Jeziorany

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Jeziorany
Wappen von Jeziorany
Jeziorany (Polen)
Jeziorany
Jeziorany
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Ermland-Masuren
Powiat: Olsztyn
Fläche: 3,41 km²
Geographische Lage: 53° 59′ N, 20° 46′ OKoordinaten: 53° 58′ 36″ N, 20° 45′ 45″ O
Einwohner: 3317
(30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 11-320
Telefonvorwahl: (+48) 89
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DW 593: MiłakowoDobre MiastoReszel
DW 595: Barczewo → Jeziorany
Nächster int. Flughafen: Danzig
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Gminagliederung: 27 Ortschaften
22 Schulzenämter
Fläche: 213,51 km²
Einwohner: 7954
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 37 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2814063
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Maciej Leszczyński
Adresse: pl. Zamkowy 4
11-320 Jeziorany
Webpräsenz: jeziorany.com.pl



Jeziorany [jɛʑɔˈranɨ] (deutsch Seeburg, polnisch früher auch Zybork) ist eine Kleinstadt in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren. Die Stadt ist seit August 2006 Partnergemeinde der Samtgemeinde Neuenkirchen.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die von der kleinen Simser durchflossene, landwirtschaftlich geprägte Kleinstadt liegt im historischen Ostpreußen am Nordostrand der Allensteiner Seenplatte, die ihrerseits zum masurischen Seengebiet gehört, etwa 33 Kilometer nordöstlich von Allenstein (Olsztyn) und 80 Kilometer südöstlich von Königsberg (Kaliningrad).

Landwirtschaftliche Flächen in unmittelbarer Nähe gehen in eine hügelige Wald- und Seenlandschaft über. Allein im Umkreis von fünf Kilometern liegen drei kleinere Seen, nur wenig weiter östlich erstreckt sich der 6,92 km² große Lauternsee. Fünf Kilometer südwestlich erhebt sich mit 179 Metern der Heidenberg.

Seeburg in Ostpreußen, nordöstlich von Allenstein und südlich von Königsberg, auf einer Landkarte von 1908
Stadtzentrum mit der Kirche aus der Vogelperspektive
Platz in Stadtmitte
Erhaltenes Gebäudeteil des Schlosses
Wohnhäuser in einer Seitenstraße
Ehemaliges Bahnhofsgebäude

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem die ermländischen Bischöfe in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts begonnen hatten, den als Wildnis beschriebenen Südosten des Bistums zu besiedeln, errichteten sie unter anderem auch auf einer kleinen Anhöhe am Ufer des Simserflusses eine Burg zum Schutz und als Zufluchtsstätte für die dort ansässigen Siedler. Diese waren immer wieder Angriffen litauischer Eindringlinge ausgesetzt. Im Schutze der Burg entwickelte sich unter Leitung des Lokators Heinrich Wendepfaffe bald eine aufstrebende Siedlung, der bereits am 5. Februar 1338 nach Kulmer Recht unter dem Namen Seeburg das Stadtrecht durch den Bistumsverweser Nikolaus und den Landvogt Heinrich von Luther verliehen wurde. Über die Entstehung des Ortsnamens gibt es verschiedene Versionen, die entweder auf die seenreiche Gegend oder auf die Herkunft vieler Siedler aus dem mitteldeutschen Seeburg verweisen. Der ermländischen Bischof Hermann von Prag stiftete 1345 den Bau einer Kirche in Seeburg, der etwa zwischen 1360 und 1390 ausgeführt wurde. Es entstand eine dreischiffige Hallenkirche auf einem massiven Feldsteinsockel, die dem Heiligen Bartholomäus geweiht wurde. Um 1370 wurde die Stadt mit einer Wehrmauer aus Feldsteinen versehen.

In den Jahren von 1350 bis 1400 wurde die Burg auf Veranlassung der Bischöfe Johann von Meißen und Johann Stryprock zu einer der stärksten Burgen des Ermlandes ausgebaut. Die Burg diente bis zum 16. Jahrhundert den Landvögten als Sitz, die zugleich auch Oberbefehlshaber der ermländischen Truppen waren. Wegen ihrer militärischen Bedeutung wurde die Burg mit einem Zeughaus versehen und mit Geschützen bestückt. Ihr mehr als 30 Meter hohe Bergfried war der höchste Turm des Bistums, wurde der Burg aber am 7. Juli 1783 zum Verhängnis, als ein Blitz einschlug, der die gesamte Burg in Flammen aufgehen ließ. Der Brand griff auch auf die Stadt über, die dadurch ebenfalls zu großen Teilen zerstört wurde. Die Burg wurde nicht wieder aufgebaut, ihre Steine wurden für den Wiederaufbau der Stadt verwendet. Auf den Fundamenten des Westflügels der Burg errichtete die Stadt 1790 ein neues Rathaus, nachdem das früher auf dem Markt gestandene alte Rathaus schon in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts abgebrannt war und bisher aus Geldmangel nicht wieder aufgebaut werden konnte.

