Jan Böhmermann

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Jan Böhmermann in Rostock (2014)
Jan Böhmermann auf dem Deutschen Comedypreis in Köln (2013)

Jan Böhmermann (* 23. Februar 1981 in Bremen) ist ein deutscher Satiriker sowie Hörfunk- und Fernsehmoderator. Er ist auch als Filmproduzent, Buchautor und Journalist tätig. Internationale Bekanntheit erlangte er durch seine Tätigkeit beim Neo Magazin Royale und die damit verbundene Böhmermann-Affäre sowie bereits ein Jahr zuvor durch seine Satire um den ausgestreckten Mittelfinger des damaligen Finanzministers Griechenlands, Yanis Varoufakis, für die Böhmermann mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet wurde.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jugend und Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Böhmermann wurde als Sohn eines Polizeibeamten[1] im Bremer Stadtteil Gröpelingen geboren und wuchs im Ortsteil Aumund-Hammersbeck auf. Mit 17 Jahren verlor er seinen Vater, der an Leukämie verstarb.[2][3] Böhmermann hält sich in Sachen Privatleben stark zurück. In einigen Medien ist zu lesen, er habe „mehrere Kinder“, sei verheiratet und lebe mit seiner Familie in Köln.[4][5]

Berufliche Anfänge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste journalistische Erfahrungen sammelte er 1997 bei Die Norddeutsche, einer Lokalausgabe der Bremer Tageszeitungen AG.[3] Ab 1999 versuchte er sich als Moderator und Reporter bei Radio Bremen.[3] Hier begann er, als Komiker und Unterhaltungsautor zu arbeiten. Er bewarb sich an drei Schauspielschulen in München, Berlin und Hamburg, die ihn allesamt ablehnten. Ein viertes Mal bewarb er sich an der Schauspielschule Hannover, die ihn schließlich einlud. Böhmermann selbst jedoch war vor seinem Vorsprechen die finanzielle Unsicherheit einer schauspielerischen Tätigkeit bewusst geworden, weshalb er sich entschied, gar nicht erst anzutreten.[6] An der Universität zu Köln nahm Böhmermann ein Studium der Geschichte, Soziologie und Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften auf, das er später abbrach.[3]

2004 wechselte er als Moderator und Komiker zum WDR. Im selben Jahr moderierte er zwischenzeitlich beim Frankfurter Radiosender hr3 an der Seite der Moderatorin Natalie Putsche 35 Mal die Morgenshow hr3 pop&weck.

Bei 1LIVE erfand Böhmermann 2005 die Hörfunkunterhaltungsreihe Lukas’ Tagebuch, eine Parodie auf den Fußballspieler Lukas Podolski, derentwegen Podolski den WDR verklagte und während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 der ARD TV-Interviews verweigerte.[3] Podolskis Versuch, beim Landgericht München I eine einstweilige Verfügung zu erwirken, scheiterte. 2007 zog Podolski eine weitere Klage bei den mündlichen Verhandlungen zurück.[7][8] Zur Fußball-Europameisterschaft 2008 setzte Böhmermann diese Tätigkeit fort und veröffentlichte den Podcast „Pod-Olski – Der EM-Podcast von Lukas“. Auch diese Show schaffte es wieder bis an die Spitze der iTunes-Podcast-Charts. Lukas’ Tagebuch wurde mit der Rückkehr von Podolski zum 1. FC Köln nach der Fußball-Bundesliga-Saison 2008/09 eingestellt. In der Nachfolgeserie Lukas’ WG ging die Parodie in gleicher Art weiter; allerdings lebte hier „Lukas“ mit Geißbock Hennes in einer WG.[9]

Böhmermann ist Urheber des Ausspruchs „Fußball ist wie Schach – nur ohne Würfel!“[10][11], der u. a. von Spiegel Online und dem Kicker fälschlich Lukas Podolski zugeschrieben und darum 2008 beinahe von der Deutschen Akademie für Fußballkultur zum Fußballerzitat des Jahres 2008 gewählt wurde.

