Jaroslawski Awtomobilny Sawod

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57.6474839.83703Koordinaten: 57° 38′ 51″ N, 39° 50′ 13″ O

Haupteingang des Werks in Jaroslawl, 2014
Ein Ja-3-Lastwagen (1926)

Das Jaroslawler Automobilwerk (JaAZ) (russisch Ярославский автомобильный завод) ist ein ehemaliger Fahrzeughersteller der Russland, später Sowjetunion, der zunächst Personenwagen und schließlich Lastkraftwagen produzierte. Nach Abgabe der Fahrzeugherstellung an KrAZ Ende der 1950er-Jahre erfolgte die Beschränkung auf die Motorenproduktion. Heute gehört die in JaMZ (Jaroslawler Motorenwerk) umbenannte Marke zur GAZ-Gruppe.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Pilot Wladimir Alexandrowitsch Lebedew gründete 1916 das Unternehmen als Aktiengesellschaft. Es stellte in Lizenz Automobile des englischen Herstellers Crossley Motors her. Der Markenname lautete Lebed. Abnehmer war überwiegend der russische Generalstab. 1917 endete die Pkw-Produktion nach etwa 200 hergestellten Exemplaren.[1] Danach erfolgte die Spezialisierung auf die Produktion von Lastkraftwagen, deren Nutzlasten im Bereich zwischen drei und sieben Tonnen lagen. Auf diesem Gebiet blieb das Unternehmen bis 1942 aktiv. Ab 1943 wurde kriegsbedingt auf die Fertigung von Artilleriegerät umgestellt, welche aber bereits 1947 beendet wurde. Anschließend erfolgte die Entwicklung des LKW JaAZ-200, der ab 1951 als MAZ-200 im Minski Awtomobilny Sawod produziert wurde. Ab 1948 folgte die Entwicklung und Fertigung des LKW JaAZ-210, bis dessen Produktion 1959 zu KrAZ verlegt wurde.

Im Jahr 1947 begann die Produktion von Dieselmotoren. Von Bedeutung waren die Modelle JaAZ-204 mit einem Vierzylindermotor sowie JaAZ-206 mit einem Sechszylindermotor, welche in diversen sowjetischen Lastwagen über längere Zeit verbaut wurden. 1961 wurde die Produktion von Zweitaktmotoren auf Viertaktmotoren umgestellt. Seitdem werden die Motoren JaMS-236 (V6), 238 (V8) und 240 (V12) produziert.

1971 wurde das Unternehmen mit mindestens vier weiteren Unternehmen zusammengeschlossen, welches ab diesem Zeitpunkt unter dem Namen "Awtodiesel" auftrat. Dieser Verband wurde zum Marktführer für Dieselmotoren innerhalb der Sowjetunion. Nach dem Zerfall der Sowjetunion, im Jahr 1993, arbeitete das Werk selbstständig unter der Bezeichnung "ОАО «Awtodiesel» (JaAZ)" weiter. Dieser Name wird bis zur Übernahme durch die GAZ-Gruppe 2001 beibehalten. Seitdem werden die Produkte unter dem Markennamen Jaroslawski Motorny Sawod (JaMZ) und dem Beinamen Awtodiesel vermarktet.

Fahrzeuge[Bearbeiten]

Personenwagen[Bearbeiten]

Für den Antrieb der Fahrzeuge sorgte ein Vierzylindermotor mit 4490 cm³ Hubraum und 30 PS Leistung. Der Radstand betrug 342,9 cm. Die Höchstgeschwindigkeit war mit 70 km/h angegeben. Die Fahrzeuge boten in ihren offenen Tourenwagenkarosserien Platz für sechs Personen.

Nutzfahrzeuge[Bearbeiten]

Die ersten Nutzfahrzeuge basierten auf einem Entwurf von Fiat.[1] Dabei handelte es sich möglicherweise um das 5-Tonnen-Modell, dessen Motor über 7400 cm³ Hubraum verfügte.[1] Außerdem entstand das Modell A als Lizenzversion des Crossley RFC.[1]

JaAZ-210[Bearbeiten]

JaAZ-210 von 1954

Der von 1951 bis 1959 in einer Auflage von 10.852 Exemplaren hergestellte JaAZ-210 verfügte über den JaAZ-206 Sechszylinder-Zweitakt-Dieselmotor.

JaAZ-214[Bearbeiten]

Ab 1951 wurde der Allrad-LKW Typ JaAZ-214 gefertigt. Er zeichnete sich gegenüber dem JaAZ-210 vor allem durch eine erhöhte Geländegängigkeit aus. 1959 wurde die Fertigung endgültig nach Krementschuk verlagert, der Typ wurde als KrAZ-214 weitergebaut.

JaAZ-218[Bearbeiten]

Ein Prototyp eines Dreiseitenkippers mit gesteigerter Nutzlast von 10 Tonnen, welcher auch mit Kippanhängern betrieben werden konnte. Je nach Quelle wurde er 1954 oder 1957 vorgestellt. Er kam jedoch nie in ein Serienstadium.

JaAZ-219, -221 und -222[Bearbeiten]

Ursprünglich auf dem Fahrgestell des JaAZ-210 aufgebaut, besitzt der JaAZ-219 dennoch Motor und Fahrerhaus des JaAZ-214. Entwickelt bei JaAZ, wurde er jedoch ausschließlich bei KrAZ unter der Bezeichnung KrAZ-219 gefertigt. Unter der Nummer -221 wurde eine Zugmaschine für schwere Auflieger entwickelt, als JaAZ-222 die Ausführung als Muldenkipper bezeichnet. Auch diese LKW gingen nicht mehr bei JaAZ in Serie, sondern wurden bei KrAZ gefertigt. Sie wurden aber weiterhin mit Motoren von JaAZ bzw. JaMZ bestückt.

Aktuelle Produktpalette[Bearbeiten]

  • Dieselmotoren mit Leistungen zwischen 120 und 800 PS
  • Getriebe mit fünf, acht oder neun Vorwärtsgängen
  • Dieselgeneratoren mit Leistungen von 60 bis 315 kW
  • Kupplungen
  • eine vierstellige Anzahl Ersatzteile für Produkte aus der Unternehmensgeschichte

Literatur[Bearbeiten]

  • Maurice A. Kelly: Russian Motor Vehicles. The Czarist Period 1784 to 1917. Veloce Publishing, Dorchester 2009, ISBN 978-1-84584-213-0. (englisch)
  • Kai L. Bremer, J. L. Melzian: Von AMO bis ZIS. Sowjetische Personenwagen und ihre Geschichte. In: Automobil- und Motorrad-Chronik, Ausgabe 2/1981, S. 9–14.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jaroslawski Awtomobilny Sawod – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Maurice A. Kelly: Russian Motor Vehicles. The Czarist Period 1784 to 1917. Veloce Publishing, Dorchester 2009, ISBN 978-1-84584-213-0. (englisch)