Jan Szczepański (Boxer)

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Jan Szczepański (links), 1960

Jan Antoni Szczepański (* 20. November 1939 in Małecz, Powiat Tomaszowski, Woiwodschaft Łódź; † 15. Januar 2017[1]) war ein polnischer Boxer. Er war Olympiasieger 1972 in München und Europameister 1971 in Madrid im Leichtgewicht.

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jan Szczepańskis Karriere als Boxer muss in zwei Phasen eingeteilt werden: in die Phase von vor 1964 und in die Phase von nach 1968. Dies ist ungewöhnlich, aber genauso ungewöhnlich war auch die Karriere von Jan Szczepański. Sie begann 1955, als der Mechanikerlehrling beim Boxclub Pilica Tomaszów Mazowiecki mit dem Boxen begann. Sein erster Trainer war M. Kraszewski. Er erzielte relativ schnell Erfolge im nationalen Bereich. 1958 ging er zur polnischen Armee und wurde Mitglied des Armeesportclubs Legia Warschau, wo er von Marian Twardowski trainiert wurde.

1958 verzeichnete er seinen ersten größeren Erfolg, als er bei der polnischen Meisterschaft im Leichtgewicht den 3. Platz belegte. Nach einer Stagnation in den Jahren 1959 und 1960 erreichte er 1961 wieder das Finale der polnischen Meisterschaft, in dem er allerdings gegen Antoni Dasal durch techn. KO in der 3. Runde unterlag. Insgesamt hatte er bei dieser Meisterschaft aber den polnischen Nationaltrainer Feliks Stamm überzeugt, so dass er bei der Europameisterschaft des gleichen Jahres in Belgrad im Leichtgewicht eingesetzt wurde. In Belgrad traf er aber gleich in der Vorrunde auf den sowjetischen Meister Gennadi Kakoschkin, gegen den er nach Punkten unterlag und ausschied.

1962 und 1963 wurde Jan Szczepański polnischer Meister im Leichtgewicht. Er bezwang dabei in den Endkämpfen Ryszard Dudczak und Włodzimierz Caruk. 1963 feierte er noch einen anderen bemerkenswerten Erfolg. Er gewann bei der 3. Armee-Meisterschaft der Armeen der Staaten des Warschauer Paktes in Łódź (SKDA-Meisterschaft) den Titel im Federgewicht und bezwang dabei keinen Geringeren als Wladimir Safronow aus der Sowjetunion, den Olympiasieger von 1956.

Gegen Ende des Jahres 1963 wurde Jan Szczepański verhaftet. Er war wegen Alkohol- und Drogenmissbrauchs aufgefallen und war auch straffällig geworden. Er wurde daraufhin zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. 1968 wurde er auf Grund einer Amnestie aus dem Gefängnis entlassen und begann bei Legia Warschau wieder mit dem Boxen. Er hatte seine Probleme überwunden und hatte schon bald sein früheres boxerisches Niveau wieder erreicht.

Bereits 1969 wurde er wieder polnischer Meister im Leichtgewicht und holte sich diesen Titel auch 1970 wieder. 1971 gelang ihm schließlich der dritte Titelgewinn bei der polnischen Meisterschaft in Folge. Er wurde daraufhin auch wieder bei internationalen Wettkämpfen eingesetzt, obwohl er bereits 32 Jahre alt war. 1971 startete er bei der Europameisterschaft in Madrid im Leichtgewicht. Mit fünf Siegen gewann er dort zur Überraschung aller Experten überlegen den EM-Titel. Bei dieser Meisterschaft bezwang er u. a. die hervorragenden Boxer Seyfi Tatar aus der Türkei, Nikolai Chromow aus der Sowjetunion und im Finale Vasile Antoniu aus Rumänien.

Nach diesem Erfolg konnte er sich 1972 gezielt auf die Olympischen Spiele in München vorbereiten. Er war deshalb in München wieder in hervorragender Form und bezwang nacheinander Kasmiro Marchlo aus dem Sudan, James Busceme aus den Vereinigten Staaten und Charles Nash aus Irland. Im Halbfinale hatte er Glück, denn er kam zu einem kampflosen Sieg über den verletzten Samuel Mbugua aus Kenia und im Endkampf gewann er über den Ungarn László Orbán sicher mit 5:0 Punktrichterstimmen. Damit krönte er seine wechselvolle Karriere mit dem Olympiasieg.