Von April bis Mai 2007 sendete das WDR Fernsehen Böhmermanns sechsteilige Impro-Journalism-Comedy-Show mit dem Titel echt Böhmermann. Die Show wurde gemeinsam mit Jörg Diernberger entwickelt; zu den Autoren gehörten Oliver Nagel, Mark-Stefan Tietze, Stefan Gärtner und Stephan Rürup.

Im Januar 2009 gründete Böhmermann im Rahmen einer satirischen Aktion für die RTL-Sendung TV-Helden (gemeinsam mit Pierre M. Krause und Caroline Korneli) den Ersten Türkischen Karnevalsverein Deutschlands (1. TKVD) und sorgte mit seinem Auftritt auf der vermeintlichen Gründungspressekonferenz für bundesweiten Medienrummel. Diese Aktion inspirierte eine Gruppe türkischer Karnevalisten aus Dortmund dazu, einen echten ersten türkischen Karnevalsverein zu gründen. Die Sendung TV-Helden wurde mit dem Deutschen Fernsehpreis 2009 in der Kategorie „Beste Comedysendung“[12] ausgezeichnet und für den Deutschen Comedypreis 2009 als „Beste Comedy-Show“ nominiert.[13]

Im August 2009 erschien Böhmermanns erstes Buch mit dem Titel Alles, alles über Deutschland – Halbwissen kompakt bei Kiepenheuer & Witsch. Ebenfalls im August 2009 startete auf 1LIVE seine Satire- und Unterhaltungssendung Die ganz große Jan Böhmermann Radioschau, die bis Anfang 2011 einmal im Monat gesendet wurde.

Ab 2009 war Böhmermann Mitglied im Ensemble der neuen Sendung von Harald Schmidt im Ersten.[14] In der ersten Folge wurde bekannt, dass er wenige Wochen zuvor unter dem Pseudonym Rüdiger Alt gegenüber einigen Fernsehsendern einen an Schweinegrippe Erkrankten mimte.[15][16][17] ProSieben und Sat.1 stellten diese Falschmeldung am Tag danach in ihren Nachrichtensendungen richtig.

Seit der Lateline[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jan Böhmermann bei den Jugendmedientagen 2011 in Stuttgart

Im April 2010 stieß Böhmermann zur Lateline, wo er donnerstags auf sieben Jugendradiosendern als Radiotalk-Moderator zu hören war. Im Dezember 2013 kündigte er seinen Rückzug von der Sendung an, um sich neuen Projekten zu widmen[18]. Von Mai bis Juni 2010 schrieb er jeden Montag die Kolumne Gott fragt, Böhmermann antwortet für jetzt.de in der Süddeutschen Zeitung.[19] Von September 2010 bis April 2011 moderierte er auf 1live alle zwei Wochen zusammen mit Simon Beeck Beeck & Böhmermann.

Ab Januar 2011 war Böhmermann einige Wochen mit Klaas Heufer-Umlauf mit der satirischen Improvisationskabarettshow Zwei alte Hasen erzählen von früher in Deutschland auf Tour.[20] Mit Heufer-Umlauf moderierte Böhmermann von November 2011 bis September 2012 auf Radio Eins unter dem gleichen Titel eine zweiwöchentliche Sendung.[21] Seit Heufer-Umlaufs Abschied moderierte er die Sendung mit Singer-Songwriter Olli Schulz. Zunächst unter dem neuen Titel Joko und Klaas mit Olli und Jan, dann unter dem Titel Sanft & Sorgfältig. Ab März 2013 gingen Schulz und Böhmermann wöchentlich auf Sendung.[22] Seit Mai 2014 wurde Sanft & Sorgfältig sonntags neben Radio Eins von fünf weiteren Radiostationen ausgestrahlt (Bremen Vier, Dasding, N-Joy, Puls und You FM).[23] Im April 2016 verkündete Böhmermann, die Sendung nicht weiterzuführen. Einen Zusammenhang mit der Affäre Böhmermann-Erdogan wies er zurück.[24] Seit dem 15. Mai moderieren Schulz & Böhmermann den Podcast fest & flauschig. Die Sendung erscheint exklusiv auf Spotify.[25]

Ab September 2011 bis zur Absetzung der Sendung war Böhmermann im Team der Harald Schmidt Show auf Sat1.[26]

