Jiříkov

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Jiříkov
Wappen von Jiríkov
Jiříkov (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Ústecký kraj
Bezirk: Děčín
Fläche: 1331,0296[1] ha
Geographische Lage: 51° 0′ N, 14° 34′ OKoordinaten: 50° 59′ 40″ N, 14° 34′ 15″ O
Höhe: 368 m n.m.
Einwohner: 3.640 (1. Jan. 2019)[2]
Postleitzahl: 407 53
Kfz-Kennzeichen: U
Verkehr
Bahnanschluss: Bakov nad Jizerou–Ebersbach
Struktur
Status: Stadt
Ortsteile: 4
Verwaltung
Bürgermeister: Michal Maják (Stand: 2018)
Adresse: Náměstí 464
407 53 Jiříkov
Gemeindenummer: 562581
Website: www.jirikov.cz
Lage von Jiříkov im Bezirk Děčín
Karte

Jiříkov (deutsch Georgswalde) ist eine Stadt im Okres Děčín in Tschechien.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt im nördlichen Böhmen in einem von Hügeln umgebenen flachen Tal auf 368 m n.m. in der Nähe der Grenze zu Sachsen, 5 km nördlich von Rumburk (Rumburg). Sie erstreckt sich entlang des Ritterbaches (Jiříkovský potok) im Böhmischen Niederland und dehnt sich nach Nordosten bis an die Spree aus, die gleichzeitig die Staatsgrenze bildet. Die Katasterfläche beträgt 1331 ha.

Östlich erhebt der 485 m hohe Schlechteberg, nördlich – ebenfalls auf deutschem Gebiet – der Hainberg (400 m).

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Jiříkov gliedert sich in die Ortsteile Filipov (Philippsdorf), Loučné (Wiesenthal), Nový Jiříkov (Neu Georgswalde) und Starý Jiříkov (Alt Georgswalde).[3] Grundsiedlungseinheiten sind Filipov, Jiříkov und Pod Vyhlídkou (Am Butterberg).[4]

Das Gemeindegebiet besteht aus den Katastralbezirken Filipov u Jiříkova und Jiříkov.[5]

Nachbarorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neusalza-Spremberg
Šluknov (Schluckenau) Nachbargemeinden Ebersbach-Neugersdorf
Rumburk (Rumburg)

Direkte Nachbarorte sind Haine im Norden, Spreedorf im Osten, Filipov und Neugersdorf im Südosten, Rumburk im Süden und Království im Westen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtzentrum
Ritterbach (2010)

Die erste urkundliche Erwähnung von Georgswalde erfolgte 1346 in Matrikeln des Bistums Meißen.

1524 hielt die Reformation in dem zur Grundherrschaft Schluckenau gehörigen Dorfe Einzug. Die Protestanten hatten hier ein hölzernes Bethaus.[6] Als Folge der Rekatholisierung wanderten ab 1620 viele Familien in die umliegenden Dörfer der Oberlausitz aus. 1725 erbaute Gräfin Ernestine von Harrach die schöne Pfarrkirche St. Georg.[6] Neben der Landwirtschaft ernährte die Leinenweberei die Bewohner des Dorfes, das 1756 durch Kaiserin Maria Theresia zum Marktflecken erhoben wurde.[6]

Im 19. Jahrhundert wandelte sich mit dem Beginn der Industrialisierung das Ortsbild. 1807 entstand die erste Baumwollspinnerei, der später noch zwei weitere, eine Webstuhlfabrik und Holzwarenfabriken folgten. Zusammen mit Rumburg wurde Georgswalde zum Zentrum der nordböhmischen Textilindustrie. 1873 wurde der Eisenbahnverkehr von Rumburg nach Ebersbach/Sa. durch die Böhmische Nordbahn aufgenommen. Mit dieser nun durchgehenden Verbindung von Prag, welche die einzige Bahnlinie nach Sachsen über das Lausitzer Gebirge darstellt, bot der Marktflecken an der Grenze ideale Voraussetzungen für weitere Industrieansiedlungen. Es entstand eine Eisengießerei, Maschinenbaufabrik und auch der sächsische Klavierhersteller August Förster errichtete 1900 ein Zweigwerk. 1890 lebten in Alt Georgswalde 5.808 Einwohner, zusammen mit den Ortsteilen Neu Georgswalde, Philippsdorf und Wiesenthal waren es insgesamt 8.754. 1897 wurde Philippsdorf eine selbstständige Gemeinde im Gerichtsbezirk Schluckenau.

1914 wurden Georgswalde, dessen Einwohnerzahl auf 10.084 angewachsen war, durch Franz Joseph I. die Stadtrechte verliehen.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Georgswalde der neu geschaffenen Tschechoslowakei zugeschlagen. Nach dem Münchner Abkommen gehörte Georgswalde von 1938 bis 1945 zum Landkreis Rumburg, Regierungsbezirk Aussig, im Reichsgau Sudetenland des Deutschen Reichs.

