Jeremy Adler

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Jeremy Adler (* 1. Oktober 1947 in London) ist ein britischer Dichter und emeritierter Professor für Deutsche Sprache am King’s College London. Er ist der Sohn des Schriftstellers H.G. Adler und seit 2005 Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Adler studierte am Queen Mary College in London englische wie deutsche Literatur und promovierte (1977) bei Claus Victor Bock über das Thema Eine fast magische Anziehungskraft: Goethes Wahlverwandtschaften und die Chemie seiner Zeit.[1] Er war mit Bill Griffiths, Lawrence Upton, Dick Higgins u. a. am British Poetry Revival im Writer's Forum London um Bob Cobbing beteiligt, veröffentlichte dort Konkrete und Visuelle Poesie, Texte und Gedichte auch von H.G. Adler und Franz Wurm wie 1971–73 und 1977 vier Ausgaben der von ihm herausgegebenen Sammlung A. An Envelope Magazine of Visual Poetry als Künstlerbücher im Selbstverlag Alphabox. Er gab die Nachlässe von Hans Günther Adler und Franz Baermann Steiner dem Deutschen Literaturarchiv Marbach und Werke aus deren Nachlass heraus. Zusammen mit Rüdiger Görner und Michael Krüger berichtete er über "Deutschsprachige Exilanten in London im Zeichen der Shoah" im Internationalen Kolleg Morphomata der Universität Köln am 7. November 2016.[2]

Adler war Mitglied des Colloquiums Neue Poesie Bielefeld, im akademischen Jahr 1985/1986 und wieder im Jahr 2011/2012 Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin.[3] In Deutschland wurde Adler durch seine Kritik an Bernhard Schlinks Bestseller Der Vorleser bekannt.[4] Mit seiner Ablehnung der Edition von Mein Kampf durch das Institut für Zeitgeschichte München-Berlin[5] löste er eine internationale Debatte aus.[6][7][8][9][10] Seine Auffassungen und Kritik fasst Adler in seinem 2018 veröffentlichten Buch Das absolut Böse zusammen[11][12] und werden von Wolfgang Benz geteilt.[13]

Adler setzt sich öffentlich gegen den Brexit ein und befürwortet den Verbleib des Vereinigten Königreiches in der EU [14][15]. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung kritisiert er den Eu-Deal mit der Türkei als Menschenhandel und fordert die Einrichtung einer europäischen Flüchtlingsbehörde.[16]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedichte und Künstlerbücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ab. The Poetry Society, London 1973. 40 S.
  • Tarot. Pirate Press, London 1975
  • The Amsterdam Quartet. Alphabox Press, London 1976. 5 S.
  • The Wedding and other Marriages. 1980
  • Jeremy Adler, Bob Cobbing: Homage to Theocritus. Writers Forum, London 1985.
  • The Electric Alphabet. 1986. 2. Aufl. 1996, Internet Ausgabe 1997.
  • Big Skies and Little Stones. Alphabox Press, c. 1987. 25 lose Faltbl.
  • At the Edge of the World. 1995

Wissenschaftliche Arbeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jeremy Adler: Eine fast magische Anziehungskraft: Goethes Wahlverwandtschaften und die Chemie seiner Zeit. Beck, München 1987,
  • Jeremy Adler, Ulrich Ernst: Text als Figur. Acta Humaniora, Weinheim 1987
  • Jeremy Adler (Hrsg.): From Prague Poet to Oxford Anthropologist: Franz Baermann Steiner Celebrated. Iudicium, München 2003.
  • Jeremy Adler: Das absolut Böse: Zur Neuedition von Mein Kampf. Donat 2017.

Franz Baermann Steiner, Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jeremy Adler (Hrsg.), Franz Baermann Steiner: Am stürzenden Pfad: Gesammelte Gedichte. Wallstein, Göttingen 2000,
  • Jeremy Adler, Richard Fardon (Hg.), Franz Baermann Steiner: Zivilisation und Gefahr: Wissenschaftliche Schriften. Wallstein, Göttingen 2008

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jeremy Adlers Eintrag im Wiki Encyclopedia of Humanthermodynamics
  2. Jeremy Adler, Rüdiger Görner und Michael Krüger: Deutschsprachige Exilanten in London im Zeichen der Shoah. Morphmomata - Universität Köln, 7. November 2016, abgerufen im 14. März 2017.
  3. Seit mit den Fellows (alphabetisch) abgerufen Dezember 2012
  4. J. Adler: Die Kunst, Mitleid mit den Mördern zu erzwingen. Einspruch gegen ein Erfolgsbuch: Bernhard Schlinks „Der Vorleser“ betreibt sentimentale Geschichtsfälschung. In: SZ, 20. April 2002, S. 18.
  5. Jeremy Adler im Gespräch mit Jasper Barenberg: Kontroverse um "Mein Kampf""Dieses Buch beinhaltet noch eine Gefahr". Deutschlandfunk, 8. Januar 2016, abgerufen im 4. Mai 2017 (deutsch).
  6. Jeremy Adler: Das absolut Böse lässt sich nicht neutralisieren. Süddeutsche Zeitung, 4. Januar 2016, abgerufen im 4. Mai 2017.
  7. Jeremy Adler: Debatte: Das absolut Böse. Süddeutsche Zeitung, 6. Januar 2016, abgerufen im 4. Mai 2017 (deutsch).
  8. Jürgen Kaube: Das Böse, kommentiert. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 8. Januar 2016, abgerufen im 4. Mai 2017.
  9. Patrick Guyton: Aufarbeitung ist ein „Dienst an der Würde der Opfer“. Der Tagesspiegel, 8. Januar 2016, abgerufen im 4. Mai 2017 (deutsch).
  10. Hubertus Volmer im Gespräch mit Albrecht Koschorke: Hitlers Botschaft"In 'Mein Kampf' geht es um die Geste". n-tv, 8. Januar 2016, abgerufen im 4. Mai 2017.
  11. Jeremy Adler: Das absolut Böse. Donat, Bremen 2018, ISBN 978-3-943425-74-1.
  12. Johannes Klotz: "Mein Kampf" Jeremy Adler greift das Münchner Institut für Zeitgeschichte an. Badische Zeitung, 2. Dezember 2017, abgerufen im 16. März 2018 (deutsch).
  13. Wolfgang Benz: Jeremy Adler, Das absolut Böse, Rezension. In: Wolfgang Benz, Michael Borgolte, Peter Steinbach und Ludmila Thomas (Hrsg.): Zeitschrift für Geschichtswissenschaft. 66. Jg., Nr. 3. Metropol, Berlin März 2018, S. 291–293.
  14. Jeremy Adler: Hinter dem Brexit steckt eine pervertierte Idee von Freiheit. Süddeutsche Zeitung, 1. Mai 2017, abgerufen im 4. Mai 2017 (deutsch).
  15. Jeremy Adler: Der unvollendete Kontinent. Europa lebt vom Handel der Ideen. Neue Zürcher Zeitung, 2. Januar 2017, abgerufen im 4. Mai 2017 (deutsch).
  16. Paul Munzinger (Interview mit Jeremy Adler): EU-Türkei-Deal : "Dieses Tauschverfahren ist nichts anderes als Menschenhandel". Süddeutsche Zeitung, 4. Mai 2016, abgerufen im 17. August 2018 (deutsch).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]