Jerry Spring

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Jerry Spring ist ein früher frankobelgischer Western-Comic, der von Joseph Gillain alias Jijé geschaffen wurde. Die Serie erschien ab 1954 in der Zeitschrift Spirou. Ab 1956 holte sich Jijé die Unterstützung von Szenaristen wie von Maurice Rosy, René Goscinny, Jean Acquaviva und Jacques Lob. In späteren Jahren wurde sein Sohn Philippe Gillain (Pseudonym „Philip“) zum wichtigsten Autor der Serie.

Jerry Spring hat zahlreichen anderen Western-Comics, insbesondere auch „Leutnant Blueberry“ als Vorbild gedient. Der junge Jean Giraud wirkte zu Beginn seiner Laufbahn (1961) zeitweilig als Assistent an der Serie mit und wird für das Album „La Route de Coronado“ sogar als Co-Autor genannt.

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten]

Als Jijé 1954 nach einem längeren Aufenthalt in den USA und Mexiko nach Europa zurückkehrte, hatten andere Zeichner des Spirou-Magazins alle seine früheren Serien (Spirou und Fantasio, Valhardi) übernommen. In dieser Situation machte ihm sein Verleger Jean Dupuis den Vorschlag, eine neue Western-Serie für das Spirou-Magazin zu zeichnen. Bis dahin waren im Magazin nur Western aus amerikanischer Produktion – etwa Red Ryder von Fred Harman – publiziert worden. Ein Western-Comic aus der Feder eines belgischen Zeichners war also ein durchaus gewagtes Experiment. Doch wer schien für ein solches Vorhaben besser geeignet als Jijé, der noch sehr unter dem Eindruck seines Aufenthaltes im mexikanisch-amerikanischen Grenzgebiet stand und sein besonderes Talent für realistisch gezeichnete Comics bereits in der Vergangenheit unter Beweis gestellt hatte?

Erste Erfahrungen mit dem Western Genre hatte Jijé bereits im Jahr 1940 gesammelt, als kriegsbedingt der Nachschub amerikanischer Comics für das Spirou-Magazin ausblieb und er eine von Fred Harman begonnene Red-Ryder-Erzählung fortsetzen musste, um die im Magazin bereits angelaufene Episode zum Abschluss bringen zu können. Dupuis ließ Jije bei der Entwicklung des Handlungsrahmens freie Hand. Es entstand eine Geschichte, in der die grundverschiedenen Welten der USA und Mexikos aufeinanderprallen. Jerry Spring ist eine Mischung aus Western und Detektiv-Geschichte. Die eigentliche Handlung der meisten Episoden ist recht schlicht und nur mäßig spannend. Die Qualität der Erzählung liegt eher in den Atmosphäre, die Jijé durch seine stimmigen Bilder zu erzeugen verstand.

Bei den Lesern von Spirou wurde Jerry Spring auf Anhieb ein Erfolg. Bis 1967 erschien in dem Magazin etwa ein Abenteuer pro Jahr, das mit einiger zeitlicher Verzögerung später auch als Album herausgebracht wurde. Als ab Mitte der 1960er Jahre der Absatz der Alben rapide zurückging, entschied sich Dupuis, auf weitere Albenveröffentlichungen zu verzichten.

Daraufhin verließ Jijé den Dupuis Verlag im Streit und heuerte beim französischen Pilote Magazin an, wo er fortan die Serie Mick Tanguy zeichnete. Erst 1974 gelang es Dupuis, Jijé zu Spirou zurückzuholen – mit dem Angebot, die inzwischen vergriffene Jerry Spring-Reihe in einer ansprechenden Werkausgabe neu herauszubringen. Im Rahmen dieser Neuausgabe erschienen nun erstmals auch die in den 1960er Jahren nicht nachgedruckten Erzählungen in Albenform. In den folgenden Jahren zeichnete Jijé drei neue Jerry Spring Abenteuer für das Spirou-Magazin, doch blieb die Resonanz der Leserschaft erneut hinter den Erwartungen von Autor und Verleger zurück. 1977 stellte Jijé die Arbeiten an Jerry Spring erneut ein. Mit dem Tod von Jijé im Jahre 1980 zerschlug sich die Hoffnung auf eine weitere Fortsetzungen der Serie endgültig. Im Jahre 1990 versuchte sich der Zeichner Franz an einer Wiederbelebung der Serie nach einem Szenario von Festin. Dieser Versuch kam aber über einen Band nicht hinaus.

