Jenny Holzer

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Jenny Holzer (* 29. Juli 1950 in Gallipolis, Ohio) ist eine US-amerikanische Konzept- und Installationskünstlerin. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht die Verwendung von Text und die Nutzung des öffentlichen Raums als Ausstellungsfläche.

Installation in der Empfangshalle des 7 WTC

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Holzer wuchs als Tochter eines deutschen Autohändlers und einer Reitlehrerin in Lancaster auf. Nach der High School schrieb sie sich 1968 in die Duke University in Durham, North Carolina, ein und nahm Sommerkurse an der Ohio University. 1970 studierte sie für ein Jahr Zeichnung und Druckkunst an der University of Chicago.1972 schloss sie ihr Studium an der Ohio University mit dem Bachelor Degree of Fine Arts ab. 1975–1977 besuchte sie die Rhode Island School of Design in New York und erhielt 1977 ihren Master Degree of Fine Arts. Nachdem sie 1977 nach New York City gezogen war, nahm sie am Independent Study Program am Whitney Museum of American Art teil und begann mit Text als Kunst zu arbeiten.[1] Zu dieser Zeit engagierte sich Holzer als aktives Mitglied in der New Yorker Künstlergruppe Colab. 1983 heiratete sie den Künstler Mike Glier und bekam eine Tochter. Seit 1985 ist die Familie wohnhaft auf einer früheren Farm in Hoosick, New York. Jenny Holzer unterhält zudem eine Zweitwohnung in Manhattan.[2]

Künstlerisches Schaffen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jenny Holzer begann ihre Karriere als abstrakte Malerin. Ende der 1970er Jahre experimentierte sie mit Diagrammen und Worten und entwickelte sich zur einer Konzept- und Installationskünstlerin. Ihre Werke setzen sich mit Themen wie Aids, Politik, Gewalt, Sex, Umwelt, Feminismus und Machtstrukturen auseinander.[3]

Als Holzers erstes und bekanntestes künstlerisches Werk im öffentlichem Raum gelten die „Truisms“, die in den Jahren 1977-79 in den Straßen New Yorks in Form von anonymen Postern auftauchten. Die „Truisms“ sind eine Serie an Einzeilern, die ursprünglich an Gebäude, Mauern und Zäune in Lower Manhattans plakatiert waren.[4] Später verbreitet Holzer die Truisms auch über andere Medien, wie LED-Leuchtbänder, Sitzbänke, Aufkleber, T-Shirts und das WWW.

1979 verfasst Holzer die Inflammatory Essays, die sie auch als Plakatserie reproduzierte. Mit dem darauffolgenden Werk „Living series“ im Jahr 1981 verwendete die Künstlerin Aluminium- und Bronzeplatten als Trägermedien für ihre Texte.[4]

Ab 1982 beginnt Holzer die „Truisms“ und später die „Survival Series“ (1983–9184) auf LED-Screens zu präsentieren. Ab 1986 wendet sie sich dem Material Stein als neuem Tragermedium zu und kombiniert zum ersten Mal Steinbänke aus Granit mit ihren Leuchtschriften für eine Ausstellung in der Barbara Gladstone Gallery in New York.[5] Diese Praxis weiter verfolgend, stellt sie 1989 eine monumentale Installation bestehend aus einer 163 Meter langen Leuchtschrift-Spirale entlang der Innenwände des New Yorker Guggenheim Museum aus.[6] Im gleichen Jahr wird Holzer als erste Künstlerin ausgesucht, die USA auf der 44. Biennale in Venedig 1990 zu repräsentieren. Ihre dortige Installation „Mother and Child“ wurde mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet.[7]

In Deutschland wählte sie erstmals Anfang der 1990er Jahre in Nordhorn einen Garten als Medium zur Schaffung eines „Anti-Memorials“ gegen Krieg und Nationalsozialismus im Rahmen des internationalen Landschaftskunst-Projektes Kunstwegen Nordhorn. 2002 erhielt sie den Kaiserring der Stadt Goslar.

Im Juni 2005 entschied sich das Stadtparlament von Wiesbaden mit den Stimmen von CDU, FDP und Republikanern, ein von Holzer entworfenes Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus nicht aufzustellen. Seit 2009 sind im Park von Schloss Rheder (Landkreis Höxter) Baumstämme niedergelegt, in die Holzers Texte aus den Projekten „Survival“ und „Under the Rock“ zusammen mit Gedichten von Henri Cole eingraviert sind.

Seit 2004 wendet sich Jenny Holzer wieder der Malerei zu. In ihren „Dust Paintings“ verwendet Holzer amerikanische Staatsdokumente, die sie mit Farbe über- und bemalt.[8]

2011 wurde Holzer in die American Academy of Arts and Sciences gewählt.

Truisms (seit 1979)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit den „Truisms“ hat Jenny Holzer hat eine Serie von Statements und Aphorismen zusammengestellt, die ein weites Spektrum an individuellen Positionen bis common-sense statements bzw. Binsenweisheiten repräsentieren. Die kurzen und prägnanten Sätze betreffen gesellschaftliche Themen und Probleme, darunter Politik, Sex, Feminismus, Gender, Aids, Umwelt, Klassen- und Familienstrukturen, aber auch Krieg, sexuelle Gewalt gegen Frauen und immer wieder das Wesen der Macht.[3]

