Jennersdorf

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Jennersdorf
Wappen Österreichkarte
Wappen von Jennersdorf
Jennersdorf (Österreich)
Jennersdorf
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Burgenland
Politischer Bezirk: Jennersdorf
Kfz-Kennzeichen: JE
Fläche: 37,9 km²
Koordinaten: 46° 56′ N, 16° 8′ OKoordinaten: 46° 56′ 16″ N, 16° 8′ 24″ O
Höhe: 242 m ü. A.
Einwohner: 4.165 (1. Jän. 2017)
Postleitzahl: 8380
Vorwahl: 03329
Gemeindekennziffer: 1 05 04
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptplatz 5a
8380 Jennersdorf
Website: www.jennersdorf.eu
Politik
Bürgermeister: Reinhard Deutsch (JES)
Gemeinderat: (2017)
(25 Mitglieder)
10
7
5
2
1
10 
Insgesamt 25 Sitze
Lage der Stadt Jennersdorf im Bezirk Jennersdorf
Deutsch KaltenbrunnEltendorfHeiligenkreuz im LafnitztalJennersdorfKönigsdorfMinihof-LiebauMogersdorfMühlgrabenNeuhaus am KlausenbachRudersdorfSankt Martin an der RaabWeichselbaumBurgenlandLage der Gemeinde Jennersdorf im Bezirk Jennersdorf (anklickbare Karte)
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Die Pfarrkirche in Jennersdorf
Die Pfarrkirche in Jennersdorf
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Jennersdorf (ungarisch Gyanafalva, slowenisch Ženavci) ist eine österreichische Stadt und Bezirksvorort (burgenländische Bezeichnung für Bezirkshauptstadt) des Bezirks Jennersdorf im Burgenland, mit 4165 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2017).

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt im Raabtal im südlichen Burgenland am Ufer der Raab, ungefähr vier Kilometer Luftlinie von der steirischen und der ungarischen Grenze entfernt. Die nächstgelegenen Städte sind die ungarische Grenzstadt Szentgotthárd (St. Gotthard), sowie Fürstenfeld und Fehring in der Steiermark.

Gemeindegliederung:

Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden (in Klammern Einwohnerzahl Stand 1. Jänner 2017[1]):

Weitere Stadt- bzw. Gemeindeteile sind

  • Laritzgraben
  • Rax-Bergen

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung als Janafalu erfolgte 1187 in einer Bulle Papst Urbans III. Der Name leitet sich von dem slowenischen „Ženavci“ ab, das am besten mit „Frauendorf“ übersetzt werden kann. Da es damals im Ungarischen kein „zs“ (das dem slowenischen ž heute entspricht) gab, wurde der Laut durch „gy“ ersetzt und an die Stelle der Endung „-vci“ („-dorf“) trat das ungarische „-falu“ („-dorf“).

Der Ort stand bis 1848 im Eigentum vom Kloster Szentgotthárd.[2] Der Ort gehörte, wie das gesamte Burgenland, bis 1920/21 zu Ungarn (Deutsch-Westungarn). Ab 1898 musste aufgrund der Magyarisierungspolitik der Regierung in Budapest der ungarische Ortsname Gyanafalva verwendet werden.

Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde nach zähen Verhandlungen Deutsch-Westungarn in den Verträgen von St. Germain und Trianon 1919 Österreich zugesprochen. Der Ort gehört seit 1921 zum neu gegründeten Bundesland Burgenland (siehe auch Geschichte des Burgenlandes).

In den letzten Monaten des Zweiten Weltkrieges bildete Jennersdorf aufgrund seiner geographischen Lage den Unterabschnitt V/7-Jennersdorf des Südostwalls. Für dessen Bau wurden neben der Ortsbevölkerung auch ungarische Juden herangezogen, die in verschiedenen Objekten im Ort selbst und im Ortsteil Grieselstein untergebracht waren. Nach dem Ausbruch von Krankheiten kam es zu mehreren Massakern, dem eine unbekannte Anzahl von Zwangarbeitern zum Opfer fielen. Nach dem Krieg erfolgte die Bergung der Opfer durch eine Kommission der Roten Armee und in den 1960er-Jahren durch Simon Wiesenthal.[3] Nach dem Scheitern der Plattenseeoffensive der deutschen Wehrmacht, besetzte die Rote Armee Jennersdorf, wobei es im Umfeld des Ortes zu heftigen Kämpfen kam.[4]

Jennersdorf ist seit 1921 Bezirksvorort und wurde 1977 zur Stadt erhoben. Das Stadtmotto lautet: „Jennersdorf, die Stadt an der Therme.“

Stadtwappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung:
In einem durch einen schräglinken goldenen Wellenbalken von Rot und Grün geteilten Schild in Rot ein goldenes Kreuz, in Grün eine dreiseitige goldene Pyramide.

