Jean de La Balue

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Jean (de La) Balue (* um 1421 in Basse d’Angles-sur-l’Anglin, Poitou; † 5. Oktober 1491 in Ripatransone, beerdigt in Rom) war Kardinal der Römischen Kirche und Minister unter Ludwig XI. und wurde von diesem elf Jahre gefangen gehalten.[1]

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Porträt von Kardinal Jean Balue
Wappen des Jean Balue

Jean de La Balue wurde als Jean Balue, Sohn von Thomassin Balue, dem Burgvogt von Angles-sur-l'Anglin, geboren.[2][3] Er trat bereits früh in den geistlichen Stand ein und studierte an der Universität Angers, wo er um 1457 ein Lizentiat der Rechte erwarb. Er erlangte bald die Gunst von König Karl VII. Dieser erhob ihn trotz unwürdigen Lebenswandels zum Bischof von Évreux und Angers und zum Almosenier. Karls Nachfolger, Ludwig XI., übertrug La Balue zudem die Geschäfte eines Finanzministers.

Jean Balue sorgte dafür, dass die Pragmatische Sanktion von Bourges 1451 außer Kraft gesetzt wurde, wofür ihn Papst Nikolaus V. zum Kardinal ernannte. Weil er aber mit den Feinden Ludwigs XI., den Herzögen von Berry und Burgund, in geheimem Briefwechsel stand und diesen die Pläne des Königs verriet, ließ ihn dieser 1469 verhaften und im Schloss Onzain bei Blois elf Jahre gefangen halten, aber nicht, wie früher behauptet, in einem eisernen Käfig.[4]

Durch Fürsprache von Papst Sixtus IV. lässt Ludwig XI. am 20. Dezember 1480 Balue endlich frei und bittet den Papst sogar um eine Bulle der Sündenvergebung für seine lange Rache, die er seinem ehemaligen Minister zugefügt hatte. Diese päpstliche Bulle annullierte auch alle Verfahren, die gegen den Kardinal hätten eingeleitet werden können. Mit einer weiteren Bulle drohte der Papst allen Offizieren des Königs mit Exkommunikation, sollten sie die unter sich aufgeteilten beweglichen Güter des Kardinals nicht innerhalb von sechs Tagen zurückgeben.[5] Nach der Freilassung reiste Balue sofort zu Papst Sixtus IV. nach Rom. Der Papst überhäufte ihn mit Ehren und ernannte ihn zum Bischof von Albano. 1484 wurde er sogar als Legatus a latere, ein päpstlicher Beauftragter mit weit reichenden Vollmachten, nach Frankreich geschickt, wo ihm der König in Angers einen aufwendigen Empfang bereitete.

Nach Balues Tod am 5. Oktober 1491 gingen seine Güter im geschätzten Wert von einhunderttausend Dukaten in die Hände des Papstes über, da er kein Testament hinterlassen hatte.[6]

Bekanntheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine gewisse Bekanntheit erhielt Jean Balue später durch den Roman Der Glöckner von Notre-Dame, in dem Victor Hugo ihn mehrmals erwähnt.[7]

Unterschiedliche Schreibweisen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jean Balue ist unter verschiedenen Namensvarianten bekannt: Ioannes de la Balva, Ioannes de la Balve, Jehan Balüe, Jean Balüe, Jean de la Ballue

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jean Balue Encyclopédie Larousse, abgerufen am 16. August 2017.
  2. Catholic encyclopedia: Jean Balue New Advent, abgerufen am 16. August 2017.
  3. Jean Balue, Cardinal d'Angers Henri Forgeot, 1895, abgerufen am 16. August 2017.
  4. Walther Kabel: Ein Minister, der sein eigenes Todesurteil unterzeichnete, 1910, veröffentlicht in „Bibliothek der Unterhaltung und des Wissens“, Jahrgang 1910, Neunter Band, Seite 223–224.
  5. La carrière angevine du Cardinal Balue (1457-1491) Emmanuel Breguet, Seite 161, abgerufen am 16. August 2017.
  6. La carrière angevine du Cardinal Balue (1457-1491) Emmanuel Breguet, Seite 163, abgerufen am 16. August 2017.
  7. Der Glöckner von Notre Dame, zehntes Buch Zeno.org, abgerufen am 16. August 2017.
VorgängerAmtNachfolger

Jean de Beauveau
Auger de Brie
Bischof von Angers
1467–1476
1480–1491

Auger de Brie
Jean de Rély
Oliviero CarafaKardinalbischof von Albano
1483–1491
Giovanni Micheligia