Jewgeni Wiktorowitsch Prigoschin

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Jewgeni Wiktorowitsch Prigoschin (russisch Евгений Викторович Пригожин), auch als Putins Koch[1] oder der Koch des Kreml bekannt,[2] (* 1961 in Leningrad) ist ein russischer Unternehmer. Neben seinem Gastronomieunternehmen Konkord betreibt er das einzige private Restaurant im Parlamentsgebäude der Russischen Föderation in Moskau. Ihm wird von Beobachtern die Verstrickung in verdeckte Propagandaaktivitäten der russischen Regierung vorgeworfen und sein wirtschaftlicher Erfolg wird mit der Protektion durch Präsident Putin in Verbindung gebracht.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jewgeni Prigoschin wurde 1979 wegen Diebstahls von einem Gericht der Sowjetunion zu einer Bewährungsstrafe verurteilt und zwei Jahre später zu einer Haftstrafe. Nach seiner Begnadigung wurde er im Jahr 1990 aus der Haft entlassen. Prigoschin betrieb in der Folge Restaurants in Sankt Petersburg und beschrieb in einem Interview, sein Kontakt zu Putin sei das Resultat eines Essens, bei dem er 2001 Putin und Jacques Chirac bewirtet hatte und dem Präsidenten positiv aufgefallen war. Journalisten vermuten jedoch, dass Prigoschin schon früher, in den 1990er Jahren, als er sich in der Sankt Petersburger Glücksspielszene betätigte, auf Wladimir Putin traf, der dort eine Kommission zur Regulierung des Glücksspiels leitete.[3]

In den 2000er Jahren begann Prigoschin mit dem Aufbau einer Kette von Schnellrestaurants. Das Unternehmen scheiterte und das letzte Restaurant wurde 2011 geschlossen. Mit seiner Firma Concord bekam Prigoschin jedoch zahlreiche öffentliche Aufträge, darunter die Lieferung von Essen für Schulen in Sankt Petersburg.[3] Als die Investigativzeitung Nowaja Gaseta sich mit den Aufträgen Prigoschins befasste, wurde die Zeitung von einer Praktikantin, welche in Wirklichkeit aus der PR-Abteilung von Concord stammte, ausspioniert. Die Zeitung lieferte via diesen erkannte Kanal Unmengen von nutzloser Information bis zum Ende des Praktikums an die Restaurantfirma Condord, die nicht nur ein bürgerliches Geschäft, sondern offensichtlich auch eine Ermittlungagentur mit Agenten war. Kurze Zeit später gingen die Auftraggeber der Frau zu "aktiven Operationen" über, welche Forbes sowie den Schriftsteller Dmitri Bykow zum Ziel hatten.[4]

Im Jahr 2016 legte der Korruptionsjäger Alexej Nawalny einen Bericht vor, in dem er zum Schluss kam, dass bei Prigoschin bei Aufträgen des Verteidigungsministeriums aus einem Umsatz von 180 Milliarden Rubel bei deren 23 ein Teil davon abgezweigt wurden. Vehikel dazu waren mehrere Unterfirmen, welche ein Monopol bildeten, respektive nur zum Schein die öffentlichen Ausschreibungen zufriedenstellten.[5][6]

Prigoschin strengte verschiedene Klagen an gegen Suchmaschinenbetreiber, weil sie der Verbreitung von "falschen Information" über ihn Vorschub geleistet hätten. Mit Journalisten spricht er nicht. Die Nowaja Gaseta vermutete, dass er das kritische Sankt-Petersburger Journalismus-Portal fontanka.ru kaufen wollte, welches nach kritischen Veröffentlichungen in finanzielle Not geriet.[7]

Prigoschin gilt weiter als Inhaber eines Firmennetzwerks zu dem auch die Ölfirma Evro Polis gehört. Evro Polis soll im Bürgerkrieg in Syrien Rechte für Anteile aus der Ausbeutung von Ölquellen in Syrien erhalten haben, deren Vergabe nach Presserecherchen an die Bedingung geknüpft war, die Quellen zunächst mit eigenen Kräften von der Terrormiliz IS zu erobern und zu sichern. Die Kämpfer, die dafür eingesetzt wurden, gehören zur Gruppe Wagner, einer Sicherheitsfirma, die von Dmitri Utkin gegründet wurde.[2][8] Von diesem wiederum wurde berichtet, er solle 2017 zum Generaldirektor bei Konkord ernannt worden sein, was aber gemäß der lokalen Seite fontanka.ru auch ein – sehr seltsamer – Irrtum sein könnte.[9][10]

Propagandaaktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Prigoschin wird die Verantwortung für mehrere Propagandaaktionen zugeschrieben, die allesamt zum Ziel hatten, die Regierung von Präsident Putin in einem positiven Licht darzustellen. So wird Prigoschin als Eigentümer mit der "Internet Forschungsinstitut" genannten Troll-Armee in Verbindung gebracht,[11] einer Einrichtung, die sich mit der Verbreitung von putinfreundlicher Propaganda und der Diffamierung von dessen Feinden im Internet beschäftigen soll. Weiterhin schickte Prigoschin im Jahr 2013 ein Filmteam in die Vereinigten Staaten, um dort nach russischen Auswanderern zu suchen, die vor laufender Kamera erklären sollten, dass die Auswanderung ein Fehler gewesen sei. Ebenfalls wird Prigoschin der Aufbau einer Propagandaeinheit in der ukrainischen Stadt Charkiw vorgeworfen, die 2013 im Internet Äußerungen gegen den Euromaidan verbreiteten, um so die Menschen gegen damaligen Entwicklungen in der ukrainischen Hauptstadt Kiew einzunehmen.[3]