Das Kreuz stammt aus dem Stiftswappen von St. Gotthard in Ungarn, zu dessen Herrschaft Jennersdorf über sieben Jahrhunderte gehörte. Die dreiseitige Pyramide symbolisiert das Dreiländereck Österreich – Ungarn – Slowenien. Der Wellenbalken ist ein Symbol für den Fluss Raab, der durch die Stadt fließt.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jennersdorf, welches Sitz des Dechanten ist, ist eine katholisch geprägte Gemeinde. Mit der Zeit zogen jedoch immer mehr Gläubige aus den umliegenden evangelisch geprägten Gemeinden (Neuhaus, Eltendorf, Deutsch-Kaltenbrunn) zu, sodass deren Anteil inzwischen angestiegen ist. Auch Muslime und orthodoxe Christen sind zugewandert und auch zahlreiche Gläubige inzwischen ausgetreten.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderatswahl 2017
 %
60
50
40
30
20
10
0
36,68
(-22,34)
10,25
(-9,20)
7,14
(-7,69)
18,13
(+11,44)
27,79
(n. k.)


Der Gemeinderat umfasst entsprechend der Einwohnerzahl 25 Mitglieder und setzt sich nach der Gemeindesratswahl 2012 wie folgt zusammen:[5]

  • ÖVP 15 Mandate,
  • SPÖ 5 Mandate,
  • Grüne 4 Mandate und
  • FPÖ 1 Mandat.

Bei der Gemeinderatswahl 2017 verlor die ÖVP fünf Mandate und hat nunmehr zehn Mandate. Die SPÖ fiel von fünf auf zwei Mandate zurück. Die Grünen mussten ebenfalls drei Mandate abgeben und halten nun bei einem, statt bisher vier Mandate. Großer Wahlsieger war die neue Bürgerliste Jennersdorf (JES), die auf Anhieb sieben Mandate für sich verbuchen konnte. Enorm zulegen konnte auch die FPÖ, die nun fünf statt bisher ein Mandat hält.[6] Der neu gewählte Gemeinderat ist noch nicht angelobt.

Gemeinderatswahlen in Jennersdorf[6][5][7][8][9]
Ergebnis vom 1. Oktober 2017 7. Oktober 2012 7. Oktober 2007 21. Oktober 2002 1997
  Stim-
men
% Man-
date
Stim-
men
% Man-
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Stim-
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% Man-
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Stim-
men
% Man-
date
Stim-
men
% Man-
date
Wahlberechtigt 3883 3909 3808 3655 3530
Abgegeben 2909 74,92 2813 71,96 2908 76,37 2934 80,27 2809 79,58
Ungültig 207 7,12 258 9,17 260 8,94 276 9,41 398 14,17
Gültig 2702 92,88 25 2555 90,83 25 2648 91,06 25 2658 90,59 25 2411 85,83 25
Davon entfielen auf
SPÖ 277 10,25 2 497 19,45 5 598 22,58 6 595 22,39 5 425 17,63 4
ÖVP 991 36,63 10 1508 59,02 15 1485 56,08 15 1499 56,40 15 1482 61,47 16
FPÖ 490 18,13 5 171 6,69 1 118 4,46 1 253 9,52 2 404 16,76 4
Die Grünen 193 7,14 1 379 14,83 4 297 11,22 2 311 11,70 3 100 4,15 1
JES 1)  751 27,79 7 n.k. n.k. n.k. n.k.
BLP 2)  n.k. n.k. 138 5,21 1 n.k. n.k.
FBL 3)  n.k. n.k. 12 0,45 0 n.k. n.k.
1) Bürgerliste Jennersdorf
2) Bürgerliste Poglitsch
3) Freie Bürgerliste

Stadtvorstand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben Bürgermeister Reinhard Deutsch (JES) und den Vizebürgermeistern Gabriele Lechner (ÖVP) und Josef Feitl (JES) gehören weiters die Stadträte Bernhard Hirczy (ÖVP), Michael Janosch (ÖVP), Franz Müller (ÖVP) und Franz Schenk (FPÖ) dem Stadtvorstand an.[10]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister der Stadtgemeinde ist seit 10. November 2017 Reinhard Deutsch (JES), der sich in der Stichwahl vom 29. November mit 53,23 % gegen den Landtagsabgeordneten Bernhard Hirczy (ÖVP), der nur 46,77 % erreichte, durchsetzte. Hirczy hatte erst am 13. Jänner 2017 die Nachfolge von Wilhelm Thomas, der 24 Jahre lang Bürgermeister war, angetreten.[11]

