Jens Emil Mungard

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Jens Emil Mungard (* 9. Februar 1885 in Keitum; † 13. Februar 1940 im KZ Sachsenhausen) war ein bedeutender Dichter der nordfriesischen Sprache.

Jens Emil Mungard war der älteste Sohn des Sprachforschers und Schriftstellers Nann Peter Mungard. Er war ab 1910 verheiratet mit Anna Andresen und hatte vier Kinder. Die Ehe wurde später geschieden.

Lebenslauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenkstein in Sachsenhausen

Jens Emil Mungard wurde auf der nordfriesischen Insel Sylt geboren. Er verlor bereits mit drei Jahren seine Mutter und wurde fortan von seiner Tante großgezogen. Früh beschäftigte er sich mit Literatur – insbesondere Lyrik – und Mythologie. Der Vater förderte die literarischen Neigungen seines Sohnes zwar, jedoch war das Verhältnis zwischen den beiden ansonsten sehr gespannt, da sich Nann Peter Mungard ständig in die persönlichen Angelegenheiten auch seines bereits erwachsenen Sohnes einmischte.

Nach seiner Heirat im Jahre 1910 übernahm Jens Emil Mungard den väterlichen Hof in Keitum. Wirtschaftlich völlig unbegabt, hielt er sich mit seiner Frau jedoch nur mühsam über Wasser. Als der Hof im Jahr 1921 abbrannte, verschlimmerte sich seine Situation zusehends. Er verlor den Hof schließlich ganz, wurde von seiner Frau geschieden und brach auch mit seiner Familie. Ab 1934 verließ er Sylt zeitweilig.

Von den Nationalsozialisten erhoffte Jens Emil Mungard sich zunächst eine Förderung der friesischen Kultur, für die er zeit seines Lebens eintrat. Früh erkannte er jedoch den wahren Charakter der neuen Machthaber in Berlin und begann schnell offen Opposition zu beziehen. In einigen Gedichten prangerte er das Regime an, verspottete es. 1935 wurde Mungard zum ersten Mal verhaftet. Weitere Verhaftungen folgten. Wegen seiner Kontakte zu niederländischen Westfriesen galt Mungard auch als „national unzuverlässig“. In dem Schutzhaftbefehl vom 13. Juni 1936 hieß es: „Ihr bisheriges Verhalten rechtfertigt den dringenden Verdacht, daß Sie auch weiterhin im Ausland das Ansehen des Deutschen Reiches schwer schädigen.“ 1938 wurde Mungard mit einem Schreibverbot belegt. Als er dem keine Beachtung schenkte, wurde er Ende 1938 erneut verhaftet und in das Konzentrationslager Sachsenhausen gebracht, wo er 1940 an den Folgen der Haft nach 377 Tagen starb.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1909 erschienen erste Gedichte Jens Emil Mungards in friesischen Lesebüchern, ab 1911 regelmäßig viele weitere, vor allem in der Sylter Zeitung. Insgesamt verfasste Jens Emil Mungard über 700 Gedichte, sechs Theaterstücke und zahlreiche Prosatexte.

Hier als Beispiel eines seiner bekanntesten Gedichte:


Ströntistel es min bloom,
Ströntistel neem's uk mi.
Jü gröört üp dünemsön,
Ik üp des leewents-strön,
En proter haa wat biid!

Stranddistel ist meine Blume,
Stranddistel nennen sie auch mich.
Sie wächst auf Dünensand,
Ich auf diesem Lebens-Strand,
Und Stacheln haben wir beide!

Ehrung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • An seinem letzten Wohnort auf Sylt erinnert ein Stolperstein an Mungard.[1]
  • In Keitum wurde 2011 eine Straße nach ihm benannt.
  • In der Gedenkstätte Sachsenhausen wurde im Oktober 2011 eine Tafel eingeweiht, die an den Dichter erinnert.[2]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jens E. Mungard: Ströntistel en Dünemruusen: das lyrische Werk. Herausgegeben von Hans Hoeg. Quedens, Norddorf/Amrum 1995, ISBN 3-924422-37-0.
  • Thomas Steensen: Er starb den Tod der Unterdrückten und Gequälten. Ehrung für Jens Mungard. In: Nordfriesland. Nr. 176, Dez. 2011, S. 21–23.
  • Ommo Wilts: Jens Emil Mungard. In: Harald Schultze und Andreas Kurschat (Hrsg.): „Ihr Ende schaut an …“ Evangelische Märtyrer des 20. Jahrhunderts. 2., erw. und verb. Aufl., Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2008, S. 394f. ISBN 978-3-374-02370-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gemeinde Sylt: Verlegung von Stolpersteinen (Memento vom 15. April 2012 im Internet Archive)
  2. In der KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen: Erinnerung an einen Sylter Dicher Sylter Rundschau vom 22. Oktober 2011