Jarocin

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Jarocin
Wappen von Jarocin
Jarocin (Polen)
Jarocin
Jarocin
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Großpolen
Powiat: Jarocin
Fläche: 14,40 km²
Geographische Lage: 51° 58′ N, 17° 30′ O51.96666666666717.5Koordinaten: 51° 58′ 0″ N, 17° 30′ 0″ O
Einwohner: 26.335
(30. Jun. 2014)[1]
Postleitzahl: 63-200
Telefonvorwahl: (+48) 62
Kfz-Kennzeichen: PJA
Wirtschaft und Verkehr
Straße: KaliszPosen
Schienenweg: Kreuzburg–Posen
Oels–Gnesen
Nächster int. Flughafen: Posen-Ławica
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Gminagliederung: 23 Schulzenämter
Fläche: 200,23 km²
Einwohner: 45.525
(30. Jun. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 227 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 3006023
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Adam Michał Pawlicki
Adresse: al. Niepodległości 10
63-200 Jarocin
Webpräsenz: www.jarocin.pl



Jarocin [ja'rɔʨin] (deutsch: vor 1920[2] auch Kesselberg[3], 1815–1919 und 1939–1945 Jarotschin[4]) ist eine mittlere Kreisstadt (26.335 Einwohner) und Hauptstadt des gleichnamigen Landkreises (Powiat Jarociński) im östlichen Teil der polnischen Woiwodschaft Großpolen.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Die Ortschaft liegt etwa 70 Kilometer (Luftlinie) südöstlich der Stadt Posen und 50 Kilometer nordwestlich der Stadt Kalisch.

Stadtwappen[Bearbeiten]

Das Stadtwappen zeigt in Gelb ein rotes Stadttor mit drei blau behelmten Türmchen.

Geschichte[Bearbeiten]

Jarotschin südöstlich der Stadt Posen und nordwestlich der Stadt Kalisch auf einer Landkarte der Provinz Posen von 1905 (gelb markierte Flächen kennzeichnen Gebiete mit seinerzeit mehrheitlich polnischsprachiger Bevölkerung).
Schloss Jarocin um 1860, Sammlung Alexander Duncker

Das Jarociner Land wurde um 1800 v. Chr. von einem Jäger- und Hirtenstamm bewohnt.

Rathaus (1799-1804) mit Regionalmuseum

Die Herrschaft Jarocin wurde 1257 vom Herzog von Posen Boleslaw dem Frommen an einen Janko vom Wappenstamme Zaremba verliehen. Bei Jarotschin handelt handelt es sich wohl um die Ortschaft Jarossino, die anschließend dem Zisterzienserkloster Lenden geschenkt wurde. Am 13. April 1293 erlaubte zu Gnesen Herzog Przemysł II. auf Ersuchen des Abtes Gerald, auf diesem Besitztum ein Dorf nach deutschen Recht anzulegen und in diesem Deutsche und freie Polen anzusiedeln.[5]

Um 1400 begann eine schnelle Entwicklung der Stadt, die an der Kreuzung der wichtigen Handelswege von Breslau nach Thorn und von Posen nach Kalisch lag. Um diese Zeit war mehr als die Hälfte der Stadtbevölkerung deutsch (vor allem Einwanderer aus Schlesien). Die Stadt ging 1661 an die Familie Radolinski über, einen Zweig des großpolnischen Uradelsgeschlechts Koszutski, und verblieb ihr Eigentum bis 1945.

Zwischen 1793 bis 1807 gehörte die Stadt nach der Zweiten Teilung Polens zu Südpreußen, danach bis 1815 zum Herzogtum Warschau. 1815 wurde Jarocin wieder von Preußen eingenommen und zur Provinz Großherzogtum Posen. Im Frühjahr 1848 hielt die Polenpartei vorübergehend Jarotschin besetzt.[5]

Nach 1850 begann eine schnelle Entwicklung der Stadt, und Ansiedlung von Industrie. Ein wichtiger Eisenbahnknoten entstand 1875 in Jarocin. 1887 wurde mit der preußischen Verwaltungsreform der Kreis Jarotschin geschaffen. Bis 1914 erhielt die Stadt ein Gaswerk und Kanalisation, der Bahnhof elektrische Beleuchtung.

Am 8. November 1918 brach der großpolnische Aufstand gegen die preußische Herrschaft aus. In Jarotschin entstand der erste Soldatenrat der Provinz Posen. An den Kämpfen mit den deutschen Freikorps nahmen fünf Kompanien aus Jarocin teil.

Nach dem Polenfeldzug 1939 wurde Jarocin vom Großdeutschen Reich annektiert und wurde Kreisstadt des Landkreises Jarotschin im Reichsgau Wartheland. Viele jüdische Polen wurden von den NS-Behörden vertrieben und deutsche Siedler aus dem Baltikum, Wolhynien und der Bukowina angesiedelt.

Ende Januar 1945 wurde die Stadt von sowjetischen und polnischen Truppen eingenommen. Zwischen 1960 und 1975 erfolgte ein Aufbau der Industrie. Es entstanden neue Betriebe der Möbelproduktion, Holzbearbeitung, Bekleidungs- und Maschinenfabriken. 1975 bei der polnische Verwaltungsreform verlor Jarocin seinen Rang als Kreisstadt und wurde zu einer Stadtgemeinde in der neugebildeten Woiwodschaft Kalisch. 1980 fand zum ersten Mal das Musikfestival in Jarocin statt, das bedeutendste Rockfestival des damaligen Polens. 1999 erfolgte die Wiederherstellung des Landkreises in der neuen Woiwodschaft Großpolen.

