Jerxheim

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Jerxheim
Jerxheim
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Jerxheim hervorgehoben
Koordinaten: 52° 5′ N, 10° 54′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Helmstedt
Samtgemeinde: Heeseberg
Höhe: 103 m ü. NHN
Fläche: 17,47 km2
Einwohner: 1223 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 70 Einwohner je km2
Postleitzahl: 38381
Vorwahl: 05354
Kfz-Kennzeichen: HE
Gemeindeschlüssel: 03 1 54 012
Gemeindegliederung: 3 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Helmstedter Straße 17
38381 Jerxheim
Webpräsenz: www.samtgemeinde
heeseberg.de
Bürgermeister: Wolfgang Sander
Lage der Gemeinde Jerxheim im Landkreis Helmstedt
Sachsen-Anhalt Braunschweig Landkreis Gifhorn Landkreis Wolfenbüttel Wolfsburg Bahrdorf Beierstedt Brunsleberfeld Danndorf Frellstedt Gevensleben Grafhorst Grasleben Groß Twülpstedt Helmstedt Helmstedt Helmstedt Helmstedt (gemeindefreies Gebiet) Jerxheim Königslutter (gemeindefreies Gebiet) Königslutter (gemeindefreies Gebiet) Königslutter am Elm Königslutter am Elm Königslutter am Elm Lehre (Niedersachsen) Mariental (Niedersachsen) Mariental (gemeindefreies Gebiet) Mariental (gemeindefreies Gebiet) Mariental (gemeindefreies Gebiet) Querenhorst Räbke Rennau Schöningen Schöningen (gemeindefreies Gebiet) Söllingen (Niedersachsen) Süpplingen Süpplingenburg Velpke Warberg WolsdorfKarte
Über dieses Bild

Jerxheim ist eine Gemeinde im Landkreis Helmstedt in Niedersachsen.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jerxheim liegt südlich des Naturparks Elm-Lappwald und nördlich des Huy. Der Ort liegt am Großen Bruch und am Fuße des weithin sichtbaren Heesebergs (200 m über NN.). Die Gemeinde ist Mitgliedsgemeinde und Verwaltungssitz der Samtgemeinde Heeseberg.

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick vom Heeseberg in Richtung Harz

Geologisch ist das Gebiet durch den Unteren Buntsandstein gekennzeichnet und wird als „Rogenstein-Zone“ bezeichnet. Im Heeseberggebiet gab es bereits in vor- und frühgeschichtlicher Zeit Ackerbaukulturen, da hier gute Ackerböden, wie Löss und Schwarzerde vorkommen. Der fossile Algenrasen am Heeseberg wurde 2006 in die Liste der 77 ausgezeichneten Nationalen Geotope aufgenommen.[2]

Der im Südosten des Landkreises Helmstedt gelegene Heeseberg gehört zu den nordwestlichen Ausläufern des mitteldeutschen Trockengebietes. Eine einzigartige Flora und Fauna mit wärmeliebenden, gegen Trockenheit wenig empfindlichen Pflanzen- und Tierarten findet sich hier. Große Teile des Heeseberges sind Naturschutzgebiet.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachbargemeinden sind Söllingen, Twieflingen, Ingeleben, Beierstedt, Gevensleben und Dedeleben (Sachsen-Anhalt).

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ortsteile der Gemeinde sind:

  • Jerxheim-Ort
  • Jerxheim-Bahnhof
  • Jerxheim-Siedlung am Heeseberg

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Merian-Stich von Jerxheim um 1654

Im Jahre 1195 wurde die Gemeinde erstmals urkundlich erwähnt. Im Jahre 1313 wurde urkundlich ein Schloss „Gerksem“ im Pfandbesitz der Ritter von Alvesleben erwähnt. Auch ein Adelsgeschlecht mit dem Namen Jerxheim wird erwähnt. Matthäus Merian schildert 1654, Jerxheim sei im Mittelalter eine Grafschaft gewesen.[3] Merian beschreibt die Burg Jerxheim um 1650 als vierseitige Anlage mit Burggraben.[4] Das Haus muss damals schon sehr alt gewesen sein. Das Gebäude wurde später abgetragen. Auf dem Gelände stehen heute noch mehrere alte Scheunen aus der Zeit und ein im 19. Jahrhundert gebautes Gutshaus. Im Jahre 1846 hatte Jerxheim 974 Einwohner und besaß bereits einen Bahnhof, der etwa zwei Kilometer südlich des Dorfes mit einer Siedlung angelegt wurde und Kreuzungspunkt für mehrere Bahnstrecken war, die heute alle stillgelegt sind (siehe unten). In Jerxheim Bahnhof stand von 1851 bis 1975 auch eine Zuckerfabrik.[5]

Ortsname[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alte Bezeichnungen des Ortes sind um 1153 Gercseim, 1189 Jericksen, 1196-1197 Gereksheim, 1196-1197 Yerxem und 1196-1197 Jerkesheim.

