Jettenhofen

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Jettenhofen
Stadt Freystadt
Koordinaten: 49° 7′ 30″ N, 11° 21′ 0″ O
Höhe: 426 m ü. NHN
Einwohner: 40 (2012)
Eingemeindung: 1. Juli 1972
Postleitzahl: 92342
Vorwahl: 08469
Beringreste des ehemaligen Schlosses
Beringreste des ehemaligen Schlosses
Wohnbau des ehemaligen Schlosses, ab 1562 errichtet.
Kapelle im Osten des Dorfes
Blick in die Kapelle

Jettenhofen ist ein Ortsteil von Freystadt im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz in Bayern.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Weiler liegt auf 421 bis 433 m ü. NHN, östlich der Schwarzach. Er ist von Burggriesbach her über die Jettenhofener Straße und von Lauterbach her über eine Gemeindeverbindungsstraße zu erreichen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Felix Mader bezieht die Kirchweihe des Eichstätter Bischofs Gundekar II. um 1060 in „Outinhofen“ auf das heutige Jettenhofen. In Urkunden von 1245 und 1248 erfährt man, dass in Jettenhofen bereits damals ein Schloss stand, das ein Heinrich von Uttenhofen besaß. Das Schloss war jahrhundertelang ein Einödschloss, erst nach 1708 entwickelte sich beim Schloss ein Weiler. Der Besitz war ursprünglich zweigeteilt in ein bischöfliches Lehen und in ein freies Eigen.[1] Das Geschlecht der Uttenhofer starb um 1447 aus; zwischenzeitlich war das Schloss Jettenhofen bereits in andere Hände übergegangen, nämlich an das Adelsgeschlecht der Seckendorffer und ab 1375 an die Schenken von Geyern.[2] Als Nachbesitzer des kinderlosen Hans Schenk, genannt „der Lange“, trug der Ritter und Eichstätter Hofmeister Hieronymus von Rosenberg den Eigenanteil des Schlosses 1492 dem Bischof Gabriel von Eyb zu Lehen auf. Zum Schloss mit Vorhof gehörten zu dieser Zeit 75 Tagwerk Wiesen, vier Baumgärten beim Schloss, vier Weiher, eine sehr große Schäferei (700 bis 800 Schafe), Waldungen mit Wildbann und Vogelherde; zur Herrschaft gehörte außerdem Besitz in 23 Dörfern der Umgebung.[3]

Als Hieronymus von Rosenberg 1507 ohne männliche Nachkommen starb, übernahmen die Söhne seines Bruders Leonhard, nämlich Konrad und Philipp, die Herrschaft Jettenhofen. Sie veräußerten den Besitz mit Einwilligung des Lehenherren 1530 an die Herren von Hirnheim. Diese erbauten 1562 den noch heute stehenden Schloss-Wohnbau. Nach ihrem Aussterben 1585 fiel das Schloss als erledigtes Lehen an den Bischof von Eichstätt heim, der es nicht mehr als Lehen ausgab, sondern 1586 im Schloss ein hochstiftisches Kastenamt installierte. Der Kastner – der erste hieß Paulus Mangold – war zugleich bischöflicher Vogt unter dem Pfleger von Obermässing, der die Hochgerichtsbarkeit ausübte.[4]

Das Hofgut wurde vom Bischof an Bauern vergeben. 1708 verkaufte es die bischöfliche Hofkammer an Hans Geidl von Forchheim und Hans Rupp von Meckenhausen unter der Bedingung, dass diese den Hof in vier Teile zerlegen. Von 1736/37 an gab es diese vier Viertelhöfe und ein Hirtenhaus.[5]

Zwischen dem Kurbayern und dem Hochstift Eichstätt war es immer wieder zu Auseinandersetzungen über den Grenzverlauf im Süden des kurfürstlichen Schultheißenamtes Neumarkt. Zwar wurde in einem 1523 geschlossenen Vertrag Jettenhofen dem Hochstift zugesprochen, aber erst ein am 30. Januar 1767 geschlossener Staatsvertrag sorgte in den hoheitsrechtlichen und fiskalischen Fragen für klare Verhältnisse. Unter den Orten, die dem Hochstift zugeteilt wurden, war, wie schon zuvor, das Schloss Jettenhofen.[6] Das dortige Kastenamt verwaltete seit circa 1690 zugleich die eichstättische Hofmark Thannhausen.[7]

Nach der Säkularisation des Hochstiftes kamen Weiler und Schloss 1802 an den Großherzog Ferdinand III. von Toskana. Dieser verkaufte 1804 das Schloss samt den dazugehörenden Grundstücken; später wechselten die Besitzer einige Male. Im neuen Königreich Bayern (1806) wurde der Weiler Jettenhofen zusammen mit Lauterbach, Burggriesbach und der Schneemühle 1809 zum Steuerdistrikt und 1811 zur Ruralgemeinde Burggriesbach im Landgericht und Rentamt Beilngries zusammengefügt. Mit dem Gemeindeedikt von 1818 bildete Lauterbach zusammen mit Jettenhofen eine politische Gemeinde, der 1857 Schmellnricht hinzugefügt wurde.[8]

