James N. Mattis

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James Mattis (2017)

James Norman Mattis (* 8. September 1950 in Pullman, Washington) ist ein ehemaliger General des US Marine Corps (USMC) und seit dem 20. Januar 2017 Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten im Kabinett Trump.

Zuvor war er von 2007 bis 2010 Befehlshaber des US Joint Forces Command und diente in Personalunion zwischen 2007 und 2009 zugleich als Supreme Allied Commander Transformation der NATO.

Von August 2010 bis März 2013 war Mattis Oberbefehlshaber des US Central Command, eines teilstreitkraftübergreifenden Regionalkommandos der Streitkräfte der Vereinigten Staaten mit Sitz in Tampa, Florida.

Militärische Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als First Lieutenant diente er in einem Schützen- und Waffenzug (Platoon) in der 3. US-Marineinfanteriedivision. Zum Captain befördert übernahm er das Kommando über eine Schützenkompanie der 1. US-Marineinfanteriebrigade. Später unterstand ihm als Major die Rekrutierungsstation Portland, Oregon. Während der Operation Desert Shield/Storm kommandierte Lieutenant Colonel Mattis das 1. Bataillon des 7. US-Marineinfanterieregiments und übernahm nach der Beförderung zum Colonel eben jenes Regiment.

Als Brigadier General kommandierte Mattis die 1st Marine Expeditionary Brigade und anschließend die Task Force 58 während der Operation Enduring Freedom im südlichen Afghanistan. Als Major General hatte er von 2002 bis 2004 das Kommando über die 1. US-Marineinfanteriedivision während der Invasion des Irak 2003 und später auch während der Stabilisierungsoperationen im Rahmen der Operation Iraqi Freedom.

Danach erhielt Mattis seine Beförderung zum Lieutenant General und war von 2004 bis 2006 als Kommandierender General des „Marine Corps Combat Development Command“ in Quantico eingesetzt und war stellvertretender Commandant für „Combat Development“ im Hauptquartier des USMC in Washington, D.C. Während dieser Zeit begann Lieutenant General David H. Petraeus mit der Erstellung des Feldhandbuchs FM 3-24 Counterinsurgency.[1] Dieses Handbuch stellte die neue Richtlinie der US Army für die Aufstandsbekämpfung (counterinsurgency) dar und wurde unter James F. Amos fertiggestellt.

Am 14. August 2006 übernahm Mattis das Kommando über die I. Marine Expeditionary Force (I MEF) in Camp Pendleton, Kalifornien, sowie über die Marine Corps Forces des Central Command.[2] Ein Jahr später, am 28. September 2007, wurde Mattis' Nominierung für den Posten des Kommandeurs des US Joint Forces Command und den damit verbundenen NATO-Posten des Supreme Allied Commander Transformation vom Senate Armed Services Committee des US-Senats bestätigt.[3] Mattis übergab den Kommandeursposten des I MEF am 5. November 2007 an Samuel T. Helland. Mit dieser Kommandoübergabe ging auch die Verantwortung für einige ausstehende Entscheidungen in den Militärgerichtsverfahren der Marines, die wegen Kriegsverbrechen im Irak unter Anklage stehen, an seinen bisherigen Stellvertreter und nunmehrigen Nachfolger Helland über. Vier Tage später, am 9. November, übernahm Mattis dann den Posten von Lance L. Smith beim JFCOM und der NATO.[4]

Mattis ist Absolvent der Amphibious Warfare School in Quantico, des Marine Corps Command and Staff College sowie des National War College.

Nachdem Frankreich 2009 in die integrierten Kommandostrukturen der NATO zurückgekehrt war, erhielt im Gegenzug der französische Général d’armée aérienne Stéphane Abrial den Posten des Supreme Allied Commander Transformation. Mattis war seitdem nur noch Kommandeur des JFCOM.[5] Im Mai 2010 wurde General Raymond T. Odierno als Mattis’ Nachfolger nominiert.

Mattis (links) mit dem damaligen Verteidigungsminister Chuck Hagel (2013)

Am 21. Juli 2010 wurde Mattis als Nachfolger von General David H. Petraeus für den Posten des Kommandeurs des US Central Command nominiert.[6] Das Kommando des JFCOM gab er im Juli/August 2010 an seinen Stellvertreter Lieutenant General Keith M. Huber ab. Zum 11. August 2010 übernahm Mattis schließlich das Kommando des US Central Command, das er bis zum 22. März 2013 innehatte. Sein Nachfolger wurde General Lloyd J. Austin III. (USA).

