Japanisches Palais

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Japanisches Palais vom Palaisplatz aus gesehen
Das Japanische Palais vom zugehörigen Barockgarten aus gesehen
Das Holländische Palais
Japanisches Palais, Innenhof, Nordwestlicher Seitenflügel, um 1889
Theodor Rosenhauer malt das Japanische Palais nach dessen Zerstörung, wohl 1946

Das Japanische Palais ist ein historisches Bauwerk in der Inneren Neustadt von Dresden. Es liegt zwischen Palaisplatz und Neustädter Elbufer. Das Japanische Palais dient heute als Museumsgebäude und beherbergt das Museum für Völkerkunde und die Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen. Es ist der ehemalige Sitz des Landesmuseums für Vorgeschichte, das sich heute als Staatliches Museum für Archäologie (smac) in Chemnitz befindet.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das ursprüngliche und heute als solches nicht mehr erkennbare Gebäude geht auf einen im Jahr 1715 von Matthäus Daniel Pöppelmann für Jakob Heinrich Graf von Flemming errichteten Lustschlossbau (Typus "maison de plaisance") zurück. Ende desselben Jahres bezog es der holländische Gesandte Harsolde von Craneburg (dort am 29. Januar 1716 verstorben), weshalb es älteren Schriftquellen zufolge seinen Namen als Holländisches Palais erhalten habe. Tatsächlich rekurriert der Name wohl eher auf die besonders gestaltete Gartenlandschaft, die nach typisch holländischen Vorbildern, etwa von Schloss Het Loo, angelegt worden war. Bereits 1717 wechselte das Palais jedoch in den Besitz von August dem Starken über, der hier seine umfangreiche Sammlung an ostasiatischem Porzellan sowie Teile der Kunstkammer unterbrachte. Am 10. September 1719 veranstaltete der Kurfürst hier das erste der sog. Sieben Planetenfeste im Kontext der Hochzeit seines Sohnes mit der Kaisertochter Maria Josepha von Habsburg. Zwischen 1717 und 1723 wurden durch August den Starken Um- und Erweiterungsmaßnahmen für das Holländische Palais vorgesehen (u. a. Neubauprojekt Reithalle 1717), von denen jedoch nur die wenigsten realisiert wurden (Anlage Königstraße, Neuausstattung des Gartens mit 100 prachtvollen Marmorskulpturen).

Der Kurfürst gab schließlich 1725 die endgültige, sehr komplizierte Umbauplanung in Auftrag. Am 26. Juli 1727 richtete man in den Räumlichkeiten zwar ein Abschiedsfest aus, jedoch wurde das Palais neueren Erkenntnissen zufolge in seinem Hauptgebäude noch bis Sommer 1730 genutzt.[2]

In den Jahren von 1729 bis 1733 fanden nach Entwürfen der Architekten Matthäus Daniel Pöppelmann, Zacharias Longuelune und Jean de Bodt erhebliche Um- und Neubaumaßnahmen am Gebäude statt. Das ursprüngliche Lustschloss bildete dabei den der Elbe zugewandten Flügel einer großen Vierflügelanlage in spätbarock-klassizistischem Stil. Den noch heute gebräuchlichen Namen erhielt das Gebäude 1732,[3] wofür die Dekorationen des Außenbaus sowie vor allem die geplante Porzellanaustattung die Veranlassung gegeben hatten.

Unterstrichen wird die asiatische Wirkung durch die Dächer mit ihren fernöstlichen Formen sowie durch Hermen und weitere Figuren im asiatischen Stil an der Außenfassade und im Innenhof, sowie durch das von Johann Benjamin Thomae geschaffene Relief im Giebel der Hauptfassade. Dieses zeigt Sachsen und Chinesen bei der Porzellanherstellung und die Göttin Saxonia in Begleitung zahlreicher Personen, die Porzellangefäße in ihren Händen halten. Nach dem Tode von August des Starken bewilligte sein Sohn und Nachfolger ab 1733 nur noch geringe Mittel und die Bauarbeiten kamen 1738-44 zum Abschluss.[4]

