Jens Beckert

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Jens Beckert (2015)

Jens Beckert (* 21. Juli 1967 in Frankfurt am Main)[1] ist ein deutscher Soziologe.[2] Seine Forschungsschwerpunkte sind die soziale Einbettung der Wirtschaft, die Soziologie des Marktes, Organisationssoziologie, Soziologie der Erbschaft sowie soziologische Theorie.[3][4] Seit 2005 ist Beckert Direktor am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung (MPIfG) und Professor für Soziologie an der Universität zu Köln.[5]

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jens Beckert studierte Soziologie und Betriebswirtschaftslehre an der Freien Universität Berlin und an der New School for Social Research, New York, mit den Schwerpunkten Wirtschaftssoziologie, politische Soziologie und soziologische Theorie. Anschließend war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Soziologie der Freien Universität Berlin tätig. Seiner Promotion 1996 in Berlin zum Thema „Grenzen des Marktes: Die sozialen Grundlagen wirtschaftlicher Effizienz“ folgte 2003 die Habilitation im Fach Soziologie ebenfalls an der Freien Universität Berlin.[6]

Von 2001 bis 2002 war Beckert John F. Kennedy Memorial Fellow am Center for European Studies der Harvard University, danach von 2002 bis 2003 Associate Professor für Soziologie an der International University Bremen. Seiner Professur an der Georg-August-Universität Göttingen von 2003 bis 2005 folgte seine Berufung als Direktor am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung im Alter von 37 Jahren.[7] Beckert war Gastwissenschaftler an der Princeton University, in Harvard und an der Cornell University; außerdem am Europäischen Hochschulinstitut Florenz, am Zentrum für Organisationssoziologie Paris[8] und am sozialwissenschaftlichen Pariser Institut für Advanced Studies.[9] Seit 2010 ist Beckert Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.[10]

Beckert ist Fakultätsmitglied und Vorsitzender der International Max Planck Research School on the Social and Political Constitution of the Economy (IMPRS-SPCE), einer internationalen Doktorandenschule, die vom Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung und der Universität zu Köln gemeinsam getragen wird.[11][12] Zudem ist Beckert Mitglied des Joint Council des Max Planck Sciences Po Center on Coping with Instability in Market Societies (MaxPo) an der Sciences Po Paris, einem deutsch-französischen sozialwissenschaftlichen Forschungszentrum.[13]

Beckert ist Herausgeber des European Journal of Sociology[14] und ist Mitglied im Herausgebergremium verschiedener soziologischer Fachzeitschriften, darunter der Socio-Economic Review.[15] Er war Mitglied der wirtschaftssoziologischen Sektion der US-amerikanischen Gesellschaft für Soziologie (ASA).[16]

Forschungsthemen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kapitalistische Wirtschaft als Form einer historischen sozialen Ordnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die aktuelle Forschungsarbeit Beckerts spiegelt das Forschungsprogramm, das er gemeinsam mit Wolfgang Streeck, ebenfalls Direktor am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung, entwickelt hat, wider: „Die Forschung am MPIfG investiert in eine Theorie sozialen Handelns als der aussichtsreichsten Möglichkeit, zu einem tieferen Verständnis und einer besseren theoretischen Abbildung der Wirtschaft als ein sozial und politisch konstituiertes Handlungssystem zu gelangen.“[17]

Märkte aus sozialwissenschaftlicher Perspektive[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In seiner Forschungsgruppe „Soziologie der Märkte“ konzentriert sich Beckert auf Märkte als zentrale Institution kapitalistischer Ökonomien: „Das übergeordnete Ziel ist, mithilfe des theoretischen und methodischen Instrumentariums der Soziologie ein Verständnis der Funktionsweise von Märkten zu entwickeln. Märkte werden von einem Weber’schen Gesichtspunkt aus als ,Arenen sozialen Handelns‘ betrachtet, in denen Akteure sich unter Wettbewerbsbedingungen gegenübertreten.“[18] Das Ziel ist, zu erklären, welche sozialen, kulturellen und politischen Rahmenbedingungen für die Entwicklung der sozialen Ordnung von Märkten bestehen müssen.