Kontroverse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Irakkrieg und in der folgenden Besetzung befehligte er die dort eingesetzte 1. US-Marineinfanteriedivision. Bei einem US-Luftangriff auf Makar el Dhib am 19. Mai 2004 sollen nach Angaben des Fernsehsenders Al-Arabija mehr als 40 Menschen einer Hochzeitsgesellschaft getötet worden sein. In einer Pressekonferenz lehnte Mattis eine Entschuldigung ab und rechtfertigte den Angriff mit den Worten: “How many people go to the middle of the desert … to hold a wedding 80 miles (130 km) from the nearest civilisation? These were more than two dozen military-age males. Let's not be naive.” (deutsch: „Wie viele Menschen gehen mitten in die Wüste, 16 Kilometer von der syrischen Grenze entfernt, um eine Hochzeit 130 Kilometer fern jeder Zivilisation zu feiern? Das waren mehr als zwei Dutzend Männer im wehrfähigen Alter. Seien Sie doch nicht naiv.“)[7]

Aus einer Podiumsdiskussion in San Diego, Kalifornien, am 3. Februar 2005 wird Mattis mit den Worten zitiert: “Actually it's quite fun to fight them, you know. It's a hell of a hoot. It's fun to shoot some people. I'll be right up there with you. I like brawling. You go into Afghanistan, you got guys who slap women around for five years because they didn't wear a veil. You know, guys like that ain't got no manhood left anyway. So it's a hell of a lot of fun to shoot them.” (deutsch: „Also, ich muss sagen, das Kämpfen macht viel Spaß. Es macht eine ganze Menge Spaß ... Es macht Spaß, ein paar Leute zu erschießen. Du gehst nach Afghanistan und gerätst an Leute, die ihre Frauen fünf Jahre lang verprügeln, weil sie sich nicht verschleiert haben. Solche Leute sind ohnehin keine richtigen Männer mehr. Also macht es unheimlich viel Spaß, sie zu erschießen.“)[8] Nachdem diese Aussagen auf öffentliche Kritik stießen, ließ Mattis später verlautbaren, er hätte seine Worte vorsichtiger wählen sollen.

US-Verteidigungsminister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

James Mattis bei seiner Amtseinführung im Pentagon

James Mattis wurde am 2. Dezember 2016 vom damals designierten Präsidenten Donald Trump für den Posten des Verteidigungsministers der Vereinigten Staaten nominiert. Laut National Security Act von 1947[9] muss der Militärdienst eines Kandidaten für das Amt des Verteidigungsministers mindestens sieben Jahre zurückliegen, um jenes antreten zu können. Im Falle von Mattis verabschiedete der Kongress eine entsprechende Ausnahmeregelung,[10] welche sogleich am Tag der Amtseinführung des 45. Präsidenten Donald Trump von ebendiesem unterzeichnet wurde. Dies geschah zuletzt 1950 zugunsten von George C. Marshall.[11] Am selben Tag stimmte der Senat Mattis Ernennung mit 98 Voten und nur einer Gegenstimme zu.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auswahl der Dekorationen, sortiert in Anlehnung der Order of Precedence of the Military Awards:

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: James N. Mattis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Field Manual 3-24 Counterinsurgency (Federation of American Scientists; PDF-Dokument; englisch; 13,2 MB)
  2. Beitrag der Marine Corps Times vom 14. August 2006 (englisch)
  3. Senate approves Mattis for JFCom job (MarineCorpsTimes.com vom 28. September 2007; englisch)
  4. Mattis Takes JFCOM Helm at Norfolk Change of Command (DefenseLink.mil vom 9. November 2007; englisch)
  5. General Officer Announcement (DefenseLink.mil vom 28. Juli 2009; englisch)
  6. General Officer Announcement (DefenseLink.mil vom 21. Juli 2010; englisch)
  7. US soldiers started to shoot us, one by one (Guardian.co.uk vom 21. Mai 2004; englisch)
  8. General: It's 'fun to shoot some people' (CNN vom 4. Februar 2005; englisch)
  9. 10 U.S. Code § 113
  10. Senate confirms retired Gen. James Mattis as defense secretary, breaking with decades of precedent. Abgerufen am 20. Januar 2017.
  11. Officers must be retired 7 years to lead Pentagon. In: USA TODAY. (usatoday.com [abgerufen am 20. Januar 2017]).
Vorgänger Amt Nachfolger
Lance L. Smith Supreme Allied Commander Transformation
2007–2009
Stéphane Abrial