Thematik[Bearbeiten]

Mit Jerry Spring hat Jijé eine Western-Serie geschaffen, die sich nicht an den Kino-Klischees der 1950er Jahre orientiert. Die Serie ist realistisch nicht nur in Bezug auf ihren Zeichenstil sondern auch wegen ihres Bemühens um Authentizität. Jijé versucht die realen Lebensumstände echter Cowboys zu beschreiben und ist um eine objektive Darstellung der Indianer bemüht. Alle Einzelheiten, wie beispielsweise die Kleidung der Akteure, sind gut recherchiert. Auch die Landschaften sind in prächtigen Bildern umgesetzt und entsprechen realen Vorbildern. Von großer Bedeutung für Jijé ist die menschliche Seite seiner Geschichten. Vor allem die Notsituation der mexikanischen Landbevölkerung ist ein wiederkehrendes Thema. Jerry Spring steht stets auf der Seite der Entrechteten und setzt sich für ihre Belange ein, seien es mexikanische Bauern, ehemalige schwarze Sklaven oder das indianische Volk.

Eine Besonderheit der Serie ist das Fehlen einer historischen Einordnung. Im Gegensatz zu anderen Western-Serien gibt es in Jerry Spring keine Angaben von Jahreszahlen.

Hauptfiguren[Bearbeiten]

  • Jerry Spring ist der makellose Titelheld der Serie und besitzt alle Attribute des klassischen Westernhelden. Er ist schnell mit dem Colt und enorm treffsicher. Trotzdem löst er Probleme lieber mit dem Verstand als mit der Waffe. Wenn es jedoch gilt, gegen Unrecht einzuschreiten, zögert er nicht, sich auf die Seite der Schwachen und Unterdrückten zu schlagen. Über seine Herkunft ist wenig bekannt. Sein Vater war Richter, der von Banditen ermordet wurde. Weil sein Vater mit einem Pfeil im Rücken aufgefunden worden war, galten die Apachen als die Schuldigen an dessen Tod, bis Jerry Spring im ersten Band die Identität des wahren Mörders aufdecken kann.
  • Jerry besitzt ein treues und intelligentes Pferd: Ruby. Der rote Hengst duldet keinen anderen Reiter als Jerry Spring und greift zuweilen aktiv in das Geschehen ein, weil er wittert, wenn sein Herr in Lebensgefahr schwebt.
  • Bereits im ersten Abenteuer trifft Jerry auf den Mexikaner Pancho, der rasch zu seinem treuen Freund und ständigen Begleiter wird. Der etwas korpulente Mexikaner mag die Siesta und den Tequila, erweist sich aber als hellwach und wendig, wenn Jerry in schwierigen Situationen seine Hilfe braucht. In späteren Abenteuern fällt ihm zuweilen auch die Rolle des Spaßvogels zu, der mit Slapstickeinlagen für gelegentliche komischen Elemente in der Serie sorgt.
  • Eine weitere wiederkehrende Person ist der Apache Einsamer Pfeil. Der Sohn eines Häuptlings hilft Jerry den wahren Mörder seines Vaters zu finden. Dank des Einflusses von Jerry Spring erkennt er, dass die traditionelle Lebensweise der Indianer keine Zukunft mehr hat. Anders als seine Stammesbrüder ist er sich bereit, sich an eine von den Weißen dominierte Gesellschaft anzupassen.

