Jamu (Medizin)

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Jamu warung auf Java.

Jamu (früher Djamu) ist eine traditionelle Medizin in Indonesien. Es ist vorwiegend pflanzliche Medizin aus Naturmaterialien, wie Teile von Pflanzen wie Wurzeln, Rinde, Blüten, Samen, Blätter und Früchte. Von Tieren werden ebenfalls Materialien wie Milch, Honig, Eier von Ayam Kampung-Hühnern und Galle von Ziegen benutzt.

Jamu wird auf ganz Indonesien benutzt, es ist jedoch am meisten auf Java verbreitet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Angeblich entstand Jamu im Königreich Mataram vor etwa 1300 Jahren. Obwohl Indonesien stark von Ayurveda aus Indien beeinflusst wird, ist es doch eine weitläufige Inselgruppe mit zahlreichen einheimischen Pflanzen, die nicht in Indien zu finden sind und Pflanzen ähnlich denen Australiens jenseits der Wallace-Linie. Jamu unterscheiden sich daher auch regional stark.

Historische Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jamuverkäuferin in Jakarta, ca. 1910.

Jamu wurde und wird von einheimischen Heilern, sogenannten Dukun verwendet. Es wird jedoch normalerweise von Frauen vorbereitet und verschrieben, die es auch auf den Straßen verkaufen. Im Allgemeinen werden unterschiedliche Jamu-Rezepte nicht niedergeschrieben, sondern zwischen den Generationen überliefert. Einige frühe Handbücher haben aber überlebt: ein Jamu-Handbuch wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von Mrs. Kloppenburg-Versteegh[1] veröffentlicht und in den Haushalten auf den Ostindischen Inseln verwendet.

Indonesische Ärzte waren anfangs nicht an Jamu interessiert. Während der zweiten Konferenz des Indonesischen Ärzteverbandes, abgehalten in Surakarta im März 1940, wurden zwei Referate zu dem Thema gehalten. 1944 wurde während der japanischen Besatzung jedoch die Jamu-Kommission gebildet. Während der folgenden Jahrzehnte stieg die Popularität vom Jamu, obwohl Ärzte eher ambivalente Meinungen dazu hatten.

Forschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einer der ersten europäischen Mediziner, die Jamu studierten war Jacob de Bondt, der als Arzt in Batavia, dem heutigen Jakarta, im frühen siebzehnten Jahrhundert arbeitete. Seine Aufzeichnungen enthalten Informationen über einheimische Medizin. Georg Eberhard Rumpf, der auf Ambon während des frühen achtzehnten Jahrhunderts arbeitete, veröffentlichte mit dem Herbarium Amboinense ein umfangreiches Buch über Kräutermedizin auf den Westindischen Inseln. Während des neunzehnten Jahrhunderts entwickelten europäische Ärzte ein starkes Interesse an Jamu, da sie oft nicht wussten, wie sie die bei ihren Patienten vorgefunden tropischen Krankheiten behandeln sollten. 1829 veröffentlichte der deutsche Arzt Friedrich August Carl Waitz das Buch Praktische Beobachtungen über einige javanische Arzneimittel. M. Greshoff und W.G. Boorsma führten pharmakologische Untersuchungen der auch in Jamu verwendeten Kräuter im pharmakologischen Labor im botanischen Garten von Bogor durch, resultierend in der Entdeckung und Isolierung einiger Alkaloide.

Vertrieb und Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Mbok Jamu verkauft jamu gendong an eine Kundin

Auf Java reist die Mbok Jamu, eine die traditionelle gebatikte Kebaya tragende, junge bis mittelalte Javanesin, mit einem Bambuskorb mit Flaschen mit Jamu auf dem Rücken durch Dörfer und Stadtstraßen, um ihre Produkte der traditionellen Pflanzenmedizin anzubieten. In vielen großen Städten wird Jamu auf der Straße von fliegenden Händlern als ein üblicherweise bitter schmeckendes oder aber mit Honig oder Palmenzucker gesüßtes Getränk verkauft. Die traditionelle Art Jamu in einem Korb zu tragen wird Jamu Gendong genannt (wortwörtlich 'getragener Jamu'). Verkauft wird auch aus einem auf den Verkauf von Jamus spezialisierten Warung-Zeltverkaufsstand.

Inzwischen wird die Kräutermedizin auch in Massen in Fabriken von großen Firmen wie Air Mancur, Nyonya Meneer oder Djamu Djago hergestellt und in Drogerien in Form von Tabletten, Kapseln und Sachets abgepackt verkauft. Es gibt häufig Bedenken wegen der Qualität, Konsistenz und Sauberkeit nicht nur bei den lokal vertriebenen, sondern auch bei den fabikmäßig hergestellten Formen. Abgepackter und getrockneter Jamu aus Sachets wird vor dem Trinken in heißem Wasser aufgelöst.

Nichtgesundheitliche Zwecke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt einige nichtgesundheitlich orientierte Nutzungen für Jamu, unter anderen welche, die der Steigerung des sexuellen Vergnügens dienen. Es existieren Sorten von Jamu zur Vergrößerung der männlichen sexuellen Ausdauer oder um die Vagina von Frauen enger oder trockener zu machen – mit Namen wie „Sari Rapat“ (Essenz der Enge), „Rapat Wangi“ (Eng und Wohlriechend) und sogar „Empot Ayam“ (Eng wie ein Hühnerarsch). Da Indonesien ein muslimisches Land ist, ist die Verwendung verheirateten Frauen vorbehalten, die damit dem Fremdgehen ihrer Männer vorbeugen wollen.

Rezepte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt hunderte von Kräutern für Jamu-Rezepte, einige davon sind (zumeist englische Namen)

Einige Jamu mit den ihnen zugeschriebenen Wirkungen sind

  • Jamu Beras Kencur (Gewürzlilie mit Reis) hilft Gliederschmerzen zu verringern
  • Jamu Cabe Puyang (Chili und Ingwerwurzel (Lempoyang oder Zingiber zerumbet)) für die Behebung von Steifheit oder Fieber
  • Jamu Kudu Laos um den Blutdruck zu senken, die Blutzirkulation zu verbessern, den Körper zu erwärmen und den Appetit zu steigern
  • Jamu Kunci Suruh gegen Scheidenpilz, um die Vagina zu verengen, Körpergeruch zu unterdrücken, den Uterus und Magen zu verkleinern und die Zähne zu stärken
  • Jamu Kunir Asam (saurer Kurkuma) um den Körper zu kühlen oder die Menstruation zu erleichtern
  • Jamu Pahitan gegen Jucken und Diabetes, Appetitmangel, um Körpergeruch zu unterdrücken, Cholesterin zu senken, gegen Blähungen, Akne und Schwindelgefühl
  • Jamu Uyup-uyup/Gepyokan um die Milchproduktion zu verstärken und den Körper zu kühlen

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Jamu – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte: Gendered and Ethnic Knowledge: Mrs. J.M.C. Kloppenburg-Versteegh (1862-1948), an Example from the Dutch East Indies Around 1900
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