Jirkov

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Jirkov
Wappen von Jirkov
Jirkov (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Ústecký kraj
Bezirk: Chomutov
Fläche: 1712,7713[1] ha
Geographische Lage: 50° 30′ N, 13° 27′ OKoordinaten: 50° 30′ 1″ N, 13° 26′ 31″ O
Höhe: 305 m n.m.
Einwohner: 19.595 (1. Jan. 2017)[2]
Postleitzahl: 431 11 – 431 21
Kfz-Kennzeichen: U
Verkehr
Bahnanschluss: Ústí nad Labem–Chomutov
Chomutov–Jirkov
Struktur
Status: Stadt
Ortsteile: 5
Verwaltung
Bürgermeister: Radek Štejnar (Stand: 2007)
Adresse: nám. Dr. E. Beneše 1
431 11 Jirkov 1
Gemeindenummer: 563099
Website: www.jirkov.cz
Lage von Jirkov im Bezirk Chomutov
Karte

Jirkov (deutsch Görkau) ist eine Stadt in unmittelbarer Nähe der Bezirksstadt Chomutov (Komotau) in der Tschechischen Republik.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Jirkov liegt in einer Höhe von 300 Metern ü. M. am Fuß des Erzgebirges im südwestlichen Teil des Braunkohlebeckens von Most. Jirkov berührt im Süden direkt die Bezirksstadt Chomutov. Durch den Ort fließt die Bílina.

Unweit des Orts verläuft die Eisenbahnlinie von Chomutov nach Děčín (Tetschen) bzw. Ústí nad Labem (Aussig). Östlich der Stadt liegen die Stauseen Újezd und Zaječice.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt entstand als Vorburg der Wachtburg Borek, heute Červený Hrádek, am ehemaligen Landessteg namens Meißener Landestor, der von Obersachsen („Mark Meißen“) über Görkau und Laun (Louny) bis nach Prag führte. Die Stadt wurde 1296 zur Regierungszeit Přemysl Ottokar II. gegründet.

Wilhelm von Illburg verlieh dem Ort 1443 zahlreiche Rechte. 1455 wurde Jirkov zur Stadt erhoben, nach anderen Quellen verlieh erst König Wladislaw II. von Böhmen im Jahre 1507 das Stadtrecht. 1516 erhielt Sebastian von Weitmühl durch Heirat das Anwesen mit umliegenden Ländereien. Der anschließend einsetzende Bau der Stadtbefestigung wurde 1590 beendet. 1531 und 1582 suchten die Pestepidemien die Stadt heim. Not und Leid trafen Jirkov nach der Niederlage am Weißen Berg 1620, da die Besitzer der Stadt, die Herren von Rothenhaus, auf der Seite der Verlierer gekämpft hatten. Die neuen Eigentümer hoben alle Rechte auf und zwangen die Einwohner zur Annahme des katholischen Glaubens. Im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges wurde Görkau mehrmals gebrandschatzt und ausgeplündert.

Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts gehörte die Gemeinde zum Bezirk Komotau und war Sitz eines Bezirksgerichts im Gerichtsbezirk Görkau.

Eine der Nachfolgestaaten Österreich-Ungarns nach dem Ersten Weltkrieg, 1914–1918, war die Tschechoslowakei, die jene deutschsprachigen Gebiete Böhmens, Mährens und Schlesiens für sich beanspruchte, die seit Ende 1918 als Deutschösterreich (später Österreich) galten. Der Vertrag von Saint-Germain [3] sprach die strittigen Territorien gegen den Willen der deutschen Bevölkerung der Tschechoslowakei zu. Damit fiel auch Görkau, deren 5.830 Einwohner 1921 zu 94 % der deutschen Volksgruppe angehörten, an den neuen Staat.[4] Maßnahmen in der Zwischenkriegszeit wie die Bodenreform 1919, die Sprachenverordnung 1926, die Neuansiedlungen sowie Neubesetzungen von Beamtenposten durch Personen der tschechischen Volksgruppe führten in Gurkau, aber auch allgemein im Lande zu Spannungen und zur sogenannten Sudetenkrise. Ab 1933 begann die Sudetendeutsche Heimatfront (seit 1935 Sudetendeutsche Partei) unter Leitung von Konrad Henlein verstärkt in der Stadt zu agieren, bis sie ihr Ziel, die Angliederung des Sudetenlandes an das Deutsche Reich 1933 bis 1945 im Münchner Abkommen[5] erreichte.

Vertreibung der deutschsprachigen Einwohner

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, kamen die im Münchener Abkommen abgetretenen Territorien wieder an die Tschechoslowakei zurück und die deutschsprachige Bevölkerung von Görkau wurde vertrieben. Ihr Vermögen durch das Beneš-Dekret 108 konfisziert und die katholischen Kirchen von Görkau in der Tschechoslowakei enteignet. Seitens der Tschechischen Republik erfolgte keine Abgeltung für das eingezogene Vermögen.

