Jenny Erpenbeck

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Jenny Erpenbeck auf der Frankfurter Buchmesse 2018

Jenny Erpenbeck (* 12. März 1967 in Ost-Berlin) ist eine deutsche Schriftstellerin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jenny Erpenbeck ist die Tochter des Physikers, Philosophen und Schriftstellers John Erpenbeck und der Arabisch-Übersetzerin Doris Kilias. Ihre Großeltern väterlicherseits sind die Autoren Fritz Erpenbeck und Hedda Zinner.

Erpenbeck besuchte eine Erweiterte Oberschule in Ost-Berlin, an der sie 1985 ihr Abitur machte. Anschließend absolvierte sie eine zweijährige Lehre als Buchbinderin. Es folgte ein praktisches Jahr als Requisiteurin am Kleist-Theater in Frankfurt (Oder) und als Ankleiderin an der Staatsoper Berlin.

Von 1988 bis 1990 studierte sie Theaterwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin.

1990 wechselte sie zum Studium der Musiktheater-Regie (u. a. bei Ruth Berghaus und Peter Konwitschny) zur Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin. 1993 assistierte sie Heiner Müller bei der Produktion von Tristan und Isolde bei den Bayreuther Festspielen.

Nach dem erfolgreichen Abschluss des Studiums arbeitete sie ab 1997 als Regisseurin in Deutschland und Österreich. Parallel dazu schlug sie die schriftstellerische Laufbahn ein. 1999 erschien ihr Debüt „Geschichte vom alten Kind“. Es folgten u. a. die Romane „Heimsuchung“ (2008), „Aller Tage Abend“ (2012) und „Gehen, ging, gegangen“ (2015), für die sie zahlreiche Preise im In- und Ausland erhielt, darunter den Thomas-Mann-Preis und den Independent Foreign Fiction Prize (seit 2016 umbenannt in Man Booker International Prize)

Jenny Erpenbecks Werke wurden in 30 Sprachen übersetzt, darunter ins Englische, Französische, Spanische, Italienische, Schwedische, Türkische, Arabische, Hebräische, Dänische, Griechische, Niederländische, Norwegische, Slowenische, Ungarische, Japanische, Koreanische, Litauische, Polnische, Rumänische und Finnische.

Jenny Erpenbeck ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung[1], der Akademie der Künste Berlin[2], der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz[3] sowie des PEN-Zentrum Deutschland.

2017 wurde sie mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt.[4]

Erpenbeck lebt mit dem Dirigenten Wolfgang Bozic und ihrem gemeinsamen Sohn in Berlin.[5]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Prosa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dramatik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Katzen haben sieben Leben. UA: 30. Januar 2000, Vereinigte Bühnen Graz; verlegt bei Eichborn, Frankfurt am Main 2000 ISBN 3-8218-0785-7, sowie beim Verlag der Autoren ISBN 978-3-88661-339-7
  • Leibesübungen für eine Sünderin. UA: 27. März 2003, Deutsches Theater Berlin
  • Schmutzige Nacht. Verlegt beim Verlag der Autoren, Frankfurt am Main, 2015, ISBN 978-3-88661-339-7
  • Lot, Libretto für eine Oper in deutscher Sprache von Giogio Battistelli UA: 28. Mai 2017 Staatsoper Hannover 2016[6]; Vertrieb Casa Ricordi Milano

Inszenierungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1997 Gedichte aus der"Hauspostille" (Brecht), Berliner Ensemble
  • 1998 "Hänsel und Gretel" (Humperdinck), Opernhaus Graz
  • 2000 "Katzen haben siebel Leben"(UA), Schauspielhaus Graz "Schauspieldirektor/Apotheker" (Mozart/Haydn), Landestheater St.Pölten "Cabaret" (Kander), Schauspielhaus Linz
  • 2001 "Erwartung/Herzog Blaubarts Burg", (Schönberg/Bartòk), Opernhaus Graz
  • 2002 "L'Orfeo", (Monteverdi). Theater Aachen
  • 2003 "Acis und Galathea"(Händel), Staatsoper Berlin
  • 2004 "Orpheus in der Unterwelt" (Offenbach/Hacks), Hans-Otto-Theater Potsdam
  • 2005 "Zaide" (Mozart/Erpenbeck), Oper Nürnberg (Markgrafentheater Erlangen)