Die Talkshow Roche & Böhmermann (gemeinsam mit Charlotte Roche) wurde erstmals am 4. März 2012 auf ZDFkultur mit den Gästen Marina Weisband, Britt Hagedorn, Sven Marquardt, Sido und Jorge Gonzalez ausgestrahlt. Nach zwei Staffeln wurde die letzte Ausgabe im Oktober 2012 gezeigt. Im Januar 2013 gab das ZDF bekannt, dass es aufgrund von Uneinigkeiten zwischen den Beteiligten keine Fortsetzung der Sendung geben werde.[27]

Im November und Dezember 2012 ging er mit der Lateline auf Tour durch die Städte Bremen, Frankfurt, Baden-Baden, Magdeburg und Hannover. Die Sendungen wurden live in EinsPlus übertragen. Ab April 2013 lief eine zweite Staffel mit sieben Sendungen live aus dem Weserhaus in Bremen.[28][29] Eine dritte Staffel mit fünf weiteren Sendungen wurde ab November 2013 ausgestrahlt.[30]

Zusammen mit Klaas Heufer-Umlauf nahm Böhmermann das Hörspiel Förderschulklassenfahrt auf, das 2014 mit dem Titel Förderschulklassenfahrt 2 – Fünf Feinde und der Proletenhund fortgesetzt wurde.[31][32]

Im Oktober 2013 strahlte Das Erste die Sendung 16 × Deutschland aus, in dessen Rahmen jedes deutsche Bundesland in 15-minütigen Beiträgen bedacht wurde. Der Schwerpunkt wurde den Autoren überlassen. Böhmermann widmete sich seiner Heimatstadt Bremen. Mit seiner dokumentarisch wirkenden Satire wurden „Publikum und Mitwirkende verschaukelt“, wie der Mediendienst „kressreport“ kritisierte. Ein von Böhmermann interviewter Museumsexperte sei über die satirischen Absichten getäuscht worden, und einem Rathaus-Pförtner habe das Filmteam ohne Absprache eine Schimpfkanonade in den Mund gelegt. Völlig erfunden habe Böhmermann zwei angeblich die Dreharbeiten behindernde Polizisten und einen angeblichen Professor, ohne dass dies für die Zuschauer erkennbar gewesen sei. Der verantwortliche Sender Radio Bremen verteidigte Böhmermanns Film als Mockumentary, die „die Mittel der Dokumentation gnadenlos nutzt und überzeichnet“.[33]

Seit Oktober 2013 moderiert er die politisch-satirische Late-Night-Show Neo Magazin auf ZDFneo.[34] Sie wird, wie auch schon Roche & Böhmermann, von der bildundtonfabrik produziert.[35] Das ZDF zeigt seit Februar 2015 freitagnachts eine Wiederholung der Sendung, die seitdem den Namenszusatz Royale trägt.

Jan Böhmermann mit seinem Programm „Schlimmer als Jan Böhmermann“ in Rostock 2014

Ab März 2014 ging Böhmermann mit seinem Bühnenprogramm Schlimmer als Jan Böhmermann in Deutschland auf Tour, in dem er Witze und Einspieler aus seinen bisherigen Sendungen und Veröffentlichungen konserviert.[36]

Im Februar 2014 gab der Fernsehsender RTL bekannt, bald eine neue Comedy-Sendung mit Böhmermann zu testen.[37] Zum Team der Sendung unter dem Titel Was wäre wenn? gehören neben Böhmermann Palina Rojinski, Katrin Bauerfeind und Jan Köppen. Der Pilotfilm entstand bereits 2012, die ersten vier Folgen wurden im März 2014 in den nobeo-Studios in Hürth aufgezeichnet. Die erste Folge wurde am 28. August 2014 auf RTL ausgestrahlt.[38][39] Die Serie wurde in der Kategorie Comedy für den Deutschen Fernsehpreis 2014 nominiert.