Veröffentlichung in Deutschland[Bearbeiten]

Die Serie ist zeitweilig von verschiedenen deutschen Verlagen herausgegeben worden. Die Popularität anderer Western-Serien wie Comanche oder Leutnant Blueberry konnte sie aber nie erreichen. In Deutschland erschien Jerry Spring erstmals ab 1971 bei Bastei als eigene Reihe. Die Serie brachte es auf insgesamt 16 Bände und schaffte ab 1978 sogar eine zweite Auflage. 1984 erschien die Serie kurzzeitig im Condor-Verlag, wurde jedoch bereits nach zwei Bänden wieder eingestellt. 1987 fand die Serie schließlich beim Carlsen-Verlag eine neue Heimat. Im Jahr 1990 wurde sie nach 10 Bänden auch dort wieder eingestellt. Von 2010 bis 2012 brachte schließlich der Ehapa Verlag alle Geschichten von Jijé in einer fünfbändigen Gesamtausgabe auf deutsch heraus.[1] Damit ist lediglich die von Franz gezeichnete Geschichte Colère apache bisher nicht auf deutsch erschienen.

Bibliographie[Bearbeiten]

Insgesamt hat Jijé 25 überwiegend albenlange Jerry-Spring-Abenteuer gezeichnet. Hinzu kommt eines des Duos Franz/Festin. Die Reihenfolge der Albenveröffentlichungen in Frankreich und in Deutschland entspricht nicht immer der Reihenfolge des Entstehens der Abenteuer. Neben dem Jahr der Albenerstveröffentlichung ist daher zusätzlich das Jahr des Erscheinens im Spirou-Magazin genannt.

Titel Seiten Spirou Albenveröffentlichung in Belgien Deutscher Titel Bastei/Condor/Carlsen Szenarist
Jerry Spring 44 1954 Band 1: Golden Creek (Le secret de la mine abandonnée), 1955 Das Geheimnis der alten Mine (Condor 1), 1984 Jijé
Le splendide cavalier 44 1954 Band 2: Yucca Ranch, 1955 Jerry Spring Gesamtausgabe Nr. 1: Yucca Ranch (Ehapa, 2010) Maurice Rosy
Le visage pâle 44 1955 Band 3: Lune d’argent, 1956 Jerry Spring Nr. 8: Unternehmen Silbermond, (Bastei Verlag 1971) Jijé
La révolution méxicaine 44 1955 Band 4: Trafic d’armes, 1957 Jerry Spring Nr. 14: Abenteuer in Mexiko, (Bastei Verlag 1971)

Verräterische Spuren (Condor 2), 1984

Jijé
La passe des indiens 44 1955 Band 5: La passe des indiens, 1957 Jerry Spring Nr. 13: Ende einer heißen Spur, (Bastei Verlag 1971) Jijé
La piste du grand nord 24 1956 Band 6: La piste du grand nord, 1958 in: Jerry Spring Nr. 11: Jagd ohne Gnade, (Bastei Verlag 1971) Jijé
L'or du vieux Lender 20 1956 in Band 6: La piste du grand nord, 1958 in: Jerry Spring Nr. 11: Fluch des Goldes, (Bastei Verlag 1971) René Goscinny
Le ranch de la malchance 16 1956 Band 7: Le ranch de la malchance, 1959 in: Jerry Spring Nr. 10: Westwärts, Amigo!, (Bastei Verlag 1971) Jijé
Enquête à San Juan 21 1957 in Band 7: Le ranch de la malchance, 1959 in: Jerry Spring Nr. 10: Westwärts, Amigo!, (Bastei Verlag 1971) Jijé
Le testament de l’oncle Tom 8 1957 in Band 7: Le ranch de la malchance, 1959 in: Jerry Spring Nr. 10: Westwärts, Amigo!, (Bastei Verlag 1971) Jijé
Les 3 barbus de Sonoyta 44 1957 Band 8: Les 3 barbus de Sonoyta, 1959 Jerry Spring Nr. 3: Abrechnung in Mesilla, (Bastei Verlag 1971) Jean Acquaviva
Fort Red Stone 44 1958 Band 9: Fort Red Stone, 1960 Jerry Spring Nr. 2: Im geheimen Auftrag, (Bastei Verlag 1971) Philip
Le maître de la sierra 44 1960 Band 10: Le maître de la sierra, 1960 Jerry Spring Nr. 5: Wilder Ritt nach Tampico, (Bastei Verlag 1971) Philip
La route de Coronado 44 1961 Band 11: La route de Coronado, 1962 Jerry Spring Nr. 9: Der Weg nach Coronado, (Bastei Verlag 1971)