Im zweiten Teil des Ortsnamens steht niederdeutsch „-hēm“ für „Heim, Siedlung“, im ersten ein alter Vorname, vielleicht „Ger- ik(i)“ oder „Gar-ik(i)“. Ob „Gar-“ dem Personennamen-Stamm „Garva“ oder „Gairu“ zuzuordnen ist, ist fraglich. Auch ist der altsächsisch bezeugte zweigliedrige Personenname „Gerrik“ zum Personennamen-Stamm „Gairu“, dessen Glied „-rik“ zum Personennamen-Stamm „Ricja“ für „reich, mächtig“, zu stellen ist.[6]

Postgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine kleine Poststation, eine sogenannte Postexpedition, bestand in Jerxheim seit 1843. Zur Entwicklung des Postwesens in Jerxheim siehe: Postroute Braunschweig-Helmstedt-Magdeburg.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat aus Jerxheim setzt sich aus 11 Ratsfrauen und Ratsherren zusammen. Kommunalwahl 2016: Alle Sitze werden von der Bürgerliste Jerxheim (BLJ) eingenommen.[7]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der ehrenamtliche Bürgermeister Mark-Henry Spindler (BLJ) wurde am 11. September 2016 gewählt.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen wurde am 25. Februar 1956 durch den braunschweigischen Verwaltungspräsidenten genehmigt.

Jerxheim war seit alters her Sitz eines braunschweigischen Amtes und führt daher in der oberen Hälfte seines geteilten Schildes einen der beiden goldenen herzoglich-braunschweigischen Wappenlöwen. Die blaue Schere im unteren Feld stammt aus dem Wappen der Herren von Jerxheim, die hier von 1200 bis 1428 eine Rolle spielten. Die untere Schildhälfte bekräftigt überdies mit den Farben Blau-Gelb nochmals die lange Zugehörigkeit der Gemeinde zum Lande Braunschweig.

Der Gemeinderat beschloss das Wappen am 3. Juni 1955. Das Wappen wurde vom Heraldiker Wilhelm Krieg gestaltet.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Heeseberg mit einer Berggaststätte ist von Dörfern umgeben, die von der Landwirtschaft geprägt sind und über große thüringische Hofanlagen verfügen. Der Name der Samtgemeinde ist auf die Erhebung zurückzuführen. Am Heesebergturm gibt es im Natur- und Landschaftsschutzgebiet einen Geologie-Natur-Erlebnispfad des Freilicht- und Erlebnismuseums Ostfalen (FEMO), von dem sich ein sehenswertes Panorama erschließt. Es gibt den Blick frei auf das Harzvorland und das Brockenmassiv des Harzes. Im Norden ist der Elm zu sehen.

Beim vorbeiführenden Großen Bruch handelt es sich um eine flache eiszeitliche Schmelzwasserrinne, die sich zum Radfahren eignet.

Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jerxheim besitzt seit 1852 den „Gesangverein Liedertafel Jerxheim“ e.V. mit Gemischten Chor, Frauenchor und Männerchor. Alljährlich gibt der Chor ein Chorkonzert. Das Adventskonzert am 2. Advent in der evangelischen Kirche ist eingebettet in den alljährlich stattfindenden Weihnachtsmarkt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jerxheim wird im Roman Netzkarte von Sten Nadolny von 1981 erwähnt, in dem der Protagonist Ole Reuter sich unter anderem vornimmt, sämtliche Bahnhöfe Deutschlands mit einem x im Namen (nach seiner Aufzählung: Buxtehude, Cuxhaven, Höxter, Xanten) zu besuchen. Den Bahnhof Jerxheim beschreibt Nadolny als „Kastanienschönheit“ (S. 92) und ist verblüfft, dass Jerxheim Bahnhof „ein Ort für sich“ ist, Jerxheim selbst aber erst „jenseits eines beträchtlichen Hügels“ liegt. Im Buch stellt sich Ole Reuter auch mehrfach eine „Bäckerstochter in Jerxheim“ vor, als Inbegriff für sich zufällig ergebende interessante Dinge: „Erst wenn man einmal ohne jedes Ziel um 6 h 46 in Jerxheim war, dann weiß man, was daraus werden kann. […] In Jerxheim stelle ich mir […] eine ausführliche Unterhaltung mit der Bäckerstochter als sehr, sehr belebend vor.“ (S. 12)

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jerxheim verfügt über mehrere Sportvereine.

Der ESV spielte im Ortsteil Jerxheim-Bahnhof Fußball. Wegen Mitgliederschwund spielen die verbliebenen Spieler seit 2008 beim FC Dobbeln/Jerxheim.

Der TSV Jerxheim ist in Jerxheim angesiedelt und die Fußballabteilung spielt in der Spielgemeinschaft FC Dobbeln/Jerxheim. Außerdem bietet der TSV weitere Sparten an wie Volleyball, Tennis, Gymnastik, Pilates, Jazz Modern Dance, Nordic Walking.