Böhmermann ist weiterhin Autor der Sendung Die unwahrscheinlichen Ereignisse im Leben von …, die wie seine eigene Sendung von der bildundtonfabrik produziert wird. In der Sendung wird ein prominenter Gast mit Sketchen und Liveauftritten vorgestellt. Am 20. Juli 2014 lief die erste Folge im WDR mit dem Gast Frank Elstner.[40]

Im August 2015 kündigten Jan Böhmermann und Olli Schulz im Neo Magazin Royale an, ab 2016 eine Neuauflage von Roche & Böhmermann namens Schulz & Böhmermann zu produzieren.[41] Die Sendungen wurden ab dem 10. Januar 2016 bei ZDFneo ausgestrahlt. Die Texte zur Vorstellung der geladenen Gäste verfasste und sprach Sibylle Berg.[42]

Am Amtsgericht Köln war Böhmermann als Schöffe tätig.[43]

Kontroversen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auseinandersetzung mit Martin Langer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im August 2014 twitterte Böhmermann eine bekannte Aufnahme des Fotografen Martin Langer von den Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen aus dem Jahr 1992 ohne dessen Genehmigung und wurde deshalb von dem Fotografen abgemahnt. Das Bild zeigt den Arbeitslosen Harald Ewert, bekleidet im Trikot der Deutschen Fußballnationalmannschaft mit schwarz-rot-goldenen Applikationen sowie einer augenscheinlich urinbefleckten Jogginghose, der die rechte Hand zum Hitlergruß erhebt.[44]

Böhmermann löste mit Tweets und Facebook-Postings zu diesem Fall im Januar 2015 einen Shitstorm gegen den Fotografen und eine Debatte über das geltende Urheberrecht aus, besonders in Bezug auf soziale Netzwerke. Böhmermann entschuldigte sich später dafür, dass er den Namen des Fotografen veröffentlicht habe.[45][46][47][48][49][50] Ein TAZ-Journalist bezeichnete Böhmermann in einem Kommentar als „provokante[n] Seiltänzer auf dem schmalen Grat zur Kriegserklärung“[47] und schrieb, er habe „den Mob von der Leine [gelassen], obwohl er schlicht nur beim Klauen ertappt wurde. Als wenn ein kleiner Junge, der beim Lollidiebstahl erwischt wird, sich mit der Unvollkommenheit des Kapitalismus rechtfertigt.“[48]

#Varoufake[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im März 2015 löste Böhmermann durch einen satirischen Beitrag eine Kontroverse aus, als er behauptete, ein von Günther Jauch als echt präsentiertes Video, auf dem der damalige griechische Finanzminister Yanis Varoufakis den Stinkefinger zeigt, sei von Böhmermann manipuliert worden.[51][52]

Das ZDF stellte später klar, dass es sich bei Böhmermanns Sendung um Satire handle.[53][54] Viele Kommentatoren sahen in Böhmermanns Aktion eine geniale Mediensatire.[52] Die Wiener Zeitung Online schrieb, ihm sei „der wahrscheinlich genialste PR-Coup der TV-Geschichte“ gelungen.[55] Böhmermann sei das Kunststück gelungen, „in einem Aufwaschen den Alibi-Journalismus der TV-Talkshows ebenso lächerlich zu machen wie die empörungsgetriebene Berichterstattung der Online-Medien“.[56] Für diesen satirischen Beitrag wurde Böhmermann mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet.[57] Varoufakis selbst äußerte sich in einem Interview anlässlich der Böhmermann-Affäre im Frühjahr 2016, wobei er sich mit Böhmermann solidarisierte und die Reaktion der türkischen Regierung auf das Schmähgedicht stark kritisierte.[58]

Ich hab Polizei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der satirische Rapsong Ich hab Polizei, den er samt Musikvideo am 26. November 2015 im Rahmen des Neo Magazin Royale unter dem Künstlernamen POL1Z1STENS0HN veröffentlichte, fand in den Medien ein breites Echo und wurde kontrovers diskutiert. Das Lied stand in der ersten Woche auf Platz sechs des Download-Rankings von GfK Entertainment.[59] In den deutschen Single-Charts stieg es am 4. Dezember auf Platz 10 ein.[60]

Böhmermann-Affäre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Böhmermann-Affäre

