Jesenwang

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Jesenwang
Jesenwang
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Jesenwang hervorgehoben

Koordinaten: 48° 10′ N, 11° 8′ O

Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberbayern
Landkreis: Fürstenfeldbruck
Verwaltungs­gemeinschaft: Mammendorf
Höhe: 558 m ü. NHN
Fläche: 15,3 km2
Einwohner: 1579 (31. Dez. 2020)[1]
Bevölkerungsdichte: 103 Einwohner je km2
Postleitzahl: 82287
Vorwahlen: 08146, 08145
Kfz-Kennzeichen: FFB
Gemeindeschlüssel: 09 1 79 130
Gemeindegliederung: 4 Gemeindeteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Kirchstraße 12
82287 Jesenwang
Website: www.jesenwang.de
Erster Bürgermeister: Erwin Fraunhofer (CSU / Bürgermeinschaft Jesenwang/Pfaffenhofen)
Lage der Gemeinde Jesenwang im Landkreis Fürstenfeldbruck
AmmerseeLandkreis Aichach-FriedbergLandkreis StarnbergLandkreis MünchenLandkreis Landsberg am LechLandkreis DachauMünchenAdelshofen (Oberbayern)AllingAlthegnenbergEgenhofenEichenauEmmering (Landkreis Fürstenfeldbruck)FürstenfeldbruckGermeringGrafrathGröbenzellHattenhofen (Bayern)JesenwangKottgeiseringLandsberiedMaisachMammendorfMittelstetten (Oberbayern)MoorenweisOberschweinbachOlchingPuchheimSchöngeisingTürkenfeldKarte
Über dieses Bild

Jesenwang ist eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Fürstenfeldbruck und deren Hauptort.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jesenwang liegt westlich von München. Unmittelbar am Ort fließt der Erlbach.

Die Gemeinde hat vier Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zur Gemeindegründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Gemarkung Jesenwang siedelten Menschen des Mesolithikums, des Neolithikums, vermutlich der Hallstattzeit und der Latènezeit. Aus der Latènezeit gibt es als Einzelfund einen eisernen Doppelpyramidenbarren. Untertägig sind außerdem Siedlungsfunde und ein Brandgräberfeld der römischen Kaiserzeit (u. a. römischer Kalkbrennofen) gemacht worden. Zudem sind drei frühmittelalterliche Reihengräber nachgewiesen sowie eine Siedlung des Frühmittelalters mit Pfostenbauten und Grubenhäusern.

Der Ort wurde erstmals 773 als Oasinwanc urkundlich erwähnt. Die Pfarrei Jesenwang war seit 1314 durch eine Schenkung des Freisinger Bischofs Gottfried dem Kloster Fürstenfeld inkorporiert. Das Kloster war bis zur Säkularisation 1803 auch ein wichtiger Grundherr. Der Ort gehörte zum Rentamt München und zum Landgericht Landsberg des Kurfürstentums Bayern. Nach Gründung der politischen Gemeinde 1818 entstand 1825 das erste Schulhaus am Ort.

Verwaltungsgemeinschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1978 gehört Jesenwang zur Verwaltungsgemeinschaft Mammendorf.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde am 1. Mai 1978 die Gemeinde Pfaffenhofen eingegliedert.[3]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Gemeinde von 1113 auf 1598 um 485 Einwohner bzw. um 43,6 %.

  • 1961: 0827 Einwohner
  • 1970: 0829 Einwohner
  • 1987: 1044 Einwohner
  • 1991: 1196 Einwohner
  • 1995: 1297 Einwohner
  • 2000: 1357 Einwohner
  • 2005: 1534 Einwohner
  • 2010: 1534 Einwohner
  • 2015: 1529 Einwohner

Politik und Öffentliche Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde ist Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Mammendorf.

Bürgermeister und Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erster Bürgermeister ist seit 1. Mai 2014 Erwin Fraunhofer (CSU / Bürgermeinschaft Jesenwang/Pfaffenhofen). Er wurde am 15. März 2020 mit 92,87 % der Stimmen für weitere sechs Jahre im Amt bestätigt.

Dem Gemeinderat der Amtszeit 2020–2026 gehören jeweils sechs Ratsmitglieder der CSU/Bürgergemeinschaft (50,5 % der Stimmen) und der Wählergemeinschaft Einigkeit (49,5 %) an. Die Wahlbeteiligung lag bei 67,43 %.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

DEU Jesenwang COA.svg
Blasonierung: „In Rot ein gesichteter goldener Halbmond, darüber schräg gekreuzt ein silberner Bischofsstab und ein gestürztes silbernes Schwert.“[4]

Dieses Wappen wird seit 1972 geführt.