Die Sportanlage in Jerxheim beheimatet die LG (Leichtathletikgemeinschaft) Heeseberg.

Die Kyffhäuser-Kameradschaft Jerxheim betreibt Schießsport.

Beim Reit- und Fahrverein (Reitgemeinschaft-Elm-Heeseberg e.V.) sind Reiter organisiert. Sie verfügen über einen Dressur-Sandplatz und einen Rasen-Springplatz bei den Sportanlagen.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 30. April jedes Jahres findet die Maidisco statt.

Das Volksfest findet jährlich in der dritten Juniwoche statt. Am letzten Wochenende im August findet ein Chorkonzert der „Liedertafel Jerxheim“ e.V. im DGH statt. Das Oktoberfest ist am letzten Wochenende im September.

Der Weihnachtsmarkt ist immer am zweiten Adventswochenende mit einem Adventskonzert der „Liedertafel Jerxheim“ e.V.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nahverkehrszug in Richtung Helmstedt am Bahnhof Jerxheim (1993)
Katholische Kirche

Jerxheim ist die größte Mitgliedsgemeinde der Samtgemeinde Heeseberg. Hier sind neben dem Sitz der Verwaltung wichtige Einrichtungen der Gemeinde vertreten. Jerxheim verfügt über Ärzte, Gaststätten, ein Alten- und Pflegeheim (Haus am Heeseberg) und verschiedene Einzelhandelsläden zur Nahversorgung.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jerxheim liegt direkt an der Bundesstraße 244, die von Helmstedt nach Wernigerode führt.

Bis 1945 war Jerxheim bedeutender Eisenbahnknotenpunkt mit Strecken nach Nienhagen (bei Halberstadt), Wolfenbüttel/Oschersleben (weiter nach Braunschweig und Hannover bzw. Magdeburg), Börßum (weiter nach Bad Harzburg, Paderborn und Ruhrgebiet) und Helmstedt. Über Jerxheim fuhr 1843 der erste Zug von Berlin nach Köln bzw. Deutz (→ Geschichte der Eisenbahn in Deutschland). Die Hauptbahn nach Börßum war 1868 die erste, die gleich zweigleisig gebaut wurde. Mit der Teilung Deutschlands wurde die Hauptbahn nach Oschersleben unterbrochen, ebenso die Nebenbahn nach Nienhagen. Der Abschnitt Schöppenstedt–Helmstedt wurde im Dezember 2007 stillgelegt. Seitdem sind die Jerxheimer Bahnanlagen ungenutzt.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jerxheim verfügt über eine Grundschule, einen Kindergarten, zwei Dorfgemeinschaftshäuser, ein Schützenzelt und eine alte Schule. Diese Räumlichkeiten können für Feierlichkeiten angemietet werden.

In Jerxheim ist der Feuerwehrstützpunkt der Samtgemeinde Heeseberg stationiert. Außerdem existiert eine halbtags besetzte Polizeistation.

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Jerxheim befinden sich zwei christliche Kirchen:

Die evangelisch-lutherische Kirche St. Petrus, zwischen Pfarrwinkel und Schulstraße gelegen, gehört zur Propstei Helmstedt.

Die katholische Kirche Maria von der Immerwährenden Hilfe wurde 1925/26 an der Helmstedter Straße erbaut. Heute gehört die Kirche zur Pfarrgemeinde Maria Hilfe der Christen in Schöningen und ist die südlichste Kirche im Dekanat Wolfsburg-Helmstedt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rudolph Friedrich Schultze (1738–1791), (geboren in Jerxheim), evangelischer Theologe
  • Karl Kleye (1854–1923), Mitglied des Deutschen Reichstags, Initiator des Aussichtsturms auf dem Heeseberg
  • Kurt Meyer (1910–1961), (geboren in Jerxheim), SS-Brigadeführer und Generalmajor der Waffen-SS

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Jerxheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, 100 Bevölkerungsfortschreibung – Basis Zensus 2011, Stand 31. Dezember 2015 (Hilfe dazu).
  2. Stefan Röber, Henning Zellmer, Heinz-Gerd Röhling: Fossile Algenrasen im nördlichen Harzvorland – „Stromatolithen“ am Heeseberg bei Jerxheim. In: Ernst-Rüdiger Look, Ludger Feldmann (Hrsg.): Faszination Geologie. Die bedeutende Geotope Deutschlands. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 2006, ISBN 3-510-65219-3, S. 12.
  3. Jerxheim in Merians Topographie über die welfischen Länder von 1654
  4. Rekonstruktion der Burg auf Grundlage von Merians Beschreibung
  5. Ausführlicher in: Friedrich Brandes, Chronik des Bahnhofs Jerxheim, Helmstedt 1987. (PDF-Dokument)
  6. Der Ortsnamenforscher auf NDR 1 Niedersachsen, Recherche Jürgen Udolph
  7. http://www.jerxheim.de/gemeinderat.html#