Jennifer Clack

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Jennifer „Jenny“ Alice Clack (* 1947) ist eine britische Wirbeltier-Paläontologin. Sie ist Expertin für frühe Landwirbeltiere (Übergang von den Fischen zu den Tetrapoden) sowie Kuratorin und Professorin am Museum für Zoologie der University of Cambridge.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Clack studierte an der University of Newcastle upon Tyne mit dem Bachelor-Abschluss in Zoologie 1970. Danach wandte sie sich einer Karriere in Museen zu, machte einen Abschluss an der Leicester University und arbeitete im Birmingham City Museum, bevor sie sich wieder der Paläontologie zuwandte. Sie begann 1978 eine Dissertation über Pholiderpeton (einer reptiliomorphen Amphibie aus dem Karbon) an der University of Newcastle bei Alec Panchen und wurde 1984 promoviert[1]. Dabei entdeckte sie Steigbügel-Gehörknochen, was mit der Entdeckung eines Steigbügels bei dem frühen Tetrapoden Greererpeton zu neuen Erkenntnissen über die Gehörentwicklung früher Tetrapoden führte. 1981 wurde sie Assistant Curator am Museum für Zoologie in Cambridge. Sie hat einen Master of Arts und D. Sc. der Universität Cambridge. 2006 wurde sie Professor für Wirbeltier-Paläontologie in Cambridge.

1987 fand und beschrieb sie ein ziemlich vollständiges Fossil (von ihr Boris genannt) von Acanthostega gunnari (vorher nur fragmentarisch bekannt)[2] aus dem oberen Devon von Grönland. Die Untersuchung dieses Exemplars und anderer früher Tetrapoden führte zu neuen Erkenntnissen über den Übergang vom Wasser zum Land. Die Untersuchung von Boris zeigte, dass dieser einen fischartigen Schwanz, acht Finger (statt der üblichen fünf – ebenfalls eine große Überraschung) und Kiemen hatte, und dass seine Gliedmaßen nicht in der Lage waren, sein Gewicht an Land zu tragen. Die Untersuchungen zeigten deutlich, dass die Vierbeinigkeit schon im Wasser ausgebildet wurde und der Fortbewegung durch Paddel-Bewegungen diente, im Gegensatz zu allen bisherigen Vorstellungen, dass diese für den Landgang ausgebildet wurde. In der Folge wurden viele zuvor als Fische eingestufte Fossilien in Museumsarchiven neu untersucht und dabei neue Tetrapoden entdeckt. Clack erhielt später auch die Gelegenheit, das von Erik Jarvik in Grönland gefundene Ichthyostega Exemplar neu zu untersuchen, und auch hier zeigte sich, dass die Gliedmaßen nicht für den Landgang geeignet waren.[3] Sie fand noch weitere Acanthostega Skelette und suchte in Schottland nach Fossilien aus der Romer-Lücke (Romer Gap) Ende des Devons, einer Fossillücke, die gerade den Übergang der Wirbeltiere vom Wasser aufs Land betraf. Wie sich abzeichnete, zog sich die vollständige Ausbildung von Tetrapodenmerkmalen über 30 Millionen Jahre vom Ende des Devon bis Mitte Karbon hin.

Sie beschrieb 1998 erstmals Eucritta aus dem schottischen Karbon. 2002 identifizierte sie den 1971 in Schottland gefundenen (und damals als Fisch klassifizierten) Pederpes als Tetrapoden.

Sie ist seit 2009 Fellow der Royal Society. 2008 erhielt sie die Daniel Giraud Elliot Medal der National Academy of Sciences der USA und ebenso die T. Neville George Medal der Geological Society of Glasgow. 2015 wurde sie mit der Lapworth Medal ausgezeichnet. Sie ist Ehrendoktor der University of Chicago und Mitglied der American Academy of Arts and Sciences (2009).

Sie wird in dem Film Beautiful Minds bei BBC4 porträtiert.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gaining Ground: the Origin and Early Evolution of Tetrapods, Indiana University Press 2002, 2. Auflage 2012
  • Herausgeber mit Marcelo R. Sánchez-Villagra: Fossils of the Miocene Castillo Formation, Venezuela: Contributions in Neotropical Palaeontology, London, Palaeontological Association, Wiley-Blackwell 2004
  • Herausgeber mit M. Ruta, A. C. Milner Patterns and processes in early vertebrate evolution, Special Papers in Palaeontology 81, 2009, 1-173.
  • mit Henning Blom, Per Erik Ahlberg Localities, Distribution and Stratigraphical Context of the Late Devonian Tetrapods of East Greenland (Meddelelser om Grønland), Danish Polar Center 2005
  • Getting a leg up on land, Scientific American, November 2005
  • The fish – tetrapod transition: new fossils and interpretations, Evolution: Education and Outreach, 2, 2009, 213-223
  • The emergence of early tetrapods, Palaeogeography, Palaeoclimatology, Palaeoecology, 232, 2006, 167-189
  • The fin to limb transition: new data, interpretations, and hypotheses from paleontology and developmental biology, Annual Review of Earth and Planetary Sciences, 37, 2009, 163-179
  • mit T. R. Smithson, S. P. Wood, J. E. A. Marshall Earliest Carboniferous tetrapod and arthropod faunas from Scotland populate Romer's Gap, Proceedings of the National Academy of Sciences, 109, 2009, 4532-4537

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Als sie Panchen um ein Dissertationsthema anging, stellte er ihr die Aufgabe, das Exemplar des Fossils aus einem Museum in Bradford für Untersuchungszwecke zu erlangen, was ihr auch gelang
  2. Allerdings stellte sich heraus, dass mehrere vom Geologen Peter Friend in Grönland in den 1960er und 1970er Jahren gesammelte Fossilien, die dieser für Ichthyostega hielt und die im Sedgwick Museum in Cambridge waren, Acanthostega zuzuordnen waren.
  3. Das Fossil war jahrzehntelang der Forschung nicht zugänglich, da Jarvik 50 Jahre lang anderen Forschern keinen Zugang gewährte (er starb 1998).