Im Februar 2018 wurde Prigoschin nach Ermittlungen des Sonderermittlers Robert Mueller in den Vereinigten Staaten von einer Grand Jury zusammen mit zwölf weiteren Russen wegen Verschwörung zur Störung demokratischer Prozesse in der Vereinigten Staaten, darunter der Präsidentschaftswahl von 2016, angeklagt.[12][13] Ebenfalls wurden dem von Prigoschin gegründete Konzern „Konkord“ mehrere Tarnfirmen zugeordnet, die der Troll-Armee zugerechnet werden.[14]

Syrien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jewgeni Prigoschin soll mit seiner Firma Evro Polis seit 2016 einen Vertrag mit der syrischen Regierung haben, nach dem 25 % der Gewinne aus Öl- oder Gasfeldern an Evro Polis fallen, wenn russische Söldner die Anlagen zuvor vom Islamischen Staat erobert haben.[15]

Nach der Schlacht bei Khasham am 7. Februar 2018, bei der mehrere russische Söldner und syrische Milizen bei dem Versuch getötet wurden, ein Gasfeld vom SDF zu erobern, gaben amerikanische Geheimdienste Erkenntnisse aus abgehörter Kommunikation an die Washington Post weiter, nach der Prigoschin persönlich mit syrischen Offiziellen, darunter Minister Mansour Fadlallah Azzam, den bevorstehenden Angriff bespricht. Prigoschin teilte seinen Gesprächspartnern demnach am 24. Januar 2018 mit, er habe bei der russischen Regierung die Genehmigung für einen Einsatz erwirkt. Am 30. Januar meldete er nach dem Bericht nach Syrien, dass er eine „tolle Überraschung“ für den syrischen Präsidenten Assad habe, die zwischen dem 6. und 9. Februar stattfinde. Das offizielle russische Militär hatte trotz mehrerer Warnungen der Amerikaner, die das Zusammenziehen der Kräfte für den Söldnerangriff, bereits eine Woche vor dem Angriff bemerkt hatten, jede Kenntnis von der Attacke abgestritten. Das russische Militär hatte den Söldnereinsatz später nach der Zeitung Kommersant als „gefährliches Laienwerk“ bezeichnet.[15]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. „Obama wird in der Hölle brennen“, Süddeutsche Zeitung, 13. Juni 2014, abgerufen am 15. Juni 2015.
  2. a b "Russia Deploys a Potent Weapon in Syria: The Profit Motive" New York Times vom 5. Juli 2017
  3. a b c Alexandra Garmazhapova: „Yevgeny Prigozhin: сaterer to the Kremlin“, opendemocracy, 31. Juli 2014, abgerufen am 20. Juni 2015
  4. Masha Hari. Wer spioniert in den russischen Medien?, Nowaja Gaseta, 28. Juni 2013
  5. FBK enthüllte und bewies das grösste Kartell: Der Koch von Putin und 23 Milliarden, fbk, 10. Mai 2017
  6. Yevgeny Prigozhin, Russian Oligarch Indicted by U.S., Is Known as ‘Putin’s Cook’, New York Times, 16. Februar 2018; "concluded in 2016 that significant government contracts were going to clusters of fake companies designed to circumvent federal rules on competitive bidding."
  7. "Wir haben nicht erwartet, dass wir von Napalm verbrannt werden", Nowaja Gaseta, 31. Oktober 2017
  8. „Die erste und letzte Schlacht des ‚Slawischen Korps‘“, Nowaja Gaseta, 5. Oktober 2017
  9. "Wagner"-Söldnergruppe: Utkin wird vom Chefkiller zum Chefkoch Der Standard vom 17. November 2017
  10. Fontanka.ru, 15. November 2017
  11. Tom Parfitt: „My life as a pro-Putin propagandist in Russia’s secret ‚troll factory‘“, The Telegraph, 24. Juni 2015, abgerufen am 24. Juni 2015.
  12. FAZ.net 16. Februar 2018: Sonderermittler Mueller klagt 13 Russen wegen Wahleinmischung an
  13. Die Antwort, die Trump allergrößte Probleme bereiten könnte. In: sueddeutsche.de. 17. Februar 2018, abgerufen am 2. August 2018.
  14. Read the Special Counsel’s Indictment Against the Internet Research Agency and Others. In: The New York Times, 16. Februar 2018. Siehe auch Grand Jury Indicts Thirteen Russian Individuals and Three Russian Companies for Scheme to Interfere in the United States Political System. In: Justice.gov (englisch).
  15. a b Ellen Nakashima, Karen DeYoung, Liz Sly: Putin ally said to be in touch with Kremlin, Assad before his mercenaries attacked U.S. troops. In: The Washington Post, 23. Februar 2018.