Jens-Daniel Herzog

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Jens-Daniel Herzog (* 12. Juli 1963 in Stuttgart) ist ein deutscher Theater- und Opernregisseur, seit Herbst 2011 Intendant der Oper Dortmund[1] und ab der Spielzeit 2018/19 Staatsintendant des Staatstheater Nürnberg.

Jens-Daniel Herzog (2014)

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jens-Daniel Herzog ist der Sohn des Schauspielers Peter Herzog.[2] Nach einem Philosophiestudium an der FU Berlin ging Jens-Daniel Herzog 1990 als Regieassistent an die Münchner Kammerspiele, wo er mehrere Inszenierungen des Intendanten Dieter Dorn begleitete, unter anderem dessen König Lear (1992). 1993 hatte Herzogs Debütinszenierung, die Uraufführung von Marlene Streeruwitz’ Stück New York, New York, im Werkraum der Münchner Kammerspiele Premiere. Diese erste Regiearbeit Herzogs wurde zu den Mülheimer Theatertagen eingeladen.[3] 1994 inszenierte er Simone Schneiders Die Nationalgaleristen und Die Nacht kurz vor den Wäldern von Bernard-Marie Koltès.[2]

In den folgenden Jahren war Herzog Spielleiter und fester Regisseur an den Münchner Kammerspielen, daneben gastierte er am Thalia Theater Hamburg, am Wiener Burgtheater, am Schauspiel Frankfurt und am Schauspielhaus Zürich; seine dortige Inszenierung von David Mamets „Oleanna“ war beim Berliner Theatertreffen zu sehen. Am Opernhaus Zürich inszenierte Herzog erstmals Opern, Wagners Tannhäuser und Tschaikowskis Pique Dame.[4] Tannhäuser, geleitet von Franz Welser-Möst mit Peter Seiffert in der Titelrolle, wurde 2003 auf DVD aufgezeichnet.[5] Von 2000 bis 2006 war er Schauspieldirektor am Nationaltheater Mannheim, wo er auch die Mozart-Opern Così fan tutte und Die Entführung aus dem Serail sowie Wagners Die Meistersinger von Nürnberg inszenierte.[4]

Nach dem Ende seiner Mannheimer Zeit widmete sich Herzog vorrangig der Opernregie und inszenierte am Opernhaus Zürich, dem Staatstheater Mainz, dem Koreanischen Nationaltheater in Seoul, dem Staatstheater Nürnberg, den Tagen für Alte Musik Innsbruck, der Hamburgischen Staatsoper und wiederum dem Nationaltheater Mannheim. Schauspielinszenierungen entstanden am Bayerischen Staatsschauspiel München und dem Badischen Staatstheater Karlsruhe.[3]

Herzogs Zürcher Produktion von Händels Oper Rinaldo unter der musikalischen Leitung von William Christie wurde auf DVD aufgenommen.[6] Ebenfalls 2008 inszenierte er in Zürich die „Bürgerliche Komödie“ Intermezzo von Richard Strauss.[7] Seine erste Arbeit an der Semperoper war 2009 Händels Giulio Cesare in Egitto. An der Oper Frankfurt inszenierte er Wagners Lohengrin[8] und Verdis Les vêpres siciliennes.

Seit Herbst 2011 ist Jens-Daniel Herzog Intendant der Oper Dortmund.[9][10] Dort inszenierte er Wagners Der Fliegende Holländer, geleitet von Jac van Steen, mit Andreas Macco in der Titelrolle und Christiane Kohl als Senta.[11] Im März 2012 brachte er in Dortmund Felix Mendelssohn Bartholdys Oratorium Elias in einer szenischen Fassung auf die Bühne. 2012 inszenierte Herzog die Monteverdi-Oper Die Krönung der Poppea. Neben seinem dortigen Engagement arbeitet weiterhin als freischaffender Regisseur u.a. an der Oper Genf, Theater an der Wien, der Hamburger Staatsoper sowie der Semperoper in Dresden. Im Juli 2012 eröffnete er die Salzburger Festspiele mit der Zauberflöte unter der musikalischen Leitung von Nikolaus Harnoncourt.[12]

„Herzogs Regiestil zeichnet sich durch theatralischen Spielwitz und psychologische Genauigkeit aus, der ohne Plattitüden, vordergründige Aktualisierung und Politisierung auskommt. Dabei schreckt Herzog jedoch nicht vor Radikallösungen zurück, wenn er, wie in seiner Dortmunder Don Giovanni-Inszenierung das Orchester auf die Hinterbühne verbannt, damit die Sängerinnen und Sänger unmittelbar vor und im Publikum argieren können.“

Richard Lorbeer: WDR 3 Opernstudio Orfeo, 19. April 2015

In Dortmund versammelte und entwickelte Jens-Daniel Herzog ein spielfreudiges Sängerensemble von hoher musikalischer Qualität. Der Spielplan umfasst von Stücken des Frühbarock bis zum Musiktheater des 21. Jahrhunderts (insbesondere die Deutsche Erstaufführung Anna Nicole von Mark-Anthony Turnage, 2013) und aufwendige Musical- Und Operetten-Produktionen das ganze Spektrum des Musiktheaters. Durch künstlerische Qualität und die Einbindung der Oper in einen stadtgesellschaftlichen Kontext hat Jens-Daniel Herzog der Oper sowohl in der Stadt als auch überregional Ansehen zurückerobert. Anlässlich der Premiere von Herzogs Inszenierung von Tristan und Isolde (Oper) bezeichnete der Bayerischer Rundfunk die Oper Dortmund als "das derzeit tonangebende Opernhaus im deutschen Westen".

Zum Ende der Spielzeit 2017/18 wird Jens-Daniel Herzog seine Dortmunder Intendanz beenden und in der Nachfolge von Peter Theiler als Staatsintendant ans Staatstheater Nürnberg wechseln.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. dortmund.de Nachrichten vom 14. April 2014: Oper – Vertrag mit Intendant Herzog verlängert (Memento vom 16. April 2014 im Internet Archive)
  2. a b Jens-Daniel Herzog im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
  3. a b Biografie beim Opernhaus Zürich
  4. a b Jens-Daniel Herzog am Nationaltheater Mannheim (Memento vom 18. Juli 2011 im Webarchiv archive.is)
  5. Tannhäuser (englisch) wagneropera.net. 2011. Abgerufen am 23. November 2011.
  6. Ronald Blum: Handel with care: Zurich ‘Rinaldo’ set in airport (englisch) Associated Press. 20. Juni 2008. Abgerufen am 23. November 2011.
  7. Horst Koegler: Intermezzo (englisch) journal The Opera News. 28. März 2008. Abgerufen am 23. November 2011.
  8. Jens-Daniel Herzog. Semperoper. 2011. Abgerufen am 23. November 2011.
  9. Herzog will Aufbruchstimmung an Dortmunds Oper, derwesten.de, 16. April 2010
  10. Jens-Daniel Herzog will mehr Menschen fürs Musiktheater gewinnen, Ruhr Nachrichten, 28. September 2011
  11. Jens-Daniel Herzog inszeniert den „Fliegenden Holländer“ in Dortmund. wa.de. 3. Oktober 2011. Abgerufen am 19. November 2011.
  12. Wolfgang A. Mozart • Die Zauberflöte Salzburger Festspiele