Jessica Benjamin

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Jessica Benjamin 2008

Jessica Rachel Benjamin (* 17. Januar 1946) ist eine US-amerikanische Psychoanalytikerin und Feministin.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jessica Benjamin wuchs als Kind jüdischer Einwanderer in Amerika auf. 1967 begann sie ein Studium der Sozialwissenschaften bei Theodor W. Adorno an der Universität Frankfurt am Main, das sie 1978 in New York mit der Promotion abschloss. Anschließend begann sie eine Ausbildung zur Psychoanalytikerin.

Jessica Benjamin praktiziert als Psychoanalytikerin in New York City und unterrichtet am Postdoctoral Psychology Program in Psychoanalysis and Psychotherapy an der New York University. Als Mitbegründerin der Internationalen Vereinigung für relationale Psychoanalyse und Psychotherapie und des Stephen Mitchell Center for Relational Studies in New York gilt sie als eine der wichtigsten Theoretikerinnen der relationalen Psychoanalyse.

Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Neubegründung der Psychoanalyse auf intersubjektiver Grundlage. In ihren frühen Arbeiten setzte sie sich u. a. mit dem Feminismus und der frühkindlichen Genese patriarchaler Machtstrukturen auseinander. Im Ausgang von der Kritischen Theorie verbindet sie den Hegelschen Gedanken des Kampfs um Anerkennung mit dem psychoanalytischen Theoriekonzept. (The Bonds of Love, 1988). In aktuelleren Arbeiten befasst sich mit dem Thema des intersubjektiven analytischen Dritten, wobei sie sich vor allem auf den Erkenntnisprozess und die Anerkennung des Traumas konzentriert.

Sie revidiert die klassische Psychoanalyse und deren Kerntheorem des Ödipuskomplex’: Nicht erst der Vater konstituiere eine dritte Position, die eine Triangulierung ermögliche; diese sei vielmehr als Gemeinschaft im Dritten ein intersubjektives Produkt der frühen Mutter-Kind Symbiose. Das orthodoxe Verständnis des Ödipus, in dem der Mutter nur Objektstatus zuerkannt wird, sei tatsächlich eine Forcierung des Abwehrmechanismus der Identifikation mit dem Aggressor, dessen Folge u. a. die Nicht-Anerkennung weiblicher Subjektivität in der Geschlechterbeziehung sei.

Ihre Einsichten bringt sie in verschiedenen Workshops zur Geltung, u. a. mit dem Ziel zwischen Palästinensern und Israelis, die im Gesundheitswesen tätig sind, einen Prozess gegenseitiger Anerkennung in Gang zu setzen.

Im Mai 2008 war sie auf Einladung der Sigmund Freud Privatstiftung in Wien und hielt dort die traditionelle Sigmund-Freud-Vorlesung.

Im April 2015 erhielt sie den Hans Kilian Preis zur Erforschung und Förderung der metakulturellen Humanisation. Der Preis würdigt ihr wissenschaftliches Lebenswerk, das „fachliche als auch nationale Wissenschaftskulturen“ vereinige, und ihren „maßgebliche[n] Beitrag [...] zur Entwicklung einer relationalen, intersubjektiven Theorie des Selbst“.[1] Die Laudatio hielt Werner Bohleber, der ihr „beeindruckendes Projekt einer psychoanalytischen Theorie der Anerkennung“ hervor hob.[2]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Originalausgaben und deutsche Übersetzung:

  • The Bonds of Love: Psychoanalysis, Feminism and the Problem of Domination, 1988
    • Die Fesseln der Liebe. Psychoanalyse, Feminismus und das Problem der Macht; übers. von Nils Thomas Lindquist und Diana Müller, Basel 1990, dann Frankfurt/M. 1994, Frankfurt/M. 2004 (3. Aufl.), ISBN 3-86109-168-2.
  • Like Subjects and Love Objects: Essays on Recognition, Identification and Difference, 1995
    • Phantasie und Geschlecht. Psychoanalytische Studien über Idealisierung, Anerkennung und Differenz, übers. von Helgard Kramer, Basel 1993, Frankfurt/M. 1996, ISBN 3-596-12858-7.
  • Shadow of the Other: Intersubjectivity and Gender in Psychoanalysis, 1997
  • Anerkennung, Zeugenschaft und Moral: Soziale Traumata in psychoanalytischer Perspektive, Gießen, Hans-Kilian-Preis 2015, Psychosozial-Verlag, (Januar 2017)[3], ISBN 978-3-8379-2434-3

Beiträge:

  • Vater und Tochter: Identifizierung mit Differenz. Ein Beitrag zur Geschlechter-Heterodoxie. In: Psyche. Band 46, Nr. 9, 1992, S. 821–846.
  • Tue ich oder wird mir angetan? Ein intersubjektives Triangulierungskonzept. In: M. Altmeyer und H. Thomä (Hg.): Die vernetzte Seele. Die intersubjektive Wende in der Psychoanalyse. Stuttgart 2006, 65-107, ISBN 978-3-608-94672-7

Herausgeberschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Unbestimmte Grenzen. Beiträge zur Psychoanalyse der Geschlechter, Frankfurt/M. 1994, ISBN 3-596-11954-5.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Jessica Benjamin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Prof. Dr. Jessica Rachel Benjamin Preisträgerin 2015
  2. Mitteilung auf der Homepage des Hans-Kilian-Preises
  3. Ankündigung beim Verlag