Nach der Vertreibung der deutschböhmischen Bewohner, erfolgte die Besiedlung der Stadt mit tschechischer Bevölkerung. 2002 lebten in der Stadt 21.006 Einwohner.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem 16. Jahrhundert war Jirkov eine bedeutende Stadt des Bergbaus und des Handwerks. Es besaß auch eine eigene Brauerei. Zum Ende des 18. Jahrhunderts erlebte die Stadt einen weiteren Aufschwung. Heinrich von Rottenhan erwarb sich dabei besonders großen Verdienst um die Entfaltung der Industrie (Weberei, Kattunfabrik, Eisenhütten). Im 20. Jahrhundert kamen weitere Zechen, ein Elektrizitätswerk und ein Rohrwalzwerk hinzu.

Der Öffentliche Personennahverkehr wird durch die Dopravní podnik měst Chomutova a Jirkova betrieben.

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Jirkov besteht aus den Ortsteilen Březenec (Pirken), Červený Hrádek (Rothenhaus), Jindřišská (Hannersdorf), Jirkov (Görkau) und Vinařice (Weingarten).[6] Grundsiedlungseinheiten sind Březenec, Březový vrch, Červený Hrádek, Jindřišská, Jirkov-střed, Kozí hřbet, Nové Ervěnice, Nové Vinařice-jih, Nové Vinařice-sever, Nový Březenec, Nový Březenec-západ, Osada, Pod Vinařicemi, Staré Vinařice, U Mlýnského rybníka, Údolí Bíliny, Za nádražím und Zátiší.[7]

Das Gemeindegebiet gliedert sich in die Katastralbezirke Březenec, Červený Hrádek u Jirkova, Jindřišská und Jirkov.[8]

Stadt Jirkov – Ansicht von Stadtturm (2011)

Partnerstädte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St.-Ägidius-Kirche und Stadtturm
  • Marienkapelle (Staré Vinařice), erbaut 1767–1773
  • Zierbrunnen aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts
  • Rathaus, ursprünglich Renaissancebau, umgebaut nach dem Jahre 1840
  • Statue des hl. Johann von Nepomuk, von Johann Brokoff aus dem Jahr 1708
  • Dechanatskirche zum hl. Ägidius – ursprüngliche Kirche aus der Zeit um das Jahr 1300, im Jahre 1538 umgebaut
  • Stadtturm, in den Jahren 1540–1545 an die St.-Ägidius-Kirche angebaut
  • Pestsäule mit Pietà, von Johann Brokoff, nach dem Jahre 1695
  • Ehemalige Synagoge, erbaut 1846/47

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ernst Hennrich: Die Entwicklung der Industrie in Görkau. In: Erzgebirgs-Zeitung, 45. Jahrgang, 1924, S. 104–106; 129–130. (Digitalisat)
  • Rudolf Pensler: Geschichte der Stadt Görkau und des Schlosses Rothenhaus. 1928. Hrsg.: Hans Hujer, Darmstadt 1989
  • Konrad Badenheuer: Die Sudetendeutschen. Eine Volksgruppe in Europa. Sudetendeutscher Rat, München 2007, ISBN 978-3-00-021603-9.
  • Jan Šícha, Eva Habel, Peter Liebald, Gudrun Heissig: Odsun. Die Vertreibung der Sudetendeutschen. Dokumentation zu Ursachen, Planung und Realisierung einer „ethnischen Säuberung“ in der Mitte Europas 1945/46. Sudetendeutsches Archiv, München 1995, ISBN 3-930626-08-X.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Jirkov – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.uir.cz/obec/563099/Jirkov
  2. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2017 (PDF; 371 KiB)
  3. Felix Ermacora: Der unbewältigte Friede: St. Germain und die Folgen; 1919 -1989 , Amalthea Verlag, Wien, München, 1989, ISBN 3-85002-279-X
  4. Ernst Pfohl: Ortslexikon Sudetenland. Seite 146. Helmut Preußler Verlag-Nürnberg.1987. ISBN 3-925362-47-9
  5. O. Kimminich: Die Beurteilung des Münchner Abkommens im Prager Vertrag und in der dazu veröffentlichten völkerrechtswissenschaftlichen Literatur, München 1988
  6. http://www.uir.cz/casti-obce-obec/563099/Obec-Jirkov
  7. http://www.uir.cz/zsj-obec/563099/Obec-Jirkov
  8. http://www.uir.cz/katastralni-uzemi-obec/563099/Obec-Jirkov