Im Siebenjährigen Krieg erlitt das Gebäude erhebliche Zerstörungen. Mit dem darauf folgenden Umbau der Jahre 1782–1786 durch Christian Friedrich Exner und Gottlob August Hölzer zum Museum wurde die noch heute vorhandene Inschrift Museum usui publico patens (Museum zum öffentlichen Gebrauch) angebracht. Die Pläne für die museale Nutzung stammten vom Oberkammerherrn Ludwig Siegfried Graf Vitzthum von Eckstädt, der die Finanzierung des Umbaus durch den Verkauf von Dubletten der erworbenen Brühlschen (62.000 Bände) und Bünauschen Bibliothek (42.000 Bände) möglich machte. Nach dem Tode Graf Vitzthums führte sein Nachfolger, Graf Marcolini, den Umbau aus. An den Umbauten waren ferner der Baumeister Johann Gottfried Kuntsch und für die Innengestaltung der Bildhauer Dorsch beteiligt. Seit 1786 diente das Japanische Palais in seinen Obergeschossräumen der kurfürstlichen Bibliothek, aus der später zu einem wesentlichen Anteil die Sächsische Landesbibliothek hervorging und die dort bis 1945 verblieb. Sie ist eine der ältesten Bibliotheken Deutschlands. In der Zeit zwischen 1786 und 1887 war in den Erdgeschossräumen zusätzlich die Antikensammlung im Palais untergebracht. Mit einem weiteren Umbau in den Jahren 1835–1836 war Gottfried Semper beauftragt, der für die Skulpturensammlung im Erdgeschoss eine pompejanisch-historisierende Umgestaltung vornahm. Nach Umzug in das Albertinum übernahm die Bibliothek diese Räumlichkeiten.[5][6]

In den Jahren 1925 bis 1935 nahm man erneut Umbauten vor, damit das Gebäude der Nutzung als Landesbibliothek besser gerecht werden konnte und mit deren Abschluss in den Sempersälen des Erdgeschosses ihr Buchmuseum eröffnete. Die Planungen für Räumlichkeiten des Buchmuseums lagen in den Händen von Hubert Georg Ermisch.[3]

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Japanische Palais durch Brand erheblich beschädigt, in deren Folge auch Bestandteile der Landesbibliothek Schaden nahmen. Der umliegende Garten wurde durch Bomben zerstört. Von 1951 bis 1987 zogen sich die Wiederherstellungsarbeiten des Außenbaues sowie die Rekonstruktion einiger Innenräume (Eingangshalle, gartenseitiger Mittelraum der Sempersäle, Treppenhäuser sowie Bibliothekssaal im Elbflügel) hin. Große Teile des Palaisinneren befinden sich jedoch bis auf den heutigen Tag im Rohbau. Zwischen 1984 und 1985 wurde auch der zugehörige Palaisgarten, der einen Blick auf die am anderen Elbufer gelegene Brühlsche Terrasse und Neue Terrasse gewährt, in stark vereinfachter Weise wieder angelegt.[7]

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1951 bis 2012 diente das Gebäude dem Landesmuseum für Vorgeschichte Dresden (zum Landesamt für Archäologie Sachsen), seit 1954 auch dem Museum für Völkerkunde Dresden (zu den Staatlichen Ethnographischen Sammlungen Sachsen) zur Präsentation von Ausstellungen.[6] Seit 2001 finden hier auch Ausstellungen des Museum für Mineralogie und Geologie Dresden (von den Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen Dresden) statt.

Beim Japanischen Palais handelt es sich um eines der ältesten erhaltenen Museumsgebäude in Deutschland.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Cordula Bischoff, Ulrich Pietsch (Hrsg.): Japanisches Palais zu Dresden: Die Königliche Porzellansammlung Augusts des Starken. Hirmer Verlag, 2014, 340 S., ISBN 978-3777421124.
  • Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Bd. Dresden. Deutscher Kunstverlag, München Berlin 2005, S. 119–120, ISBN 3-422-03110-3.
  • Götz Eckardt (Hrsg.): Schicksale deutscher Baudenkmale im zweiten Weltkrieg. Berlin 1978, S. 372–443, Fritz Löffler: Stadtkreis Dresden.
  • Cornelius Gurlitt: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. Stadt Dresden. 22. Heft, Dresden 1903.
  • Robert Reiß: Das Japanische Palais - Ausstellungen in einem architektonischen Kleinod. In: Arbeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege, Beiheft 21 (Dresden 2010) 131-143.
  • Rainer G. Richter: Die 'Königliche Porzellan- und Gefässe-Sammlung' im Japanischen Palais unter der Leitung von Gustav Friedrich Klemm. In: Regina Smolnik (Hrsg.): Keramik in Mitteldeutschland–Stand der Forschung und Perspektiven. 41. Internationales Hafnereisymposium des Arbeitskreises für Keramikforschung in Dresden, Deutschland, vom 21. September bis 27. September 2008. Veröffentlichungen des Landesamtes für Archäologie, Band 57. (Dresden 2012)–ISBN 978-3-910008-99-1, S. 15–34.
  • Daniel Jacob: Barocke Adelspalais in Dresden – Die Bauten, ihre Architekten und Bewohner. Verlag Daniel Jacob, 2011, 219 S.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Japanisches Palais – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. smac.sachsen.de
  2. Gurlitt: Dresden. 1903, S. 594, 596
  3. a b Eckardt: Baudenkmäler, S. 398.
  4. Gurlitt: Dresden, 1903, S. 596
  5. Gurlitt: Dresden, 1903, S. 600
  6. a b Dehio, 2005, S. 119
  7. Dehio, 2005, S. 119–120

Koordinaten: 51° 3′ 35″ N, 13° 44′ 15″ O