James Galway

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Sir James Galway und seine Frau Jeanne beim Auftritt am Silvesterkonzert 2007 im KKL Luzern
Sir James Galway, Basel, 16. Mai 2013

Sir James Galway, OBE (* 8. Dezember 1939 in Belfast, Nordirland) gilt als einer der bedeutendsten klassischen Flötisten des späten 20. und frühen 21. Jahrhunderts. Als einer der ersten Flötisten wagte er eine Solokarriere ohne Bindung an ein Orchester und wurde damit erfolgreich. Galway ist berühmt für seine außergewöhnliche Virtuosität und sein ausdrucksstarkes Spiel mit unverwechselbarem Klang. Sein Beiname The Man with the Golden Flute („der Mann mit der goldenen Flöte“) stammt aus der Zeit seiner frühen Solokarriere, als Goldflöten noch sehr selten waren.

Leben und künstlerische Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits mit zwölf Jahren gewann Galway die ersten musikalischen Preise. Nach einer kurzen Zeit als Klavierstimmer ermöglichte es ihm ein Stipendium, am Royal College of Music zu studieren. Weitere Studienaufenthalte an der Londoner Guildhall School und am Pariser Konservatorium folgten; privat nahm er Unterricht bei Marcel Moyse in Marlboro (Vermont). James Galways Flötenton ist durch den sogenannten „deutschen Ansatz“ geprägt, der im Vergleich zum französischen Ansatz einen höheren Rauschanteil aufweist.

Nach einer Reihe von Engagements bei führenden britischen Orchestern, darunter den Opernorchestern von Sadler’s Wells und der Royal Opera, dem BBC Symphony Orchestra, dem London Symphony Orchestra und dem Royal Philharmonic Orchestra, wurde Galway 1969 erster Flötist der Berliner Philharmoniker unter Herbert von Karajan und hatte diese Position für sechs Jahre inne. Nach internen Auseinandersetzungen mit Karajan beschloss er, seine Orchesterposition aufzugeben und als einer der ersten Flötisten nur noch als selbständiger Solist aufzutreten. Innerhalb eines Jahres absolvierte er 120 Konzerte und spielte vier Langspielplatten ein; auch gehörte er zu der Improvisationsgruppe Between. Bis heute tritt er regelmäßig in den großen Konzertsälen der Welt auf. Im Jahr 2001 wurde er von Königin Elisabeth II. zum Knight Bachelor geschlagen. Er wohnt im Zentralschweizer Ort Meggen.

Das Repertoire Galways umfasst die klassische Flötenliteratur von Johann Sebastian Bach und Antonio Vivaldi bis hin zur Musik des 20. Jahrhunderts, daneben aber auch japanische und irische Volksmusik sowie Jazz und neuerdings Latin Jazz. Durch eigens von ihm in Auftrag gegebene Kompositionen hat er insbesondere die moderne Flötenmusik stark gefördert. Daneben gibt er jährliche Meisterklassen in der Schweiz.

Der Komponist Howard Shore engagierte Galway als Flötisten für den Soundtrack zur „Herr der Ringe“-Verfilmung, wo er besonders zum Hobbit-Thema beitrug. Galway tritt auch als Dirigent in Erscheinung. Seine Diskografie umfasst mehr als 50 Schallplatten und CDs.

Diskografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Titel Charts[1][2] Anmerkungen
Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich UK
1975 Shows Pieces For Flute
300!
GoldGold
Erstveröffentlichung: 1975
1976 Mozart
39
SilberSilber

(6 Wo.)
Erstveröffentlichung: 1976
1978 The Magic Flute Of James Galway
43
(6 Wo.)
Erstveröffentlichung: 1978
The Man With The Golden Flute
52
(3 Wo.)
Erstveröffentlichung: 1978
James Galway Plays Songs For Annie
7
PlatinPlatin

(40 Wo.)
Erstveröffentlichung: 1978
1979 Songs From The Seashore
39
GoldGold

(6 Wo.)
Erstveröffentlichung: 1979
1980 Sometimes When We Touch
15
GoldGold

(14 Wo.)
Erstveröffentlichung: 1980
mit Cleo Laine
1982 The James Galway Collection
41
(8 Wo.)
Erstveröffentlichung: 1982
1984 In The Pink
62
(6 Wo.)
Erstveröffentlichung: 1984
mit Henry Mancini
1987 The James Galway and The Chieftains In Ireland
32
(5 Wo.)
Erstveröffentlichung: 1987
mit The Chieftains
1993 Essentiell Flute Of James Galway
30
(5 Wo.)
Erstveröffentlichung: 1993
1995 I Will Always Love You
59
(2 Wo.)
Erstveröffentlichung: 1995
1996 Classical Meditations
45
(6 Wo.)
Erstveröffentlichung: 1996
2004 Wings Of Song
45
(2 Wo.)
Erstveröffentlichung: 2004

Singles[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Titel
Album
Charts[1] Anmerkungen
Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich UK
1978 Annie’s Song
James Galway Plays Songs For Annie
3
(13 Wo.)
Erstveröffentlichung: 1978

Politische Äußerungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einem Interview mit der BBC am 5. Juni 2015 kritisierte Galway, der selbst aus einer protestantischen Familie stammt, seinen 2014 verstorbenen nordirischen Landsmann, den früheren unionistischen First Minister von Nordirland und DUP-Parteigründer Ian Paisley scharf. Dieser sei zwar als Pastor ein „Mann Gottes“ gewesen, aber, da er nicht wirklich das friedliche Zusammenleben gepredigt hätte („He wasn’t exactly preaching let’s all live together, was he?“) indirekt verantwortlich für politisch motivierte Morde. Befragt, wie er zu seinem Adelstitel Sir gekommen sei, antwortete er, dass er diesen erhalten habe, weil er aus dem „britisch besetzten Teil Irlands stamme“ („Well, how do you become a sir? I say: Because I come from the British-occupied part of Ireland.“). Sich selbst bezeichnete er als „Ire“ und nicht „Nordire“. Zum Nordirlandkonflikt meinte er, was „die Briten“ 800 Jahre zuvor getan hätten [ungefähr der Beginn der englischen Eroberung Irlands] und heute noch täten, sei „unmoralisch“.
Diese Äußerungen riefen scharfe Reaktionen im unionistisch-nordirischen Lager hervor. Der DUP-Abgeordnete Sammy Wilson bezeichnete Galways Äußerungen als „beleidigend, sachlich unzutreffend und schlichtweg schändlich“. Sie seien „das typische Kennzeichen eines sozialen Aufsteigers mit anti-britischer Einstellung“ und es sei inkonsistent, einen Adelstitel von der Königin anzunehmen und gleichzeitig pro-republikanische Ansichten zu vertreten. Galway solle sich überlegen, ob er unter diesem Umständen nicht besser seinen Adelstitel zurückgeben wolle.[3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Berliner Philharmoniker: Variationen mit Orchester – 125 Jahre Berliner Philharmoniker, Band 2, Biografien und Konzerte, Verlag Henschel, Mai 2007, ISBN 978-3-89487-568-8

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Chartquellen: UK
  2. Auszeichnungen für Musikverkäufe: UK
  3. James Galway: Ian Paisley Sr indirectly 'responsible' for killings in Northern Ireland. BBC News, 5. Juni 2015, abgerufen am 6. Juni 2015 (englisch).