Am 31. März 2016 thematisierte Böhmermann in seiner satirischen Late-Night-Show „Neo Magazin Royale“ die Grenzen von Satire und trug ein Gedicht über den türkischen Präsidenten Erdoğan vor, das er mit dem Titel „Schmähkritik“ versah.[61] Das Gedicht beinhaltet verschiedene sexuell konnotierte Schmähungen und andere Behauptungen, so sei Erdoğan „der Mann, der Mädchen schlägt“, er wolle am liebsten „Ziegen ficken und Minderheiten unterdrücken, Kurden treten, Christen hauen und dabei Kinderpornos schauen“[62]. Böhmermann distanzierte sich dabei ausdrücklich mehrfach von dem vorgetragenen Text und wies darauf hin, damit ausschließlich veranschaulichen zu wollen, wann Spott die Grenze der Satirefreiheit in Deutschland überschreite und strafbar sein könnte.[63] Das ZDF entfernte den Beitrag einen Tag nach der Erstausstrahlung aus seiner Mediathek sowie geplante Wiederholungen aus seinem Programm mit der Begründung, er entspreche „nicht den Ansprüchen, die das ZDF an die Qualität von Satiresendungen stellt“.[64] Anlass für Böhmermanns Sendebeitrag war, dass Erdoğan zuvor als Reaktion auf ein Spottlied, das das Erste im Satiremagazin extra 3 am 17. März 2016 ausgestrahlt hatte, förmlich den deutschen Botschafter einbestellen ließ und die Löschung des Liedes forderte. In dem Lied war Erdoğan auch die Missachtung der Presse- und Meinungsfreiheit vorgeworfen worden.

Die Reaktionen in Politik und Presse reichten von Kritik an Böhmermanns Gedicht über den Vorwurf der Selbstzensur wegen der Entfernung des Beitrages aus der Mediathek durch das ZDF und Kritik an der gemeinsamen Bewertung durch Angela Merkel und Erdoğan bis zur Anerkennung für ein Spiel Böhmermanns mit Grenzen von Satire.[65]

Am 6. April 2016 wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft Mainz ein Ermittlungsverfahren gegen Böhmermann aufgrund des Verdachts der Beleidigung von Organen und Vertretern ausländischer Staaten nach § 103 des Strafgesetzbuches eröffnet habe. Zuvor waren rund 20 Strafanzeigen von Privatpersonen bei der Staatsanwaltschaft eingegangen. Tagesspiegel online schrieb am 10. April 2016, die türkische Regierung fordere eine Strafverfolgung Böhmermanns. Die Bundesregierung ließ verlauten, sie werde den Inhalt der Verbalnote sorgfältig prüfen und den weiteren Umgang mit ihr entscheiden.[66]

Böhmermann sagte seinen Auftritt bei der Verleihung des Grimme-Preises 2016 ab, bei der er für #Varoufake seinen zweiten Grimmepreis überreicht bekommen sollte.[67]

Am 11. April 2016 stellte Erdoğan bei der Staatsanwaltschaft Mainz wegen Beleidigung (§ 185 StGB) einen Strafantrag (§ 194 StGB) gegen Böhmermann.[68][69]

Seine Produktionsfirma sagte die Folge des „Neo Magazin Royale“ für den 14. April 2016 in Abstimmung mit ihm und dem ZDF ab.[70] Böhmermann stand ab dem 12. April vorübergehend unter Polizeischutz.[71]

Am 15. April 2016 wurde durch die Bundesregierung die Ermächtigung erteilt, ein Strafverfahren gegen Böhmermann einzuleiten. Die Bundeskanzlerin Angela Merkel stellte in einer Erklärung fest, dass es nicht Aufgabe der Regierung, sondern der Justiz sei, über die Strafbarkeit der Äußerungen von Böhmermann zu befinden. Diese Freigabe stelle keine Vorverurteilung Böhmermanns dar.[72][73] Der zugrundeliegende Paragraf 103 solle aber bis 2018 abgeschafft werden, er sei „für die Zukunft entbehrlich“.[74]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Radiomoderationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Podcast[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

TV-Moderationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bücher

  • Jan Böhmermann: Alles, alles über Deutschland. Halbwissen kompakt. 3. Auflage. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2016, ISBN 978-3-462-04849-0.

