Jens Lehmann (Radsportler)

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Jens Lehmann (1990)

Jens Lehmann (* 19. Dezember 1967 in Stolberg (Harz)) ist ein deutscher Politiker (CDU) und ehemaliger Radsportler. Er war seit 1980 im Radsport aktiv und Olympiasieger, sechsfacher Weltmeister und vielfacher deutscher Meister und DDR-Meister im Bahnradsport. Bei der Bundestagswahl 2017 wurde Lehmann im Wahlkreis Leipzig I als Direktkandidat gewählt.

Radsport-Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seine sportliche Laufbahn begann Jens Lehmann als Fußball-Torwart beim TSV Rossla. Im Alter von zwölf Jahren wechselte er zum Radsport und gewann prompt sein erstes Rennen. Mit dem Team der BSG Mifa Sangerhausen gewann er seine erste deutsche Meisterschaft 1980 im Mannschaftszeitfahren seiner Altersklasse. Anschließend wechselte er auf die Kinder- und Jugendsportschule des SC DHfK Leipzig.

1989 wurde Lehmann Vize-Weltmeister in der Einerverfolgung der Amateure.[1] Zwei Jahre später wurde er bei den Amateuren Weltmeister in der 4000-Meter-Mannschaftsverfolgung (Bahn-Vierer) und der 4000-Meter-Einerverfolgung. Bei den Olympischen Sommerspielen 1992 in Barcelona holte er Gold mit dem Bahn-Vierer und Silber in der Einerverfolgung. 1994 kam ein weiterer Weltmeistertitel mit dem Bahn-Vierer hinzu.

Für die Olympischen Sommerspiele 1996 in Atlanta wurde Lehmann nicht nominiert. Nach dem Wechsel des Bundestrainers wurde Lehmann wieder ins Team zurückgeholt und errang 1999 erneut den Weltmeistertitel im Bahn-Vierer.

Bei der Einerverfolgung während der Olympischen Sommerspiele 2000 in Sydney holte Lehmann trotz eines Trainingsunfalls wieder eine Medaille, die Silberne, wobei er sich im Finale seinem Mannschaftskollegen Robert Bartko geschlagen geben musste. In der Mannschaftsverfolgung errang er gemeinsam mit Bartko, Guido Fulst und Daniel Becke die Goldmedaille, wobei der Vierer mit 3:59:710 Minuten als erstes Team überhaupt die Vier-Minuten-Grenze unterbot und somit einen neuen Weltrekord über diese Strecke aufstellte.[2]

Als das Team des Bahn-Vierers (Jens Lehmann, Daniel Becke, Sebastian Siedler und Christian Bach) für die Weltmeisterschaften 2003 in Stuttgart durch Funktionäre des Bundes Deutscher Radfahrer umformiert wurde, folgte Lehmann einem Boykottaufruf seines Trainers Jens Lang, so dass die Wettbewerbe in der Mannschaftsverfolgung das erste Mal seit Bestehen dieser Disziplin ohne eine deutsche Beteiligung ausgetragen wurde.

BDR-Präsidentin Sylvia Schenk und Sportdirektor Burckhard Bremer reagierten mit einer Suspendierung des Teams aus der Nationalmannschaft und für die Olympischen Spiele. Über Lehmann und Becke wurden Sperren von zwei Jahren, über Siedler von einem Jahr verhängt. Dieser Machtkampf zwischen Funktionären und Sportlern führte schließlich zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung. Auf Grund von Protesten wurden die Strafen schließlich deutlich verkürzt. Die Sanktionen gegen Lehmann wurden am 13. Januar 2004 durch den BDR aufgehoben.

Für die Olympischen Sommerspiele 2004 in Athen wurde Lehmann vom BDR nicht nominiert mit der Begründung, er sei zu alt. Dem neu zusammengestellten deutschen Bahn-Vierer wurden keine Medaillenchancen zugerechnet; dessen vierter Platz übertraf die Erwartungen.

Am 3. September 2004 gewann Jens Lehmann bei den Deutschen Bahnradmeisterschaft in seiner Heimatstadt Leipzig in der Einerverfolgung und wurde damit zum zehnten Mal Deutscher Meister in dieser Disziplin. In der Mannschaftsverfolgung errang er ebenfalls Gold.

Von 1981 bis 1997 gehörte Jens Lehmann dem SC DHfK Leipzig an und wechselte 1998 zu Köstritzer. 2001/2002 fuhr er zwischenzeitlich für das Team Nürnberger.

Am 17. September 2005 fand auf der Alfred-Rosch-Kampfbahn in Leipzig ein Abschiedsrennen für Jens Lehmann statt.

Politik und ehrenamtliches Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Mandat der CDU gehört er dem Leipziger Stadtrat an. Er war Listenkandidat dieser Partei für die Wahl zum sächsischen Landtag im Jahr 2004, wurde aber nicht in den Landtag gewählt. Zur Bundestagswahl 2005 trat Lehmann als Direktkandidat der CDU im Wahlkreis Leipzig I (153) an, wurde aber nicht gewählt. Im Vorfeld der Bundestagswahl 2017 nominierten die CDU-Mitglieder ihn erneut als Direktkandidaten für den Wahlkreis. Lehmann setzte sich dabei gegen die aktuelle Wahlkreisabgeordnete Bettina Kudla und weitere Mitbewerber durch.[3]

Lehmann setzt sich als Botschafter der Stiftungen Bärenherz und Hänsel & Gretel für Kinder ein, ist Vorsitzender der Deutschen Olympischen Gesellschaft, Zweigstelle Leipzig und Vizepräsident des Stadtsportbundes Leipzig.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lehmann bekam auch einige gesellschaftliche Ehrungen, so den Sport-Bambi 1992, das Silberne Lorbeerblatt des Bundespräsidenten 1992 und 2000, den Bild-Osgar 1995, die Goldene Ehrennadel des Sächsischen Radfahrerbundes 1995 und war Mitglied von Deutschlands Mannschaft des Jahres 2000 sowie Sportler des Jahres 2000 in Leipzig und Sachsen.

Berufliches und Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jens Lehmann hat 1988 eine Ausbildung zum Instandhaltungsmechaniker abgeschlossen. Bis 2005 war er Radprofi. 2006 legte er den Abschluss als Sportmanager (IST) in Düsseldorf ab, 2010 folgte der Abschluss als staatlich geprüfter Erzieher. Seitdem ist Lehmann als Erzieher im Hort einer Grundschule im Landkreis Leipzig tätig.

Jens Lehmann wohnt in Leipzig-Engelsdorf, ist verheiratet und Vater einer Tochter und eines Sohnes.[4]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. 25 Jahre erfolgreich im Radsport: Jens Lehmann auf Jubiläums-Tour auf l-zi.de v. 16. August 2005
  2. rapsprint – CwA-Werte: Chris Boardman, Robert Bartko und Jens Lehmann. Yahoo Groups; abgerufen am 12. Februar 2011.
  3. Björn Meine: Im ersten Wahlgang durchgefallen: CDU entzieht Bettina Kudla das Vertrauen. In: LVZ.de. 22. Oktober 2016; abgerufen am 23. Oktober 2016.
  4. http://web.jenslehmann-leipzig.de/cms/front_content.php?idcat=3&lang=1