Jean-Claude Romand

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Jean-Claude Romand (* 11. Februar 1954 in Lons-le-Saunier) ist ein französischer Hochstapler und Mörder, der vorgab Arzt zu sein. Er tötete seine Familie, als sein Betrug aufzufliegen drohte.

Frühes Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jean-Claude Romand wurde in Lons-le-Saunier geboren und wuchs im Dorf Clairvaux-les-Lacs im Département Jura auf. Auf dem Gymnasium von Lons-le-Saunier machte er sein Abitur. Im Jahr 1971 meldete er sich bei den Classe préparatoire (ein zwei- bis vierjähriges Vorbereitungsstudium) des Lycée du Parc in Lyon an, verließ es jedoch nach einem Semester wieder. Danach schrieb er sich als Medizinstudent ein.

Die Täuschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Täuschung begann mit einer kleinen Lüge: Romand behauptete seiner Familie und seinen Bekannten gegenüber eine Prüfung im zweiten Jahr seines Medizinstudiums bestanden zu haben. Die Prüfung hatte er nie bestanden, weshalb er auch nicht Arzt werden konnte.

Romand täuschte seine Familie und Freunde für 18 Jahre. Sie glaubten, er sei ein erfolgreicher Arzt und Forscher bei der Weltgesundheitsorganisation. Er schaffte es, den glaubhaften Eindruck zu erwecken, er forsche zu Arteriosklerose und stehe im Kontakt mit politischen Persönlichkeiten.

In Wirklichkeit verbrachte er seine Tage mit Wanderungen und dem Lesen öffentlich zugänglicher Informationen in der lokalen Niederlassung der Weltgesundheitsorganisation. Er lebte nahe Prévessin-Moëns in Frankreich. Er unternahm regelmäßig angebliche Geschäftsreisen, die er in einem Hotelzimmer am Flughafen Genf verbrachte. Dort las er medizinische Zeitschriften und Reiseführer über die Länder, in denen er angeblich Kongresse besuchte. Romand lebte vom Einkommen seiner Frau und Verkauf des Hauses seiner Schwiegereltern, sowie von Geld, das ihm von etlichen Verwandten gegeben wurde, denen er eine Investition in Hedgefonds vorgaukelte.[1]

Morde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 9. Januar 1993 hob Romand 2000 Francs ab, kaufte eine Pistole, einen Schalldämpfer und Benzinkanister, und bat darum, sie als Geschenk zu verpacken.

In der Nacht erschlug er seine Frau im Ehebett mit einem Nudelholz.

Am nächsten Morgen weckte er seine Kinder, aß Frühstück mit ihnen und schaute Cartoons. Er brachte sie abends ins Bett und schoss beiden in den Kopf, als sie eingeschlafen waren.

Die einzigen, die ihn nach diesen Morden hätten entlarven können, waren seine Eltern, die beide sehr stolz auf ihren „erfolgreichen“ Sohn waren, und seine Ex-Geliebte, die ihre 900.000 geliehenen Francs zurückhaben wollte.

Am nächsten Morgen fuhr Romand zum Haus seiner Eltern und aß mit ihnen. Nach dem Essen erschoss er seine Eltern und den Familienhund.

In der Nacht traf er sich mit seiner Ex-Geliebten und versprach ihr ein romantisches Essen zu zweit. Er tat so, als ob sein Auto liegengeblieben war und bat sie auszusteigen. Als sie das Auto verlassen hatte, sprühte er ihr Tränengas ins Gesicht und versuchte sie mit einer Schnur zu erwürgen. Sie wehrte sich jedoch und er entschuldigte sich und fuhr sie zurück zu ihrem Haus.

Danach fuhr er nach Hause, wo noch immer die Leichen seiner Familie waren, sah fern und goss dann Benzin ums Haus. Er legte Feuer und nahm eine Überdosis Schlaftabletten. Es ist zweifelhaft, ob sich Romand tatsächlich das Leben nehmen wollte, da die Tabletten längst abgelaufen waren und er Zugang zu effektiveren anderen Medikamenten hatte. Zudem machte die Art und Weise, in der das Feuer gelegt wurde und der Zeitpunkt, zu dem er die Tabletten nahm, seine Rettung unvermeidlich.[2] Er wurde von örtlichen Feuerwehrleuten gerettet, die durch Straßenreiniger gegen vier Uhr morgens alarmiert wurden.

Er überlebte den Brand und weigerte sich mit der Polizei zu sprechen. Es wurde zunächst angenommen, dass er zu traumatisiert sei, um zu sprechen.

Nachwirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Romands Prozess begann am 25. Juni 1996. Am 6. Juli 1996 wurde Romand zu lebenslanger Haft verurteilt. Seit 2015 könnte er auf Bewährung entlassen werden.[2] Ihm wurde eine narzisstische Persönlichkeitsstörung nachgesagt.[3]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der französische Autor Emmanuel Carrère trat mit dem inhaftierten Romand in Korrespondenz und veröffentlichte im Jahr 2000 das auf dem Fall basierende Buch Amok (Original: L’adversaire). Nicole Garcia drehte 2002 den Film L’adversaire nach dem Buch. Daniel Auteuil spielte die Rolle des Romand (im Film unter dem Namen Jean-Marc Faure). Mit Auszeit (Originaltitel: l'Emploi du temps) und dem spanischen „La Vida de Nadie“ basieren zwei weitere Filme lose auf dem Leben von Romand. Romands Täuschung war auch Grundlage einer Episode der BBC-Krimiserie Waking the Dead – Im Auftrag der Toten von 2005 und der Episode 16 (Staffel 1) namens „Das Phantom“ von Criminal Intent – Verbrechen im Visier.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Le Roman d'un menteur, France 2, 1999
  2. a b L'Adversaire, Emmanuel Carrère, 2000
  3. The Man Who Faked His Life. In: EnhanceTV. Abgerufen am 23. November 2012.

Dokumentationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]