Jan Brandt (Schriftsteller)

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Jan Brandt (* 1974 in Leer, Ostfriesland) ist ein deutscher Journalist und Schriftsteller.

Jan Brandt am 23. Juli 2019 in der Stadtbibliothek Düsseldorf. Lesung aus „Ein Haus auf dem Land/Eine Wohnung in der Stadt“.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jan Brandt, aufgewachsen in Ihrhove, studierte von 1995 bis 2003 Geschichte und Literaturwissenschaft an der Universität zu Köln, in Berlin und London und ist Absolvent der Deutschen Journalistenschule in München. Magisterarbeit über Das Schwarze Korps, die Wochenzeitung der SS.[1] Von 1999 bis 2003 war er Redakteur der Literaturschachtel Die Außenseite des Elementes.[2] Er schreibt regelmäßig für das Berliner Stadtmagazin Zitty, die Literaturzeitschrift Edit und Die Zeit.

Sein Romandebüt Gegen die Welt machte ihn 2011 auf einen Schlag bekannt. Das Provinzepos zeichnet den Untergang eines Dorfes in Ostfriesland nach und thematisiert dabei die jüngere Geschichte der alten Bundesrepublik im Zeichen von Wende und Globalisierung. Gegen die Welt wurde für den Deutschen Buchpreis (Shortlist) 2011 nominiert und erreichte Platz 35 der Spiegel-Bestsellerliste.[3] Das Buch erfuhr in der Literaturkritik hohe Beachtung,[4] so nannte es die Tageszeitung Frankfurter Allgemeine Zeitung einen „gewaltigen, beeindruckenden Roman“[5]Der Spiegel sprach gar vom „Buch der Bücher“[6]. Das Buch Gegen die Welt zeichnet sich durch zahlreiche mikro- und makrotypografische Besonderheiten aus, die beim Lesen sogar bedeutungstragend sind.

Sein zweites Buch Tod in Turin ist ein Reisebericht, der von einer Lesereise nach Italien erzählt. Darin beschreibt Brandt selbstironisch den Alltag eines Schriftstellers zwischen Stipendien und Lesungen und setzt sich dabei kritisch mit der italienischen Kultur und dem deutschen Literaturbetrieb auseinander.

Brandts Buch Ein Haus auf dem Land / Eine Wohnung in der Stadt schildert Bewusstwerdungsprozesse, die dem Autor bei der Reflexion seiner Erlebnisse einerseits bei der Wohnungssuche im heutigen Berlin andererseits beim Umgang mit Erinnerung im Falle des abrissbedrohten Hauses seines Urgroßvaters in den Sinn kamen.[7][8]

Er ist Mitglied im PEN-Zentrum Deutschland.

Brandt zog 1998 nach Berlin-Prenzlauer Berg und wohnte dort anfangs in einer Schlichtwohnung.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gegen die Welt. Roman. DuMont Buchverlag, Köln 2011, ISBN 978-3-8321-9628-8.
  • Tod in Turin. Reisebericht. Mit Illustrationen von Tom Smith. DuMont Buchverlag, Köln 2015, ISBN 978-3-8321-9792-6.
  • Stadt ohne Engel – Wahre Geschichten aus Los Angeles. Reisereportagen. DuMont Buchverlag, Köln 2016, ISBN 978-3-8321-9831-2.
  • Ein Haus auf dem Land / Eine Wohnung in der Stadt. Von einem, der zurückkam, um seine alte Heimat zu finden / Von einem, der auszog, um in seiner neuen Heimat anzukommen. Wendebuch. DuMont Buchverlag, Köln 2019 ISBN 978-3-8321-8356-1

Erzählungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Einmal noch. In: Martin Brinkmann, Werner Löcher-Lawrence (Hrsg.): 20 unter 30. Junge deutsche Autoren. DVA, Stuttgart/ München 2002.
  • Gottesdienst für Martin Janssen. In: Jörn Morisse, Stefan Rehberger (Hrsg.): Driving Home – Weihnachtsgeschichten. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2006.
  • Der Blitz. In: Playboy. 3/2010.
  • Ich bin noch da. In: Hauke Hückstedt, Susanne Gaensheimer (Hrsg.): Acht Betrachtungen II. Henrich, Frankfurt am Main 2016.

Essays (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Unendliche Seiten – Eine kurze Geschichte der großen Romane. In: Bella Triste. 32, Hildesheim 2012.
  • Zweite Heimat, Ersatzhölle. In: die horen. 1/2015, Wallstein Verlag, Göttingen 2015.
  • Heimweh nach Historie. In: Matthias Jügler (Hrsg.): Wie wir leben wollen – Texte für Solidarität und Freiheit. Suhrkamp, Berlin 2016.

Herausgeber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszeichnungen und Stipendien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jeanine Tuschling: Eskapismus ins Außerirdische. Das Dorf als post-utopischer Raum in Arno Schmidts „KAFF auch Mare Crisium“ und Jan Brandts „Gegen die Welt“. Auktoriale Selbstinszenierung im Zeichen des Dörflichen. In: Werner Nell, Marc Weiland (Hrsg.): Imaginäre Dörfer. Zur Wiederkehr des Dörflichen in Literatur, Film und Lebenswelt (= Rurale Topografien. Bd. 1). Transcript, Bielefeld 2014, ISBN 978-3-8376-2684-1, S. 267–284.
  • Christian Klein: „Günter Grass, du hast unsere Literatur zerstört“. Jan Brandts Roman ‚Gegen die Welt‘ und die Poetik des Manischen Realismus. In: Carsten Rhode, Hansgeorg Schmidt-Bergmann (Hrsg.): Die Unendlichkeit des Erzählens. Der Roman in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur seit 1989. Aisthesis, Bielefeld 2013, ISBN 978-3-89528-977-4, S. 47–68.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Jan Brandt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Familienseite der d'Alquen. 8. Juli 2008, archiviert vom Original am 8. Juli 2008; abgerufen am 8. September 2016.
  2. Brandt, Jan – Vita. (Nicht mehr online verfügbar.) In: www.lyrikwelt.de. Archiviert vom Original am 1. August 2016; abgerufen am 1. August 2016. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.lyrikwelt.de
  3. Gegen die Welt auf Bestsellerliste, buchreport.de, abgerufen 8. Juli 2019
  4. perlentaucher.de
  5. buecher.de
  6. SPIEGEL ONLINE, Hamburg, Germany: Alles muss erzählt werden – DER SPIEGEL 39/2011. In: www.spiegel.de. Abgerufen am 13. August 2016.
  7. Natascha Geier: Ein Haus auf dem Land / Eine Wohnung in der Stadt, Rezension im NDR TV Kulturjournal vom 20. Mai 2019, abgerufen 8. Juli 2019
  8. Andreas Wirthensohn: Jan Brandt erzählt von Heimatverlust und existenzieller Obdachlosigkeit in Zeiten des Immobilienwahnsinns, Rezension im WDR vom 26. Juni 2019, abgerufen 8. Juli 2019
  9. Aufenthaltsstipendien, Börsenblatt vom 28. Mai 2019, abgerufen 3. Juni 2019
  10. Jan Brandt. Preisträger 2014. Stiftung kunst:raum sylt quelle, abgerufen am 15. Oktober 2016.