Jauchzet dem Herren, alle Welt

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Jauchzet dem Herren, alle Welt, SWV 36, ist eine Vertonung von Psalm 100 von Heinrich Schütz. Er schrieb das Werk mit deutschem Text für Doppelchor und veröffentlichte es 1619 in den Psalmen Davids. Die Psalmvertonung wurde international aufgeführt und eingespielt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schütz studierte die Kunst der Venezianischen Mehrchörigkeit in Venedig bei Giovanni Gabrieli.[1] Nach seiner Rückkehr nach Deutschland arbeitete er zuerst in Kassel und erhielt dann 1619 die Stelle des Hofkapellmeisters am Hof des Kurfürsten von Sachsen, Johann Georg I., als Nachfolger von Rogier Michael. Am 1. Juni heiratete er Magdalena, die Tochter des Hofbeamten Christian Wildeck. Gut geplant erschien die Sammlung Psalmen Davids mit mehrchörigen Sätzen in deutscher Sprache am selben Tag mit einer Widmung an den Kurfürsten.[2] Schütz vertonte Psalm 100 für zwei vierstimmige Chöre mit Echo-Effekten.[3] Ein Manuskript einer frühen Fassung dieser Psalmvertonung von 1614 oder 1615 ist erhalten.[4]

Die Psalmen Davids wurden als Teil der Gesamtausgabe der Werke von Schütz im Carus-Verlag, die 1992 als Stuttgarter Schütz-Edition begonnen wurde, veröffentlicht. Die Ausgabe benutzt das Heinrich-Schütz-Archiv der Hochschule für Musik Dresden.[5] Jauchzet dem Herren, alle Welt wurde auch einzeln veröffentlicht, zum Beispiel von Bärenreiter[6] und von Carus 1994.[7]

Text und Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schütz vertonte Psalm 100 in der Übersetzung von Martin Luther, gefolgt von der üblichen Doxologie, dem feierlichen Rühmen Gottes am Schluss des Gebets.[8] Die Musik ist in G-Dur und beginnt in einem Dreiertakt. Der erste Chor beginnt mit einem Abschnitt von zwei Takten, „Jauchzet dem Herren“; als Echo wird er vom zweiten Chor ab Takt 2 wiederholt, beide Chöre singen den Abschnitt zweimal:[7]:1[6]


<<
\new StaffGroup <<
\new Staff \with { \consists "Merge_rests_engraver" } { \clef treble \time 3/2 \key g \major
  \set Staff.midiInstrument = "choir aahs"
  \set Staff.midiMinimumVolume = #0.7
  \set Staff.midiMaximumVolume = #1.0
  \relative c'
  << { d'2. b4 a2 b b r d2. b4 a2 b b r } \\
  { g2. g4 fis2 g g r g2. g4 fis2 g g r } >>
}
\addlyrics { Jauch -- zet dem Her -- ren, jauch -- zet dem Her -- ren }
\new Staff \with { \consists "Merge_rests_engraver" } { \clef bass \key g \major \set Staff.midiInstrument = "choir aahs"
  \relative c'
  << { b2. d4 d2 d d r b2. d4 d2 d d r } \\
  { g,2. g4 d2 g, g r g'2. g4 d2 g, g r } >>
}
>>
\new StaffGroup <<
\new Staff \with { \consists "Merge_rests_engraver" } { \clef treble \time 3/2 \key g \major
  \set Staff.midiInstrument = "choir aahs"
  \set Staff.midiMinimumVolume = #0.2
  \set Staff.midiMaximumVolume = #0.5
  \relative c'
  << { R1. d'2. b4 a2 b b r d2. b4 a2 b b r } \\
  { R1. g2. g4 fis2 g g r g2. g4 fis2 g g r } >>
}
\addlyrics { Jauch -- zet dem Her -- ren, jauch -- zet dem Her -- ren }
\new Staff \with { \consists "Merge_rests_engraver" } { \clef bass \key g \major \set Staff.midiInstrument = "choir aahs"
  \relative c'
  << { R1. b2. d4 d2 d d r b2. d4 d2 d d r } \\
  { R1. g,2. g4 d2 g, g r g'2. g4 d2 g, g r } >>
}
>> >>
\layout { indent = #0 }
\midi { \tempo 2 = 140 }

