Jesuitenkirche (Wien)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Jesuitenkirche in Wien
Innenansicht Richtung Hochaltar
Mittagsgeläute der Jesuitenkirche, 1:10 min

Die Jesuitenkirche ist eine barocke römisch-katholische Kirche im 1. Wiener Gemeindebezirk Innere Stadt. Sie befindet sich am Dr.-Ignaz-Seipel-Platz neben der alten Universität, weshalb sie auch als Universitätskirche bekannt ist.

Geschichte[Bearbeiten]

Nachdem König Ferdinand I. die Jesuiten Mitte des 16. Jahrhunderts nach Wien holte, übergab er ihnen das Karmeliterkloster am Hof, die wegen der Reformation allmählich ausstarben.[1] Im Jahre 1623 erhielten die Jesuiten die philosophischen und theologischen Lehrstühle an der Universität Wien und sie errichteten an der Stelle einer Kapelle, die dem heiligen Benedikt geweiht war, eine Kirche. Diese wurde von einem unbekannten Baumeister - zwischen 1623 und 1631 - in einfacher Ausstattung errichtet, entsprechend der damaligen Kriegszeit. Geweiht wurde die Kirche den Jesuitenheiligen Ignatius von Loyola und Franz Xaver, gestiftet wurde sie von Kaiser Ferdinand II. Zur Unterscheidung der Jesuitenkirche am Hof erhielt die neue Kirche die Bezeichnung „bei den unteren Jesuiten“.[1]

1703 holte Kaiser Leopold I. den in Rom bereits berühmten Maler und Bildhauer Andrea Pozzo für die Umgestaltung der Kirche nach Wien. Der Jesuit Pozzo fügte die beiden Türme hinzu und brachte die Fassade in die gegenwärtige Form. Das Innere wurde ebenfalls opulent ausgestaltet. Über den acht Seitenkapellen zog Pozzo Emporen ein, die miteinander verbunden sind und von geraden und geschwungenen Säulen, von Stuckmarmor überzogen, getragen werden. Die Orgel wurde in eine zweigeschossige Empore über dem Eingang integriert. Ebenfalls von Pozzo stammt der Maria Himmelfahrt gewidmete Hochaltar.

Pozzo, vor allem für seine perspektivisch illusionistische Malerei bekannt, gestaltete auch die Decke der Kirche. Besonders die Trompe-l’œil-Scheinkuppel vermag das Auge zu täuschen und dem Betrachter einen räumlich-realistischen Eindruck der Kuppel zu vermitteln. Noch heute ist im Boden des Langhauses ein Stein farblich markiert, von dem aus die Scheinkuppel am besten auf den Betrachter wirkt. Selbst über der mit Stoffen behangenen Marienkrone hat Pozzo einen Effekt eingebaut. So scheint es, dass das Kreuz auf der Krone von Händen, welche aus dem Deckenfresko herausragen, umklammert wird.

Nach der Aufhebung des Jesuitenordens ging die Kirche in den Besitz des Staates über. Nach der Wiederzulassung sind seit 1856 wieder Jesuiten in der Kirche tätig.

Unter der Kirche befindet sich eine Gruft, in der nach wie vor die verstorbenen Mitbrüder des Jesuitenklosters beigesetzt werden,[2] so u.a. 2013 der Philosoph Johannes Schasching. Die Gruft ist zu bestimmten Zeiten öffentlich zugänglich.[3]

Inneres[Bearbeiten]

Hochaltar

Dieser bildet einen markanten Raumabschluss. Das Altarbild mit dem Thema „Maria Himmelfahrt“ malte Andrea Pozzo, wobei er den Apostel Andreas links unten als Selbstporträt malte.[1]

Linke Seitenaltäre

Das Altarbild der Kapelle der Philosophischen Fakultät (Katharinenaltar, links beim Eingang) hat das Thema „mystische Hochzeit der hl. Katharina von Alexandrien“, das der Stanislauskapelle „Franz Borja empfängt Stanislaus Kostka in Rom“, das der Schutzengelkapelle „Schutzengel“ und das der Ignatiuskapelle „Die Aussendung des hl. Franz Xaver“. Alle vier Altarbilder stammen aus der Werkstatt des Andrea Pozzo.[4]

Rechte Seitenaltäre

Das Altarbild der Kapelle der Theologischen Fakultät(Kreuzaltar; rechts beim Eingang) hat das Thema „Kreuzigung“, das der Annenkapelle „Anna, Maria und ein Engel“, das der Leopoldkapelle „Apotheose des hl. Leopold“ und das der Josefskapelle „Tod Josefs“. Alle vier Altarbilder stammen ebenfalls aus der Werkstatt des Andrea Pozzo.[4]

