Jehuda Bacon

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Jehuda Bacon 2008

Jehuda Bacon (auch Yehuda Bacon oder Jehuda Bakon geschrieben), (geboren am 28. Juli 1929 in Ostrava, Tschechoslowakei) ist ein israelischer Künstler. Für seine Verdienste um die deutsch-israelische Versöhnung und den jüdisch-christlichen Dialog wurde er 2013 mit dem Verdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jehuda Bacon wurde als Sohn einer chassidischen Familie geboren. Im Herbst 1942 wurde er mit seiner Familie von Ostrava in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Hier wirkte er unter anderem an der Kinderoper Brundibár mit. Im Dezember 1943 wurde er in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau deportiert, wo er mit anderen inhaftierten Kindern im sogenannten „Familienlager“ das Internationale Komitee vom Roten Kreuz blenden sollte. Tatsächlich wurden die „Birkenau Boys“ auch für Transportarbeiten im gesamten Komplex Auschwitz II-Birkenau eingesetzt. Sie mussten an Stelle von Pferden einen Wagen ziehen. Eines Tages erlaubte ihnen ein Mitglied des Sonderkommandos sich in einer des Gaskammern aufzuwärmen. Im Juni 1944 sah Bacon seinen Vater in die Gaskammern gehen. Zu diesem Zeitpunkt wurden seine Mutter und seine Schwester Hanna in das Konzentrationslager Stutthof deportiert, wo sie wenige Wochen vor der Befreiung starben.

Am 18. Januar 1945 wurde Bacon auf einen Todesmarsch geschickt, der zunächst drei Tage dauerte und ins KZ Mauthausen führte. Im März 1945 musste Bacon auf einen weiteren Todesmarsch zum Konzentrationslager Gunskirchen, einem Nebenlager von Mauthausen, das mitten im Wald liegt. Dort gab es für sie, so berichtet er, weder Essen, Wasser noch Kleidung.

Am 5. Mai 1945 wurde Bacon in Gunskirchen befreit. Bevor die SS-Wachmannschaften das Lager verließen, hätten sie die restlichen Lebensmittel vergiftet. Nachdem die Insassen in ein Dorf geflohen waren, seien dort viele an den Folgen der zu hohen Lebensmittelzufuhr gestorben, die der Körper nicht aufnehmen konnte. Bacon und sein Freund Wolfie Adler (der später in Israel Rabbiner wurde und ein Buch über seine Erlebnisse veröffentlicht hat) verließen das Lager und stießen auf US-amerikanische Soldaten, die ihnen halfen und sie in ein Krankenhaus nach Steyr brachten.

Nachdem Bacon sich in dem von katholischen Nonnen geführten Kloster mehr oder weniger erholt hatte, fuhr er zurück nach Prag. Er hoffte, dass seine Mutter und seine Schwester noch lebten und er sie dort wiedersehen könnte. Er lebte vorerst in einem im Schloss Štiřín bei Prag eingerichteten Kinderheim, das von dem tschechischen Pädagogen und Humanisten Přemysl Pitter geführt wurde. Dort lernte er auch den Schriftsteller H. G. Adler kennen. Durch Pitter und Adler fand er einen Weg zum Leben nach der Befreiung — allerdings ohne seine Familie.

Nach der Auswanderung nach Israel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Befreiung beschloss Bacon Künstler zu werden – auch um seine Erlebnisse zu verarbeiten und zu beschreiben. Als Überlebender sah er sich in der Verantwortung, seine Geschichte zu erzählen und so künftige Generationen zu lehren und ihre Verantwortung gegenüber der Gegenwart und Zukunft bewusst zu machen. So gehörte er zu den ersten Überlebenden der Schoah, die wieder deutschen Boden betraten.

1946 wanderte Bacon mit Hilfe der Jugend-Alijah nach Palästina aus. Dort studierte er an der Bezalel-Kunstakademie Jerusalem, an die er nach mehreren Studienreisen, die ihn nach Europa (Paris und London) führten, 1959 als Professor für Grafik und Zeichnen berufen wurde.

Bacons Zeichnungen, die er noch als Jugendlicher kurz nach der Befreiung vom Konzentrationslager Auschwitz anfertigte, sowie seine Zeugenaussagen wurden in Prozessen gegen NS-Verbrecher (u. a. im Eichmann-Prozess und in den Frankfurter Auschwitzprozessen) als Beweismittel verwendet ebenso wie in Prozessen gegen den Holocaustleugner David Irving für die Existenz der Gaskammern im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Zudem wurden seine Erlebnisse und Kunstwerke in Büchern und Ausstellungen (unter anderem in Israel, Deutschland, den USA, Großbritannien) veröffentlicht. Seine Hoffnung ist, dass unter anderem durch seine Zeugnisse zukünftige Generationen lernen können.

