Jindřichovice

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Jindřichovice
Wappen von Jindřichovice
Jindřichovice (Tschechien)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Karlovarský kraj
Bezirk: Sokolov
Fläche: 4439,689[1] ha
Geographische Lage: 50° 17′ N, 12° 36′ OKoordinaten: 50° 16′ 57″ N, 12° 36′ 8″ O
Höhe: 646 m n.m.
Einwohner: 478 (1. Jan. 2017)[2]
Postleitzahl: 357 04 bis 357 05
Kfz-Kennzeichen: K
Verkehr
Straße: Sokolov - Kraslice
Struktur
Status: Gemeinde
Ortsteile: 2
Verwaltung
Bürgermeister: Martina Majdáková (Stand: 2016)
Adresse: Jindřichovice 232
358 01 Kraslice
Gemeindenummer: 560413
Website: www.obecjindrichovice.cz
Lage von Jindřichovice im Bezirk Sokolov
Karte

Jindřichovice (deutsch Heinrichsgrün) ist eine ehemalige Bergstadt im westlichen Erzgebirge im Karlovarský kraj in Tschechien.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jindřichovice liegt zwischen 640 und 700 m auf einer Hochfläche des Nejdecka vrchovina (Neudecker Bergland), das den Südwestteil des Westerzgebirges bildet. Nachbarorte sind im Südwesten Oloví, im Nordwesten Rotava und im Norden Šindelová. Im Süden sind die Abraumhalden des Braunkohletagebaus im Falkenauer Becken bei Dolní Nivy etwa fünf Kilometer entfernt.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Jindřichovice besteht aus den Ortsteilen Háj (Silbersgrün) und Jindřichovice (Heinrichsgrün).[3] Grundsiedlungseinheiten sind Háj, Heřmanov (Hermannsgrün), Hradecká (Scheft), Jindřichovice, Loučná (Waitzengrün), Mezihorská (Kührberg), Poušť (Oed), Rác und Stará (Altengrün).[4] Zu Jindřichovice gehört außerdem die Einschicht Smrčina (Kronesberg).

Das Gemeindegebiet gliedert sich in die Katastralbezirke Háj u Jindřichovic, Heřmanov v Krušných horách, Hradecká, Jindřichovice v Krušných horách, Loučná v Krušných horách, Mezihorská, Poušť und Stará.[5]

Nachbarorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rotava (Rothau) Šindelová (Schindlwald)
Oloví (Bleistadt) Nachbargemeinden Nejdek (Neudek), Černava (Schwarzenbach)
Dolní Nivy (Unterneugrün) Tatrovice (Dotterwies)

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ersterwähnung von Heinrichsgrün erfolgte 1273 in einem Schriftstück von Papst Gregor X. Der Ort gehörte damals zur Grundherrschaft des Klosters Tepl. Von 1434 bis 1672 war Heinrichsgrün im Besitz der Grafen Schlick, unter denen der Ort wie das benachbarte Sankt Joachimsthal zu einer wirtschaftlichen Blüte kam. Zinn, Eisenerz, Blei und Silber wurden abgebaut. Im Jahre 1537 erhielt Heinrichsgrün die Stadtprivilegien, bereits 1518 ein Rathaus, 1537 eine Brauerei und 1592 eine Schule.

Im Jahre 1627 mussten die Schlick den Besitz an Otto von Nostitz verkaufen. Dessen Nachkomme Friedrich Nostitz-Rieneck (1893–1973), verehelicht mit Sophie Nostitz-Rieneck, geborene Fürstin von Hohenberg aus dem Hause Habsburg war bis 1945 Eigentümer des Ortes, sie lebten nach der Vertreibung in Salzburg-Aigen.[6]

Mausoleum der Kriegsgefangenen

Während des Ersten Weltkrieges errichtete 1915 die k.u.k. Monarchie ein Gefangenenlager, hauptsächlich für serbische, russische und italienische Gefangene, in der Nähe von Heinrichsgrün. Etwa 28.000 Gefangene mussten in den Eisen- und Bergbaubetrieben, besonders in Rothau und Chodau, arbeiten. Viele von ihnen starben vor Hunger, Erschöpfung und wegen der schlechten Hygiene auch an Epidemien. Sie wurden zunächst in der Nähe des Lagers, teils in Massengräbern, begraben. Nach Kriegsende ließ die damalige jugoslawische Regierung ein von den Gefangenen gebautes Wasserwerk zu einem Mausoleum umbauen. Die meisten der Gebeine wurden exhumiert und dort beigesetzt. Heute befindet sich dort eine Gedenkstätte.

Nach dem Münchner Abkommen wurde der Ort dem Deutschen Reich zugeschlagen und gehörte bis 1945 zum Landkreis Graslitz.

Entwicklung der Einwohnerzahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohnerzahl[7]
1869 1.811
1880 1.809
1890 1.745
1900 1.796
1910 1.911
Jahr Einwohnerzahl
1921 1.726
1930 1.804
1950 617
19611 779
19701 551
Jahr Einwohnerzahl
19801 394
19911 318
20011 386
20111 472
1 Jindřichovice mit Háj, Heřmanov, Hradecká, Loučná, Mezihorská, Poušť und Stará

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick zur St. Martinskirche
  • Schloss, 1672 von Johann Hartwig von Nostitz als Ersatz für die alte Schlick-Festung erbaut. Es wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts pseudogotisch umgebaut und ist Sitz des Bezirksachivs Sokolov (Státní Okresní Archiv Sokolov)
  • Mausoleum für ehemalige Kriegsgefangene des Ersten Weltkrieges. Im Mausoleum ruhen die sterblichen Überreste von 189 Russen und annähernd 7100 Serben.
  • St. Martinskirche, ein Bau aus dem Jahre 1803 mit interessantem achteckigen Turm.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Personen mit Bezug zu Heinrichsgrün[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hermann Brandl: Festschrift zur 400 Jahrfeier der Stadt Heinrichsgrün. Stadtgemeinde Heinrichsgrün, Heinrichsgrün 1937.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Jindřichovice – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.uir.cz/obec/560413/Jindrichovice
  2. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2017 (PDF; 371 KiB)
  3. http://www.uir.cz/casti-obce-obec/560413/Obec-Jindrichovice
  4. http://www.uir.cz/zsj-obec/560413/Obec-Jindrichovice
  5. http://www.uir.cz/katastralni-uzemi-obec/560413/Obec-Jindrichovice
  6. Josef Weinmann: Egerländer Biografisches Lexikon. Mit ausgewählten Personen aus dem ehemaligen Regierungsbezirk Eger. Band 2: N – Z. Weinmann, Männedorf/ZH 1987, ISBN 3-922808-12-3, S. 24; Graslitzer Nachrichten. 1, 1974, ZDB-ID 958738-x.
  7. Historický lexikon obcí České republiky - 1869-2015. Český statistický úřad, 18. Dezember 2015; abgerufen am 14. Februar 2016 (PDF, tschechisch).