1808 gab es im Weiler mit seinen sechs Häusern acht Pferde und acht Ochsen.[9] Später war der Umfang der Landwirtschaft für den Weiler nicht unbedeutend: 1875 wurden 60 Stück Rindvieh, allerdings kein Pferd gehalten; in der Gemeinde Lauterbach gab es zu dieser Zeit insgesamt zehn Pferde und 271 Stück Rindvieh.[10]

Mit der Gebietsreform in Bayern wurde die Gemeinde Lauterbach aufgelöst und Jettenhofen zum 1. Juli 1972 in die Stadt Freystadt des oberpfälzischen Landkreises Neumarkt eingemeindet.

Siehe auch Schloss Jettenhofen

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1830: 30 (6 Höfe)[11]
  • 1875: 38 (28 Gebäude)[12]
  • 1900: 31 (8 Wohngebäude)[13]
  • 1937: 36[14]
  • 1950: 34 (8 Anwesen)[15]
  • 1961: 43 (9 Wohngebäude)[16]
  • 1978: 37[17]
  • 1987: 24 (6 Wohngebäude, 7 Wohnungen)[18]
  • 2012: 40[19]

Katholische Kapelle Mater Dolorosa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Weiler gehört zur katholischen Pfarrei Burggriesbach. Die Kapelle Mater Dolorosa, am östlichen Weilerrand an der Straße nach Burggriesbach gelegen, wurde in der Barockzeit errichtet.[20]

Eine einstmals vorhandene Schlosskapelle unbekannter Erbauungszeit war schon 1799 nicht mehr vorhanden.[21]

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Außer dem ehemaligen Schloss-Wohnbau von 1562[22] und der Kapelle Mater Dolorosa gelten die Bauernhäuser (Wohnstallbauten) Jettenhofen 2 aus dem 18. Jahrhundert und Jettenhofen 5 vom Anfang des 19. Jahrhunderts als Baudenkmäler.

Siehe auch Liste der Baudenkmäler in Freystadt#Jettenhofen

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Constantin Reindl, Theologe, Komponist und Musikpädagoge, * 29. Juni 1738 in Jettenhofen, † 25. März 1799 in Luzern[23]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Franz Xaver Buchner: Das Bistum Eichstätt. I. Band: Eichstätt 1937, II. Band: Eichstätt 1938
  • Bernhard Heinloth (Bearbeiter): Historischer Atlas von Bayern. Teil Altbayern, Heft 16: Neumarkt, München 1967
  • Gerhard Hirschmann: Historischer Atlas von Bayern. Teil Franken. Reihe I, Heft 6. Eichstätt. Beilngries-Eichstätt-Greding. München 1959
  • Felix Mader: Geschichte der südlichen Seglau. (Ehem. Eichstättisches Amt Jettenhofen) (Pfarrei Burggriesbach) .In: Sammelblatt des Historischen Vereins Eichstätt 53 (1937), insbesondere S. 85–101
  • Johann Kaspar Bundschuh: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken, III. Bd., Ulm 1801, Spalte 7 f.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Jettenhofen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mader, S. 85 f.
  2. Mader, S. 88 f.
  3. Buchner I, S. 334; Mader, S. 90–94
  4. Hirschmann, S. 31, 115 f.; Buchner I, S. 123; Mader, S. 6, 91 f.
  5. Mader, S. 96, 101
  6. Hirschmann, S. 37 f.; Heinloth, S. 239
  7. Heinloth, S. 250
  8. Hirschmann, S. 212, 216
  9. Neuburger Taschenbuch für 1808, S. 39 f.
  10. Kgl. Statistisches Bureau in München (Bearb.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Koenigreichs Bayern, München 1876, Spalte 1158
  11. Hirschmann, S. 216
  12. Kgl. Statistisches Bureau in München (Bearb.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Koenigreichs Bayern, München 1876, Spalte 1158
  13. Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern mit alphabetischem Ortsregister, München 1904, Spalte 809
  14. Buchner I, S. 125
  15. Hirschmann, S. 216
  16. Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961, München 1964, Spalte 518
  17. Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 1. Mai 1978, München 1978, S. 121
  18. Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987, München 1991, S. 258
  19. Müllers Großes Deutsches Ortsbuch 2012, Berlin/Boston 2012, S. 676
  20. Buchner I, S. 126; Mader, S. 101
  21. Mader, S. 101
  22. Friedrich Hermann Hofmann und Felix Mader (Bearb.): Die Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern. Regierungsbezirk Oberpfalz und Regensburg. XII. Bezirksamt Beilngries, I. Amtsgericht Beilngries, München 1908, S. 97
  23. [1] Bayer. Musikerlexikon online