Vizebürgermeister sind Gabriele Lechner (ÖVP) und Josef Feitl (JES).[10]

Die Leitung des Stadtamts hat Roswitha über.[12]

Chronik der Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick vom Tafelberg auf die Stadt Jennersdorf

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Jennersdorf
  • Pfarrkirche Jennersdorf: römisch-katholisch, 1780–1800 erbaut, barock, neugotischer Schnitzaltar von 1904
  • Faschingsumzug: in Jennersdorf findet jedes Jahr ein Faschingsumzug mit unterschiedlich gestalteten Traktoranhängern statt.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es existieren Betriebe der Textilindustrie (Vossen Frottierwaren), des Lebensmittelgroßhandels, der Lederverarbeitung (Boxmark), Optoelektronik (Tridonic, Lumitech und Lexedis), des Bauwesens (hagebau Niederer) und ein Technologiezentrum.

Lumitech wurde 1997 als Spin-off der Technischen Universität Graz in St. Martin an der Raab im Bezirk Jennersdorf gegründet und übersiedelte 2001 ins damals neue Technologiezentrum Jennersdorf. Lumitech forscht an der Entwicklung von LED-Leuchtmitteln, seit 2006 an der Imitierung des Tageslichtspektrums durch LEDs. Rund um Lumitech mit 45 Mitarbeitern haben sich weitere Betriebe des Bereichs LED/Optoelektronik angesiedelt, in Summe werken hier ca. 200 Mitarbeiter in dieser Branche. (Stand März 2018.) März 2018 gelang es Lumitech mit dem großen Hersteller Phillips eine Lizenzvereinbarung über die Anwendung der PI-LED-Technologie zu verkaufen.[14][15]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Freizeit und Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Freibad
  • Skatepark
  • Fußballplatz
  • Raabtal-Radwanderwege
  • Kanufahren: auf der Raab
  • Judo: Im Turnsaal der VS Jennersdorf

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1977: Rudolf Grohotolsky, Landeshauptmann a. D.
  • 1993: Anton Brückler, Bürgermeister (1967 bis 1992)
  • 2000: Alois Luisser, Stadtpfarrer
  • 2007: Josef Csencsits

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Anton Gangl: Jennersdorf – eine Stadtgeographie. Diplomarbeit, Universität Graz 1987.
  • Josef Loibersbeck: Jennersdorf und sein Hinterland. In: Burgenländische Heimatblätter, Nr. 28/1966. Eisenstadt 1966, S. 32–46.
  • Hans Ponstingl, Josef Schöntag: Jennersdorf. Europäischer Verlag, Wien 1961.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Jennersdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Jennersdorf – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerung am 1.1.2017 nach Ortschaften (Gebietsstand 1.1.2017). 1. Januar 2017, abgerufen am 22. August 2017.
  2. Margit Pflagner in Burgenland-80-Farbbilder, Seite 92
  3. Südostwall-Abschnitt Südburgenland: Die Massaker von Jennersdorf, Webseite regiowiki.at, abgerufen am 2. April 2018
  4. Südostwall-Abschnitt Südburgenland: Kampfraum Güssing/Jennersdorf, Webseite regiowiki.at, abgerufen am 2. April 2018
  5. a b Wahlen im Burgenland: Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen 2012 (abgerufen am 11. Dezember 2014)
  6. a b Wahlen im Burgenland: Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen 2017 (abgerufen am 1. Oktober 2017)
  7. Wahlen im Burgenland: Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen 2007 (abgerufen am 11. Dezember 2014)
  8. Rechtsinformation des Bundeskanzleramts: Verfassungsgerichtshof gibt Wahlanfechtung statt (abgerufen am 12. Dezember 2014)
  9. Wahlen im Burgenland: Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen 2002 (abgerufen am 11. Dezember 2014)
  10. a b Stadtgemeinde Jennersdorf: Gemeinderat (abgerufen am 26. November 2017)
  11. a b meinbezirk.at vom 13. Jänner 2017: Bernhard Hirczy ist neuer Bürgermeister von Jennersdorf (abgerufen am 28. Oktober 2017)
  12. Stadtgemeinde Jennersdorf: MitarbeiterInnen im Stadtamt Jennersdorf (abgerufen am 28. Oktober 2017)
  13. orf.at: Die Sieger der Bürgermeister-Stichwahlen. Artikel vom 29. Oktober 2017, abgerufen am 29. Oktober 2017.
  14. Lumitech vergibt Lizenzen an Philips orf.at, 21. März 2018, abgerufen 21. März 2018.
  15. Licht-Forschung: 20 Jahre Lumitech orf.at, 23. September 2017, abgerufen 21. März 2018.