Ursprünglich als Liste gesammelt, zu der Zeit als Holzer noch ihr Masterprogramm an der Rhode Island School of Design absolvierte, wuchs die Anzahl der Truisms stetig: Insgesamt gibt es zwischen 250 und 300 Stück. Alle 300 Einzeiler waren niemals in einem gemeinsamen Werk vereint, sondern existieren in verschieden Versionen. Zunächst tippte Jenny Holzer die Truisms auf Schreibmaschinenpapier ab und fotokopierte sie. Später lässt sie eine Serie von Plakaten drucken. Ein Poster fasste um die 40 - 60 Einzeiler-Statements, alphabetisch gelistet, in schwarzer Schrift auf weißem Papier. Als Typographie verwendete sie Futura und Times New Roman. Die kommerzielle Technik der Fotolithographie wurde auch auf anderen Medien angewendet: Tassen, T-shirts, Caps, Kondome und Golfbälle.[4]

Ihre erste Bespiegelung der „Truisms“ auf einer LED-Tafel war das Spectacolor lightboard eines Gebäudes am Times Square im Jahr 1982. Die Bespielung fand im Rahmen der Ausstellung „Messages to the Public“ (1982–1990) statt - ein Künstlerprojekt unter der Schirmherrschaft des Public Art Fund, das als Präsentationsplattform für zeitgenössische Medienkunst diente. Jeden Monat zeigte ein anderer Künstler eine 30-sekündige Animation auf dem Spectacolor lightboard. Die Animation wurde mehr als 50 Mal am Tag wiederholt, eingebettet in einen Loop aus computer-animierten Werbeanzeigen. Insgesamt wurde die Truisms-Animationsserie für die Dauer von zwei Wochen präsentiert.[9]

Ihre Truisms wurden auch auf einer Hausfassade 1982 in Kassel anlässlich der documenta 7, in Telefonzellennoder 1999 auf einem BMW V12-Rennwagen für das 24-Stunden-Rennen von Le Mans (BMW Art Car) präsentiert. 

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Auping, Jenny Holzer, Jenny Holzer, New York 1992.
  • Holland Cotter, « Jenny Holzer at Barbara Gladstone, New York », in: Art in America, n° 74, New York 1986, S. 137–138. 
  • Francisco Calvo Seraller: (Einl.): Guggenheim Museum Bilbao Collection. Guggenheim Bilbao 2009, ISBN 978-84-95216-61-8
  • Jenny Holzer, Diane Waldman: Jenny Holzer. Stuttgart 1997, ISBN 3-89322-915-9
  • Jenny Holzer: Jenny Holzer. Neue Nationalgalerie Berlin. Ostfildern 2001, ISBN 3-7701-5854-7
  • Jenny Holzer, Noemi Smolik: Kunst heute, Nr.9, Jenny Holzer. Köln 2002, ISBN 3-462-02297-0
  • Julia Wallner, « Jenny Holzers Truisms: Sprache, Sprachkritik und die Liebe zur Wahrheit », in: Künstler als Wissenschaft, Kunsthistoriker und Schriftsteller, hrsg. v. Michael Glasmeter, Bd. 6, Köln 2012, S. 231–243. 
  • Lutz Jahre, « Orte – Worte: zum Künstlerbeitrag von Jenny Holzer », in: AKMB-News, vol. 5, no 1, 2015, S. 24–27. 
  • Udo Weilacher: Heldentod im Tulpenfeld. Schwarzer Garten in Nordhorn. In: Udo Weilacher: In Gärten. Profile aktueller europäischer Landschaftsarchitektur. Basel Berlin Boston 2005, ISBN 3-7643-7084-X
  • Rainer Stamm (Hg.), Jenny Holzer: For Paula Modersohn-Becker. Museen Böttcherstraße, Bremen 2005, ISBN 3-9804677-9-1
  • Jenny Holzer: Jenny Holzer XX. [Publikation anlässlich der gleichnamigen Ausstellung im Museum für angewandte Kunst, MAK Wien, 17. Mai - 17. September 2006]. Schlebrügge Ed., Wien 2006, ISBN 3-85160-082-7

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Jenny Holzer – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Francisco Calvo Seraller: (Einl.): Guggenheim Museum Bilbao Collection. Guggenheim Bilbao 2009, S. 507
  2. Munzinger-Archiv GmbH, Ravensburg: Anmeldung - Munzinger Online. Abgerufen am 13. März 2017.
  3. a b Julia Wallner: Jenny Holzers Truisms: Sprache, Sprachkritik und die Liebe zur Wahrheit. In: Michael Glasmeier (Hrsg.): Künstler als Wissenschaft, Kunsthistoriker und Schriftsteller. Band 6. Köln 2012, S. 231–243.
  4. a b c Michael Auping, Jenny Holzer: Jenny Holzer. New York 1992.
  5. Holland Cotter: Jenny Holzer at Barbara Gladstone, New York. In: Art in America. Nr. 74. New York 1986, S. 137–138.
  6. Guggenheim Collection. Abgerufen am 13. März 2017.
  7. Lutz Jahre: Orte – Worte: zum Künstlerbeitrag von Jenny Holzer. In: AKMB-News. Band 5, Nr. 1, 2015, S. 24–27.
  8. Aesthetica Magazine – Jenny Holzer, Dust Paintings, Cheim & Read, New York. In: Aesthetica. (aestheticamagazine.com [abgerufen am 13. März 2017]).
  9. Public Art Fund. Abgerufen am 13. März 2017.
  10. Please Change Beliefs auf Walkerart.org
  11. Kunstforum International: Band 145, 1999, S. 88. Brigitte Franzen The Black Garden.
  12. FAZ vom 6. Oktober 2010, Seite 32: Wenn Wörter fliegen lernen
  13. Gedichte unter erschwerten Bedingungen in FAZ vom 8. Juni 2011, Seite 25