Wappenbegründung: Die Figuren des Wappens nehmen auf vielschichtige Weise Bezug auf die ortsgeschichtliche Entwicklung. Der gesichtete Halbmond entspricht dem Wappen der Jesenwanger (Uesenwanger), die in spätmittelalterlichen Urkunden als Stadtschreiber und Bürger von Landsberg genannt werden. Das Schwert verweist auf bedeutende frühgeschichtliche Funde um Jesenwang, die die Besiedlung des Gemeindegebiets schon im 7. und 8. Jahrhundert bezeugen. In einem Männergrab (um 700 n. Chr.) fand sich unter den reichen Beigaben auch ein bajuwarisches Schwert. Weitere frühe Funde wurden im Bereich der Römerstraße gemacht. Der Bischofsstab, Attribut des heiligen Bischofs Willibald, symbolisiert die mit einer Pferdesegnung verbundene Wallfahrt zur Kirche St. Willibald (Willibaldsritt). Die Farben Rot und Silber sind dem geschachten Zisterzienserbalken entnommen und verweisen auf die historische Verbindung zum Kloster Fürstenfeld, dem die Pfarrei Jesenwang seit 1314 inkorporiert war. Das Kloster war auch als Grundherrschaft von Bedeutung.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innenaufnahme von St. Willibald

Die katholische Pfarrkirche St. Michael stammt aus der Spätgotik und wurde barock verändert. Das Langhaus wurde 1922/23 neu erbaut.

Etwas außerhalb des eigentlichen Ortes liegt an der Straße nach Fürstenfeldbruck die Wallfahrtskirche St. Willibald aus dem 15. Jahrhundert (Grundsteinlegung: 1414; Erweiterung: 1478). Sie ist eine der wenigen nahezu unverändert erhaltenen spätmittelalterlichen Landkirchen Oberbayerns und birgt die größte und bedeutendste gotische Flachdecke Altbayerns, bemalt mit 594 Blumen und 561 Sternen, 1478 entstanden. Die Felder des Netzgewölbes in der Apsis zeigen Rankenornamente; an der Nordwand der Apsis hat sich ein Fresko erhalten, das einen Mönch darstellt. Der figurengeschmückte Hochaltar ist eine Schöpfung der Spätrenaissance. Die Seitenaltäre mit Gemälden sind von 1620. Der alljährliche Willibald-Ritt, der durch die Kirche hindurchführt, geht auf ein Gelübde von 1712 zurück, als eine Viehseuche die Pferde bedrohte. Nur in Jesenwang ist die Verehrung des hl. Willibald als Viehpatron nachweisbar. 1779 erfolgte ein Umbau der Kirche. Von den früher zahlreichen Votivtafeln sind in der Kirche nur noch wenige vorhanden (Abgang durch Diebstahl).
Es gibt den Förderverein St. Willibald.
Die Band Die Toten Hosen drehte hier das Video zu dem Lied Eisgekühlter Bommerlunder. Die Kirche wurde nach Bekanntwerden des Drehs neu geweiht.[5]

Die Kapelle „Maria Trost“ (sogenannte Pestkapelle). Der Rundbau entstand 1656 und wurde 1751 erneuert.

Bergkirchen hat eine katholische Kirche St. Maria, die Ende 14./Anfang 15. Jahrhundert erbaut und im 18. Jahrhundert barockisiert wurde.

Die Filialkirche St. Georg im Ortsteil Pfaffenhofen weist noch barocken Deckenstuck auf.

Bodendenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft einschließlich Land- und Forstwirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2017 gab es in der Gemeinde 307 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. Von der Wohnbevölkerung standen 714 Personen in einem versicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis. Damit war die Zahl der Auspendler um 307 Personen größer als die der Einpendler. 12 Einwohner waren arbeitslos. 2016 gab es 19 landwirtschaftliche Betriebe.

Zudem befindet sich im Gemeindegebiet der Flugplatz Jesenwang und ein Testgelände des TÜV Süd.[6]

Freiwillige Feuerwehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Freiwillige Feuerwehr Jesenwang verfügt über ein Löschgruppenfahrzeug 10/10 (LF 10/10) und ein Löschgruppenfahrzeug 8/6 (LF 8/6). Beide Fahrzeuge sind im Feuerwehrhaus Am Keltenbogen 8 in Jesenwang untergebracht. Außerdem befindet sich im Gemeindegebiet noch die Freiwillige Feuerwehr Pfaffenhofen. Diese verfügt über ein Tragkraftspritzenfahrzeug (TSF), das in einem eigenständigen Feuerwehrhaus in der Erlbachstraße 5 im Ortsteil Pfaffenhofen untergebracht ist. Neben der Staatsstraße 2054 gehört auch u. a. der Sonderflugplatz Jesenwang zum Einsatzgebiet der beiden Feuerwehren.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt folgende Einrichtungen (Stand: 2018):

  • 2 Kindertageseinrichtungen mit 62 genehmigten Plätzen und 60 Kindern
  • 1 Volksschule mit 186 Schülern in acht Klassen

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Jesenwang gibt es ein Seniorenheim, das zum Kommunalunternehmen „Kreisklinik Fürstenfeldbruck/Seniorenheim Jesenwang“, einer Einrichtung des Landkreises Fürstenfeldbruck, gehört.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Jesenwang – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Genesis Online-Datenbank des Bayerischen Landesamtes für Statistik Tabelle 12411-001 Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Gemeinde Jesenwang in der Ortsdatenbank der Bayerischen Landesbibliothek Online. Bayerische Staatsbibliothek, abgerufen am 10. September 2019.
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 577.
  4. Eintrag zum Wappen von Jesenwang in der Datenbank des Hauses der Bayerischen Geschichte
  5. Andreas Daschner: Vor 30 Jahren: Neuweihe nach Skandal-Dreh. Münchner Merkur, 10. Juli 2018, abgerufen am 10. Juli 2018.
  6. TÜV Süd, Testgelände Jesenwang (Memento vom 21. Januar 2008 im Internet Archive)