Japanisch-Sowjetischer Neutralitätspakt

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Unterzeichnung des Vertrages durch den japanischen Außenminister Matsuoka

Der japanisch-sowjetische Neutralitätspakt (jap. 日ソ中立条約 nisso chūritsu jouyaku; russisch Пакт о нейтралитете между СССР и Японией) war ein Friedens- und Freundschaftsvertrag während des Zweiten Weltkriegs.[1] Er wurde am 13. April 1941 zwischen dem Kaiserreich Japan und der Sowjetunion geschlossen. Vorausgegangen war dem Vertrag am 16. September 1939 ein Waffenstillstandsabkommen, das den seit 1932 fortwährenden japanisch-sowjetischen Grenzkonflikten zwischen Mandschukuo und der Mongolischen Volksrepublik ein Ende setzte.[2][3]

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Vertrag legte die gegenseitige Unverletzbarkeit und Neutralität dem anderen Staat gegenüber fest, falls einer Gegenstand des Angriffs eines dritten Landes werden würde. Die Gültigkeitsdauer wurde auf fünf Jahre festgelegt. Beide Parteien verpflichteten sich, friedliche und freundschaftliche Beziehungen zwischen ihnen aufrechtzuerhalten und die territoriale Integrität und Unverletzlichkeit der anderen Vertragspartei gegenseitig zu respektieren.[4] Zudem versprach die Sowjetunion, die territoriale Integrität und Unverletzlichkeit von Mandschukuo zu respektieren, während Japan das gleiche für die Mongolische Volksrepublik tat.[5] De facto hatte die Sowjetunion Mandschukuo bereits 1935 durch den Verkauf der Ostchinesischen Eisenbahn anerkannt.[6]

Perzeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Pakt hatte zum einen den Zweck, der Sowjetunion im Falle eines eventuellen deutschen Angriffs den Rücken freizuhalten. Zum anderen wollte auch Japan sich vorerst nicht in einen – von Japan erwarteten – deutsch-sowjetischen Konflikt verwickeln lassen.

Trotz Abschluss des japanisch-sowjetischen Neutralitätspakts war es für die Sowjetunion zunächst nicht klar, ob der Vertrag seitens Japan auch eingehalten würde. Erst der bekannte Funkspruch von Richard Sorge, einem Agenten und Korrespondenten der Frankfurter Zeitung in Japan, Mitte August 1941 nach Moskau gab Gewissheit. Er teilte darin mit, dass der japanische Kronrat beschlossen habe, den Kampf gegen die Sowjetunion von Mandschukuo aus endgültig einzustellen. Eher wäre Japan bereit, einen Krieg gegen die USA und das Vereinigte Königreich in Kauf zu nehmen, als auf die Rohstoffvorkommen Süd-Indochinas zu verzichten. Durch diese, aus historischer Sicht kriegsentscheidende Information besaß das sowjetische Oberkommando die strategische Möglichkeit, größere Reserven in Form von sibirischen Truppen aus dem Fernen Osten nach Westen zu verlegen.

Hinzuzufügen ist, dass beide Parteien von ihren jeweiligen Verbündeten bereits früher dazu gedrängt worden waren, den Vertrag zu brechen. So hätte es das nationalsozialistische Deutsche Reich unter Adolf Hitler nach dem Dreimächtepakt gerne gesehen, wenn Japan eine zweite Front im Osten eröffnet hätte, die Vereinigten Staaten von Amerika mit Präsident Roosevelt drängten ihrerseits nach Eintritt in den Zweiten Weltkrieg die Sowjetunion auf Unterstützung gegen Japan.

Vertragsende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einer Geheimabsprache auf der Konferenz von Jalta im Februar 1945 verpflichtete sich die Sowjetunion, zwei bis drei Monate nach der deutschen Kapitulation den Krieg gegen Japan zu eröffnen. Die sowjetische Kriegserklärung an Japan erfolgte am 8. August 1945, zwei Tage nach dem Atombombenabwurf auf Hiroshima zu einem Zeitpunkt als die japanische Regierung bereits Waffenstillstandsgespräche vorbereitete.[7] Da der Tennō am 14. August 1945 den „Kaiserlichen Erlass über das Kriegsende“ erteilte, konnte die Rote Armee innerhalb von sechs Tagen im Rahmen der Operation Auguststurm ohne Widerstand Mandschukuo, die Kurilen und Teile Koreas besetzen.[8][9]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Articel 1, Soviet-Japanese Neutrality Pact April 13, 1941., Avalon Project at Yale University, abgerufen am 1. Juli 2017.
  2. Gerald Mund: Ostasien im Spiegel der deutschen Diplomatie: die privatdienstliche Korrespondenz des Diplomaten Herbert v. Dirksen von 1933 bis 1938. Franz Steiner Verlag, 2006. S.132.
  3. Hermann Weber, Jakov Drabkin, Bernhard H. Bayerlein: Deutschland, Russland, Komintern - Dokumente (1918–1943). Neuerschlossene Quellen zu der Geschichte der KPD und den deutsch-russischen Beziehungen. Walter de Gruyter, 2015, S. 1532.
  4. Soviet-Japanese Neutrality Pact April 13, 1941., Avalon Project at Yale University, abgerufen am 1. Juli 2017.
  5. Declaration Regarding Mongolia April 13, 1941., Avalon Project at Yale University, abgerufen am 1. Juli 2017.
  6. Stefan Talmon: Kollektive Nichtanerkennung illegaler Staaten. Mohr Siebeck, 2006, S. 121.
  7. Gottfried Schramm: Handbuch der Geschichte Russlands. Von den autokratischen Reformen zum Sowjetstaat. Bände 1856-1945. Hiersemann-Verlag, 1992, S. 992.
  8. Hans-Jürgen Schlochauer: Wörterbuch des Völkerrechts. Band 2. Walter de Gruyter, 1961, S. 469.
  9. Harald Pöcher: Kriege und Schlachten in Japan von 1922 bis 1945. LIT Verlag Münster, 2012, S. 76.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]