Jan Haft

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Jan Haft, um 2010, bei den Dreharbeiten zu Wildes Skandinavien

Jan Michael Haft (* 1967[1] in München) ist ein deutscher Dokumentarfilmer, dessen Tier- und Naturfilme vielfach prämiert wurden.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jan Haft ist der Sohn einer Grundschullehrerin, sein Vater ist Physiker und Patentanwalt.[2] Bereits als Kind war Jan Haft von der heimatlichen Natur fasziniert, so dass sein Wunsch, später beruflich damit zu tun zu haben, schon früh feststand. Seinen Zivildienst leistete er beim Landesbund für Vogelschutz ab. An der Technischen Universität München sowie an der Universität Würzburg studierte er Geologie, Paläontologie und Biologie.[3] Anfang der 1990er Jahre begann er als Assistent beim Tierfilm, wo er im Verlauf mehrmonatiger Drehreisen, zum Beispiel von Wieland Lippoldmüller oder Walter Sigl, bei den Arbeiten half und wichtige Erfahrungen sammelte.[4]

1996 gründete er seine eigene Filmproduktionsfirma, ab 2001 unter dem Namen nautilusfilm GmbH, mit der er Naturdokumentationen produzierte, die zahlreiche Auszeichnungen erhielten. Heute ist sein Unternehmen eines der erfolgreichsten in der deutschen Naturfilm-Branche. Bis 2015 erhielt er mehr als 180 Auszeichnungen von internationalen Naturfilmfestivals.[2] Jan Haft lebt in einem Ort im oberbayerischen Isental, das er mit der mehrfach prämierten Dokumentation Mein Isental bekannt gemacht hatte. Weitere Projekte führten ihn um die ganze Welt.

Die Filme von Jan Haft werden in der Regel vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen koproduziert. Eine 3sat-Redaktion urteilte über seine Arbeiten: „Haft konzentriert sich nicht unbedingt auf das Mächtige, Große, sondern rückt Kleinigkeiten ins kinogerechte Licht, wie etwa Hirschkäfer, Eisvögel oder Feldgrillen.“[3] Das NDR Fernsehen fand: „So lebendig, so mystisch wie bei Jan Haft hat man den Wald noch nie gesehen. Es ist ein Ort voller großer und kleiner Wunder, den Haft in seinem neuen Dokumentarfilm Mythos Wald zeigt.“[5] 2013 lief in der Naturfilm-Reihe Erlebnis Erde als Zweiteiler Wilder Rhein, Haft zeigt darin die Rheinfauna von der Nordsee bis zu den Alpen. Nach fünf Jahren Drehzeit kam im September 2015 sein Naturfilm Magie der Moore mit Axel Milberg als Sprecher ins Kino. Die Dokumentation verwendet erneut Weitwinkel- und Teleobjektive, Schnorchel- und Endoskop-Optiken, Seilbahnen und selbst konstruierte Schienensysteme für motorbetriebene Kameraschlitten.[6]

Am 4. April 2019 kam Hafts Naturfilm Die Wiese – Ein Paradies nebenan in die deutschen Kinos, das Projekt wurde von der Deutschen Wildtier Stiftung gefördert. Neben der Vielfalt von Flora und Fauna der heimischen Naturwiesen zeigt der Film auch die Verödung der Wiesen durch Überdüngung und Pestizide. Nach Ansicht in der Tageszeitung Die Welt präsentiere der Film „atemberaubende Bilder heimischer Natur“. Die Wiese sei jedoch auch „ein Aufruf zum achtsamen Umgang mit einem Lebensraum, dessen fortschreitender Rückgang das Artensterben noch weiter beschleunigen könnte.“[7].

Hafts Filme haben eine sehr eigenständige Filmsprache und Ästhetik entwickelt. In einem NDR-Porträt wurde der technische Aspekt seines Filmstils beschrieben: „Zeitlupen und Zeitraffer, Makroaufnahmen und bewegte Kamera machen für das Auge kaum sichtbare Vorgänge erlebbar und decken verborgene Zusammenhänge auf. Seine Filme lassen den Zuschauer tief in eine ihm anscheinend bekannte Welt eintauchen und ihn diese völlig neu entdecken. Dabei werden nicht nur dem Auge immer wieder neue optische Höhepunkte geboten, sondern auch scheinbar sichere Erkenntnisse in Frage gestellt.“[8]

Jan Hafts Ehefrau Melanie ist eine Medien- und Kommunikationswissenschaftlerin. Sie arbeitet seit 2001 als Produktionsleiterin für ihre gemeinsame[2] Filmproduktionsfirma. Das Ehepaar hat drei Kinder und die Familie lebt in einem Bauernhaus im Isental.[9]

Werke und Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jan Haft beim Internationalen Naturfilmfestival Green Screen 2011, in Eckernförde mit dem Preis Bester Film für Wildes Skandinavien – Norwegen

Filme über Haft (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Passion for Planet – Leben als Tierfilmer. Dokumentarfilm, Deutschland, 2017, 90 Min., Buch und Regie: Werner Schuessler, Produktion: ¿are u happy? films, Indi Film, SWR, SRF, Reihe: natur exclusiv, Erstsendung: 23. August 2017 bei Das Erste, Inhaltsangabe von ARD. Porträt der Tier- und Naturfilmer Jan Haft, Rob Stewart, Rita Banerji, Mark Shelley, Michael und Rita Schlamberger.

Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Klappentext in Jan Haft: Die Wiese: Lockruf in eine geheimnisvolle Welt, 2019, ISBN 978-3-328-60066-4.
  2. a b c Kirsten Wolf: Chronist im Sumpf. In: Die Welt, 25. Oktober 2015, Porträt.
  3. a b se: Mit Liebe zum Detail. Tierfilmer Jan Haft und seine faszinierenden Dokumentationen. (Memento vom 10. Februar 2013 im Webarchiv archive.today) In: 3sat, 29. Oktober 2007.
  4. Filmseite: Jan Haft • Drehbuch, Regie, Schnitt, Text. (Memento vom 25. März 2016 im Internet Archive). In: Magie der Moore.
  5. Zitiert in: Das Grüne Wunder – Unser Wald. In: Filmhaus Nürnberg, 15. März 2013, aufgerufen am 21. Oktober 2014.
  6. Über die Produktion. (Memento vom 21. März 2016 im Internet Archive). In: Magie der Moore.
  7. Hamburg-Premiere „Die Wiese“. In: Die Welt, 28. März 2019.
  8. Tierfilmer Jan Haft im Porträt. (Memento vom 17. November 2010 im Internet Archive). In: NDR, mit Bildergalerie.
  9. Filmseite: Melanie Haft • Produzentin, Produktionsleiterin. (Memento vom 23. März 2016 im Internet Archive). In: Das Grüne Wunder – Unser Wald, aufgerufen am 14. Februar 2017.
  10. Doppelte Auszeichnung für Dorfener Filmemacher. In: Münchner Merkur, 19. August 2010.
  11. Mountain Film 2019: Grand Prix Graz geht an Jan Haft In: Salzburger Nachrichten, 16. November 2019.
  12. Nils Oehlschläger: Wie filmt man wilde Tiere, Herr Haft? In: HAZ, 9. Dezember 2017, Interview mit Haft, aufgerufen am 30. Juni 2019.
  13. Johannes Kaiser: Jan Haft: „Die Wiese“. Der kleine Dschungel vor der Haustür. In: Deutschlandfunk, 5. April 2019.
      Udo A. Zimmermann: Kritik zu Die Wiese – Ein Paradies nebenan. In: epd, 25. März 2019.