden.de, abgerufen am 31. Mai 2011
  7. Georg-Leber-Preis für Ehepaar Lohmeyer (Memento vom 1. September 2015 im Internet Archive), NDR-Meldung vom 6. August 2015
  8. heb: Verdacht auf Brandstiftung: Neonazi-Gegner in Jamel stehen unter Polizeischutz. In: Spiegel Online. 13. August 2015, abgerufen am 17. August 2015.
  9. https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/panorama_die_reporter/Im-Nazidorf,sendung447204.html