Preise und Würdigungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heike Bartel, Elizabeth Boa (Hrsg.): Pushing at Boundaries. Approaches to Contemporary German Women Writers from Karen Duve to Jenny Erpenbeck. Amsterdam 2006, ISBN 978-90-420-2051-1 (englisch).
  • Maria Behre: ‘Give us a place‘ – Politischwerden auf dem Oranienplatz. Jenny Erpenbecks Roman ‚Gehen, ging, gegangen‘ (2015), gelesen mit Hannah Arendts politischer Philosophie. In: Zeitschrift für Didaktik der Philosophie und Ethik (ZDPE), Jg. 39, 2017, Heft 1 – Markus Tiedemann (Hrsg.): Hannah Arendt, S. 58–65.
  • Miranda Chorus: Biographische Bezüge in Jenny Erpenbecks Dramatik, Magisterarbeit Univ. Nijmegen, 2016.
  • Wiebke Eden: Sich mit Worten auszudrücken, war immer das Nächste. In: Keine Angst vor großen Gefühlen. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-596-15474-X, S. 13–32 (Interview).
  • „Wahrheit und Täuschung“ – Beiträge zum Werk Jenny Erpenbecks, herausgegeben von Friedhelm Marx und Julia Schöll (Hrsg.), Wallstein Verlag, Göttingen 2014, ISBN 978-3-8353-1562-4
  • Elisabeth Krimmer „The Representation of Wartime Rape in Julia Franck´s Die Mittagsfrau and Jenny Erpenbeck´s Heimsuchung“; Nancy Nobile „The Legacy of Romanticism in Jenny Erpenbeck´s Heimsuchung“ in: Gegenwartsliteratur, ein germanistisches Jahrbuch, 14/2015 – herausgegeben von Paul Michael Lützeler, Erin McGlothlin, Jennifer Kapczynski, Stauffenburg Verlag Tübingen 2015, ISBN 978-3-95809-641-7

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung - Akademie - Mitglieder - Jenny Erpenbeck. Abgerufen am 4. Dezember 2019.
  2. 16. Akademie der Künste, Journal der Künste 04, Nov.2017 ISSN 2510-5221
  3. Mitgliedseintrag von Jenny Erpenbeck bei der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz, abgerufen am 11. Oktober 2017
  4. www.bundespraesident.de: Der Bundespräsident / Reisen und Termine / Ordensverleihung zum Tag der Deutschen Einheit. Abgerufen am 4. Dezember 2019.
  5. Porträt bei literaturport.de, abgerufen am 17. Juni 2016
  6. FAZ vom 4. April 2017
  7. Ingeborg-Bachmann-Preis: Die AutorInnen bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur 2001. In: ORF Kärnten. 2. Juli 2001, abgerufen am 28. Mai 2009.
  8. Inselschreiber: Jenny Erpenbeck: Preisträger 2006. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Kunstraum-Sylt Quelle. Archiviert vom Original am 23. Oktober 2007; abgerufen am 10. Juli 2008.
  9. ArcelorMittal Eisenhüttenstadt GmbH - 1. November 2010 - Verleihung Stahl-Literaturpreis 2010
  10. Pressemitteilung der Stadt Aalen vom 4. Dez. 2012 (Memento vom 5. Januar 2013 im Webarchiv archive.today), abgerufen am 17. April 2018
  11. Joseph-Breitbach-Preis
  12. Heinrich-Heine-Gastdozentur der Lüneburger Leuphana Universität
  13. Jenny Erpenbeck's The End of the Days wins Independent Foreign Fiction Prize. irishtimes.com, May 27,2015
  14. Walter-Hasenclever-Literaturpreis (Pressemitteilung am 1. März 2016, Verleihung am 6. November 2016)
  15. Jenny Erpenbeck mit Thomas-Mann-Preis ausgezeichnet, in Kieler Nachrichten vom 18. September 2016