Werke Bacons sind im Israel Museum Jerusalem, Yad Vashem, dem US Congress in Washington, D.C., in London oder den Wohnungen von Roosevelt, Rockefeller, Buber und Weizmann zu sehen. Ausstellungen führten ihn auch nach Deutschland, die USA und Großbritannien. Er schuf ein Œuvre, welches sich in einem eigenwilligen Spannungsgeflecht entfaltet. Einerseits verarbeitete Bacon in seinen Werken die Erlebnisse seiner Kindheit und Jugend in den Konzentrationslagern, andererseits suchte er über die Kunst den Weg der Versöhnung. Bacon entschied sich für Vergebung und Völkerverständigung und engagierte sich im „jüdisch-christlichen Dialog“.

„Wer in der Hölle war, weiß, dass es zum Guten keine Alternative gibt.“[2]

„Das Problem des Bösen ist in jedem Menschen, fast jedem Menschen: Die Gefahr der Unmenschlichkeit …“

Jehuda Bacon lebt mit seiner Frau Leah in Jerusalem.

In Yad Vashem: Reproduktion eines Bildes von Jehuda Bacon.

Ausstellungen und Sammlungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sammlungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Nora Gallery, Jerusalem (1954)
  • Whippmann Gallery, Johannesburg (1955)
  • Princeton University, Princeton (1973)
  • Evangelisches Bildungszentrum, München (1978)
  • Portland City Hall, Portland, Oregon (1988)
  • SOCA Gallery, Auckland (1995)
  • Studio Osmo Visuri, Helsinki (1999)
  • Galerie Spectrum, Frankfurt (2004)
  • Willy-Brandt-Haus, Berlin (2004)
  • Museum am Dom, Würzburg (2008)
  • Czech Center, Prag (2011)
  • Luragosaal am Domplatz, Passau (2015)

Zwei-Personen-Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gruppenausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von und mit Jehuda Bacon[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Manfred Köhnlein: Die Bergpredigt. Stuttgart 2005, ISBN 978-3-17-018879-2; 2. Aufl. ebenda 2011, ISBN 978-3-17-022140-6 (mit Zeichnungen von J. Bacon).
  • Manfred Köhnlein: Gleichnisse Jesu. Visionen einer besseren Welt. Stuttgart 2008, ISBN 978-3-17-020569-7 (mit Zeichnungen von J. Bacon).
  • Manfred Köhnlein: Wunder Jesu. Protest- und Hoffnungsgeschichten. Stuttgart 2010, ISBN 978-3-17-020980-0 (mit Zeichnungen von J. Bacon).
  • Michael Koller, Jürgen Lenssen, Jens Oertel: Ausstellung Jehuda Bacon. … der mit dem Leben weiterwandert. Ausstellung im Museum am Dom Würzburg vom 15. März bis 12. Mai 2008. Katalogred.: Michael Koller, Wolfgang Schneider. Hrsg. vom Kunstreferat der Diözese Würzburg, Würzburg 2008, ISBN 978-3-9804672-8-5.
  • Rose Ausländer: Das dunkle Wunder. Text- und Bildausw. und hrsg. von Oliver Kohler. Präsenz Galerie, Hünfelden 2003, ISBN 978-3-87630-521-9 (Zeichnungen von J. Bacon).
  • Jehuda Bacon, Manfred Lütz: „Solange wir leben, müssen wir uns entscheiden.“ Leben nach Auschwitz. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2016, ISBN 978-3-579-07089-6 („Manfred Lütz im Gespräch mit dem jüdischen KZ-Überlebenden und Künstler Jehuda Bacon. […] Sinn erfahren im Leid: Das bewegende Vermächtnis eines Auschwitz-Überlebenden“[3]).

Über Jehuda Bacon[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mut zum Leben – Die Botschaft der Überlebenden von Auschwitz. 2013, Autoren: Christa Spannbauer und Thomas Gonschior.[4]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Online-Artikel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Online-Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Deutsche Botschaft Tel Aviv: Yehuda Bacon erhält Bundesverdienstkreuz (Memento vom 2. März 2013 im Internet Archive). In: tel-aviv.diplo.de. 27. Februar 2013, abgerufen am 10. Oktober 2016.
  2. Ausstellung im Willy-Brandt-Haus: Jehuda Bacon – Das Antlitz. In: haGalil onLine. 26. August 2004, abgerufen am 10. Oktober 2016.
  3. Aus der Verlagsmeldung, zit. n. DNB 1098321375, abgerufen am 10. Oktober 2016.
  4. Website zum Film. In: mut-zum-leben-filmprojekt.org, abgerufen am 10. Oktober 2016.