Einwohnerzahlen vor 1945[Bearbeiten]

  • 1800: 603, davon zwei Drittel Polen, ein Drittel Juden[5]
  • 1837: 1.617[5]
  • 1861: 2.075[5]
  • 1875: 2.469[6]
  • 1880: 2.505[6]
  • 1890: 2.903, davon 744 Evangelische, 1.798 Katholiken und 361 Juden[6]

Verkehr[Bearbeiten]

Jarocin hat einen Bahnhof an den Bahnstrecken Oleśnica–Chojnice (weitere Halte in Golina und Radlin) und Kluczbork–Poznań (weitere Halte in Witaszyce und Mieszków), früher zweigte außerdem die Bahnstrecke Jarocin–Kąkolewo ab und in Mieszków die Bahnstrecke Mieszków–Czempiń.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Stadt[Bearbeiten]

  • Rathaus, Barock und Klassizismus, errichtet um 1804 während der ersten preußischen Herrschaft;
  • Stadtpfarrkirche zum Heiligen Martin von Tours, Gotik und Barock, erwähnt schon 1257, mehrmals umgebaut (zuletzt Turm, 1838), mit einer Gruft der Grafen und Fürsten Radoliński/Radolin;
  • Kirche zum Christus dem König, Barock, Anfang des 18. Jahrhunderts;
  • Ehemaliges Schloss der Fürsten Radolin, erbaut 1847–1853 im Tudorstil nach den Plänen von Friedrich August Stüler, beherbergt heute die Stadtbibliothek und zwei Filialen der Universität Posen;
  • Altes Schlösschen im Schlosspark, ursprünglich Gotik, erbaut um 1450, bis zum Ende des 18. Jahrhunderts Residenz der Grundherren, heute Museum;
  • Ruine der Hospitalkirche zum Heiligen Georg, Gotik um 1516, seit 1833 Dauerruine;
  • Bahnhof, erbaut 1870–1875, Neugotik, letzter noch unverändert erhaltener preußischer Umschlagbahnhof in der ehemaligen Provinz Posen.
  • Synagoge, erbaut 1841 bis 1843

Umgebung[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Schulwesen[Bearbeiten]

Jarocin hat:

  • 5 städtische und einen privaten Kindergarten;
  • 4 Grundschulen;
  • 3 städtische und 1 private Mittelschule;
  • 2 Gymnasien;
  • 2 postgymnasiale Berufsschulen.
  • eine Humanistisch-Ökonomische Hochschule in Jarocin
  • eine Filiale der Universität Szczecin für Masterstudien der Verwaltungswissenschaft
  • Außerdem sind in der Stadt zwei Filialen der Posener Hochschulen und eine der Hochschule in Kalisch tätig.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In der Stadt sind über 2700 Firmen registriert. Jarocin hat Bekleidungs-, Möbel- und Lebensmittelindustrie.

Gemeinde (Gmina)[Bearbeiten]

Die Stadt- und Landgemeinde Jarocin hat die Fläche von 200,23 km² und über 45.000 Einwohner, von denen etwa 60 % arbeitsfähig, 30 % Jugendliche und 10 % Rentner sind. Zu ihr gehören folgende Ortschaften:

Name deutscher Name
(1815–1918)
deutscher Name (1939–45)
Annapol Annapol Annafeld
Bachorzew Bachorzew Bachdorf
Cielcza Cilcz Fürstenau
Ciświca Ciswica Schoberdorf
Cząszczew Czonszczew Hirschwalde
Dąbrowa Vorwerk Dombrowo  ?
Golina Golina Annenhof
Hilarów Hilarhof Hilarhof
Kadziak Kadziak Rauchweiler
Kąty Konty Einsiedel
Łuszczanów Luszczanow Klengdorf
Mieszków Mieszkow
1875–1918 Mieschkow
Mühlenfelde
Osiek Osiek
1910–18 Oschek
Hackweiler
Potarzyca Potarzyce Annarode
Prusy Prussy Preußenfeld
Radlin Radlin Radlin
Roszków Roszkow
1908–18 Roschkow
Roßdorf
Roszkówko Roschkowko Buschvorwerk
Siedlemin Siedlemin Neu Siedel
Stefanów Stefanow Stefanshof
Tarce Tarce  ?
Wilczyniec Friedrichsdorf Friedrichsdorf
Wilkowyja Wilkowya Wolfsdorf
Witaszyce Witaszyce
1906–18 Witaschütz
1939–43 Wildschütz
1943–45 Waidschütz
Witaszyczki Lichtental Lichtental
Zakrzew Zakrzew Buschdorf

Partnerstädte[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2014. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), archiviert vom Original am 7. Dezember 2014, abgerufen am 28. November 2014.
  2. Frank Olzog: Auf der Suche nach meinen Wurzeln
  3. http://www.ub.uni-frankfurt.de/bzg/images/Wandkarten/Wk_20.JPG
  4. Kreis Jarotschin (Ortsnamen)
  5. a b c d e Heinrich Wuttke: Städtebuch des Landes Posen. Codex diplomaticus: Allgemeine Geschichte der Städte im Lande Posen. Geschichtliche Nachrichten von 149 einzelnen Städten. Leipzig 1864, S. 325–326.
  6. a b c http://www.geschichte-on-demand.de/pos_jarotschin.html