Einbettung wirtschaftlicher Handlungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Ein projektübergreifender Aspekt ist die Ungewissheit, mit der Marktakteure bei ihren Entscheidungen konfrontiert sind. Die Probleme der Koordination, die sich für die Marktteilnehmer daraus ergeben, können als Werte-, Wettbewerbs- oder Kooperationsprobleme identifiziert werden. Der Faktor der Unsicherheit eröffnet weitergehende theoretische Möglichkeiten, die Einbettung wirtschaftlicher Handlungen zu erklären.“[19]

Preise und Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2005: Jens Beckert: „Unverdientes Vermögen“ (Frankfurt a.M.: Campus 2004), wurde zum Juristischen Buch des Jahres gewählt durch die Neue Juristische Wochenzeitschrift (Heft 46/2005)[20]
  • 2005: Preis der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, gestiftet von der Commerzbank Stiftung. In der Laudatio wird Beckert als einer der „national wie international originellsten und produktivsten Soziologen seiner Generation“ bezeichnet: „Er gilt schon heute als führender Vertreter einer neuen Wirtschaftssoziologie …“[21]
  • 2010: Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW)
  • 2018: Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Imagined Futures: Fictional Expectations and Capitalist Dynamics. Cambridge, MA: Harvard University Press 2016, ISBN 978-0-6740-8882-5
  • Constructing Quality: The Classification of Goods in Markets. Oxford: Oxford University Press 2013 (mit Christine Musselin (Hrsg.)), ISBN 978-0-19-967757-3
  • Erben in der Leistungsgesellschaft. Reihe Theorie und Gesellschaft. Frankfurt a.M.: Campus 2013, ISBN 978-3-593-39867-9
  • The Worth of Goods: Valuation and Pricing in the Economy. New York: Oxford University Press 2011 (mit Patrick Aspers (Hrsg.)), ISBN 978-0-19-959465-8
  • Inherited Wealth. Princeton: Princeton University Press 2008, ISBN 978-0-691-12497-1
  • Unverdientes Vermögen: Soziologie des Erbrechts. Frankfurt a.M.: Campus 2004, ISBN 3-593-37592-3
  • Beyond the Market: The Social Foundations of Economic Efficiency. Princeton: Princeton University Press 2002, ISBN 9780691049076
  • Grenzen des Marktes. Frankfurt a.M.: Campus 1997, ISBN 9783593358536

Artikel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Max-Planck-Gesellschaft - CV Jens Beckert. Abgerufen am 30. Juli 2014.
  2. Persönliche Homepage Jens Beckert. Abgerufen am 30. Juli 2014.
  3. Jens Beckert beantwortet zehn Fragen zur Wirtschaftssoziologie. Abgerufen am 30. Juli 2014.
  4. Forschungsinteressen von Jens Beckert. Abgerufen am 30. Juli 2014.
  5. WISO-Fakultät Universität zu Köln. Abgerufen am 30. Juli 2014.
  6. Persönliche Homepage Jens Beckert. Abgerufen am 30. Juli 2014.
  7. Max-Planck-Gesellschaft - CV Jens Beckert. Abgerufen am 30. Juli 2014.
  8. Jens Beckert am CSO. Abgerufen am 30. Juli 2014.
  9. Jens Beckert am IEA. Abgerufen am 30. Juli 2014.
  10. Aktuelle Mitglieder der BBAW. Abgerufen am 30. Juli 2014.
  11. Fakultätsmitglieder der IMPRS-SPCE. Abgerufen am 30. Juli 2014.
  12. Doktorandenprogramm der IMPRS-SPCE. Abgerufen am 30. Juli 2014.
  13. Joint Council des MaxPo. Abgerufen am 30. Juli 2014.
  14. European Journal of Sociology. Abgerufen am 30. Juli 2014.
  15. Socio-Economic Review. Abgerufen am 30. Juli 2014.
  16. Mitgliederliste der wirtschaftssoziologischen Sektion der ASA. Abgerufen am 30. Juli 2014.
  17. Forschungsprogramm des MPIfG. Abgerufen am 30. Juli 2014.
  18. Einführung zum Forschungsprojekt "Soziologie der Märkte". Abgerufen am 30. Juli 2014.
  19. Einführung zum Forschungsprojekt "Soziologie der Märkte". Abgerufen am 30. Juli 2014.
  20. Juristische Bücher des Jahres - eine Leseempfehlung. Abgerufen am 30. Juli 2014.
  21. Preisträger der BBAW. Abgerufen am 30. Juli 2014.