Hörbücher

  • Da Original Shaggä – Biddebaba. Audio-CD. G+H Hamburg 2005
  • Jan Böhmermann: Lukas’ Tagebuch live das Original aus dem Radio – nur lustiger. Live-Mitschnitt aus dem Gloria-Theater, Köln, vom 23. April 2009. Roof Music, Bochum 2009, ISBN 978-3-941168-15-2.
  • Jan Böhmermann: Jan Böhmermann liest Alles, alles über Deutschland. Roof Music, Bochum 2009, ISBN 978-3-941168-06-0 (vom Autor gekürzte und gelesene Hörbuchfassung).
  • Jan Böhmermann, Klaas Heufer-Umlauf (Hrsg.): Förderschulklassenfahrt das pädagogisch wertvolle Eventhörspiel. für coole Boys & Girls! Roof Music, Bochum 2013, ISBN 978-3-86484-029-6.
  • Jan Böhmermann, Klaas Heufer-Umlauf (Hrsg.): Förderschulklassenfahrt. 2. Fünf Feinde und der Proletenhund. Mit 20 % mehr Witzen! Roof Music, Bochum 2014, ISBN 978-3-86484-075-3.

Singles

Chartplatzierungen
Erklärung der Daten
Singles[76]
Ich hab Polizei
  DE 10 04.12.2015 (4 Wo.)
  AT 48 11.12.2015 (1 Wo.)
Blasserdünnerjunge macht sein Job
  DE 99 02.09.2016 (1 Wo.)
  • 2015: V for Varoufakis
  • 2015: Mit wem war Mutti im Bett?
  • 2015: Besoffen bei Facebook
  • 2015: Baby Got Laugengebäck
  • 2015: Ich hab Polizei (als POL1Z1STENS0HN a.k.a. Jan Böhmermann)
  • 2016: Be Deutsch!
  • 2016: Blasserdünnerjunge macht sein Job (als POL1Z1STENS0HN a.k.a. Jan Böhmermann)

Bühnenprogramme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2005: Boombastic Fantastic – ein Schmuseabend mit Da Original Shaggä, Comedy
  • 2007: Lukas’ Auswärtsspiel, Lesung
  • 2008: Lukas’ Auswärtsspiel – Saison 2008/2009, Lesung
  • 2009: Lukas’ Rückspiel – Saison 2008/2009, Lesung
  • 2009: Alles, alles über Deutschland, Vortragsreise
  • 2009: Die ganz große Jan Böhmermann Radio-Show, Comedy
  • 2011: Zwei alte Hasen erzählen von früher, Comedy (zusammen mit Klaas Heufer-Umlauf)
  • 2014: Schlimmer als Jan Böhmermann, Kabarett/Comedy

