James Innell Packer

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James Innell Packer, bekannt als J. I. Packer (* 22. Juli 1926 in Gloucester, England; † 17. Juli 2020 in Vancouver[1][2]), war ein eingebürgerter kanadischer Theologe in der evangelikalen anglikanischen Tradition. Er schrieb über 40 Bücher und wird als einer der einflussreichsten Evangelikalen des 20. Jahrhunderts angesehen.[3] Er war Professor am Regent College in Vancouver. Er wurde 1973 bekannt für sein Buch Gott erkennen (Knowing God), von dem allein in Nordamerika eine Million Exemplare verkauft wurden.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Packer war der Sohn eines Büroangestellten der Great Western Railway. Mit sieben Jahren wurde er von einem Auto angefahren und erlitt dabei eine schwere Kopfverletzung, die ihn körperlich beeinträchtigte. So erhielt er mit 15 Jahren statt eines gewünschten Fahrrads eine Schreibmaschine, die sein Leben weiter beeinflusste. Bei seinem Schulabschluss gewann er ein Stipendium für die Oxford-Universität wo er 1948 den Bachelor of Arts machte. Während dieses Studiums begegnete er zum ersten Mal C. S. Lewis, dessen Lehre einen wichtigen Einfluss in seinem Leben haben sollte. Durch eine Predigt am 22. Oktober 1944 in der St. Aldate's Kirche in Oxford wandte er sich einem persönlichen christlichen Glauben zu. Er lehrte eine kurze Zeit Altgriechisch am evangelikalen Oak Hill Theological College in London und begann 1949 an der Wycliffe Hall in Oxford Theologie zu studieren. 1952 wurde er zum Diakon, 1953 zum Priester der anglikanischen Kirche ordiniert und engagierte sich im evangelikalen Flügel der Church of England.[4]

Von 1952 bis 1954 war er Kurat einer Gemeinde in Birmingham. In dieser Zeit heiratete er die walisische Krankenschwester Kit Mullett, mit der später drei Kinder adoptierte. 1955 promovierte er in Philosophie und schrieb über die Heilslehre des Puritaners Richard Baxter. Packer arbeitete zunächst sechs Jahre als Dozent in Tyndale Hall und danach am evangelikalen Forschungsinstitut Latimer Trust.1955–61 gab er Vorlesungen in Tyndale Hall, einem evangelikalen College in Bristol. 1961/62 war er Bibliothekar des 1960 in Oxford gegründeten Latimer Trust, einer anglikanischen evangelikalen Forschungsinstitution, deren Leitung er dann bis 1969 übernahm, und wo er bis zum Lebensende Ehrenpräsident war. 1970 wurde er Rektor von Tyndale Hall, und ab 1971 Konrektor des Trinity College, das aus dem Zusammenschluss der drei evangelikalen Colleges in Bristol entstanden war.

1977 war der damals noch britische Staatsbürger das einzige Gründungsmitglied des International Council on Biblical Inerrancy, der kein Bürger der Vereinigten Staaten war. In diesem Gremium war er federführend bei der Erstellung der Chicago-Erklärung über biblische Irrtumslosigkeit von 1978 und der Chicago-Erklärung für biblische Hermeneutik 1982, da er eine vermittelnde Rolle annahm.[5]

1979 zog Packer nach Kanada, um einen Lehrstuhl am Regent College in Vancouver anzunehmen, den er bis zu seiner Emeritierung innehatte.

Er war Exekutivherausgeber von Christianity Today und steuerte oftmals Beiträge zu dieser Zeitschrift bei.

Packer war Gesamtherausgeber für die English Standard Version, eine evangelikale Überarbeitung der Revised Standard Version, einer englischsprachigen Bibelübersetzung.

In Vancouver gehörte Packer als ehrenamtlicher Hilfsgeistlicher der konservativen Gemeinde St. John's Shaughnessy an, die als größte anglikanische Gemeinde von Kanada galt, bis sie im Februar 2008 beschloss, die Anglikanische Kirche von Kanada zu verlassen. Seitdem betrachtet die Gemeinde sich als Teil der Iglesia Anglicana del Cono Sur de América, da sie seit dem Entscheid der Diözese, die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare zu erlauben, sich nicht mehr mit dem Bischof und der Synode in Kommunion fühlten.[6] Dieser Status ist jedoch umstritten, weil es das Prinzip der Territorialität der Ortskirchen, das ein wesentliches Prinzip des Anglikanismus seit der Reformation darstellt, untergräbt, und die Empfehlungen des Windsor Reports unterläuft. Packer begründete diesen Entschluss damit, dass der Entscheid der Diözese in diesem Kontext eine Verfälschung des Evangeliums sei, die Autorität der Schrift bestreite und die Erlösung von Mitmenschen gefährde.[7]

Theologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Packer sah sich theologisch als Calvinist in der Tradition der Puritaner. Die Schriften von John Owen prägten ihn nachhaltig.[8]

Er war einer der wichtigsten Verfechter der biblischen Irrtumslosigkeit, lehnt jedoch jeden fundamentalistischen Biblizismus ab:

I believe in the inerrancy of Scripture, and maintain it in print, but exegetically I cannot see that anything Scripture says, in the first chapters of Genesis or elsewhere, bears on the biological theory of evolution one way or the other. On that theory itself, as a non-scientist, watching from a distance the disputes of the experts, I suspend judgment, but I recall that B. B. Warfield was a theistic evolutionist. If on this count I am not an evangelical, then neither was he.[5]

The fact that certain cultural and dispensational changes have changed the application of certain biblical passages to our time, as compared with the time when they were first written, must not be confused with the trustworthiness—that is, the inerrancy—of the passages themselves, as expressions of the truth and will of God for those to whom they were first addressed, and as applications of those unchanging truths about God and man which we also must apply, as God's wisdom leads us, to our own different situation.[5]

1978 gehörte er zu den Unterzeichnern des Chicago Statement on Biblical Inerrancy, das die Irrtumslosigkeit der Bibel bejahte.

Später hat er die ökumenische Bewegung unterstützt, glaubte jedoch, dass christliche Einheit nicht auf Kosten von orthodoxer protestantischer Doktrin gehen sollte. Dennoch hat er aufgrund seiner ökumenischen Fürsprache von manchen Konservativen Kritik geerntet, insbesondere nach der Veröffentlichung des Buchs Evangelicals and Catholics Together: Toward a Common Mission (Hrsg. Charles Colson, Richard J. Neuhaus), in dem Packer einen Beitrag schrieb.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. James Packer verstorben, ideaschweiz.ch, Nachruf vom 20. Juli 2020.
  2. Nachruf bei The Gospel Coalition abgerufen am 18. Juli 2020
  3. Time Magazine: The 25 most influential evangelicals in America
  4. Hauke Burgarth: Vom Zyniker zum Theologen - J. I. Packer ist im Alter von 93 Jahren gestorben, 22. Juli 2020, Livenet
  5. a b c Books & Culture: A Peacemaker in the Battle for the Bible
  6. The Vancouver Sun: Anglican congregation votes to split over same-sex blessing (Memento vom 15. Februar 2008 im Internet Archive)
  7. Christianity Today: Why I walked
  8. Johannes Blöcher-Weil: James Innell Packer gestorben, pro Medienmagazin, 21. Juli 2020