Im Jahre 1973 bestritt Jan Szczepański noch einige Länderkämpfe, trat aber bald darauf zurück. In seiner Karriere hatte er insgesamt 290 Kämpfe bestritten, von denen er 251 gewann.

Er absolvierte seine Trainerausbildung und war Trainer bei Polonia Warschau und KSZO Ostrowiec Świętokrzyski. 1976 versuchte er sich zusammen mit seinem früheren Boxkameraden Jerzy Kulej auch als Filmschauspieler im Film des bekannten Regisseurs Marek Piwowski (Przepraszam, czy tu biją?).

Internationale Erfolge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(OS = Olympische Spiele, EM = Europameisterschaft, Fe = Federgewicht, Le = Leichtgewicht, Hw = Halbweltergewicht, damals bis 57 kg, 60 kg bzw. 63,5 kg Körpergewicht)

Polnische Meisterschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(Finalergebnisse)

  • 1961: Le, technische KO-Niederlage 3. Runde gegen Antoni Dasal,
  • 1962: Le, Disqualifikationssieger 2. Runde über Ryszard Dudczak,
  • 1963: Le, Punktsieger über Antoni Dasal,
  • 1969: Le, Punktsieger über Włodzimierz Caruk,
  • 1970: Le, Punktsieger über Jan Wadas,
  • 1971: Hw, Punktsieger über Zbigniew Osztab

Länderkämpfe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1961 in Toruń, Polen B gegen DDR B, Le, Punktsieger über Hans Bittmann,
  • 1961 in Łódź, Polen gegen Schottland, Le, Punktsieger über James Lynch,
  • 1961 in Budapest, Ungarn gegen Polen, Le, Punktniederlage gegen János Kajdi,
  • 1962 in München, BRD gegen Polen, Le, Punktniederlage gegen Horst Herper,
  • 1962 in Würzburg, BRD gegen Polen, Le, techn. KO-Sieger 2. Runde über Jürgen Voß,
  • 1962 in Szczecin, Polen gegen Ghana, Le, Punktniederlage gegen Eddie Blay,
  • 1962 in Łódź, Polen gegen Ungarn, Le, Punktniederlage gegen János Kajdi,
  • 1963 in Łódź, Polen gegen UdSSR, techn. KO-Niederlage 2. Runde gegen Stanislaw Stepanowitsch Stepaschkin,
  • 1971 in Wrocław, Polen gegen BRD, Le, Punktsieger über Peter Henatsch,
  • 1971 in Potsdam, DDR gegen Polen, Le, Punktsieger über Günther Radowski,
  • 1971 in Opole, Polen gegen Rumänien, Le, Punktsieger über Vasile Antoniu,
  • 1972 in Mielec, Polen gegen DDR, Hw, Abbr.-Sieger 3. R. über Hans-Dietrich Kästner,
  • 1973 in Münster, BRD gegen Polen, Hw, techn. KO-Sieger 2. Runde über Burkhard Barnowski,
  • 1973 in Hannover, BRD gegen Polen, Hw, Punktsieger über Franzek,
  • 1973 in Zrenjanin, Jugoslawien gegen Polen, Hw, Punktniederlage gegen Zvonimir Vujin,
  • 1973 in West Paterson (USA), USA gegen Polen, Le, Punktsieger über Robert Alexander,
  • 1973 in Chicago, USA gegen Polen, Hw, Punktsieger über Ronnie Walker

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fachzeitschrift Box-Sport, DNB 013443488, aus den Jahren 1960 bis 1973
  • Deutscher Amateur-Box-Verband (Hrsg.): Box Almanach 1920 – 1980. 1980
  • Website sport-komplett.de
  • Website amateur-boxing.strefa.pl
  • Website olimpijski.pl

Weblink[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nie żyje legenda polskiego boksu. Fakt.pl, 15. Januar 2017, angerufen am 17. Januar 2017 (polnisch).