Jevons’ Gesetz

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Jevons’ Gesetz von der Unterschiedslosigkeit der Preise (nach William Stanley Jevons) ist ein Gesetz der Mikroökonomie und besagt, dass ein Gut überall den gleichen Preis haben muss.

Definition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gesetz besagt, dass für ein Gut nur ein einheitlicher Preis auf dem Markt entstehen muss, wenn

entfallen sowie

  • vollkommene Information

herrscht. Diese Bedingungen beschreiben den vollkommenen Markt.

„In the same open market, at any moment, there cannot be two prices for the same kind of article (im gleichen vollkommenen Markt kann es zu keinem Zeitpunkt zwei Preise für das gleiche Gut geben)“

William Stanley Jevons: Theory of political economy, S. 92

Bei Fehlen von vollkommener Information vermutet man einen temporär unvollkommenen Markt. Temporär deswegen, da auch bei fehlender vollkommener Information der Markt dadurch zu einheitlichen Preisen tendiert, dass die Marktteilnehmer die Preisgestaltung der anderen Marktteilnehmer beobachten und ihre Preisgestaltung an denen der Wettbewerber orientieren. Damit entsteht der einheitliche Preis ggf. zeitverzögert.

Trifft eine der anderen Bedingungen nicht zu, heißt der Markt unvollkommen.

Wertpapiere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gesetz des einheitlichen Preises besagt, dass zwei Finanzinstrumente die identische Cashflows generieren den gleichen Preis haben müssen. Dieses Prinzip kann als Basis zur Optionspreisermittlung dienen. Um den (unbekannten) Preis einer Option zu bestimmen muss lediglich ein Portfolio mit bekanntem Preis gefunden werden, das die gleichen Cashflows wie die Option aufweist. Aufgrund des Gesetzes muss die Option den gleichen Preis wie das Portfolio haben.[1]

Arbitrage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arbitrage bezeichnet die Möglichkeit eines risikofreien Gewinns ohne Einsatz eigenen Kapitals. Möglichkeiten zur Arbitrage entstehen dann wenn zwei identische Wertpapiere unterschiedlich gepreist werden, beispielsweise an verschiedenen Handelsplätzen. Der Investor kann nun, im Idealfall ohne Einsatz eigenen Kapitals, das Wertpapier am teureren Handelsplatz leerverkaufen und sich am billigeren Handelsplatz mit der identischen Anzahl Wertpapiere eindecken. Sein Gewinn ist die Differenz aus den beiden Preisen. In einem effizienten Markt führt das Gesetz des einheitlichen Preises dazu, dass keine Möglichkeiten zur Arbitrage bestehen.[2]

Das Gesetz trifft empirisch nicht immer zu, was auf Handelshemmnisse wie Zölle und Steuern sowie unerwartete Wechselkursschwankungen zurückgeführt wird.[3]

Andere Phänomene[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Jevon wurde auch das Jevons’ Paradoxon benannt, dass sich jedoch nicht direkt mit Preisen, sondern mit der Nachfrage nach Gütern beschäftigt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • William Stanley Jevons: Theory of political economy, 1871
  • Walter Kortmann: Mikroökonomik: Anwendungsbezogene Grundlagen, 4. Auflage, 2006, ISBN 9783790816983, Seite 354, online

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. David Ruppert: Statistics and Finance: An Introduction. 2006, Springer, ISBN 978-0387202709, S. 259 ff
  2. Thomas S. Y. Ho, Sang Bin Lee: The Oxford Guide to Financial Modeling: Applications for Capital Markets, Corporate Finance, Risk Management and Financial Institutions. 2004. Oxford University Press, ISBN 978-0195169621, S. 54 ff
  3. Colin A. Carter: Futures and Options Markets: An Introduction. 2007, Waveland Press, ISBN 978-1-57766-553-3, S. 83 ff