James Booker

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James Booker 1978

James Booker (* 17. Dezember 1939 in New Orleans; † 8. November 1983 ebenda), mit bürgerlichem Namen James Carroll Booker III, war ein US-amerikanischer Blues und Gospel -, Boogie Woogie und Jazz-Pianist, Organist und Sänger.

Kindheit und Jugend[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

James Carroll Booker III wuchs als Sohn des Baptistenpredigers und Hobby-Pianisten James Carroll Booker II und der Gospelsängerin Ora Cheatham erst in New Orleans auf. Später verzog die Familie nach Bay St. Louis Mississippi. Nach dem Todes seines Vaters kehrte die Familie nach New Orleans zurück.

Im Alter von sechs Jahren erhielt Booker von seiner Mutter ein Saxophon geschenkt, da er sich aber mehr für das Klavierspielen interessierte, erhielt er in der Folge Klavierunterricht. Später nannte er als wesentliche musikalische Einflüsse die Pianisten Tuts Washington und Professor Longhair aus New Orleans und außerdem den klassischen Showpianisten Liberace. Erste öffentliche Auftritte hatte der Organist in der Kirche seines Vaters.

Im Alter von neun Jahren erlitt Booker schwere Verletzungen, als er von einem Krankenwagen angefahren wurde. Auf die darauf folgende Schmerztherapie mit Morphinen führte er selbst später seine lebenslangen Drogenprobleme zurück. Nach dem Tod des Vaters zog die Familie 1953 wieder nach New Orleans, wo Booker die Xavier Preparatory School besuchte. Er begann ein Musikstudium an der Southern University in Baton Rouge, Louisiana welches er jedoch nach zwei Jahren erfolglos abbrach.

Schon während seiner Schulzeit vermittelte ihn seine Schwester die Gospelsängerin Betty Jean Booker zum lokalen Radiosender WMRY. So arbeitete er schon früh als professioneller Musiker, und trat mit seiner Band „Booker Boy and the Rhythmaires“, regelmäßig in einer Samstagnachmittag-Show mit Blues- und Gospelprogramm auf. Diesem Ensemble gehörte zeitweilig auch sein Schulkollege Art Neville an.

Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter dem Namen „Little Booker“ wurde ab 1954 von Dave Bartholomew gefördert, später war Booker als Studio-Musiker im J&M Recording Studio in New Orleans beschäftigt, wo er sich mit Dr. John anfreundete.

Der von seinen Musikerkollegen sehr geschätzte Pianist wurde von diesen immer wieder als Studiomusiker engagiert. Er ist unter anderem auf Veröffentlichungen von Fats Domino, Wilson Pickett, Joe Tex, Roy Hamilton, B.B. King, Earl King, King Curtis, Aretha Franklin, Lloyd Price, Maria Muldaur, Ringo Starr, Jerry García, den Doobie Brothers, Huey Smith, Phil Upchurch und Lionel Hampton zu hören.

Parallel versuchte Booker ab Mitte der 60ziger Jahre eine Solokarriere zu starten. Dem psychisch labilen und chronisch unzuverlässigen Musiker gelang zwar 1960 mit dem Orgel-Solo Gonzo ein Überraschungserfolg (Platz 3 in den R&B-Billboard-Charts),[1] Seine Homosexualität und sein exzessiver Drogenkonsum führten aber zu Karrierreinbrüchen und zunehmenden Konflikten mit dem Gesetz. Im Jahr 1970 wurde er wegen Drogenbesitzes zu einer zweijährigen Haftstrafe verurteilt, von der ein halbes Jahr im Angola State Prison in Louisiana verbüßen musste. Danach wurde er wegen guter Führung vorzeitig entlassen. Später zog er sich durch die Verwendung einer verschmutzten Injektionsnadel eine schwere Infektionserkrankung zu, die zum Verlust des linken Auges führte.

Bookers solistisches Werk ist zu einem geringen Teil durch Live-Aufnahmen dokumentiert. Ab Mitte der 1970er Jahre trat er wiederholt beim New Orleans Jazz & Heritage Festival auf, Konzerttourneen führten ihn mehrfach nach Europa (u. a. Auftritte beim Montreux Jazz Festival und Jazzfest Bern). In seinen Konzerten spielte der Pianist ein weitgestreutes Programm, das von Blues- und Jazzklassikern über Popsongs bis zu – fallweise – klassischer Musik (v.a. Chopin) reichte. Die musikalische Qualität dieser Auftritte soll sehr uneinheitlich gewesen sein: Nicht selten war Booker unfähig, überhaupt zu spielen; gelegentlich gelangen ihm aber immer wieder brillante Konzerte.

Im November 1983 verstarb James Booker an den Folgen seiner Heroinsucht tragischerweise im Warteraum des New Orleans Charity Hospital.[2]

Seine Lebensgeschichte wurde in dem preisgekrönten Film The Bayou Maharajah von der Filmemacherin Lily Keber aus New Orleans verfilmt und auf zahlreichen Filmfestspielen in Amerika und Europa gezeigt. In dem Film benennen Harry Connick jr, Dr. John und Allen Toussaint James Booker als große musikalische Inspirationsquelle.[3]

Aufnahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgelistet sind nur Einspielungen mit Booker als Solokünstler oder mit eigener Band

  • Junco Partner, 1976: Island, 1993: Hannibal (re-issue)
  • The Piano Prince Of New Orleans, 1976: Aves
  • Blues & Ragtime From New Orleans, 1976: Aves
  • New Orleans Piano Wizard: Live!, 1977: Gold, 1983: Rounder (re-issue)
  • Classified, 1982: Demon, 1993: Rounder (re-issue)
  • King of New Orleans Keyboard Vol. I & II, 1984–1985: JSP, 2005: JSP (re-issue)
  • Mr. Mystery, 1984: Sundown
  • Let's Make A Better World!, 1991: Amiga
  • Resurrection Of The Bayou Maharajah, 1993: Rounder
  • Spiders On The Keys, 1993: Rounder
  • The Lost Paramount Tapes, 1995: DJM
  • More Than All The 45's, 1996: Night Train International
  • New Orleans Keyboard King, 1996: Orbis
  • Live At Montreux, 1997: Montreux Sounds
  • United Our Thing Will Stand, 2000: Night Train International
  • A Taste Of Honey, 2000: Night Train International
  • Manchester '77, 2007: Document

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • James Booker. The Blues Collection 58, Hamburg 1996.
  • Robert Santelli: The Big Book of Blues. A Biographical Encyclopedia, New York 1993, ISBN 0-14-015939-8, S. 51–52.
  • Sidney Sheldon: Blues Who’s Who. A Biographical Dictionary of Blues Singers, New York 1979, ISBN 0-306-80155-8, S. 60.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Whitburn, Joel: The Billboard Book of Top 40 R&B and Hip-Hop Hits. New York, N.Y.: Billboard Books, 2006, S. 54
  2. Lebensgeschichte James Booker auf der Homepage des Filmes Bayou Maharajah In: bayoumaharajah.com, abgerufen am 1. Dezember 2017. (englisch)
  3. Bayou Maharajah In: bayoumaharajah.com, abgerufen am 1. Dezember 2017.