Ausführender Produzent[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszeichnungen und Nominierungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Jan Böhmermann – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Berliner Morgenpost: Jan Böhmermann rappt im „Gangsta“-Style Polizeisong. In: morgenpost.de. Abgerufen am 15. April 2016 (de-de).
  2. Jan Böhmermann über Ich hab Polizei: "Die Leute haben einfach zu viel Abitur". In: stern.de. Abgerufen am 15. April 2016 (de-de).
  3. a b c d e Westfälische Nachrichten: Portrait: Jan Böhmermann und sein erzwungener Berufsstart – Der Spötter aus Bremen, Meinungen/Hintergrund, AFP, 16. April 2016
  4. Bild: Vom Polizistensohn zur Staatsaffäre. Abgerufen am 21. April 2016.
  5. André Bosse: »Ich habe keinen Bock auf eindimensionale Dinge.« Interview. In: Galore, 16. Dezember 2015.
  6. Saarländischer Rundfunk: Unterview mit Jan Böhmermann (Kein Video mehr verfügbar). In: sr-online.de. SR, archiviert vom Original am 28. März 2013, abgerufen am 15. April 2016 (deutsch).
  7. Startseite Unternehmen – Unternehmen – WDR. In: wdr.de. Abgerufen am 15. April 2016.
  8. DWDL.de: Lukas Podolski zieht Klage gegen WDR zurück. In: dwdl.de. DWDL.de, abgerufen am 15. April 2016.
  9. EinsLive.de: Comedyserie Lukas’ WG (Memento vom 25. September 2009 im Internet Archive)
  10. Hoffnungsträger für die große Bühne oder ewiges Talent? Der Fernsehmoderator Jan Böhmermann im Porträt. In: sueddeutsche.de. sz-magazin.sueddeutsche.de, 4. März 2014, abgerufen am 15. April 2016.
  11. Andrej S: Fußball ist wie Schach – nur ohne Würfel. – Podolski-Satire von Jan Böhmermann. In: youtube.com. 8. Juni 2010, abgerufen am 15. April 2016.
  12. 15.07.2009 DER DEUTSCHE FERNSEHPREIS hat eine neue Jury › Deutscher Fernsehpreis 2016. In: deutscherfernsehpreis.de. Abgerufen am 15. April 2016.
  13. Köln Comedy | Comedypreis. In: koelncomedy.de. Abgerufen am 15. April 2016.
  14. Neues Comedy-Team für „Harald Schmidt“ steht – DWDL.de. In: dwdl.de. DWDL.de, abgerufen am 15. April 2016.
  15. ProSiebenSat.1 fällt auf Harald Schmidt-Fake rein. In: Meedia. 18. September 2009. Abgerufen am 4. Februar 2016.
  16. Kristina Mader: Wenn die Schweinegrippe einsam macht. In: derwesten.de. WAZ, abgerufen am 15. April 2016.
  17. Harald Schmidt: Schweinegrippenjournalismus auf YouTube
  18. Facebook. In: facebook.com. Abgerufen am 15. April 2016.
  19. Boehmermann – die neuesten Texte auf jetzt.de. In: sueddeutsche.de. jetzt.sueddeutsche.de, abgerufen am 15. April 2016.
  20. JAN BÖHMERMANN IST DOOF. In: zweialtehasen.de. Abgerufen am 15. April 2016.
  21. Zwei Hasen erzählen von früher. Die große Sonntagsshow (Memento vom 13. September 2012 im Webarchiv archive.is)
  22. Mein liebstes Stück Deutschland. In: deutschebahn.com. mobil.deutschebahn.com, abgerufen am 15. April 2016.
  23. Olli Schulz und Jan Böhmermann senden (fast) bundesweit. In: radioszene.de. RADIOSZENE, 16. Mai 2014, abgerufen am 15. April 2016.
  24. Böhmermann und Schulz beenden 'Sanft und Sorgfältig'. In: rbb-online.de. RBB, 26. April 2016, abgerufen am 26. April 2016.
  25. Jan Böhmermann und Olli Schulz starten “Fest & Flauschig”. Spotify, 13. Mai 2016, abgerufen am 24. Mai 2016 (deutsch).
  26. Die Harald Schmidt Show – Jan Böhmermann. In: sat1.ch. Abgerufen am 15. April 2016.
  27. "Roche & Böhmermann" wird nicht fortgesetzt. Pressemitteilung des ZDF. In: presseportal.de. 2012-13-28, abgerufen am 22. Februar 2013.
  28. LateLine | Sieben Radioprogramme – ein Nacht-Talk. In: hr-online.de. blogs.hr-online.de, abgerufen am 15. April 2016.
  29. LateLine. In: youtube.com. Abgerufen am 15. April 2016.