Kanzel der Jesuitenkirche
Kanzel

Die Kanzel wurde aus Nussholz gefertigt und ist ein Werk aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts. Am Kanzelkorb sind die vier Evangelisten dargestellt und auf dem Schalldeckel die allegorischen Figuren Glaube, Hoffnung und Liebe. Die Bekrönung bildet die Statue des heiligen Franz Xaver, der einen Heiden tauft. Die Einlegearbeit besteht aus Perlmutt.[5]

Fresken im Gewölbe

Zentral im zweiten und dritten Joch ist eine Scheinkuppel mit Gott Vater dargestellt. Im ersten Joch ist das Thema der Fresken „Kampf der Engel“ und im vierten „Engelchöre“, über der Empore „Anbetung der Hirten“ und unter der Empore „Glaube, Hoffnung, Liebe“. Im Presbyterium ist das Thema „Rast der Heiligen Familie auf der Flucht“ und über dem Hochaltar die „Trinität“.[4] Die Fresken des Langhausgewölbes sind Kopien nach Andrea Pozzo von Johann Peter Krafft aus dem Jahr 1827 und wurden 1899 überarbeitet.[1]

Orgel[Bearbeiten]

Die Orgel wurde 2003 bis 2004 von dem Freiburger Orgelbauer Hartwig Späth erbaut. Das Instrument hat 41 Register (2745 Pfeifen) auf drei Manualen und Pedal. Die Disposition orientiert sich an französisch romantischen Orgeln im Stile von Aristide Cavaillé-Coll, insbesondere an dem Instrument der Orgel von 1880 in St. François-de-Sales in Lyon. Die Spieltrakturen sind mechanisch, der Spieltisch ist einem Cavaillé-Coll-Spieltisch nachempfunden.

Das Orgelgehäuse, das sich mit einer Höhe von über 12 Metern über zwei Emporen erstreckt, ist ebenfalls neu erbaut worden, wobei in weiten Teilen Elemente des historischen Gehäuses verwandt wurden.[6]

I Grand Orgue C–g3
1. Montre 16′
2. Montre 8′
3. Flûte harmonique 8′
4. Bourdon 8′
5. Violoncelle 8′
6. Prestant 4′
7. Doublette 2′
8. Cornet V (ab g0) 8′
9. Fourniture V 2′
10. Bombarde 16′
11. Trompette 8′
II Positif C–g3
12. Diapason 8′
13. Cor de nuit 8′
14. Salicional 8′
15. Unda maris (ab c0) 8′
16. Prestant 4′
17. Flûte douce 4′
18. Nazard 22/3
19. Quarte de Nazard 2′
20. Tierce 13/5
21. Plein Jeu IV 11/3
22. Clarinette 8′
III Recit expressif C–g3
23. Bourdon doux 16′
24. Flûte traversière 8′
25. Bourdon 8′
26. Viole de Gambe 8′
27. Voix céleste (ab c0) 8′
28. Flûte octaviante 4′
29. Voix humaine 8′
30. Basson et Hautbois 8′
31. Octavin 2′
32. Carillon III 22/3
33. Trompette harmonique 8′
34. Clairon harmonique 4′
Pédale C–f1
35. Basse acoustique 32′
36. Contrebasse 16′
37. Soubasse 16′
38. Flûte 8′
39. Bombarde 16′
40. Trompette 8′
41. Clairon 4′
  • Koppeln:
    • Normalkoppeln: II/I, III/I, III/II, I/P, II/P, III/P
    • Suboktavkoppel:: III/I

Bildergalerie[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jesuitenkirche (Wien) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d WienGeschichteWiki: Universitätskirche; abgerufen am 14. Sep. 2015
  2. http://www.jesuitenwien1.at/index.php?id=289
  3. http://www.jesuitenwien1.at/index.php?id=288
  4. a b c Jesuiten: Kleiner Führer durch die Jesuitenkirche; abgerufen am 14. Sep. 2014
  5. Jesuiten: Kleiner Führer durch die Jesuitenkirche; abgerufen am 10. Okt. 2015
  6. Details zur Orgel (PDF-Datei; 1,1 MB)

48.20893055555616.377652777778Koordinaten: 48° 12′ 32″ N, 16° 22′ 40″ O