Für die Worte „alle Welt“ ist die Musik länger, und das Echo beginnt erst auf ihrem letzten Ton. Der Takt ändert sich zu einem geraden Takt für die Zusammenfassung der ersten Zeile.[7]:1–2 Dieser Takt bestimmt die Komposition, doch für die Worte „Danket ihm“ kehrt der Dreiertakt des Anfangs zurück.[7]:8–9 Einige Wörter werden durch ein belebtes Melisma hervorgehoben, zum Beispiel „Freuden“[7]:3 und „Loben“.[7]:8 Die Ausschmückungen erscheinen häufiger in der Doxologie, für „Ehre“,[7]:8 „Heilgen Geiste“[7]:9 und das vielfach wiederholte Amen.[7]:14–15

Aufführungen und Einspielungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jauchzet dem Herren, alle Welt wurde bei den Proms in der Royal Albert Hall in London 1972 aufgeführt, in einem Konzert des Martindale Sidwell Choir und des Early Music Consort.[9]

Die Psalmen Davids wurden 1971 von den Regensburger Domspatzen und dem Bläserkreis für Alte Musik Hamburg aufgenommen, geleitet von Hanns-Martin Schneidt.[10] Der Psalmenzyklus wurde als Teil der Gesamtaufnahme der Werke von Schütz vom Dresdner Kammerchor aufgenommen, mit Organist Ludger Rémy und Chorleiter Hans-Christoph Rademann.[1] Ein Rezensent lobte die Aufmerksamkeit für den Text mit Verständnis für den deklamatorischen Charakter der Psalmsätze.[4]

Jauchzet dem Herren, alle Welt wurde zum Beispiel vom Dresdner Kreuzchor und der Staatskapelle Dresden eingespielt, geleitet von Rudolf Mauersberger.[11]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Jauchzet dem Herren, alle Welt SWV 36. Carus-Verlag. Abgerufen am 4. September 2022.
  2. Entstehung Psalmen Davids SWV 22–47. Heinrich-Schütz-Haus. Abgerufen am 13. September 2022.
  3. SWV 36 / Psalmen Davids – Jauchzet dem Herren, alle Welt. Heinrich-Schütz-Haus. Abgerufen am 28. August 2022.
  4. a b Johan van Veen: Heinrich Schütz (1585–1672): Psalmen Davids (SWV 22-47) (Englisch) In: musica-dei-donum.org . 2014. Abgerufen am 13. September 2022.
  5. Heinrich Schütz – Stuttgart Schütz Edition. Carus-Verlag. Archiviert vom Original am 14. July 2014. Abgerufen am 24. Januar 2014.
  6. a b Schütz, Heinrich / Jauchzet dem Herren, alle Welt SWV 36. Bärenreiter. Abgerufen am 4. September 2022.
  7. a b c d e f g h i Psalm 100 / Jauchzet dem Herren, alle Welt Echo / Psalmen Davids 1619, Opus 2, Nr. 15 (SWV 36). Carus-Verlag. 1994. Abgerufen am 13. September 2022.
  8. Schütz: Psalm 100 – Jauchzet dem Herren alle Welt (Englisch) In: johnkilpatrick.co.uk . Abgerufen am 13. September 2022.
  9. Prom 47 (Englisch) BBC. Abgerufen am 4. September 2022.
  10. Heinrich Schütz: Psalmen Davids. Complete recordings, Vol. 8. Carus-Verlag. Abgerufen am 13. September 2022.
  11. Heinrich Schütz Dresdner Kreuzchor (Englisch) Muziekweb. Abgerufen am 4. September 2022.