Vertreibung der deutschsprachigen Einwohner: Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die deutschsprachige Bevölkerung von Georgswalde vertrieben. Ihr Vermögen durch das Beneš-Dekret 108 konfisziert und die katholischen Kirchen in der Tschechoslowakei enteignet. Seitens der Tschechischen Republik erfolgte keine Abgeltung für das eingezogene Vermögen.

Nach der Samtenen Revolution erfolgte ein Wandel in der ökonomischen Struktur, und es siedelten sich Dienstleistungs- und Handelsunternehmen an. Heute lebt in der Stadt eine große Bevölkerungsgruppe der Roma, deren Anteil im Vergleich zur übrigen Bevölkerung wächst. Hierbei kam es wiederholt zu Konflikten.[7]

In der Stadt besteht ein Eisenbahngrenzübergang nach Ebersbach Für Pkw besitzt der Ort zwei Grenzübergänge nach Neugersdorf (Hauptstraße und Rudolf-Breitscheid-Straße) sowie einen nach Ebersbach (Bahnhofstraße).

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 1945 war Georgswalde überwiegend von Deutschböhmen besiedelt, die vertrieben wurden.

Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1830 4499 in 805 Häusern[6][8]
1890 5808
1900 7900 davon 7890 (99 %) Deutsche und zehn Tschechen,[9] nach anderen Angaben 8132 deutsche Einwohner[10]
1921 7482 davon 7095 (95 %) Deutsche[11]
1930 7970 davon 257 (3 %) Tschechen[12][13]
1939 7683 [13]
Einwohnerzahlen seit Ende des Zweiten Weltkriegs[14]
Jahr 1970 1980 1991 2001 2003
Einwohner 3945 3905 3638 3920 3926

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • DeutschlandDeutschland Ebersbach/Sa., Deutschland
  • Jiřikov (Georgswalde) ist zugleich Mitglied des grenzüberschreitenden kommunalen Verbundes Fünfgemeinde, der durch die Bürgermeister von fünf Städten und Gemeinden beiderseits der deutsch-tschechischen Grenze am 19. Oktober 2000 in Šluknov (Schluckenau) ins Leben gerufen wurde. Im Verbund der Kommunen in der Grenzregion Südliche Oberlausitz/Schluckenauer Zipfel vereinigten sich seinerzeit Neusalza-Spremberg, das damals noch selbständige Friedersdorf und Oppach von deutscher sowie Šluknov und Jiříkov von tschechischer Seite. Am 10. Mai 2008 fand die Gemeinde Sohland (Spree) Aufnahme in die Fünfgemeinde und am 4. November 2011 die Doppelstadt Ebersbach-Neugersdorf.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Altböhmischer Jahrmarkt
  • Kirmes in Filipov

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eduard Kindermann (1870–1945), Krippenbauer und Kirchenmaler
  • Joseph A. Ruprecht (1895–1971), Komponist und Kirchenmusiker
  • Karl Holfeld (1921–2009), Maler und Graphiker
  • Kordula Karolina Ulbrich, zwischen 1874 und 1882 Äbtissin in St. Marienstern

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Jiříkov (Děčín District) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Obec Jiříkov: podrobné informace. In: Územně identifikační registr ČR. Abgerufen am 1. September 2014 (tschechisch).
  2. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2019 (PDF; 0,8 MiB)
  3. Části obcí. In: Územně identifikační registr ČR. Abgerufen am 1. September 2014 (tschechisch).
  4. Základní sídelní jednotky. In: Územně identifikační registr ČR. Abgerufen am 1. September 2014 (tschechisch).
  5. Katastrální území. In: Územně identifikační registr ČR. Abgerufen am 1. September 2014 (tschechisch).
  6. a b c d Johann Gottfried Sommer: Das Königreich Böhmen. Band 1: Leitmeritzer Kreis, Prag 1833, S. 274–275, Ziffer 14).
  7. Karl-Peter Schwarz: Roma in Tschechien: Zwist im Zipfel, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 1. September 2011.
  8. Jahrbücher des böhmischen Museums für Natur- und Länderkunde, Geschichte, Kunst und Literatur. Band 2, Prag 1831, S. 197, Ziffer 5) unten.
  9. Gemeindelexikon der im Reichsrate vertretenen Königreich und Länder. Bearbeitet auf Grund der Ergebnisse der Volkszählung vom 31. Dezember 1900. IX Böhmen (Wien 1904) S. 754.
  10. Meyers Großes Konversations-Lexikon 6. Auflage, Band, Leipzig und Wien 1909, Seite 617.
  11. Ernst Pfohl: Ortslexikon Sudetenland. Seite 142. Helmut Preußler Verlag-Nürnberg.1987. ISBN 3-925362-47-9
  12. Rudolf Hemmerle: Sudetenland Lexikon Band 4, Seite 163. Adam Kraft Verlag, 1985. ISBN 3-8083-1163-0.
  13. a b Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Landkreis Rumburg. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  14. Czeski Urząd Statystyczny