  30. Ankündigungsseite der Lateline
  31. Nico Steckelberg: Förderschulklassenfahrt – Das pädagogisch wertvolle Eventhörspiel. In: der-hoerspiegel.de. www.der-hoerspiegel.de, abgerufen am 15. April 2016.
  32. Jan Böhmermann, Klaas Heufer-Umlauf: Förderschulklassenfahrt 2: Fünf Feinde und der Proletenhund. 1. Auflage. tacheles!/ROOF Music, Bochum 2014.
  33. kressreport 21/13 vom 18. Oktober 2013, S. 20
  34. NEO MAGAZIN ROYALE on Twitter. In: twitter.com. Twitter, abgerufen am 15. April 2016.
  35. Jan Böhmermann bekommt satirisches Politmagazin – DWDL.de. In: dwdl.de. DWDL.de, abgerufen am 15. April 2016.
  36. Jan Böhmermann on Twitter. In: twitter.com. Twitter, abgerufen am 15. April 2016.
  37. RTL plant Hitler-Serie und Böhmermann-Show. In: tagesspiegel.de. Abgerufen am 15. April 2016.
  38. RTL: Neuer Donnerstagabend mit nackten Singles und Jan Böhmermann. In: wunschliste.de. Abgerufen am 15. April 2016.
  39. Quotenmeter: Versuch gescheitert: Böhmermanns RTL-Show fliegt vorzeitig. In: quotenmeter.de. Quotenmeter, abgerufen am 15. April 2016.
  40. Martin Weber: „Die unwahrscheinlichen Ereignisse im Leben von Frank Elstner“ : Ehrenrunde auf dem Ironie-Karussell. In: ksta.de. Kölner Stadt-Anzeiger, 20. Juli 2014, abgerufen am 15. April 2016 (de-de).
  41. DWDL.de: ZDFneo schickt „Schulz & Böhmermann“ auf Sendung – DWDL.de. Abgerufen am 5. September 2015.
  42. [1] ZDF-Seite zu Schulz und Böhmermann
  43. Jonas Leppin: Medienstar Böhmermann: Clown mit Haltung. In: Der Spiegel. 31. Dezember 2013, abgerufen am 8. April 2016.
  44. Martin Langer | Fotografie | Hamburg. In: langerphoto.de. Abgerufen am 15. April 2016.
  45. Dirk von Gehlen: Abmahnungen für Jan Böhmermann und Kai Diekmann: Urheberrecht royal. In: sueddeutsche.de. ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de).
  46. Hitlergruß in Jogginghose. In: tagesspiegel.de. Abgerufen am 15. April 2016.
  47. a b Redaktion neues deutschland: Mehr als der Streit um eine Pisshose. In: neues-deutschland.de. www.neues-deutschland.de, abgerufen am 15. April 2016.
  48. a b Paul Wrusch: Kommentar Urheberrecht: Böhmermann, der Shitstorm-Führer. In: die tageszeitung. (taz.de).
  49. Abmahnung für Jan Böhmermann: Vorsicht beim Teilen von Bildern und Videos in sozialen Netzwerken. In: mz-web.de. Mitteldeutsche Zeitung, abgerufen am 15. April 2016 (de-de).
  50. Sebastian Dalkowski: Jan Böhmermann: 'Ich lege Leuten den offenen Hals hin'. In: rp-online.de. RP ONLINE, abgerufen am 15. April 2016.
  51. Jan Böhmermann sprengt mit Stinkefinger-Fakevideo das Internet. In: meedia.de. 19. März 2015, abgerufen am 11. April 2016.
  52. a b ZDF stellt klar: Böhmermann-Sendung ist Satire. In: Spiegel Online. 19. März 2015, abgerufen am 11. April 2016.
  53. Presseportal zdf.de (Memento vom 19. März 2015 im Webarchiv archive.is) (Archive)
  54. sreu./dpa: „Dieser Witz hat nie stattgefunden“. In: FAZ.net. 19. März 2015, abgerufen am 11. April 2016.
  55. Christina Böck: Varoufake: Die Wahrheit kann uns mal. In: wienerzeitung.at. Medien – Wiener Zeitung Online, abgerufen am 15. April 2016.
  56. Walter Hämmerle: Die Spaßmacher. In: wienerzeitung.at. 19. März 2015, abgerufen am 11. April 2016.
  57. Fernsehpreis: Böhmermann bekommt Grimme-Preis für #Varoufake. In: zeit.de. 9. März 2016, abgerufen am 11. April 2016.
  58. Andre Dolle: Yanis Varoufakis: „Ich bin nicht böse auf Jan Böhmermann“. In: www.morgenpost.de. Abgerufen am 2. Mai 2016 (de-de).
  59. "Ich hab Polizei": Jan Böhmermann zieht Justin Bieber ab. In: n-tv.de. 30. November 2015, abgerufen am 11. April 2016.
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