Jill Stein

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Jill Stein (2016)

Jill Ellen Stein (* 14. Mai 1950 in Chicago, Illinois) ist eine US-amerikanische Ärztin und Politikerin. Sie kandidierte erstmals 2012 für die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten und wurde als Kandidatin der Green Party 2016 erneut für die Präsidentschaftswahl nominiert.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herkunft und Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stein wurde in eine progressiv-jüdische Familie in Chicago geboren. Ihre Vorfahren väterlicher- und mütterlicherseits waren aufgrund von judenfeindlichen Pogromen im zaristischen Russland in die USA geflohen. Sie wuchs in Highland Park auf und besuchte anschließend das Harvard College und die Harvard Medical School. Letztere schloss sie 1979 mit der Note magna cum laude ab.[2]

Politische Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stein kandidierte mehrfach für die in Massachusetts ansässige Green-Rainbow Party. So trat sie 2002 bei der Wahl um das Amt des Gouverneurs von Massachusetts gegen Mitt Romney an und sie kandidierte 2004 für einen Sitz im Repräsentantenhaus von Massachusetts sowie zwei Jahre später für das Amt des Secretary of the Commonwealth. 2010 kandidierte sie zum zweiten Mal für das Amt des Gouverneurs, unterlag jedoch erneut, diesmal dem demokratischen Amtsinhaber Deval Patrick.[3]

2012 wurde sie von der Green Party of the United States als Präsidentschaftskandidatin aufgestellt. Vizepräsidentschaftskandidatin war Cheri Honkala. Bei ihrem Versuch, an der zweiten Fernsehdebatte zwischen Barack Obama und Mitt Romney teilzunehmen, wurde sie am 16. Oktober 2012 verhaftet mit der Begründung, sie habe vor dem Gebäude den Verkehr blockiert.[4]

Im Februar 2015 gab Stein bekannt, dass sie 2016 erneut für das Präsidentenamt der USA antreten will.[5] Ihr Running Mate wurde diesmal Ajamu Baraka.

Im September 2016 besuchte Stein die Protestbewegung gegen die Dakota Access Pipeline bei Standing Rock. Am 6. September 2016 wurde ein Video veröffentlicht, das Jill Stein dabei zeigt, wie sie eine politische Botschaft auf einen der Bulldozer sprüht. Daraufhin erließ das Morton County Sheriff's Department in North Dakota einen Haftbefehl gegen sie.[6]

Bei der Präsidentschaftswahl vom 8. November 2016 erhielt sie zusammen mit ihrem running mate Ajamu Baraka nach vorläufigen Angaben etwa 1,4 Millionen Stimmen (Anteil: 1,04 %). Ende des Monats beantragte Stein eine offizielle Nachzählung der Stimmen im Bundesstaat Wisconsin. Computer-Experten hatten die dort verwendeten Wahlautomaten kritisiert, sie seien äußerst anfällig für Hackerangriffe (in anderen Bundesstaaten wie z. B. in Kalifornien dürfen Wahlautomaten nicht benutzt werden). Die unterlegene Hillary Clinton hatte im Vergleich zum republikanischen Wahlsieger Donald Trump in Stimmbezirken, in denen Wahlmaschinen benutzt wurden, signifikant schlechter abgeschnitten als in Wahllokalen, in denen handgeschriebene Stimmzettel verwendet wurden. Eine Neuauszählung muss nun bis zum 13. Dezember 2016 erfolgen.[7] Stein will auch in den Staaten Pennsylvania und Michigan Anträge für Neuauszählungen stellen. Finanziert hat sie die Anfechtung über Spendengelder im Internet.[8]

Privatleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stein ist mit dem Arzt Richard Rohrer verheiratet. Das Paar hat zwei Söhne, Ben und Noah, und lebt in Lexington. Sie bezeichnet sich selbst als Agnostikerin.

Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jill Stein kritisiert das Zweiparteiensystem in den USA als undemokratisch. Durch den Ausschluss aus Debatten und Medienberichten würden oppositionelle Stimmen und Parteien schon im Vorhinein eliminiert.[9]

Stein setzt sich außerdem für eine umweltfreundlichere Politik ein und will erneuerbare Energien in den USA ausbauen. Sie bestreitet, dass eine Reform des Energiesystems Arbeitsplätze zerstören und der Wirtschaft schaden würde.[10] Sie will Energiegewinnung aus Fracking, Ölsand, Offshore-Bohrungen beenden und Uran-Minen stilllegen.

Des Weiteren setzt sie sich für eine starke Mittelklasse ein. Dazu möchte sie ein „Recht auf Arbeit“ einführen, das einen Mindestlohn von 15 Dollar pro Stunde einschließt.[11] Sie sieht kontinuierliche Bildung als Schlüssel zu einer beruflich erfolgreichen Nation und will deswegen, ähnlich wie Bernie Sanders, Bildung an Universitäten kostenlos anbieten und Studentenkredite („student debts“) abschaffen.[12]

Stein setzt sich für die Legalisierung von Marihuana ein, ebenso für den Schutz von Minderheiten wie LGBT-Menschen und indigene Völker.[11]

Innenpolitisch fordert sie, „nicht-verfassungskonforme Spionage und Überwachung“ wie auch die Verfolgung von Whistleblowern einzustellen. Sie will das Gefangenenlager Guantanamo schließen lassen. Außerdem soll die Polizei „demilitarisiert“ werden; unabhängige Ermittler sollten sich nachhaltig mit dem Problem Polizeigewalt befassen.[11]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Jill Stein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jessica Taylor: Green Party Officially Nominates Jill Stein. National Public Radio, 7. August 2016, abgerufen am 8. August 2016 (englisch).
  2. Who Is Jill Stein Anyway? Green Party Candidate Discusses Her Background, 12. Oktober 2012, Forbes, abgerufen am 9. Juni 2016.
  3. Stein to jump into gov race with Green-Rainbow bid, 7. Januar 2010, Boston Herald
  4. http://www.politico.com/news/stories/1012/82490.html
  5. Green Party candidate Jill Stein considers a second run for president - The Boston Globe. Abgerufen am 16. Juni 2015.
  6. A history of Native Americans protesting the Dakota Access Pipeline. Abgerufen am 10. September 2016.
  7. tagesschau.de. „US-Wahl: In Wisconsin wird nachgezählt“. tagesschau.de, Zugriff 26. November 2016. https://www.tagesschau.de/ausland/uswahl-neuauszaehlung-101.html.
  8. tagesschau.de. „US-Wahl: Grüne fordert Neuauszählung in drei Staaten“. tagesschau.de, Zugriff 26. November 2016. https://www.tagesschau.de/ausland/jill-stein-103.html.
  9. AJ+: Jill Stein: The Two-Party System Is Broken. 23. Mai 2016, abgerufen am 6. August 2016.
  10. Politicks.org: Jill Stein | Presumptive 2016 Green Party Presidential Nominee. In: 2016.presidential-candidates.org. Abgerufen am 6. August 2016.
  11. a b c Power to the People Plan. Abgerufen am 7. August 2016.
  12. Jill Stein for President Booster Club: Jill Stein Interview With Fox Business News Panel. 7. Juli 2016, abgerufen am 7. August 2016.