Nach dem dreizehnjährigen Städtekrieg kam das Fürstbistum Ermland, das Teil des Deutschordensstaats gewesen war, und damit auch Seeburg an das autonome Preußen Königlichen Anteils, das sich freiwillig der Oberhoheit der polnischen Krone unterstellt hatte. In dem Bestreben, des autonome Königliche Preußen, das weder vom Heiligen Römischen Reich noch von der Römischen Kurie anerkannt war, möglichst in eine polnische Provinz umzuwandeln, kündigte König Sigismund II. August durch sein staatsstreichartiges Dekret vom 16. März 1569 auf dem Lubliner Reichstag die Autonomie Preußen Königlichen Anteils unter Androhung herber Strafen einseitig auf,[2][3] weshalb die Oberhoheit des polnischen Königs in diesem Teil des ehemaligen Gebiets des Deutschen Ordens von 1569 bis 1772 als Fremdherrschaft empfunden wurde.[4]

Während der Periode der Souveränität des Bistums Ermland war Seeburg zur Verwaltung seiner Region Sitz eines Kammeramtes. Im Rahmen der Wiedervereinigung West- und Ostpreußens 1772 kam Seeburg zu Preußen; die Kammerämter wurden 1818 durch größere Kreise ersetzt, Seeburg verlor seinen Status als Verwaltungszentrale und wurde dem Kreis Rößel zugeordnet. Zu dieser Zeit war Seeburg mit etwa 3.000 Einwohnern die kleinste Stadt des Ermlandes. Wegen der überwiegend katholischen Ausrichtung des Ermlandes war die kleine evangelische Gemeinde erst 1887 in der Lage, ein eigenes Gotteshaus, die Hedwigskirche, zu errichten. Da erst nach 1899 der Anschluss an die Bahnlinie Heilsberg - Rothfließ erfolgte, ging der Aufschwung der Industrialisierung des 19. Jahrhunderts an Seeburg vorbei, und die Stadt verharrte im Zustand einer Ackerbürgerstadt, in der 1910 2.965 Menschen lebten. Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Seeburg eine evangelische Kirche, zwei katholische Kirchen, eine Synagoge, ein altes Schloss, ein Amtsgericht, drei Sägemühlen und eine Ziegelei.[5]

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges gehörte Seeburg zu den Gebieten, für die der Versailler Vertrag eine Volksabstimmung über Zugehörigkeit zu Ostpreußen oder Polen bestimmt hatte. 2.380 Seeburger Einwohner stimmten 1920 für einen Verbleib bei Ostpreußen, Polen erhielt keine Stimme.[6] 1939 hatte sich die Zahl der Einwohner nur gering auf 3.036 erhöht.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Seeburg im Januar 1945 von der Roten Armee besetzt. Dabei wurde die Stadt zur Hälfte zerstört. Im Sommer 1945 wurde Seeburg von der sowjetischen Besatzungsmacht gemäß dem Potsdamer Abkommen zusammen mit der südlichen Hälfte Ostpreußens und ganz Westpreußen vorläufig unter polnische Verwaltung gestellt. Es begann danach die Zuwanderung von Polen, die sich der Häuser und Gehöfte der eingesessenen Stadtbewohner bemächtigten. Die Polen führten für Seeburg die Ortsbezeichnung Jeziorany ein. Soweit die deutschen Einheimischen nicht geflohen waren, wurden sie in der Folgezeit größtenteils von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde aus Seeburg vertrieben.

Demographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1782 1.534 einschließlich der Vorstädte, bei insgesamt 228 Feuerstellen (Haushaltungen)[7]
1802 1.453 [8]
1810 1.134 [8]
1816 1.519 davon 119 Evangelische, 1.333 Katholiken und 67 Juden[8]
1821 1.465 [8]
1831 1.900 [9]
1852 2.389 [10]
1858 2.422 davon 153 Evangelische, 2.206 Katholiken und 63 Juden[11]
1864 2.972 am 3. Dezember[12]
1871 2.916 darunter 160 Evangelische und 70 Juden[13]
1875 2.926 [14]
1880 2.960 [14]
1905 2.955 meist Katholiken [5]
1910 2.965 [15]
1933 3.069 [14]
1939 3.036 [14]

Gmina Jeziorany[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heute ist die Stadt, die nach Übernahme durch die polnische Verwaltung die aus dem deutschen übersetzte Ortsbezeichnung Jeziorany (jezioro = See) erhalten hat, Zentrum der gleichnamigen Stadt- und Landgemeinde, die etwa doppelt so viel Einwohner wie die Stadt hat. Zur Gemeinde gehören die folgenden Ortschaften:

polnischer Name deutscher Name
(bis 1945)
polnischer Name deutscher Name
(bis 1945)
polnischer Name deutscher Name
(bis 1945)
Derc Derz Lekity Lekitten Studzianka Wonneberg
Franknowo Frankenau Miejska Wieś Bürgerdorf Tłokowo Lokau
Jeziorany Seeburg Modliny Modlainen Ustnik Lichtenhagen
Jeziorany-Kolonie Olszewnik Elsau Wilkiejmy Walkeim
Kalis Kunkendorf Pierwągi Porwangen Wójtówko Voigtshof
Kiersztanowo Kirschdorf Piszewo Pissau
1910–1945 Waldensee
Wólka Szlachecka Adlig Wolka
1938-45 Adlig Wolken
Kikity Kekitten Polkajmy Pollkeim
192?-1945 Polkeim
Żardeniki Scharnigk
Kostrzewy Zehnhuben Potryty Potritten Zerbuń Sauerbaum
Kramarzewo Krämersdorf Radostowo Freudenberg
Krokowo Krokau Studnica Schönborn

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Stadt treffen mehrere Woiwodschaftsstraßen zusammen, die sie mit den Nachbarstädten Dobre Miasto (Guttstadt), Lidzbark Warmiński (Heilsberg) und Kętrzyn (Rastenburg) verbinden.

Die Stadt liegt an der Bahnlinie Lidzbark Warminski - Biskupiec (Heilsberg – Bischofsburg).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I: Topographie von Ost-Preussen. Königsberg/Leipzig 1785, S. 22, Ziffer VI, 4).
  • August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Ein Handbuch für die Volksschullehrer der Provinz Preußen, so wie für alle Freunde des Vaterlandes. Gebrüder Bornträger, Königsberg 1835, S. 511, Nr. 105.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. Hans Prutz: Geschichte des Kreises Neustadt in Westpreußen. Danzig 1872, S. 104.
  3. A. Reusch: Westpreussen unter polnischem Scepter. Festrede gehalten am Elbinger Gymnasium am 13. Spt. 1872. In: Altpreußieche Monatsschrift, NF, Band 10, Königsberg 1873, S. 140–154, insbesondere S. 146.
  4. Hans Prutz: Geschichte des Kreises Neustadt in Westpreußen. Danzig 1872, S. 104 ff..
  5. a b Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 18, Leipzig und Wien 1909, S. 251
  6. jeziorany.com (polnisch)
  7. Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I: Topographie von Ost-Preussen. Königsberg/Leipzig 1785, S. 22, Ziffer VI, 4).
  8. a b c d Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 5: T–Z, Halle 1823, S. 378–379, Ziffer 671.
  9. August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Ein Handbuch für die Volksschullehrer der Provinz Preußen, so wie für alle Freunde des Vaterlandes. Gebrüder Bornträger, Königsberg 1835, S. 511, Nr. 105.
  10. Kraatz: Topographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats. Berlin 1856, S. 569.
  11. Adolf Schlott: Topographisch-statistische Uebersicht des Regierungs-Bezirks Königsberg, nach amtlichen Quellen. Hartung, Königsberg 1861, S. 219.
  12. Preußisches Finanzministerium: Die Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Königsberg: Berlin 1966, 19. Kreis Roessel, Seite 18, Ziffer 101.
  13. Gustav Neumann: Geographie des Preußischen Staats. 2. Auflage, Band 2, Berlin 1874, S. 18, Ziffer 12.
  14. a b c d http://www.verwaltungsgeschichte.de/roessel.html#ew33rsslseeburg
  15. http://wiki-de.genealogy.net/Seeburg_(Landkreis_R%C3%B6%C3%9Fel)