Unterwegs nach Coronado, Carlsen Band 7, 1990

Philip
El Zopiloté 44 1962 Band 12: El Zopiloté, 1964 Jerry Spring Nr. 1: Gefährliche Rivalen, (Bastei Verlag 1971)

El Zopilote, Carlsen Band 8, 1990

Jijé
Pancho hors la loi 44 1963 Band 13: Pancho hors la loi, 1964 Jerry Spring Nr. 12: Mann gegen Mann, (Bastei Verlag 1971)

Pancho, der Bandit, Carlsen Band 9, 1991

Jijé
Les broncos du Montana 44 1963 Band 14: Les broncos du Montana, 1965 Jerry Spring Nr. 7: Die Hölle der Gesetzlosen, (Bastei Verlag 1971)

Die Broncos von Montana, Carlsen Band 10, 1991

Jijé
Mon ami Red Lover 27 1964 Band 15: Mon ami Red, 1965 in : Jerry Spring Nr. 6: Im Namen des Gesetzes!, (Bastei Verlag 1971) Philip
Le loup solitaire 17 1964 in Band 15: Mon ami Red, 1965 in: Jerry Spring Nr. 6: Der einsame Wolf, (Bastei Verlag 1971) Daniel Dubois
Les Vengeurs du Sonore 44 1965 Band 19: Les Vengeurs du Sonore, 1985 Jerry Spring Nr. 4: An der heißen Grenze, (Bastei Verlag 1971)

Die Rächer der Sonora, Carlsen Band 2, 1987

Jijé
Jerry contre K.K.K. 44 1966 Band 20: Jerry contre KKK, 1986 Jerry Spring Nr. 15: Zwei Revolver für das Recht, (Bastei Verlag 1971)

Der Ku-Klux-Klan, Carlsen Band 3, 1988

Jacques Lob
Le Duel 44 1966 Band 18: Le Duel, 1984 Jerry Spring Nr. 16: Bis zur letzten Patrone, (Bastei Verlag 1971)

Das Duell, Carlsen Band 1, 1987

Jacques Lob
L'or de personne 46 1974 Band 21: L'or de personne, 1987 Die Mine am Rio Santana, Carlsen Band 6, 1989 Jacques Lob
La fille du canyon 46 1976 Band 16: La fille du canyon, 1977 Mord auf der Preston-Ranch, Carlsen Band 5, 1989 Philip
Le Grand Calumet 46 1977 Band 17: La grand calumet, 1978 Eine Lady im Wilden Westen, Carlsen Band 4, 1989 Philip
Colère apache 46 Band 22: Colère apache, 1990 keine Veröffentlichung in Deutschland Festin

Zeichnungen: Franz

Belege[Bearbeiten]

Dieser Artikel wurde unter anderem unter Verwendung von Material der Seiten „Jerry Spring“ auf www.bdcouvertes.com und www.comicguide.de erstellt. Zu erwähnen sind außerdem die Verlagsinformationen zur Serie von Condor die als Klappentexte in den Bänden 1 und 2 abgedruckt waren, sowie der Beitrag „Jijé“ von Volker Hamann in Reddition, Zeitschrift für Graphische Literatur, Nr. 38, 2001.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Comic Guide: Jerry Spring Gesamtausgabe

Weblinks[Bearbeiten]